Archive for Januar 2013

Von Giuseppe Verdi bis King Lear: Kultur-Tour durch Münster

Januar 25, 2013

In Münster drängen sich Anfang des Jahres die Abschlussvorführungen von Schulen und Hochschulen, bei freiem Eintritt gibt es hier allerhand zu hören und zu sehen. Und das geht so:DSCN1654

Im H1 führte das collegium musicum instrumentale,  ein Sinfonieorchester an der Universität, unter dem Motto „Tod in Venedig“ anspruchsvolle Werke von Giuseppe Verdi, Gustav Mahler und Richard Wagner auf. Mareike Morr (Bild) sang die Wesendonk-Lieder.

DSCN1656Junge Talente der Musikhochschule boten beim „Lunchkonzert“ um 12 Uhr mittags Cellomusik mit Klavierbegleitung im rötlich getünchten Konzertraum der Ausbildungsstätte.

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Ein aufwändige Inszenierung von Shakespeares King Lear bot die Klasse 12 der Waldorfschule.  In dem Stück wollte Shakespeare aufzeigen, wie heikel Familienbande sind.  Als böte Shakespeare schon nicht genug, wurde auch eine Frank-Sinatra-Einlage eingebunden.

DSCN1662  Leslie Schübel spielte die Queen Lear, im Gegensatz zu manch anderen auf der Bühne war sie immer gut verständlich, wie es sich für eine Queen gehört. Das Geschlechterverhältnis in der Klasse 12 ist unausgeglichen: 14 Mädchen standen auf der Bühne fünf Jungs gegenüber, da muss man sich zu helfen zu wissen. Zu Shakespeares Zeit ließ man auch die Frauenrollen von Männern spielen, warum sollen heutzutage nicht Frauen Männerrollen übernehmen?

Filmkritik: „Django Unchained“ entpuppt sich als Horror-Western, belebt von rächender Freiheitsliebe

Januar 18, 2013

Der neue Film von Quentin Tarantino, „Django Unchained“, ist nicht nur ein Nachklang des Italo-Western-Genres, sondern auch der Anfänge des modernen Horrorfilms. Der Film enthält neben dem offensichtlichen Rühren in der Spaghetti-Western-Schüssel einige Zitate aus dem Splatter-Klassiker  und Terrorfilm „Texas Chainsaw Massacre“ von Tobe Hooper:  Es gilt eine Horde degenerierter weißer Südstaaten-Landeier zu überwältigen, die Schwarzen werden an Haken in düsteren Bretterschuppen aufgehängt oder durch den Schlag mit Hämmern aus der Werkzeugkiste auf den Hinterkopf getötet, und vor dem Showdown gibt es ein gruseliges Abendessen im Herrenhaus mit Totenschädel am Esstisch.  Anders als in den Italowestern der 60er Jahre, die durchaus mit ihren Friedhofssequenzen ins Gruselgenre hinüberspielten, man denke auch an Djangos Sarg,  spritzen bei Tarantino wirklich viel Blut, Gedärme und Hautfetzen – die Umgeschossenen sterben bei weitem nicht so unkompliziert wie unter dem Maschinengewehrfeuer von Terence Hill oder Franco Nero, dem Tarantino einen Gastauftritt einräumt.

Neben dem für Tarantino-Filme typischen Motiv der Rache geht es um das in amerikanischen Filmen beliebte Motiv von Freiheit und Befreiung. Diesmal werden in einer Art Nachspielen des  amerikanischen Bürgerkriegs im Kleinen die Schwarzen aus der Sklaverei befreit und zwar in einem Gefecht, in dem Weiße wie Schwarze auf beiden Seiten des „Schützengrabens“  liegen, so wie es sich im amerikanischen Bürgerkrieg zutrug. Dabei macht der Film mit der Besetzung der Hauptrolle durch Jamie Foxx deutlich, wie sehr Schwarze im klassischen wie im europäischen Western zum Beiwerk degradiert worden waren, wenn sie denn überhaupt in Filmen dieses konservativen Genres auftreten durften. Da die weißen Sklavenaufseher von Tarantino so dümmlich dargestellt werden, stellt sich dabei die Frage, wie sie die Herrschaft der Plantagenbesitzer aufrechterhalten konnten. Im Film wird dies von Leonardo di Caprio als Sklavenhalter Calvin Candie mit der allzu großen Unterwürfigkeit der Schwarzen erklärt. Dies wie der fortgesetzte Gebrauch des N-Worts sorgte für peinliche Berührung und Auflachen im Publikum des Kinosaals.

