Archive for the ‘Westfalen’ Category

Münster-Mauritz: Bombenentschärfung und Evakuierung glücklich geendet

September 20, 2020
Barbara Bremmer

Feuerwerkerin Barbara Bremmer, OB Markus Lewe und Ordnungsdezernent Wolfgang Heuer mit den entschärften Bomben. Foto: Presseamt Münster

Münster (SMS) Die Groß-Evakuierung in Münster konnte am Sonntag schneller als gedacht beendet werden. Schon um etwa  12.30 Uhr, weniger als fünf Stunden nach Beginn der Evakuierung, meldeten die fünf Teams des Kampfmittelbeseitigungsdienstes Westfalen-Lippe die erfolgreiche Entschärfung der letzten Fliegerbombe in der Nähe des Anne-Frank-Berufskollegs. Schon gegen 13 Uhr durften die Münsteranerinnen und Münsteraner wieder in ihre Häuser zurück.
Bei einer der größten Evakuierungen in der Geschichte des Landes sind am Wochenende in Münster 16.000 Menschen aus dem Stadtteil Mauritz evakuiert worden. Von den Maßnahmen betroffen waren unter anderem auch mehrere Senioreneinrichtungen und das St. Franziskus-Hospital. Die  Kampfmittel-Experten mussten insgesamt fünf Verdachtsstellen auf so genannte Blindgänger abklären. Bei der Freilegung stellten sich drei der fünf Verdachtspunkte als harmlos heraus. Bleche und andere Gegenstände im Erdreich hatten dort einen falschen Alarm ausgelöst.
Sowohl der Verdachtspunkt im Bereich Mauritzschule/Stiftstraße sowie der Verdachtspunkt im Bereich des Anne-Frank-Berufskollegs erwiesen sich aber als tatsächlich gefährlich. Zunächst entschärften die Experten eine 125-Kilogramm-Bombe an der Mauritzschule und  danach eine 250-Kilogramm-Bombe in der Nähe des Anne-Frank-Berufskollegs. Beide Bomben sind amerikanischen Ursprungs und wurden während des zweiten Weltkrieges über  Münster abgeworfen.
„Ich möchte den mutigen Frauen und Männern vom Kampfmittelbeseitigungsdienst meinen tiefen Dank aussprechen“, sagte Oberbürgermeister Markus Lewe, der die Evakuierungsmaßnahme von den frühen Morgenstunden an begleitet hatte und die ganze Zeit über in ständigem Kontakt mit der Feuerwehreinsatzleitung stand. „So glücklich dieser Tag heute auch endet, so deutlich macht er aber auch, wie sehr uns die Folgen des Krieges auch nach über 70 Jahren noch belasten.“ Ebenso dankte Lewe den über 1000 freiwilligen Helferinnen und Helfern der  Freiwilligen Feuerwehr, des Technischen Hilfswerkes und anderer Hilfsorganisationen, die den Einsatz zusammen mit den hauptberuflichen Kräften der Feuerwehr, der Polizei und der Stadtverwaltung vorbereitet und begleitet haben. “
Als besondere Schwierigkeit bei der Entschärfung der 250-Kilo-Bombe im Bereich des Berufskollegs erwies sich eine doppelte Zünder-Struktur: Der Sprengkörper hatte je einen Zünder an der Kopf- wie an der Fußseite. Beide mussten entfernt werden. Diese  lebensgefährliche Aufgabe hatte am Sonntag die Feuerwerkerin Barbara Bremmer übernommen. Lewe sagte ihr und ihren Kollegen: „Viel gefährlichere Berufe kann es kaum geben. Sie haben der Stadt ein Stück Sicherheit zurückgegeben. Danke, dass wir uns auf Sie verlassen durften.“

Münster: Aus Kasernen werden nachhaltige Stadtquartiere

September 13, 2020

Münster (SMS) Der Aufsichtsrat der städtischen Entwicklungsgesellschaft KonvOY hat gestern (Donnerstag, 10. September) wichtige Weichen für die neuen Stadtquartiere gestellt, die auf den ehemaligen Kasernenflächen York (Gremmendorf) und Oxford (Gievenbeck) entstehen und zu einem Bevölkerungswachstum von rund 10 000 Menschen führen sollen. Zu entscheiden war, welche Bewerber zwei Grundstücksflächen auf den beiden Arealen erwerben dürfen – den Ausschlag gaben die besten Konzepte für die angestrebte Mischung aus Wohnen, Arbeiten und Gemeinschaftseinrichtungen.
Stadtbaurat Robin Denstorff ist überzeugt, dass die Zukunft der Quartiere mit diesen Planungen auf große Akzeptanz stoßen werden. Denstorff: „Die ausgewählten Konzepte werden unserem hohen Qualitätsanspruch an die neuen Quartiere absolut gerecht, insbesondere auch, weil mit diesen Planungen die Stadtteile insgesamt aufgewertet werden.“

