Archive for Februar 2020

Merz macht mobil

Februar 16, 2020
Illustration Merz-Auftritt

Stefan Friedrich (li.) vom Berliner Forum Mittelstand begrüßte Friedrich Merz (re.), der die Lacher und das Publikum auf seiner Seite hatte. Foto: Forum Mittelstand.

Bejubelt von Junger Union, eingeladen vom Berliner „Forum Mittelstand“ um Stefan Friedrich, und umlagert von einer Pressemeute trat Friedrich im prall gefüllten Berliner Ballhaus auf und gab eher in der Art eines „Elder Statesman“ recht launig seine Einschätzung zur politischen Lage zum Besten. Auf die beharrlichen Nachfragen von BILD-Journalist Nikolaus Harbusch, ob er Kanzler oder Parteivorsitzender der CDU werden wolle, mauerte Merz und wurde nicht konkret. „Er wolle seinen Beitrag leisten“, die CDU wieder über 35 Prozent zu bringen. Vor allem das Wiedererstarken politischer Kräfte rechts der Union treibe ihn um und habe ihn auch zur Kandidatur für den Parteivorsitz 2018 bewegt. Er sprach diesbezüglich sogar von „Gesindel“, nahm diese Formulierung jedoch auf Nachfragen aus dem Publikum wieder zurück.

Das Erstarken der politischen Ränder sei ein Ergebnis von Orientierungslosigkeit und empfundener Führungslosigkeit. Die Streitkultur in der politischen Mitte müsse wiederbelebt werden, die Groko habe diese beschädigt, es sei ein Fehler der FDP gewesen, nicht in die Jamaika-Koalition im Bund gegangen zu sein, dann wäre die SPD die größte Oppositionspartei geworden und nicht die AfD. Die CDU sei in einer ähnlich gefährlichen Lage wie die SPD, sie müsse jetzt in der ganzen Breite Themen anbieten. Noch könne man an die AfD verlorene Wähler zurückholen, aber nicht mehr lange. Wie das gelingen soll wurde deutlich, als Merz über das Problem der Vollverschleierung an Universitäten räsonierte, das Immigrationsthema ansprach und Bemerkungen zu Grenzkontrollen machte.

Zur außenpolitischen Lage merkte Merz an, dass die Wiederwahl Trumps bevorstehe und China an seine große Vergangenheit wieder anknüpfe. Aus der wirtschaftlichen Abhängigkeit von diesen beiden Ländern müsse sich Europa befreien. Trump mache das, was er angekündigt habe, die Pax Americana gehe jetzt dem Ende zu, was unter anderem an den nach dem 2. Weltkrieg geschaffenen internationalen Institutionen sichtbar werde. Das werfe die Frage auf, welchen Beitrag jetzt „wir“ zur Stabilisierung der internationalen Lage, etwa im Nahen Osten, beitragen werden. Deutschland sei zwar durch Größe und geostrategische Lage zur Übernahme internationaler Verantwortung gezwungen, allein könne es aber freilich wenig ausrichten, Europa hingegen viel.

Hinsichtlich des Klimawandels konstatierte Merz: „Wir haben ein ernsthaftes Problem!“ Die CDU müsse hier eigene Lösungen anbieten. Eine CO2-neutrale Wirtschaftsweise  sei aber nur mit der Industrie realisierbar, nicht gegen sie, alles andere führe ins Elend.

„CrimeBoy“ gesucht: Verbrecherjagd im Internet

Februar 3, 2020
Verbrecherjagd in Münster

Verbrecherjagd in Münster soll ins Internet gestreamt werden. Foto: Privat

Münster (SMS) Ein neuer Fall für Münsters Spürnasen: nach Wilsberg und Thiel soll in Zukunft auch der „CrimeBoy“ Kriminalfälle lösen, die die Domstadt in Atem halten. Zumindest wenn es nach dem münsterschen Filmemacher Simon Jöcker geht. Seine Idee: Eine regionale Krimi-Webserie für den Internet-Kanal „YouTube“ zu entwickeln. Der Filmservice Münster.Land des städtischen Presseamtes unterstützt ihn dabei. „CrimeBoy“ soll ein junges Format mit jugendlicher Bildsprache werden, in der Live-Streams, Vlogs und Chatverläufe zum Stilmittel gehören. „CrimeBoy“ spielt in der Gaming-Szene und im Studentenmilieu. Darüber hinaus werden die einzelnen Stories zwischen den Veröffentlichungen der Videoclips auf einem fiktionalen Instagram-Kanal weitergeführt. So erscheint auch zwischendurch mal eine Instagram-Story mit einem Hinweis zur Lösung des Falls auf dem Handy.

Die Geschichte kurz zusammengefasst: Ein erfolgloser Gaming-Blogger löst einen Kriminalfall, dokumentiert seine Recherchen dazu in seinem Live-Stream und wird darüber unverhofft doch noch zum Influencer. Mit diesem neuen Genre des „Crimefluencers“ löst er in den folgenden Episoden weitere Fälle und macht auch eine persönliche Entwicklung vom unproduktiven Nerd zum erfolgreichen Game Changer durch. Bei der Webserie steht neben den Kriminalgeschichten der Regionalfaktor stark im Vordergrund. Während Fernsehsendungen größtenteils in Köln gedreht werden, soll hier Münster viel stärker mit eingebunden werden. So spielt die erste Folge zum Beispiel rund um die Lambertikirche mit ihrer Türmerin und dem Nachtwächter auf dem Prinzipalmarkt.

Was Simon Jöcker im Moment noch etwas Kopfzerbrechen bereitet, ist die Finanzierung der Web-Serie: „CrimeBoy“ ist ein Non-Profit-Projekt, das in keinen der bestehenden Fördertöpfe passt und deshalb über Crowdfunding finanziert werden soll. Zuerst will Jöcker eine Pilotfolge drehen. Wenn das Format gut ankommt, möchte er mit Hilfe von Sponsoren oder Partnern weitere Folgen einer achtteiligen Staffel verwirklichen. Da das Format besonders heimatnah sein soll, sucht die Produktion nun nach einem männlichen Hautdarsteller aus dem Münsterland (Spielalter 18 bis 25). Es wäre schön, wenn der Bewerber Schauspielerfahrung hätte, so Jöcker. Showreels oder Bewerbungsvideos könnten auf casting@crimeboy.de eingereicht werden.

Um die Umsetzung der Pilotfolge zu finanzieren, hat Jöcker bereits ein Crowdfunding eingerichtet. Dabei können Unterstützer einen frei wählbaren Betrag spenden und bekommen dafür eine symbolische Gegenleistung zurück – zum Beispiel einen Titel im Abspann, eine Statistenrolle oder eine Einladung zur Premiere im Kino. Die Finanzierungsphase läuft vom 3. Februar bis 1. März 2020 auf: www.startnext.de/crimeboy . Ein Crowdfunding-Video und aktuelle Infos zum Projekt gibt es auf www.crimeboy.de, dem YouTube-Kanal CrimeBoy und auf der Facebook-Seite CrimeBoy. Regelmäßige Updates und Stories finden sich auf Instagram unter crimeboy_.
Filmemacher Simon Jöcker hat Filmregie in Hollywood studiert, arbeitete als Fernsehredakteur und Autor bei der ARD und hat sich danach als Videoproduzent für Social-Media-Filme in Münster selbstständig gemacht. Neben seinen beruflichen Tätigkeiten produziert er auch in seiner Freizeit regelmäßig Webvideos für und über Münster.