Christoph Waltz spielt wieder einen Deutschen, aber diesmal keinen gewieften Nazi-Schurken wie in „Inglourious Basterds“, sondern einen humanistisch empfindenden Einwanderer aus dem schönen Düsseldorf am Rhein:  Dr. King Schultz kann sich zwar mit den rauen Sitten in den USA  hinsichtlich libertärer Selbstjustiz durch private Kopfgeldjäger anfreunden, nicht jedoch mit dem Schrecken, der mit der Sklaverei einhergeht.  Mit gesetzten Worten weiß Schultz nach jeder Schießerei die Wogen zu glätten, durch gegenüber der Sklavenpeinigern neigt er zu Kurzschlusshandlungen. Tarantino folgt mit dieser zerrissenen Figur wohl nicht nur irgendeiner Laune oder zufälligen Eingebung: Es ist historische Tatsache, dass sich Deutsch-Amerikaner in besonderem Maße für die Abschaffung der Sklaverei eingesetzt haben.  Reizvoll sind wie in fast allen Tarantinofilmen Dialoge und Musik, als Beitrag zur Vergangenheitsbewältigung sollte man „Django“ mit seinen sinnlosen Gewaltszenen wie schon die „Basterds“ nicht allzu ernst nehmen.

Historische Bildungsstätten in Nordrhein-Westfalen II: Ruhr-Universität Bochum

Januar 16, 2013

Die von weitem sichtbare Ruhr-Universität Bochum (RUB) wurde eröffnet, als man auf konservativen Geschmack bei der Errichtung von Betonarchitektur keine Rücksicht mehr nahm – in den 1960er Jahren, als erste Universitätsneugründung in der Bundesrepublik Deutschland nach dem 2. Weltkrieg. Jetzt stand sie unverhüllt da, die Moderne. Die weitläufige Campus-Universität  des Architekten Helmut Hentrich ist aus der Vogelperspektive ein großer Wurf: Sie ahmt mit ihren langgestreckten Gebäudequadern samt Kaminen eine imposante Flottenformation großer Dampfschiffe nach, die in Reih‘ und Glied am Rande des Ruhrgebiets in die Landschaft sehen. Die Fakultäten der Universität verteilen sich auf die einzelnen „Schiffe“. Die Menschen, die dort studieren und arbeiten müssen, leiden freilich etwas unter der bei schlechtem Wetter sehr tristen Hässlichkeit und mittlerweile auch Baufälligkeit der Anlage, die aus der Nähe betrachtet sichtbar wird. Eine der Legenden, die sich um die Beton-Armada ranken, lautet, dass sich einige Studenten von den Geländern der Schiffen in den Tod stürzten  bis bauliche Sicherungsmaßnahmen eingeleitet wurden.

Durch den Bau der Ruhr-Uni sollten nunmehr die Bildungsreserven in der Arbeiterschicht gehoben werden, nachdem die große Zeit des Kohleförderung im Pott an ihr Ende gekommen war. Im Kaiserreich war man noch darauf aus, die Universitäten möglichst fern der „roten“ Kohlereviere zu errichten, damit sich Studenten und Arbeiter nicht aneinander revolutionär entzündeten. So entstand eine Art Universitätsring im heutigen NRW in einem Sicherheitsabstand um das Ruhrgebiet herum. Provinzmetropolen wie Münster wurden so Universitätsstandorte. Entgegen den Befürchtungen der einstigen Revolutionsangst war aber dann die RUB unter ihrem seinerzeitigen Rektor Kurt Biedenkopf, der eine junge Professorenschaft anführte, eine eher ruhiges Pflaster während der 68er-Studentenunruhen in Europa: In Bochum wirkten eher Pioniere als Revolutionäre. Zumal in den roten Siebzigern versuchten zwar kommunistische Gruppierungen von der RUB aus in die Arbeiterschaft der ebenfalls neu errichteten Opelwerke in Bochum hineinzuwirken, dies scheiterte jedoch wie alle diese illusionären Projekte.