Ergänzende Nutzungen im Gremmendorfer Stadtteilzentrum
Den Zuschlag für ein knapp 10 000 Quadratmeter großes Baufeld im York-Quartier bekam die Saarbrücker RVI GmbH mit ihren Architekturbüros ASTOC und Lorber Paul aus Köln. Deren Konzept sieht auf der Fläche sechs größere Gebäude vor. Vom Albersloher Weg aus werden hiervon künftig zwei Gebäude mit Klinkerfassade zu sehen sein. Die Erdgeschosse sind für medizinische Einrichtungen wie Arztpraxen und moderne Büros (Co-Working-Spaces) gedacht. Die Obergeschosse sollen Büroflächen anbieten. Die zum Gelände der Wohn + Stadtbau zugewandten vier Gebäude sind ausschließlich für die insgesamt 98 Wohnungen vorgesehen. Der besondere Clou: die Baukörper stehen so zueinander, dass ein Durchgang zwischen dem Quartier und dem Stadtteilzentrum Gremmendorf entsteht.

 

Oxford-Quartier

Grüner Weiler – Innenhof. Blickrichtung West. Quelle: Brewe und Merz/nightnurse – KonvOY

Neue Angebote für Wohnen in Gemeinschaft in Gievenbeck
Im Gievenbecker Oxford-Quartier war das Baufeld „Wohnen in Gemeinschaft“ ausgeschrieben, das auf die Vergabe an Baugruppen wie Wohnungsgenossenschaften abzielte. Ebenfalls einstimmig fiel die Wahl auf ein Konzept der Wohnungsgenossenschaft „Grüner Weiler eG“. Das Baufeld wird künftig durch drei Baukörper geprägt: einen so genannten Punktbau am späteren Zentral-Boulevard mit öffentlichen und gemeinschaftlichen Einrichtungen (u.a. eine „Velo-Halle“), einen „Riegelbau“ und einen „Winkelbau“, die gemeinsam einen Wohnhof umfassen. Durch diesen Innenhof entsteht durch seine multifunktionale Bespielung eine besondere Qualität im Wohnumfeld. Neben vielen sozialen, gemeinschaftlichen und inklusiven Aspekten unterscheidet sich das Konzept von austauschbaren Standard-Lösungen mit einem besonders anspruchsvollen Nachhaltigkeitskonzept: Die Zahl der Pkw-Stellplätze wird bewusst zugunsten hervorragender Bedingungen für das Fahrrad reduziert. Die Fassaden werden durch hochmoderne Photovoltaik-Elemente aufgelockert, und beim Bau der Gebäude in Massivholz- und Holzhybrid-Bauweise sollen vor allem nachhaltige Baustoffe eingesetzt werden. Denstorff: „Das Konzept von den Architekten Brewe und Merz ist maßgeschneidert. Die Architektur sieht 104 Wohnungen in sehr vielen Varianten vor, die der demographischen Entwicklung und auch den Mobilitätspräferenzen der Menschen in Münster in besonderer Weise entgegen kommt.“

Kasernen öffnen sich wieder für die Öffentlichkeit
Die beiden Quartiere sollen nach großen Fortschritten auf der Baustelle auch wieder stärker für die Öffentlichkeit sichtbar werden. „Wir freuen uns, dass wir ab sofort und nun dauerhaft wieder Besichtigungstermine möglich machen können“, kündigt KonvOY-Geschäftsführer Stephan Aumann an. Aufgrund der großen Anfrage bei den zurückliegenden Führungen werden die Rundgänge nun im wöchentlichen Turnus  immer samstags und selbstverständlich kostenlos angeboten – unter Berücksichtigung der Hygiene-und Schutzmaßnahmen, aber leider nicht barrierefrei.
Ein Buchungssystem auf den neuen Internetseiten yorkquartier.de und oxfordquartier.de ermöglicht den Zugang zu Terminen in den nächsten Wochen. „Die Bewohnerinnen und Bewohner von Gievenbeck und Gremmendorf erhalten einen zeitlichen Vorzug bei der Anmeldung“, verspricht Stephan Aumann. Durch eine Briefwurfsendung bekommen sie einen persönlichen Link zur Buchungsseite.

Nachschub für den Vandalismus: Das Traindenkmal findet keine Ruhe

Juli 16, 2020
Traindenkmal geschwärzt.

