Archive for Februar 2017

Die kritische Edition von „Mein Kampf“: Entmystifizierung eines politischen Symbols

Februar 17, 2017

2_ifz_mk_editionsbaende_stehendHeftige Kontroversen und Ängste rief die 2016 erschienene Kritische Edition von „Mein Kampf“  in der deutschen und internationalen Öffentlichkeit hervor. „Das absolut Böse“ lasse sich nicht durch Kommentierung neutralisieren, meinte etwa Jeremy Adler jüngst in der Süddeutschen Zeitung. Dies sah Othmar Plöckinger als Mitherausgeber der Edition bei einem Vortrag in der Villa ten Hompel anders: Niemand werde durch diese Veröffentlichung zum Neonazismus verführt. Im heutigen Rechtsextremismus habe „Mein Kampf“ ohnehin nur noch symbolische, aber nicht inhaltliche Bedeutung.

Die kritische Edition leiste einen Beitrag zur „Entmystifizierung“ dieses „politischen Symbols“. Die Anmerkungen zu Hitlers Text seien schon grafisch diesem „auf Augenhöhe“ gegenübergestellt, wollten nicht nur historisch und begrifflich erläutern und ergänzen, sondern, wo dies immer auch möglich sei, widerlegen und widersprechen. Der große Verkaufserfolg mit bisher 85 000 abgesetzten Exemplaren rühre aus dem Interesse des Bildungsbürgertums an einer historisch eingeordneten Quelle her. Auch der ungeheure Medienhype erklärt laut Plöckinger den Erfolg des sperrigen kiloschweren zweibändigen Werks, das zu einem relativ günstigen Selbstkostenpreis angeboten werde.

Dr. Othmar Plöckinger verteidigte die Kritische Edition

Dr. Othmar Plöckinger verteidigte die kritische Edition

Plöckinger gab auch Einblicke in die Arbeit an der kritischen Edition. Das Denken an die historischen Konsequenzen von „Mein Kampf“ habe es manchmal schwer gemacht, die Pose wissenschaftlicher Distanz durchzuhalten, zumal die Veröffentlichung einer solchen Edition neben politischen auch ethische Fragen im Hinblick auf die Opfer des Nationalsozialismus aufwerfe. Es sei aber ein tolles Erlebnis gewesen, Hitler durch akribische Recherche und neue Quellen-Funde Lügen und Verdrehungen nachweisen zu können.

Über sechs Jahre hatte ein  Team unter Einbindung von 80 Wissenschaftlern verschiedenster Disziplinen im Auftrag des Instituts für Zeitgeschichte an der Kommentierung gearbeitet. 70 Jahre nach Hitlers Tod konnte Sie dann veröffentlicht werden, da der Urheberrechtsschutz ausgelaufen war. Unkommentierte Nachdrucke von „Mein Kampf“ sind in Deutschland nach wie vor als Volksverhetzung mit Strafverfolgung bedroht, obwohl vollständige Textausgaben leicht aus dem Internet gezogen oder antiquarisch erworben werden können.

Frauke Petry brachte in Münster tausende Gegendemonstranten auf die Straße

Februar 10, 2017

Tausende Gegendemonstranten brachte ein Besuch der AfD-Bundesvorsitzenden Frauke Petry und ihres Manns Marcus Pretzell in Münster auf die Straße. Angaben reichten von 6000 bis 8000 Gegendemonstranten, die sich in aufgeheizter Stimmung lauthals Gehör verschafften, aber von der Polizei auf Abstand gehalten wurden. Gewalttätige Zwischenfälle wurden noch nicht vermeldet. Vereinzelt wurden Feuerwerkskörper gegen das Rathaus des Westfälischen Friedens gefeuert, in dem Petry anlässlich des Neujahrsempfangs der AfD Münster vor 300 Gästen sprach. Anders als die Rheinische Post vermeldeten die Westfälischen Nachrichten in ihrem Liveticker, dass von den geladenen 300 Gästen nur 200 erschienen seien. Da die Gegendemonstranten den Prinzipalmarkt in großem Massen versperrten, war ein Durchkommen schwer. Die Polizei eskortierte jedoch auch Gäste durch die Menschenmenge.

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Der sonst abends erleuchtete Prinzipalmarkt bot ein gespenstisches Bild, da die Kaufleute aus Protest gegen Petry die Fassadenbeleuchtungen abgeschaltet hatten. Dafür hatten sie vielfach Europafahnen aus den Fenstern gehängt.

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In Wurfweite zum abgesperrten Rathaus schrien die Demonstranten immer wieder Parolen wie „Nazis raus!“ oder „Ganz Münster hasst die AfD“, wobei der AfD auf Plakaten selbst Schüren von Hass vorgeworfen wurde. Regelmäßig gab es auch Buhkonzerte, wenn Personen auf das Rathaus zusteuerten. Zu der Gegendemonstration hatte ein breites Bündnis von Parteien, Kirchen und Gewerkschaften mobilisiert. Petry kann sich nicht darüber beklagen, dass sie ignoriert würde.