Archive for the ‘Bayern’ Category

Schottenportal in Regensburg

Juli 30, 2018

Hammerschloss Röthenbach – ein Dornröschenschloss im Holzkorsett

August 31, 2017

Hammerschloss Röthenbach, 2012, vor dem Teileinsturz.

Hammerschloss Röthenbach, 2012, nach dem Teileinsturz.

Hammerschloss Röthenbach, 2017, mit Holzkorsett.

Schon seit fünf Jahren nach seinem Teileinsturz bei Drainagearbeiten präsentiert sich das verwaiste Röthenbacher Hammerschloss in einem aufwändigen Holzkorsett und wird wie ein Dornröschenschloss zunehmend von der Natur umwuchert. In der Gemeinde Kohlberg gilt das nach einem Käufer suchende barocke Schlösschen als Millionengrab.  Sicher würde es einigen Aufwand erfordern, die eingestürzte Westseite wieder hochzumauern und auch die das Schloss umgebenden Gutsgebäude zu sanieren. Wenigstens ist das idyllisch gelegnee Hammerschloss aus dem Jahr 1678 gut gesichert und verriegelt, auch gegen Einbrecher, die nur zu ihrem eigenen Unheil in die Schlossruine einsteigen könnten. Einige kunstvolle Fassadenreste auf der Rückseite des Gebäudes weisen darauf hin, dass das alte Herrenhaus einmal ein wahres Schmuckkästchen gewesen sein muss, Schätze enthält es jedoch nicht mehr.

 

Mehr aktuelle Bilder aus dem verfallenden Ortskern von Röthenbach finden sich hier.

Vor 50 Jahren: Das Corps Franconia Jena zieht nach Regensburg

April 26, 2017

Im Jahrbuch des Vereins für corpsstudentische Geschichtsforschung erscheint dieses Jahr ein Beitrag von mir über die Verlegung des geschichtsträchtigen Corps Franconia Jena von Frankfurt nach Regensburg vor 50 Jahren. Diese Verlegung steht unter anderem mit dem Aufkommen der 68er-Bewegung in Frankfurt a. M. in Zusammenhang, die zu einer Absetzbewegung vieler Studentenverbindungen aus der Mainmetropole führte.

Röthenbach im Spiegel der Presse

April 27, 2016

Ehemalige Bewohner von Röthenbach behalten oft ihr ganzes Leben eine Bindung zu diesem abgelegenen Örtchen in der nördlichen Oberpfalz. Ich erlebte dies auf Heimattreffen mit Ex-Röthenbachern in Röthenbach als Kind, und spüre es auch jetzt selbst. Die Einwohnerzahl von Röthenbach hat sich einst nach Stillegung der Gutsbetriebe in den 1960er Jahren ungefähr halbiert, vor acht Jahren hat auch meine Familie den Ort verlassen. Was bleibt, ist die Erinnerung, die Geschichte und die schöne Natur des Orts, die jüngst auch das Interesse von Rangerinnen des Geoparks Bayern-Böhmen geweckt hat. Die Sanierung der denkmalgeschützten Gebäude im alten Ortskern will aber nicht recht vorankommen bzw. ist zumindest vorläufig mit dem Teileinsturz des Hammerschlosses tragisch gescheitert. Das Hammerschloss steht seit vergangenem Jahr erneut zum Verkauf. Den Schlosspark hat der jetzige Besitzer schon an den Staatsforst veräußert.

Im folgenden habe ich Zeitungsartikel der letzten Jahre über Röthenbach zusammengetragen, die eine kleine Chronik ergeben.  Aufgrund der sich überstürzenden Ereignisse ist wahrscheinlich in den letzten Jahren mehr über Röthenbach geschrieben worden, als während meiner ganzen beschaulichen Kindheit und Jugend, die ich dort verbrachte.