Das Traindenkmal wurde mit schwarzer Farbe beschmiert und geschändet, wohl ein untauglicher Versuch, die reliefartigen Inschriften unkenntlich zu machen. Foto: Grafenstein

Das alte Traindenkmal an der Promenade in der Nähe des Ludgerikreisels ist in übler Weise mit einer teerartigen Flüssigkeit und Schriftzügen beschmiert worden. Die Täter dieser Sachbeschädigung von einer Initiative „Mahnmal statt Denkmal“ brüsteten sich namentlich in der Lokalpresse mit ihrem Vorgehen gegen das Kriegerdenkmal, das, anders als in WN und MZ dargestellt, vornehmlich an Gefallene einer Nachschubeinheit im Ersten Weltkrieg erinnert. Nachträglich eingefügte Bodenplatten erinnern auch an zwei Gefallene in Südwestafrika, was den heiligen Zorn der Aktivisten erregt. Die Stadt hat mittlerweile Strafanzeige erstattet und will das Monument zeitnah reinigen lassen, so Ordnungsdezernent Wolfgang Heuer (SPD).

Der unüberlegte Aktionismus der Gruppe erregt Kopfschütteln, da der Rat der Stadt Münster erst kürzlich beschlossen hat, die zahlreichen Kriegerdenkmäler im Stadtgebiet mit erläuternden und einordnenden Tafeln zu versehen. Sicher wird bald auch das Traindenkmal mit einer Tafel versehen werden, die die aktuelle Bewertung der Ereignisse während und nach der Niederschlagung des Hereroaufstands als Völkermord wiedergibt und auch sonst auf dem neuesten historischen Stand ist. Schon jetzt kann sich der interessierte Bürger auf einer Internetseite der Stadt zuverlässig über den Kontext der Kriegerdenkmäler in der Stadt informieren.

Ratsherr Stefan Leschniok (CDU) meint: „Der Rat hat sich, wie ich finde, für ein gutes Konzept entschieden, das Geschichte nicht einfach abräumt, gleichzeitig aber auch die negativen Seiten beleuchtet. Wer das nicht akzeptieren kann und dann auch noch Straftaten begeht, der offenbart ein höchst verkümmertes Demokratieverständnis.“

Leider sind in Deutschland Kriegerdenkmäler schon seit langer Zeit und schon vor dem derzeitigen Erstarken der Black-Lives-Matter-Bewegung und dem weltweiten Sturz von Denkmälern Gegenstand aller Arten von Vandalismus. Pauschal werden deutsche Soldaten als „Kriegsverbrecher“ verunglimpft, ganz gleich, ob ihnen konkrete Kriegsverbrechen nachgewiesen werden können oder nicht, ihr Andenken soll aus der Öffentlichkeit verschwinden, so wollen es die Täter oft, so auch hier. Auch gefallene deutsche Soldaten sind aber zu Recht Teil unserer Erinnerungskultur, die allen Opfern von Krieg, Gewalt und Imperialismus gedenkt. Wahrscheinlich wird es auch bald in größerem Maßstab Denkmäler geben, die an die zivilen Opfer des Kolonialismus in einst unterworfenen Gebieten erinnern werden.

Im bundesweiten Maßstab kann man nicht sagen, dass Deutschland in unerträglicher Weise mit alten Denkmälern überfrachtet wäre, die Krieg, Nation, Kaiserzeit oder Kolonialismus rühmen. Im Zweiten Weltkrieg und danach ist vieles zerstört worden, entweder durch Bombenangriffe, weil es die Nazis eingeschmolzen haben, um daraus Kanonen zu machen, oder weil es die einrückenden Siegermächte entfernt haben. Auch in Münster stand z.B. einmal eine Kaiser-Wilhelm-Reiterstatue vor dem Schloss, die dem Rohstoffmangel der deutschen Rüstungsindustrie zum Opfer fiel.  Das Traindenkmal ist mit seinem seltenen imperialistischen bzw. kolonialen Bezug auf den Boxeraufstand und den Hereroaufstand eine echte Rarität und steht daher zu Recht unter Denkmalschutz. Mit seinem düsteren Erscheinungsbild erinnert es noch heute angemessen an das bedrückende Szenario der Schützengräben des 1. Weltkriegs. Die als überhöht kritisierbaren Inschriften, mit denen die gefallen Soldaten von ihren überlebenden Kameraden gerühmt wurden, sind ein interessantes Zeitdokument für die Bewältigungsversuche des 1. Weltkriegs in den 1920er Jahren, können aber ohnehin nur bei nahem Herantreten entziffert werden, gleich ob sie mit Farbe übergossen werden oder nicht.

Münster besitzt als einst bedeutende Garnisonsstadt zwar recht viele Kriegerdenkmäler, die zuweilen den Anstoß einer oft kritisch eingestellten Bürgergesellschaft einer großen Universitätsstadt erregen, jedoch kann man dieser auch zumuten, verständig und nicht vandalistisch oder bilderstürmerisch mit der Geschichte umzugehen.

Denn wer die Geschichte vergisst, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen.

Ist Münsters Gastronomie noch zu retten?

