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Bildung in Beton: Universitätsgründungen der 1960er Jahre

Juli 26, 2014
Die Kugel - der zentrale Treffpunkt der Uni Regensburg.

Die Kugel – der zentrale Treffpunkt der Uni Regensburg.

Im Vergleich zu zwei anderen Campus-Uni-Neugründungen der 1960er Jahre, Bielefeld und Bochum, bildet die mehrfach preisgekrönte Uni-Architektur in Regensburg geradezu einen aufgelockerten, spielerischen und abwechslungsreichen Bildungstempelbezirk. Bochum und Bielefeld erscheinen hingegen als vergleichsweise monotone Bildungsfabriken gigantomanen Ausmaßes.  Am schönsten gerieten in Regensburg das Verwaltungsgebäude mit Zentralbibliothek und die Agora davor. In anderen Teilen der Universität kommt man sich vor wie in einem gelandeten Raumschiff aus Scifi-Filmen, in anderen leider wie in düsteren Katakomben.

Die Universitätsarchitektur in Regensburg, die von mehreren Architekten in stilistisch unterschiedlichen Würfen zusammengestellt wurde, betont eher die Unterschiede zwischen den Fakultäten, während in Bochum oder Bielefeld alle Fakultäten in gleich aussehenden „Schiffen“ bzw. Gebäudetrakten untergebracht sind. In Bielefeld sind sogar alle Fakultätsgebäude durch ein überdachtes Zentralgebäude miteinander verbunden, was den fächerübergreifenden Austausch fördern soll, sich im Sommer aber durch das Glasdach auch aufheizt.  Im Gegensatz zu Bochum und Bielefeld schmiegt sich die Uni-Architektur in Regensburg an die Landschaft an, sodass sie im Stadtbild nicht heraussticht. Durch ihre aufgelockerte Aufstellung kann die Uni Regensburg auch in alle Richtungen durch Neubauten erweitert werden, was in Bielefeld nur unter Abrücken von der baulichen Einheit möglich ist.

Trotz der Auflockerung fand ich die Sichtbeton-Architektur, in der es an vielen Stellen bröckelte und tropfte, in Regensburg doch auch recht bedrückend. Insbesondere das Audimax-Gebäude und das PT-Gebäude sind etwas lichtlos.

Dies gilt natürlich besonders für den unterirdischen Lieferbereich, der für die Trennung von Kraftfahrzeugverkehr und Fußgängerverkehr auf zwei Ebenen sorgt, sodass sich Studenten und Lieferanten und Autos nicht ins in Gehege kommen.

Die Campus-Architektur aus einem Guss ist verglichen mit Alt-Universitäten natürlich sehr zweckmäßig und praktisch, abgesehen davon, dass sie gedanklich kompromisslos auf die Zukunft einstimmt. Etwa im Regensburger RW-Trakt: Die rechtswissenschaftliche Literatur, die Vorlesungssäle und die weiträumige und helle Cafeteria befinden sich unter einem Dach, sodass man alles trockenen Fußes erreichen kann. Dies gilt aufgrund überdachter Verbindungswege für das gesamte bebaute Universitätsgelände.

Die Uni-Regensburg hob wie erwartet die Bildungsreserven Ostbayerns und trug mit zur Entwicklung der früher strukturschwachen Region bei, was sich daran zeigt, dass sie zeitweise von Lehramtsstudenten dominiert wurde. Denn der Beruf des Lehrers gehört zu den wenigen akademischen Berufen, den Kinder aus Nicht-Akademiker-Familien aus eigener Anschauung kennen und den sie daher bevorzugt anstreben. Darüber hinaus entfaltete die Regensburger Universität aber keine besondere Anziehungswirkung, obwohl die Altstadt Regensburgs der Heidelbergs an Schönheit gleicht, sodass sie auch nicht die LMU München so entlasten konnte, wie es angestrebt worden war.

 

Universität Bielefeld im Bild:

https://www.flickr.com/photos/vongrafenstein/sets/72157644958751144/

 

Ruhr-Uni Bochum im Bild:

https://www.flickr.com/photos/vongrafenstein/sets/72157644548439939/

 

Universität Regensburg im Bild:

https://www.flickr.com/photos/vongrafenstein/sets/72157644255510865/

 

Weiterführende Lektüre:

Ein Campus für Regensburg, Konzeption – Architektur – Kunst, 40 Jahre Universität Regensburg 1967-2007

(http://www.amazon.de/Ein-Campus-für-Regensburg-Architektur/dp/3930480638).