 

Röthenbach allgemein und Geschichte

29. 3. 2008, Chronik: http://www.onetz.de/deutschland-und-die-welt-r/lokales/roethenbach-vom-eisenhammer-zur-neuen-heimat-fuer-fluechtlinge-d29148.html

1.9. 2010, teilweise fehlerhafte Kurz-Chronik: http://www.onetz.de/deutschland-und-die-welt-r/lokales/1250-aus-der-geschichte-des-ortes-und-schlosses-d715350.html

11.6.2013, Austellung über die Ortsgeschichte erfreute sich lebhaften Interesses: http://www.onetz.de/deutschland-und-die-welt-r/lokales/ausstellung-der-freien-waehler-zur-roethenbacher-dorfgeschichte-stoesst-auf-enormes-von-gloserern-gutsherren-und-gasthaeusern-d76865.html

13. 8. 2013, Erneuerung der Straße nach Weiherhammer: http://www.onetz.de/deutschland-und-die-welt-r/lokales/strecke-zwischen-weiherhammer-und-roethenbach-kurz-vor-fertigstellung-im-eiltempo-drei-kilometer-saniert-d727605.html

1.2.2014, geführte Touren von Geoparkrangerinnen im Röthenbachtal http://www.onetz.de/deutschland-und-die-welt-r/lokales/brandneue-touren-rund-um-kohlberg-geopark-in-der-planungsphase-erlebnisse-im-untergrund-d956436.html

2. 8. 2014, anekdotischer Bericht über die einstige Rablmühle, ehemals zum Gutsbesitz gehörend: http://www.onetz.de/deutschland-und-die-welt-r/lokales/rablmuehle-zwischen-weiherhammer-und-dem-kohlberger-ortsteil-roethenbach-seit-langem-geschichte-nur-die-erinnerung-bleibt-d960004.html

2. 5. 2015, 2. Weltkrieg in Röthenbach: http://www.onetz.de/deutschland-und-die-welt-r/lokales/der-feind-im-dorfe-d964891.html

2. 5. 2015, Kurz-Chronik:  http://www.onetz.de/deutschland-und-die-welt-r/lokales/familie-von-grafenstein-ist-eng-mit-roethenbach-verbunden-d965343.html

1.6.2015, Freilegung der Reste der Rablmühle: http://www.onetz.de/deutschland-und-die-welt-r/lokales/biotopverbund-im-roethenbachtal-d965352.html

5. 6. 2015, Kurzer Bericht über das „neue“ Röthenbach, die Eigenheimsiedlung am Mühlberg: http://www.onetz.de/deutschland-und-die-welt-r/lokales/kohlberg-roethenbach-zwei-gesichter-eines-dorfes-d136594.html

 

Hammerschloss: Verkauf, Sanierung und Einsturz

31. 3. 2008, Verkauf an Raymond Grassick: http://www.onetz.de/deutschland-und-die-welt-r/lokales/familie-von-grafenstein-verkauft-stattlichen-besitz-an-kathrin-und-raymond-grassick-neue-schlossherren-in-roethenbach-d29149.html

14. 6. 2008, Interview mit Christine von Grafenstein: http://www.onetz.de/deutschland-und-die-welt-r/lokales/christine-von-grafenstein-trennt-sich-leichten-herzens-von-schloss-roethenbach-und-nimmt-sich-es-ist-wie-wenn-eine-last-von-mir-faellt-d1452610.html

31. 12. 2008, Grillen zum Einstand der neuen Schlossbesitzer: http://www.onetz.de/deutschland-und-die-welt-r/lokales/raymond-und-kathrin-grassick-laden-dorfgemeinschaft-ins-roethenbacher-schloss-ein-neue-nachbarn-sagen-hallo-d1148858.html

24.12.2009, Grassicks laden ein: https://www.onetz.de/deutschland-und-die-welt-r/lokales/kathrin-und-raymond-grassick-laden-in-ihr-anwesen-ein-schloss-und-ort-ruecken-zusammen-d924414.html