April 30, 2020

Münster (SMS) Die Stadtverwaltung hat mit einem Krisengipfel auf die angespannte Lage der Gastronomie in Münster reagiert. Auf Einladung von Oberbürgermeister Markus Lewe trafen am Donnerstag (30. April 2020) im Rathaus etwa ein Dutzend münsterische Gastronomen, Vertreter des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (DEHOGA) und der Industrie- und Handelskammer (IHK) Nordwestfalen auf Experten und Entscheider der Stadtverwaltung.
„Der Corona-Lockdown  trifft Gaststätten, Kneipen und die Hotellerie in Münster mit voller  Wucht. Während in den Betrieben weiterhin Kosten für Pacht und Personal auflaufen, dürfen Sie aus Infektionsschutzgründen schon seit Wochen keine Gäste mehr bewirten“, fasste Lewe die Lage zusammen. Eine Vielzahl der Betriebe sei in ihrer Existenz bedroht. Lewe: „Die  gerade in Münster besonders vielseitige Gastronomie ist eine tragende Säule der besonderen Atmosphäre in unserer Stadt. Wir müssen jetzt alle  an einem Strang ziehen, um dieses Kulturgut für die Zeit nach der Pandemie zu erhalten.“
Hendrik Eggert, Vorsitzender des Münster-Kreises der DEHOGA, sagte: „Wir brauchen jetzt Hilfe. Dabei geht es um immense Summen. Aber doch nur um einen Bruchteil der Zahlungen, die wir in normalen Zeiten in die öffentlichen Kassen einzahlen.“ Eggert machte deutlich, dass er neben der Stadt auch das Land und den Bund in der Pflicht sieht, das Überleben der Gastronomie zu sichern. Joachim Brendel, Geschäftsbereichsleiter Handel und Verkehr der IHK Nord Westfalen, verwies auf die wichtige Funktion der Gastronomie für die Aufenthaltsqualität in der Innenstadt. „Die moderaten Lockerungen im Einzelhandel können ihre Wirkung erst dann entfalten, wenn auch die Gastronomie Schritt für Schritt wieder öffnen kann.“ Das besondere Flair der Innenstadt entstehe aus dem Zusammenspiel von Einkaufen, Flanieren und Verweilen. „Hierzu braucht es zumindest eingeschränkt geöffnete Cafes und Restaurants.“
Wolfgang Heuer, Leiter des städtischen Corona-Krisenstabes, dämpfte einerseits die Hoffnungen auf einen baldigen Normalbetrieb in der münsterischen Gastronomie. „Wenn wir nach den bisherigen Erfolgen bei der Bekämpfung der Pandemie jetzt unvorsichtig werden, kann ein erneuter Ausbruch des Infektionsgeschehens möglicherweise zu noch strengeren Kontaktverboten als bislang führen“, führte Heuer aus. Andererseits skizzierte Heuer aber auch Möglichkeiten für die Betriebe: „Wir suchen gezielt im Vorfeld einer Wiedereröffnung nach Flächen, auf denen wir der Gastronomie vorübergehend zusätzliche Möglichkeiten für die Außenbewirtung anbieten können“, so Heuer. Und er bot eine gemeinsame Vorbereitung von Regeln und Auflagen für die absehbare behutsame Wiederaufnahme gastronomischer Angebote an. Die Stadtkämmerei stundet der Gastronomie bereits in großzügigem Umfang Gewerbesteuerzahlungen. Zusätzlich werden Hilfen für die Gastronomen bei Teilen der Vergnügungssteuer geprüft.
Die Gipfelteilnehmer verabredeten die Fortsetzung der Gespräche im Rahmen einer Task Force unter Beteiligung der Münster-Marketing-Chefin Bernadette Spinnen. Mitglieder werden neben Vertretern der  Gastronomie und der Stadtverwaltung auch Bankenvertreter. Die Task Force wird in Kürze einen ständigen Ansprechpartner für die Gastronomen der Stadt benennen.
Oberbürgermeister Markus Lewe versprach, den Unmut der Gastronomen über die oft schleppenden Auszahlung von Soforthilfen und Überbrückungskrediten an geeigneten Adressen im Land und beim Bund zu platzieren. Außerdem will Lewe beim Land auf größere  Planungssicherheit für die Gastronomie drängen. Lewe: „Es bringt nichts, wenn das Land Veranstaltungen mit großen Teilnehmerzahlen verbietet, aber nicht definiert, welche Teilnehmerzahlen demnächst wieder erlaubt sein werden „, nannte Lewe ein Beispiel.
In Münster gibt es etwa 850 gastronomische Angebote, in denen etwa 5600 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte arbeiten.