Die Fotoserie zeigt die RUB bei durchwachsenem Wetter:

Ruhr-Universität Bochum

Filmkritik: „Hannah Arendt“ – Bewältigung der Vergangenheitsbewältigung

Januar 15, 2013

Zu den deutschen Filmen der Rubrik „Vergangenheitsbewältigung“ gehören  auch solche, die die Vergangenheitsbewältigung selbst wieder zum Thema machen.  Das ist dann die filmische Bewältigung der Bewältigung. Dazu gehört Michael Verhoevens Film „Das schreckliche Mädchen“, das vom Wühlen einer Schülerin in der NS-Vergangenheit in ihrer niederbayerischen Heimat  handelt.  Jetzt gehört dazu auch der Film „Hannah Arendt“ von Margarethe von Trotta, der von der Auseinandersetzung der Philosophin und Totalitarismus-Theoretikerin mit dem Eichmann-Prozess handelt.  In beiden Filmen werden weibliche Protagonisten der Vergangenheitsbewältigung als Helden und Vorbilder dargestellt, die mit der verbrecherisch-erbärmlichen männlichen Vergangenheit der  Vorväter abrechnen.

Um genau zu sein, muss man sagen, dass in Trottas Film die filmische Bewältigung der philosophischen Bewältigung der öffentlichen Bewältigung der philosophischen Bewältigung der juristischen Bewältigung der NS-Vergangenheit vorliegt. Denn der Film erfasst nicht die Gesamtbiographie Hannah Arendts, sondern konzentriert sich klug auf einen Höhepunkt ihres Lebens: auf ihre Reise nach Jerusalem, ihre Verfolgung des Prozesses gegen den Schreibtisch-Judendeportateur Adolf Eichmann, die Thesen von der Banalität des Bösen und ihre Verurteilung der  NS-Kollaboration der Judenräte, die sie anschließend veröffentlichte, die empörten Reaktion von Freunden und Öffentlichkeit auf diese Thesen,  gekrönt von der Verteidigung und Erläuterung ihrer umstrittenen Thesen,  um die Empörung der Öffentlichkeit abzuwehren.  Die Szenen spielen hauptsächlich im Emigranten- und Intellektuellen-Milieu um Arendt in den USA, zum kleineren Teil in Israel. Erwähnenswert ist hier Axel Milberg als Arendts zweiter Mann Heinrich Blücher, Exkommunist, der den advocatus diaboli für Eichmann spielt. In dieser Ehe ist man dem Prozess gegenüber überaus kritisch eingestellt, Freunde hingegen, teils jüdische Kriegsveteranen, sehnen den Prozess herbei und reagieren höchst emotional auf Arendts gedankliche Kälte und scheinbare Verharmlosung der Täter des Holocaust.

Von entscheidender Bedeutung sind diejenigen Akteure im Film, die Arendt vorwerfen, dem überzeugten Antisemiten und geschickt planenden und agierenden SS-Mann Adolf Eichmann auf den Leim gegangen zu sein.  Als ahnungs- und gedankenlose Befehlsempfänger und Rädchen im Getriebe versuchten sich viele Angehörige der Generation der NS-Täter darzustellen, um die Aussicht auf Integration in die neue Gesellschaftsordnung nach dem 2. Weltkrieg nicht zu verlieren, gesellschaftliche Akzeptanz  zu finden oder schlicht ihren Hals zu retten –  nach dem Motto, sie hätten doch damals nur gehorcht, sie würden auch unter den neuen Umständen zuverlässig funktionieren und niemandem in die Quere kommen. Dies  hat zu erheblichem Misstrauen gegenüber Bürokratie, Technokraten und Funktionsträgern bis heute beigetragen.  Bezüglich Eichmann lag Arendt, nach allem was heute über ihn bekannt ist, wohl falsch, jedoch führten ihre Überlegungen hinsichtlich des verhängnisvollen Wirkens der totalitären Staatsmaschinerie als solcher nicht ganz in die Irre. Viele Beteiligte am Holocaust aus dem Polizei- und Beamtenapparat hegten keine besonders feindseligen Gefühle gegenüber Juden und waren keine Nazis, gehörten weder der Partei, noch SS oder SA an. Diese Mitläufer hat etwa der Historiker Daniel Goldhagen in seinem aufsehenerregenden Buch über „Hitlers willige Vollstrecker“ erfasst, in dem es eigentlich um die Überzeugungstäter geht. Arendt war auch nicht die einzige Zeitzeugin, die Mittelmäßigkeit und Gedankenarmut an einem Repräsentanten des NS-Regimes wie am Faschismus überhaupt zu erfassen meinte.

