Archive for April 2018

Ein Grund zum Feiern? Münster und der Westfälische Frieden

April 29, 2018

Die Ausstellung „Ein Grund zum Feiern? Münster und der Westfälische Frieden“ im Stadtmuseum Münster widmet sich der Rezeptionsgeschichte des Westfälischen Friedens, wobei die Jubiläen 1748, 1848, 1898 und 1948 im Fokus stehen. Im Anschluss an die Ratifikation des Westfälischen Friedens hatte es 1649 in Münster einen Festakt gegeben doch die folgenden Jahrhunderte sollten eine ganz andere Sicht auf den Westfälischen Frieden offenbaren, als man heute annehmen sollte.

Die Jubiläen des Friedens im Jahr 1748 und 1848 wurden in Münster nur ignoriert. Die katholische Stadt nahm den Westfälischen Frieden vor allem als Schwächung des Katholizismus im Deutschen Reich wahr, während die protestantischen Reichsstädte Süddeutschlands wie etwa Nürnberg und Augsburg große Friedensfeste veranstalteten.

Wilhelm Bolte: Friedensdenkmal in Münster, eingeweiht 1905. Foto: Stadtmuseum Münster

Erst 1898 gedachte die Stadt Münster erstmals offiziell des Westfälischen Friedens. Wobei kein großer Festakt für die Bevölkerung geplant wurde, sondern lediglich ein Treffen von Historikern an den Friedensschluss in Münster erinnerte. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstanden das monumentale Historienbild über die Friedensverhandlungen im Rathaussaal von Fritz Grotemeyer und das 1942 eingeschmolzene münstersche Friedensdenkmal. Diese Werke können jedoch nicht in einen Zusammenhang mit einer großen Feierstimmung anlässlich des Jubiläums in Zusammenhang gebracht werden.

Für die Nationalsozialisten war der Westfälische Frieden Grundlage um gegen den Erbfeind Frankreich Stimmung machen zu können. So plante die Partei, den 300. Jahrestag 1948 für ihre Zwecke zu missbrauchen. Einen Einblick in die bereits 1940 aufgebaute, aber nie eröffnete Propagandaausstellung geben erhaltene, damals angefertigte Gemäldekopien sowie dokumentarische Fotografien. Erst nach der Gedenkwoche 1948 erfolgte vor dem Hintergrund des verlorenen Zweiten Weltkriegs eine Umbewertung des Westfälischen Friedens zum Einigungsfrieden. Erst seit einigen wenigen Jahrzehnten ist Münster „Die Stadt des Westfälischen Friedens“, an dessen Jubiläen sie jetzt regelmäßig erinnert.

Die Ausstellung „Ein Grund zum Feiern? Münster und der Westfälische Frieden“ im Stadtmuseum verdeutlicht, wie abhängig das Urteil über den Westfälischen Frieden von den jeweiligen zeithistorischen Umständen war. Zur Veranschaulichung werden in der Ausstellung Gemälde, Medaillen, Grafiken, Plakate, Postkarten, Fotos, Filmaufnahmen, Inszenierungen und Animationen aus 350 Jahren Geschichte des Westfälischen Friedens in Münster zusammen mit bedeutenden Leihgaben, etwa dem berühmten Weinlöwen aus Nürnberg, ausgestellt.

Zur Ausstellung, die bis zum 2. September 2018 zu sehen ist, erscheint ein Katalog, der im Stadtmuseum Münster an der Salzstraße erhältlich ist (Sandstein Verlag, 9,80 Euro).

Quelle: Stadt Münster

Viel Politprominenz auf dem Katholikentag

April 27, 2018

Das Bundeskabinett ist beim Katholikentag in Münster so stark vertreten, wie selten zuvor: Die Organisatoren erwarten zehn von 16 Mitgliedern der Regierung bei Veranstaltungen und als Gesprächspartner für Podien. So sagten in den vergangenen Tagen Bundesjustizministerin Katarina Barley und Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier zu. Schon länger bekannt sind die Zusagen von Bundeskanzlerin Angela Merkel und der Bundesminister Horst Seehofer,  Hubertus Heil,  Julia Klöckner, Franziska Giffey, Jens Spahn, Anja Karliczek und Gerd Müller. Auf einem Podium wird außerdem auch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien Monika Grütters sprechen.