Maskenpflicht in ganz NRW

April 24, 2020

Mit einer Ergänzung der Coronoaschutzverordnung hat jetzt auch das Land NRW Regeln zur Maskenpflicht in einigen öffentlichen Lebensbereichen erlassen. Die ab Montag gültigen Regeln liegen nah an dem bereits bekannten Vorgehen der Stadt Münster „und werden hoffentlich auf hohe Akzeptanz in der Bevölkerung treffen“, so Krisenstabsleiter Wolfgang Heuer.
Wie zuvor schon mit der Münsteraner Verfügung erfolgt verpflichtet nun auch das Land in Verkaufsstellen, Geschäften und auf dem Wochenmarkt Beschäftigte wie Kunden zum Tragen einer Mund-Nase-Bedeckung. Heuer: „Und richtigerweise sind auch in der Landesverordnung Alltagsmaske, Schal und Tuch gleichwertig erlaubt.“
Auch die Regel, dass bei der Erbringung und Inanspruchnahme von Handwerks- und Dienstleistungen, die ohne 1,5 Meter Abstand erfolgen, die Maskenpflicht für Beschäftigte wie Kunden gilt, ist in Münster schon festgelegt. Hinzukommen nun richtigerweise die Arztpraxen und das Gesundheitswesen sowie bekanntermaßen der ÖPNV. Kinder bis zum Schuleintritt sind außen vor.
Wolfgang Heuer: „Neu ist, dass die Maskenpflicht für Beschäftigte nunmehr durch wirksame Schutzmaßnahmen wie Abtrennungen durch Glas, Plexiglas und ähnliche Vorrichtungen ersetzt werden kann.“ Wolfgang Heuer begrüßt das Vorgehen: „Das ist eine gute Möglichkeit für die Mitarbeiter vor allem in Geschäften, Praxen und Verkaufsstellen.“
Die Maskenpflicht als zusätzlicher Schutz gegen die Tröpfcheninfektion soll aus Sicht der Stadt Münster helfen, die bereits laufenden und die weiter zu erwartenden Lockerungen belastbar und dauerhaft zu machen. Heuer: „Als höherrangiges Recht macht die Coronaschutzverordnung die städtische Allgemeinverfügung zur Maskenpflicht weitgehend obsolet, es wird derselbe Sachverhalt geregelt.“

Neben der Maskenpflicht ist jetzt auch die Abstandspflicht von 1,5 Meter gegenüber einsichtsfähigen Personen ausdrücklich in der Rechtsverordnung normiert.

Heuer erläuterte am Mittwoch auch das Ansammlungsverbot in § 12 Abs. 1 CoronaSchVO. Es haben schon manche gedacht, sich in Gruppen unterhalten zu können, wenn ein Abstand von mindestens 1,5 Metern eingehalten wird. Dem ist jedoch nicht so, denn „der Tatvorwurf bezieht sich (…) nicht auf einen Mindestabstand in Metern, sondern auf eine Ansammlung im öffentlichen Raum von mehr als zwei Personen. Hiermit ist also die Gruppe gemeint, die aus mehr als zwei Personen besteht. Diese Gruppe kann auch weiter als 1,5 Meter auseinander stehen, wenn der Charakter als Gruppe (z.B. durch ein gemeinsames Gespräch) erkennbar ist. In diesen Fällen ist der Tatvorwurf gemäß § 12 Abs.1 CoronaSchVO gegeben, sofern keine normierten Ausnahmetatbestände vorhanden sind.“ Die Tatsachenfeststellung, ob es sich um eine Gruppe handele oder nicht, stelle aber immer eine Einzelfallbetrachtung dar, sodass der Mindestabstand von 1,5 Meter als Entscheidungshilfe berücksichtigt werden könne.

Maskenhaftes Münster

April 20, 2020

Münster (SMS) Die Stadt Münster führt ab Montag, 27. April, eine Maskenpflicht ein: Immer dann, wenn eine Dienstleistung  in Anspruch genommen oder erbracht wird und der Mindestabstand von 1,50 Meter nicht eingehalten werden kann, müssen Nase und Mund bedeckt werden. Beispielsweise in Einzelhandelsgeschäften, in der Bank oder im Möbelhaus. Die Maskenpflicht gilt außerdem im öffentlichen Personennahverkehr und in städtischen Dienstgebäuden beim Publikumsverkehr, so etwa im Bürgerbüro Mitte, in der Kfz-Zulassung, im Jobcenter oder dem Sozialamt.
Betroffen von der Verpflichtung sind alle Personen ab Vollendung des fünften Lebensjahres.
Auch Schals, Tücher oder selbst genähte Masken können zum eigenen wie auch zum Schutz der Mitmenschen genutzt werden. „Die zertifizierten Masken können so den Krankenhäusern und Arztpraxen, der Pflege oder dem Rettungsdienst vorbehalten werden“, erläutert Krisenstabsleiter Wolfgang Heuer. „Es geht darum, in Münster das Potential für eine Tröpfchen-Übertragung durch Husten, Niesen und Aussprache zu verringern.“
Besonders an die Schülerinnen und Schüler, die ab kommenden Donnerstag (23. April) zur Prüfungsvorbereitung in die Schulen zurückkehren, richtet sich die Bitte des Krisenstabs, schon ab diesem Datum in Bus und Bahn eine Mund-Nase-Bedeckung zu tragen.