Man kann eigentlich jedem, auch Regisseuren, nur abraten, eine derart indirekte Annäherung an ein Thema  – hier der Völkermord an den europäischen Juden – zu wählen. Man fragt sich, ob jeder Kinobesucher das nötige Vorwissen mitbringt, um der Handlung und den Dialogen überhaupt folgen zu können. Es ist grundsätzlich auch nicht gerade leicht und dankbar, Philosophie filmisch umzusetzen. Wo ist das Denken in diesen Bildern, im Rauch der Zigaretten, die Barbara Sukowa als Hannah Arendt  fortlaufend quarzen muss? Im Rauschen des Waldes, bevor Martin Heidegger oder der Mossad herannahen? Die Stimme aus dem Off wurde nicht eingesetzt, sodass es in diesem Dialog-Film oft recht ruhig zugeht. Margarethe von Trotta wollte zum Ende ihrer Karriere noch etwas sehr Anspruchsvolles leisten. Sie erwartet auch, wie sie gegenüber den Medien zum Besten gab,  dass die Bewältigung der NS-Vergangenheit uns noch 1000 Jahre beschäftigen werde. Größenwahn macht vor Regisseuren nicht gerade den größten Umweg.  Immerhin hat uns von Trotta gezeigt, dass der Shitstorm einst auf Briefpapier tobte, und damals noch viel geraucht werden durfte, als die Vergangenheitsbewältigung einen ihrer Höhepunkte erreichte. Es lohnt sich aber, Arendts auf Zeitungs-Reportagen basierende Veröffentlichung „Eichmann in Jerusalem: Ein Bericht von der Banalität des Bösen“ nachzulesen.

Neujahrsempfang der WWU Münster: Fürstbischöfliches Schloss war farbig illuminiert

Januar 14, 2013

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Historische Bildungsstätten in Nordrhein-Westfalen I: IP Vogelsang

Januar 14, 2013

Der Internationale Platz Vogelsang in der Eifel wurde als NSDAP-Parteischulungszentrum für NS-Nachwuchsführer errichtet und nach dem 2. Weltkrieg bis 2006 als Kaserne von Briten, dann Belgiern benutzt. Die einstige Benennung als „Ordensburg“ und die Abgeschiedenheit gab zu viel Legendenbildung um den Ort Anlass. Durch Bäume am Hang ist der landscharchitektonische Entwurf des Architekten mit dem sprechenden Namen Clemens Klotz heute etwas verdeckt, wie ein vom Dschungel umwucherter Azteken-Tempel. Die auf dem Gelände gemachten Fotos können die Wirkung der Anlage aus größerer Entfernung nicht ganz wiedergeben. Es handelt sich um die drittgrößte Anlage von NS-Herrschafts- und Kolossalarchitektur in Deutschland nach dem Reichsparteitagsgelände in Nürnberg und der KdF-Anlage Prora. Sie macht ganz besonders deutlich, wie die NS-Architektur durch historische – in diesem Fall mittelalterliche –  Verbrämung und Bemäntelung eines Betonbaukörpers damaligen konservativen Stimmungen den Eintritt der Moderne im Bauwesen erträglich zu machen versuchte.  Nach der seinerzeitigen Ruinenwerttheorie sollte NS-Monumentalarchitektur auch noch im zerstörten oder beschädigten Zustand geeignet sein, nachfolgende Generationen zu beeindrucken. Bildungsferne Nazi-Parteimitglieder hatten auf Vogelsang oft ihren ersten Kontakt mit wissenschaftlichem Lehrpersonal. Neben der weltanschaulichen Schulung standen Sport (Leichtathletik, Schwimmen, Reiten, Segeln) und militärische Übungen, aber auch Einübung gesellschaftlicher Umgangformen auf dem Lehrplan. Wegen schlechten Benehmens mussten viele Teilnehmer der Schulungen das Programm vorzeitig abbrechen und die Anlage verlassen. Ein großer Teil der Absolventen fiel an den Fronten des 2. Weltkriegs. Viele waren administrativ am Vernichtungs- und Kolonialprogramm in Osteuropa beteiligt. Der zukünftige Erhalt und die Nutzung der Anlage ist bis heute umstritten. Die Vorschläge reichten von ikonoklastisch motiviertem Totalabriss bis hin zu umfassendem Denkmalschutz. Bis 2014 soll jetzt ein Besucherzentrum mit drei Ausstellungen zur Geschichte und dem entstandenen Nationalpark sowie ein Kulturkino fertiggestellt sein. Bei meinem Besuch dort standen die meisten Unterkünfte allerdings leer. Eine Fotoserie findet sich hier:

Vogelsang

Lokalzeitung hat Zukunft, aber nicht ohne Einschränkungen

Januar 11, 2013

Inmitten der die Printmedien erreichenden Krise werden Stimmen laut, die vor allem der Lokalzeitung noch eine Zukunft zubilligen. Neben der selbstverständlichen Berichterstattung aus dem Erscheinungsort und Umgebung muss eine Lokalzeitung auch Berichte aus den nahgelegenen Metropolen bieten, in die die Leser für Arbeit, Freizeit oder Einkauf pendeln. Die Lokalzeitung sollte auch eine Einordnung des lokalen Geschehens in übergeordnete Zusammenhänge bieten.

Aber auch als Alleinanbieter können Lokalzeitungen in Finanzierungschwierigkeiten kommen, wenn das betreute Gebiet wirtschaftlich verelendet und mit Bevölkerungsverlusten durch Abwanderung zu kämpfen hat.  Alle Zeitungen müssen sich auch gegen die Konkurrenz aus dem Internet als Stellen-, Auto-, und Immobilienmarkt behaupten. Ein dichtes Netz von freien Mitarbeitern als Lokalberichterstatter hält die Leser-Blatt-Bindung aufrecht und besorgt die Vereinsberichterstattung, auf die auch in Zukunft nicht so ohne verzichtet werden kann. Sie wird meiner Erfahrung nach von Lesern einer Lokalzeitung mehr honoriert als hohes journalistisches Niveau.

Die Inhalte des Mantelteils erwartert der Leser wohl kompetenter und fundierter von überregionalen Zeitungen. Im Internet findet der Leser gratis ein umfassenderes und aktuelleres Angebot aus dem ganzen Globus vor.  Es erscheint daher unsinnig, wenn Lokalzeitungen die Sparschere zuerst an ihrem Lokalteil ansetzen, noch dazu wenn sie Alleinanbieter für die Lokalberichterstattung sind.

Die Zeit ist überdies noch nicht reif dafür, die Printausgabe zugunsten des Internetauftritts einzustellen, da noch erhebliche Teile der Bevölkerung kein Internet haben oder beim Lesen lieber ein Blatt Papier in der Hand halten.

Fritten in Enschede

Januar 11, 2013

Nach meinem Umzug nach Münster im Jahr 2008 unternahm ich bald einen Trip nach Holland. Hier mein Bericht darüber:

Die Grenzstadt Enschede ist der erste niederländische Ort, den ich betrete. Meine Eindrücke: Holland sieht aus wie auf den Briefmarken meiner als Kind angehäuften Welt-Sammlung. Hinsichtlich Architektur und Stil, die man in einer Nation antrifft, verraten diese kleinen Wertzeichen schon recht viel. Enschede präsentiert sich nicht nur im Internet poppig, bunt, modern und weiträumig. Da ich kein Niederländisch spreche, steuere ich das nächste McDonalds an, um ein „Menu“ zu erwerben, was doch einige kleine Probleme aufwirft. Der Mund der blonden Kassiererin bewegt sich, ohne, dass ich etwas verstehe. Wie gut, dass sich ältere Kassiererin dazuschiebt, die Deutsch spricht. Ich bekomme zwar einen Big Mac statt einen Mc Bacon, aber mit würziger Majo. Die Szene erinnerte mich an die Lesung mit der deutsch-türkischen Schriftstellerin Celine Özdamar vergangenen Tags auf dem Katholikentag in Osnabrück, in der diese ihrer ersten Erlebnisse im fremden Deutschland schildert. Ich antworte allerdings nicht mit auswendig gelernten Zeitungsüberschriften wie die Schriftstellerin als Kind, sondern hangle mich mit Deutsch und den Vokabeln von der Preisanzeige durch die Bestellung. Bon Appetit!, wünscht mir die blonde Mc Donalds-Frau. Hält sie mich für einen Franzosen? Die Bedienungen sind nett, weiterer Hinweis darauf, dass ich nicht mehr in Deutschland bin.