Für Thomas Sternberg, Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, ist dieser hohe Grad der Beteiligung von Mitgliedern des Bundeskabinetts ein „Ausdruck der Wertschätzung des Katholikentags. Er zeigt auch dessen hohe Bedeutung, nicht nur für den Raum der Kirche, sondern auch weit darüber hinaus für die gesamte Gesellschaft. Dies gilt generell bei einem Katholikentag aber besonders bei diesem, der sich das Leitwort ‚Suche Frieden‘ gegeben hat.“

Fest steht mittlerweile auch die Zusammensetzung des Podiums mit Beteiligung von Bundeskanzlerin Angela Merkel: Sie wird mit Kardinal Peter Turkson, dem Präfekten des neuerrichteten „Dikasterium für die ganzheitliche Entwicklung des Menschen“ im Vatikan und dem Volkswirt und Friedensforscher Prof. Tilman Brück zum Thema „Deutschland in einer veränderten Weltlage – Wie umgehen mit Konfliktherden und aggressiven Regimes?“ diskutieren. Die Journalistin Astrid Prange von der Deutschen Welle moderiert das Podium. (Weitere Informationen unter katholikentag.de/merkel)

Katarina Barley nimmt an der Veranstaltung mit dem kolumbianischen Staatspräsidenten und Friedensnobelpreisträgers Juan Manuel Santos teil, an der auch Pater Michael Heinz SVD, Hauptgeschäftsführer des Hilfswerkes Adveniat, beteiligt ist.

Hinweis: Weitere Informationen zum Programm sind zu finden unter katholikentag.de/programm. Bei Eingabe des Namens in die Suchleiste werden die jeweiligen Veranstaltungen angezeigt. Diese Funktion gibt es auch für unterwegs mit der App des Katholikentags – Downloadmöglichkeit unter katholikentag.de/app

Abrechnung mit den 68ern

April 26, 2018

Aufgrund der Gegenproteste im 68er-Stil verlief der gestrige Abend der AfD Münster mit Dr. Karlheinz Weißmann nicht ohne Komik und Grusel. In der Mitte der Veranstaltung fiel kurzzeitig das Licht aus. Dann klingelte ein deponierter Wecker, der erst gefunden werden musste. Die lärmenden und schreienden Gegendemonstranten aus dem linken Spektrum wurden von der Polizei nahe an den Eingang der Stadtbibliothek als Veranstaltungsort herangelassen und waren am Anfang der Veranstaltung ständig im Hintergrund zu hören.

Dr. Karlheinz Weißmann beim Vortrag in Münster

Der Vortrag des Geschichtslehrers und rechtskonservativen Publizisten Weißmann über den „Kulturbruch ’68: Die linke Revolte und ihre Folgen“ selbst erwies sich eigentlich als ziemlich unspektakulär historisch-darstellend und reihte sich weitgehend ein in die gängige 68er-Kritik, die man ähnlich heute eigentlich überall lesen kann, allerdings ohne auch positive Aspekte von ’68 hervorzuheben. ’68 sei nicht das Gründungsdatum der Zivilgesellschaft gewesen, wie die 68er-Apologeten behaupteten, vielmehr habe es in den 50er und 60er Jahren eine breite, vielfältige öffentliche Diskussionskultur gegeben, die durch die 68er zerstört worden sei. ’68 sei ein Kulturbruch im Sinne einer Revolution gewesen, die die Umwertung aller Werte und die Veränderung der Lebensweise zur Folge gehabt habe. Die Reformära der 70er Jahre und der Marsch durch die Institutionen könnten als Triumph der 68er gedeutet werden, wenn auch die Revolte zunächst gescheitert sei.

Ihren Ausgang hatte die 68er-Bewegung in den USA, referierte Weißmann, wenn sie auch in Deutschland vom kommunistischen Ostblock unterstützt worden sei. Die verwöhnten Kinder der Wohlstandsgesellschaft in den USA, die gewohnt waren, dass jeder ihrer Wünsche erfüllt würde, aber dann mit Wehrpflicht und Kriegseinsatz in Vietnam konfrontiert gewesen seien, hätten die Basis der dortigen Studentenbewegung gebildet. Sozialistische Utopien sollten mit einem Bündnis der progressiven Intelligenz mit Randgruppen verwirklicht werden.  Das Denken drehte sich um Befreiung des Trieblebens, Ablehnung der Industrie- und Konsumgesellschaft sowie Ablehnung jeglicher Hierarchien.