Lockerung der Corona-Quarantäne: Kontrollierte Öffnung in Münster

April 19, 2020

Nach der Vereinbarung zwischen Bund und Ländern dürfen auch in Münster ab morgen (Montag, 20. April) wieder viele Einzelhändler öffnen. Dazu gehören alle Ladenlokale mit weniger als 800 Quadratmetern Verkaufsfläche sowie unabhängig von der Ladengröße auch alle Autohäuser, Fahrradhändler und Buchhandlungen.

Ordnungsdezernent Wolfgang Heuer, der die Lockerungen begrüßt, betont zugleich: „Die Erfahrungen aus den letzten drei Wochen der noch geöffneten Läden haben gezeigt, dass die Menschen sich an die neuen Vorgaben diszipliniert halten. Ziel ist und bleibt es, jede Art von größerer Ansammlung und Begegnung von Menschen zu vermeiden. Deshalb wird die Stadt Münster auch hier gewissenhaft die Einhaltung der Vorgaben überprüfen.“

Die Vorgaben zu den hygienischen Anforderungen für den Einzelhandel ergeben sich aus § 5 der neuen Coronaschutzverordnung des Landes, hierzu legt die Stadt kurzfristig ein Informationsblatt für den Handel vor.

Die Geschäfte müssen laut Heuer vor allem die notwendigen hygienischen Vorgaben erfüllen und dafür sorgen, dass pro zehn Quadratmeter begehbarer Verkaufsfläche maximal ein Kunde im Laden ist. Heuer: „Das 1,50-Meter-Abstandsgebot gilt auch in den Geschäften.“

Für die Praxis gibt Heuer folgende weitere Hinweise:

– Alle Geschäfte mögen einen Nachweis über die Größe des Verkaufsraums zur Hand haben, um bei Überprüfungen eine verbindliche Aussage zur Fläche machen zu können.

– Wartende Personen vor der Verkaufsstelle sind zu veranlassen, einen Abstand von mindestens 1,50 Meter zueinander einzuhalten.

– An den Eingangstüren sind gut sichtbar Hygieneregeln und Informationen zum Infektionsschutz auszuhängen und die Einhaltung ist zu überwachen.

– Es ist ein System zu entwickeln, das die Kontrolle der im Geschäftsraum befindlichen Kundenzahl ermöglicht. Je nach Größe des Geschäfts ist eine entsprechende Kontrolle des Zugangs bereits am Eingang zu installieren. Dazu kommt als eine leicht handhabbare Möglichkeit auch die Beschränkung von Einkaufswagen auf die Anzahl der maximal möglichen Kunden, verbunden mit einer Einkaufswagen-Nutzungspflicht, in Frage. Die Griffe der Wagen oder Einkaufskörbe sind nach jeder Benutzung zu desinfizieren.

– Das Personal sollte vor Infektionsrisiken so gut wie möglich geschützt werden. Hierzu gehört der Einsatz von Spuckschutz, Mund-Nase-Schutzmasken (Community-Masken) und bargeldlosem Bezahlen. Außerdem sind ausreichende Desinfektionsmittel für die Mitarbeiter zur Verfügung zu stellen.

– Zudem sind nach Möglichkeit Desinfektionsmittel für die Kunden bereitzustellen.

– Es sollten Abstandslinien im Kassenbereich (Mindestabstand 1,50 Meter) und vor anderen kundenintensiven Bereichen (wie etwa Verkaufstheken) auf dem Boden angebracht werden.

– Für die Kunden wird eine dringende Empfehlung zum Tragen von Mund-Nase-Schutzmasken (Community-Masken) ausgesprochen.

Wolfgang Heuer: „Die Maßnahmen sind durch den Betreiber oder das Personal der Einrichtung zu organisieren und die Einhaltung ist sicherzustellen. Die Stadt wird Hilfestellung geben, in der Folge sind natürlich auch Überprüfungen vorgesehen.“

Auch im öffentlichen Raum, auf Straßen und Plätzen, soll die Bevölkerung Mund- und Nasenschutz tragen, zumindest immer dann, wenn ein Verstoß gegen das Abstandsgebot nicht ausgeschlossen werden kann. Dasselbe gilt in Bussen und Bahnen.  Heuer: „Abstand wirkt besser als Maske, Maske wirkt besser als nichts.“
Die Kulturangebote der Stadt bleiben entsprechend der Landesverordnung trotz der weitgehenden Öffnung der Ladenlokale vorerst weiter geschlossen. Das gilt unter anderem für das Stadtmuseum, das Theater und auch die Stadtbücherei, obwohl auch die neue Coronaschutzverordnung des Landes NRW die Öffnung von Bibliotheken unter Auflagen zulässt.

