Archive for Februar 2016

Sich ausbreitende Kriminalität und ihre Folgen

Februar 14, 2016

Entnehme den Westfälischen Nachrichten vom Wochenende, dass im Supermarkt bei mir um die Ecke drei Marokkaner, die man ihrem Akzent erkannte, sich die Jacken mit Diebesgut vollstopften. Einer wurde festgehalten, zwei konnten entkommen. Aus der Berichterstattung der lokalen Medien der letzten Wochen könnte man folgern, dass Münster jetzt im Bereich der Kriminalität ein Nordafrikaner-Problem hat.

Sehe heute, dass der Selbstbedienungsbereich in der Bankfiliale am Hauptbahnhof jetzt außerhalb der Geschäftszeiten geschlossen ist, angeblich aus „technischen Gründen“. Aufgrund von Zeitungsberichten über vermehrte Sprengung von Geldautomaten und die Reaktionen der Banken darauf frage ich mich, ob eher die Angst vor der in Bahnhofsgegend stark zunehmenden Kriminalität Ursache der eingeschränkten Nutzungsmöglichkeiten ist.

An einer Flüchtlingsunterkunft in der Nachbarschaft ruft ein Fahndungsplakat der Polizei dazu auf, Hinweise zur Aufklärung der „Verbrechen“ der Silvesternacht in Köln zu geben. Daneben hängt eine Version in Arabisch. Die gehen ja von einem weiten Wirkungsradius der Täter aus.

Kürzlich traf ich einen hochbetagten Rentner, der statt einer Geldbörse einen Brustbeutel unter dem Hemd trägt, um Geld und Papiere zu verstauen. Grund sind die vielen Taschendiebstähle und Raubüberfälle, von denen man mittlerweile in der Lokalzeitung liest. Er habe viel miterlebt, auch noch den Zweiten Weltkrieg, aber die derzeitige Flüchtlingskrise führe dazu, dass er erstmals in seinem Leben wirklich Angst empfinde. Das ist schon die zweite Variante der Vorsorge gegen Taschendiebstahl, die ich in Münster kennenlerne. Eine Münsteranerin erzählte mir,  nach Einbruch der Dunkelheit nehme sie nur die notwendigsten Dinge aus ihrer Brieftasche mit auf den Weg.

„Steigt die Kriminalität im Land, Herr Pfeiffer?“ fragt der SPIEGEL, Nr. 5 vom 30.1.2016 den bekannten Kriminologen mit drei F. In absoluten Zahlen ja, antwortet dieser unter anderem. Wenn dieses Jahr noch einmal so viele Flüchtlinge nach Deutschland kommen wie letztes Jahr, werde die Polizei mit der Kriminalitätsbekämpfung überfordert sein. „Dann schaffen wir es nicht.“ Beunruhigende Perspektiven.