Es gibt noch mehr Sachen hier, die es in Deutschland nicht gibt, auf die man allerdings auch verzichten kann. In einer bestimmten Straße komme ich an mehreren Coffee-Shops vorbei. Neben der modernen Architektur lassen die dichte Ziegelstein-Pflasterung und die Fahrradstraßen die Stadt in meinen Augen sehr ungewöhnlich erscheinen, fast surreal. Straßenkneipen laden mit weit in die Fußgänger- und Radfahrerzone hineinragenden Tischgruppen, die mit großen Schirmen überdacht sind, zum Verweilen ein. Eine milde Abendsonne liegt auf der Stadt, die sich am frühen Freitag abend schon entleert hat. Einzelne Studentengruppen sieht man noch. Es gibt in Enschede auch eine Universität.

Fotoserie: Burgruine Flossenbürg

Januar 8, 2013

Die Burgruine Flossenbürg, ehemals eine Stauferburg, setzte ich 2002 fotografisch um. Die kühne Burgkonstruktion aus dem Mittelalter, die von den Schweden im 30jährigen Krieg niedergebrannt wurde, befindet sich auf einer Granitfelsformation oberhalb des KZ Flossenbürg. Ich entschied mich daher für SW-Aufnahmen von diesem düsteren Ort. Spannend fand ich Wechselspiel und Kontraste von Granitformationen und von Menschenhand erbauten Mauern bei guter Sonneneinstrahlung. Man kann hier auch weit ins bayerisch-böhmische Grenzgebirge sehen. Die Fotos zeigen einige interessante Details von der teils frisch restaurierten Anlage, so die Löcher in den verarbeiteten Steinen, die dem besseren Greifen durch die mittelalterlichen Baukräne dienten.

Die Fotoserie findet sich hier:

Burgruine Flossenbürg

Münster: Fotoausstellung über Denkmalschutz

Januar 8, 2013

In schwierigen Zeiten für den Denkmalschutz häufen sich die Förderanträge bei privaten Stiftungen. 31 ihrer Förderprojekte präsentiert jetzt die private Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) vom 10. Januar 2013 bis zum 16. Februar 2013 in der Dominikanerkirche in der Salzstraße in Münster. In der Fotoausstellung werden Denkmale der verschiedensten Gattungen aus ganz Deutschland gezeigt. Dazu gehört die mächtige Wismarer Georgenkirche in Mecklenburg-Vorpommern ebenso wie die Liboriuskapelle im thüringischen Creuzburg, die Wutachtalbahn im baden-württem­bergischen Blumberg oder der Leuchtturm „Roter Sand“ in der Wesermündung. Aus Nordrhein-Westfalen werden das Kloster Steinfeld in Kall und die Häuser Esters und Lange in Krefeld vorgestellt.

Zu den über 300 von der DSD in Nordrhein-Westfalen geförderten Projekten gehören in Münster die Lambertikirche, die Kapelle von Haus Lütkenbeck, der Erbdrostenhof und das Lepramuseum-Kinderhaus. Im Umland von Münster finden sich weitere Förderprojekte, so in Nottuln die Martinskirche und die Wassermühle Schulze Westerath, in Havixbeck Haus Stapel, in Steinfurt-Burgsteinfurt der Bagno-Konzertsaal, in Rosendahl Schloss Varlar, in Lengerich die Stadtkirche und in Alverskirchen Haus Brückhausen. In Münster unterstützt ein ehrenamtliches Ortskuratorium unter Leitung von Sigrid Karliczek die Ziele der Stiftung.

Die Ausstellung in der Dominikanerkirche ist bis zum 16. Februar 2013 dienstags bis samstags von 12.00 Uhr bis 17.00 Uhr zu besichtigen.