Versorgung in der Corona-Krise

März 23, 2020

Münster (SMS)  Die Versorgung mit Lebensmitteln und Medikamenten für ältere Menschen, Menschen mit Vorerkrankungen oder chronischen Erkrankungen (Risikogruppen) und Personen in Quarantäne während der Corona-Krise sichern: Das ist das Ziel einer Telefon-Hotline, die die Wohlfahrtsverbände in Münster ab sofort schalten. Unter der Nummer 01 51/25 06 55 18 können sich betroffene Bürgerinnen und Bürger montags bis sonntags von 10 bis 15 Uhr an die Caritas Münster wenden. Dort werden Name, Telefon-Nummer und Anliegen entgegengenommen und an die Ansprechpartner von AWO, Caritas, Diakonie und DRK in den münsterschen Stadtteilen weitergeleitet.

Dabei arbeiten sie mit haupt- und ehrenamtlich Mitarbeitenden zusammen, die die Hilfen bis zur Haustür organisieren. Die Helferinnen und Helfer kontaktieren die Hilfesuchenden zunächst telefonisch und besprechen mit ihnen den Zeitpunkt der Auslieferung. Sie erkundigen sich auch nach dem Befinden der Menschen und fragen, ob weitere Hilfe benötigt wird. Alle beteiligten Personen müssen sich an die notwendigen Hygiene- und Abstandsregeln halten.
Weitere Informationen und eine Liste aller derzeitigen ehrenamtlichen Initiativen zur Versorgung von Bürgerinnen und Bürgern finden sich unter www.caritas-ms.de.

Die Stadt Münster unterstreicht, dass es sich bei den Hilfen um ein Basisangebot handelt. Bei lebensbedrohlichen Versorgungsengpässen muss die 112 informiert werden. Bei medizinischen Fragestellungen kann der Hausarzt oder die Nummer 116117 angerufen werden. Das Hilfsangebot der Wohlfahrtsverbände findet in Zusammenarbeit mit dem Sozialamt der Stadt Münster statt. Das Angebot besteht vorerst bis zum 30. April.

Aufruf: Bleiben Sie Zuhause!

März 20, 2020

Münster (SMS) Regierungspräsidentin Dorothee Feller, Oberbürgermeister Markus Lewe und Polizeipräsident Rainer Furth fordern die Bürgerinnen und Bürger in einem gemeinsamen Appell eindringlich auf, die Regeln zur Eindämmung des Coronavirus strikt zu befolgen. „Wir alle, jede und jeder einzelne, sind jetzt gefordert, Verantwortung zu übernehmen. Wir haben es in der Hand, die Verbreitung dieses Virus zu verlangsamen, seine Auswirkungen zu begrenzen und deutlich weitergehende Maßnahmen wie eine Ausgangssperre zu verhindern„, so Oberbürgermeister Markus Lewe.
Dazu gehöre es insbesondere, nicht in die benachbarten Niederlande zu fahren, so Regierungspräsidentin Dorothee Feller: „Die Gefahr, das Coronavirus über die Grenze zu tragen oder von dort mitzubringen, ist zu groß und birgt ein hohes Ansteckungsrisiko. Alles zu unterlassen, was unsere Nachbarn und uns gefährdet, ist ein Gebot der Freundschaft, die uns mit den Niederlanden verbindet. Bitte bleiben Sie zuhause.“
Polizeipräsident Rainer Furth  bittet die Bürgerinnen und Bürger dringend, sich nicht mehr in Gruppen in der Öffentlichkeit aufzuhalten und den Anweisungen des Ordnungsamtes und der Polizei Folge zu leisten: „Verlassen Sie Ihre Wohnung nur, wenn Sie es wirklich müssen. Tun Sie es bitte allein oder nur mit einem Menschen, mit dem Sie zusammenleben. Vermeiden Sie jede Form von Gruppenbildung in der Öffentlichkeit und halten Sie Abstand. Bitte passen Sie auf sich und andere auf.“