Deutsche Austauschstudenten in den USA seien von dieser Bewegung angesteckt und mit Aktionsformen wie Sit-in oder Go-in vertraut gemacht worden. Weißmann zeichnete den historischen Gang der Ereignisse wie die Massendemonstrationen im Gefolge der Erschießung des Studenten Benno Ohnesorg und des Attentats auf Rudi Dutschke nach. Die „Schlacht am Tegeler Weg“, bei der Bruchsteinplatten und Rockerbanden gegen die Polizei eingesetzt worden seien, hätten zur Aufrüstung der Polizei mit Helm und Schild geführt. Das Ende des Tschako-Polizisten sei also auch ein fragwürdiger Erfolg von ’68. Dazu kommen die Todesopfer der RAF, die sich aus der 68er-Bewegung entwickelt habe. Vor allem aber habe ’68 psychische Schäden und eine allgegenwärtige ideologische Imprägnierung der Gesellschaft hinterlassen, glaubt Weißmann, und eben auch eine Protestkultur wie vor der Tür der Stadtbibliothek Münster, die Andersdenkenden die Meinungs- und Versammlungsfreiheit abspreche.

 

 

Auch die AfD soll zum Katholikentag gehören

April 19, 2018

Die Einladung des kirchenpolitischen Sprechers der AfD-Bundestagsfraktion, Volker Münz, zu der Veranstaltung des Katholikentags „Nun sag‘, wie hast du’s mit der Religion? – Die Haltung der Bundestagsparteien zu Kirche und Religion in Staat und Gesellschaft“ hat in der Öffentlichkeit zu einer breiten, nicht immer sachlichen Debatte geführt. Der Generalsekretär des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Dr. Stefan Vesper, hat im Auftrag der Leitung des 101. Deutschen Katholikentags Münster 2018 zu verschiedenen Anfragen hierzu folgende Erklärung übermittelt:

„Frühzeitig, bereits vor der Bundestagswahl, hat die paritätisch von Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) und Bistum Münster besetzte Katholikentagsleitung entschieden, aufgrund unterschiedlicher Entwicklungen in unserem Land das Verhältnis des Staates und der Gesellschaft zu den Religionen und Kirchen zu thematisieren. Dies ist nach unserer Überzeugung ein wichtiges Thema für den gesellschaftlichen Frieden.

Wichtige Ansprechpartner in dieser Debatte sind die kirchenpolitischen Sprecher der Bundestagsparteien, die wir aus diesem Grund zu unserer Veranstaltung eingeladen haben. Zu unserem Bedauern stellt die AfD nun seit dem Wahltag eine große Fraktion im Bundestag. Nach intensiver Diskussion sind wir deshalb zu der Ansicht gekommen, dass es eine demokratische Notwendigkeit ist, bei unserer Veranstaltung alle im Bundestag vertretenen Positionen, auch die der AfD, durch die kirchenpolitischen Sprecher zur Diskussion zu stellen.

Wir sind in der Katholikentagsleitung gemeinsam davon überzeugt, dass es höchste Zeit ist, angesichts der Realitäten in unserem Land und in unserem Parlament, in eine neue Phase der politischen Auseinandersetzung mit populistischen Strömungen einzutreten: Wir müssen aktiv und persönlich streiten mit denen, die unsere Demokratie verachten und verhöhnen. Und wir müssen viel intensiver mit denen reden, die aus Frust und Protest AfD gewählt haben. Zu dieser politischen Kultur will der Katholikentag seinen Beitrag leisten.

Vor diesem Hintergrund stellen wir noch einmal klar: Der Katholikentag in Münster stellt sich entschieden gegen jede Form von Vorurteilen und Hass, auch wenn sie sich als Sorge tarnen. Er wird sich am demokratischen Wettstreit mit einer klaren Haltung und einem klaren Standpunkt beteiligen. Er stellt sich gegen alle, die Menschen aufgrund ihres Glaubens oder ihrer Herkunft diffamieren und verächtlich machen. Er wird Position beziehen gegen jede Verhöhnung demokratischer Politiker und Institutionen und die Verleumdung freier Medien. Jede Art von Hetze gegen Andersdenkende hat auf dem Katholikentag keinen Platz“.

Der 101. Deutsche Katholikentag ist eine Großveranstaltung, bei der Themen aus Kirche und Gesellschaft diskutiert werden. Er findet vom 9. bis 13. Mai 2018 in Münster statt. Erwartet werden mehrere Zehntausend Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus dem gesamten Bundesgebiet. Katholikentage werden vom Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) in der Regel alle zwei Jahre an wechselnden Orten veranstaltet. Der 100. Deutsche Katholikentag fand 2016 in Leipzig statt, 2014 trafen sich die katholischen Laien in Regensburg, 2012 in Mannheim.