Die Zahl der gemeldeten und bestätigten Corona-Fälle in Münster ist auf 191 gestiegen (Stand: 20. März, 8 Uhr). Fünf Patienten sind wieder gesund.
Der Krisenstab der Stadt Münster hat erste Vorkehrungen für den Fall einer möglichen Ausgangssperre getroffen. Unter anderem wurde sichergestellt, dass die Polizei in der Lage ist,  eine mögliche Ausgangssperre zu überwachen.
Die Vorbereitungen für mehrere Corona-Hilfezentren, in denen infizierte Patienten mit milden Krankheitsverläufen pflegerisch und logistisch unterstützt werden können, die sich aufgrund besonderer Lebensumstände nicht selbst versorgen können, sind fortgeschritten. In der kommenden Woche fallen abschließende Entscheidungen inklusive der Standortfestlegungen.
Außerdem werden derzeit Quarantäne-Stationen für Menschen wie etwa Alleinstehende vorbereitet, deren Versorgung mit Gütern des täglichen Bedarfs unter häuslichen Bedingungen besonders schwierig ist. Ebenso wird es neue Einrichtungen für die vorübergehende Betreuung von Obdachlosen geben. Auch hier soll die Festlegung der Adressen in der kommenden Woche erfolgen.
Die Krankenhäuser im Stadtgebiet stellen sich auf die Behandlung größerer Gruppen von Corona-Erkrankten ein und schichten Kapazitäten um. So wurden im Universitätsklinikum Münster mehrere Operationssäle geschlossen, um mit dem Personal die Intensivstationen zu verstärken.
Für die bislang offene Frage des Versicherungsschutzes für ehrenamtliche Helfer, die der Stadt im Kampf gegen die Corona-Krise kostenlose Unterstützung angeboten haben, hat der Krisenstab eine Lösung gefunden. Damit sind die Voraussetzungen für den Einsatz solcher Kräfte geschaffen.
Oberbürgermeister Markus Lewe nimmt am kommenden Montag (23. März) Gespräche mit der lokalen Wirtschaft auf. Ziel ist eine Bestandsaufnahme zum wirtschaftlichen Schaden, den die Corona-Krise verursacht hat. Außerdem sollen Möglichkeiten für die Unterstützung von vor allem Kleinstunternehmen gefunden werden, die durch die Krise in eine Schieflage geraten sind.
Die Corona-Hotline der Stadt Münster, wo Bürgerinnen und Bürger telefonisch Informationen erfragen können, wurde seit ihrer Einrichtung vor rund zwei Wochen über 3000 Mal genutzt. Die Telefonnummer lautet 02 51 / 4 92-10 77. Bürger können auch schriftlich unter der Mailanschrift Corona@stadt-muenster.de Informationen abfragen.

Coronatests in Münster nach wie vor nur für eingeschränkten Personenkreis

März 19, 2020

Münster (SMS) Im Einzugsgebiet der Stadt Münster kann in mehreren Laboren auf Corona-Viren getestet werden. „Diese Testkapazitäten sind nach dem absehbaren Lagebild ausreichend“, sagt Prof. Dr. Andreas Bohn, Ärztlicher Leiter des Rettungsdienstes in Münster und Mitglied im Krisenstab der Stadt. Voraussetzung dafür sei allerdings, dass die Testkapazitäten auch für den dafür vorgesehenen Personenkreis reserviert bleiben. Bohn: „Der Wunsch nach einem Test allein kann und darf nicht als Begründung reichen. Bei vielen Patienten und teilweise auch bei verordnenden Ärzten stößt das leider auf Unverständnis.“
Der Weg zu einem Corona-Test führt im ambulanten Bereich über einen niedergelassenen Arzt, von dem die zu testenden Personen mit einer entsprechenden Verordnung an unterschiedliche Teststationen zugeordnet und geprüft werden. In einem gemeinsamen Appell drängen Bohn, Prof. Dr. Dr. h. c. Hugo van Aken (Ärztlicher Direktor des Universitätsklinikums Münster), Prof. Dr. Stephan Ludwig (Direktor des Instituts für Virologie an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster) und  Dr. med. Peter Czeschinski (Leitender Arzt beim Universitätsklinikum Münster) deshalb darauf, nur Personen testen zu lassen, die auch die dafür vorgeschriebenen Kriterien erfüllen. „Ärztinnen und Ärzte tragen eine hohe Verantwortung für den gewissenhaften Einsatz unserer  Ressourcen“, heißt es in dem Gemeinschaftsappell.
Den Kriterien zufolge soll nur getestet werden, wer aus einem der vom Robert Koch-Institut definierten Risikogebiete zurückgekehrt ist und deutliche Infektionssymptome zeigt oder wer deutliche Symptome nach einem Kontakt mit einer bereits positiv getesteten Person hat. Für die Mitarbeiter in Bereichen der kritischen Infrastruktur gelten gesonderte Verfahren, um unter allen Umständen sicherzustellen, dass Wasserversorgung, Energie, Telekommunikation, Gesundheitsversorgung und viele weitere unverzichtbare Leistungen jederzeit erbracht werden können.

Man fragt sich, wann Deutschland oder NRW selbst zum Risikogebiet erklärt wird. So lange müssen viele Kranke offenbar noch auf einen Test waren.