31.8. 2010, Erneuerung des Daches: http://www.onetz.de/deutschland-und-die-welt-r/archiv/um-dornroeschens-vertraeumtes-anwesen-in-roethenbach-zu-wecken-braucht-es-viel-engagement-das-schloss-ist-unser-hobby-d51599.html

16.7. 2012, Teileinsturz: http://www.onetz.de/deutschland-und-die-welt-r/lokales/verkettung-ungluecklicher-umstaende-zukunft-des-dreigeschossigen-gebaeudes-ungewiss-roethenbacher-schloss-eingestuerzt-d944963.html

19. 7. 2012, Notsicherung: http://www.onetz.de/deutschland-und-die-welt-r/lokales/-und-eine-schnelle-notsicherung-des-roethenbacher-schlosses-mauerwerk-gibt-nach-denkmalpfleger-vertrauen-auf-gott-d945053.html

19. 9. 2012, Notsicherung mit Betonwanne angedacht: http://www.onetz.de/deutschland-und-die-welt-r/lokales/renovierung-von-schloss-roethenbach-schwieriger-als-erwartet-finanzierung-unklar-immer-neue-risse-d946165.html

19.10.2012, Bauruine muss vor Einbruch des Winters winterfest gemacht werden: http://www.onetz.de/deutschland-und-die-welt-r/lokales/ehepaar-grassick-wartet-auf-gruenes-licht-um-schloss-roethenbach-winterfest-machen-zu-duerfen-uns-laeuft-die-zeit-davon-d76352.html

25.5.2013, Alles neu macht der Mai? https://www.onetz.de/deutschland-und-die-welt-r/lokales/das-erheblich-beschaedigte-roethenbacher-schloss-daemmert-vor-sich-hin-kapelle-gesperrt-winterschlaf-im-fruehling-d726714.html

19. 7. 2014, „Flohmarkt“ auf dem Gutshof, Rechtsstreitigkeit um Verschulden des Einsturzes: http://www.onetz.de/deutschland-und-die-welt-r/lokales/schlossherr-versucht-mit-flohmarkt-anwaltskosten-zu-decken-barockes-gut-ein-millionengrab-biggest-rausverkauf-in-roethenbach-d959442.html

30.5.2015, Hammerschloss steht wieder zum Verkauf: http://www.onetz.de/deutschland-und-die-welt-r/lokales/kein-happy-end-fuer-schloss-d965337.html

18. 3. 2016, Schutz der Waldkapelle am Rande des Schlossparks vor Veräußerung nach Tschechien, Verkauf des Schlossparks an den Staatsforst: http://www.onetz.de/kohlberg/vermischtes/marktratssitzung-kohlberg-keine-grenzwanderung-d1567170.html

8.11.2017, neues Konzept für die Sanierung historischer Gebäude, eine Stiftung bringt Hoffnung auch für Röthenbach: https://www.onetz.de/kreis-neustadt-wn/kultur/neues-konzept-fuer-sanierung-historischer-gebaeude-stiftung-bringt-hoffnung-d1792997.html

 

Bildung in Beton: Universitätsgründungen der 1960er Jahre

Juli 26, 2014
Die Kugel - der zentrale Treffpunkt der Uni Regensburg.

Die Kugel – der zentrale Treffpunkt der Uni Regensburg.

Im Vergleich zu zwei anderen Campus-Uni-Neugründungen der 1960er Jahre, Bielefeld und Bochum, bildet die mehrfach preisgekrönte Uni-Architektur in Regensburg geradezu einen aufgelockerten, spielerischen und abwechslungsreichen Bildungstempelbezirk. Bochum und Bielefeld erscheinen hingegen als vergleichsweise monotone Bildungsfabriken gigantomanen Ausmaßes.  Am schönsten gerieten in Regensburg das Verwaltungsgebäude mit Zentralbibliothek und die Agora davor. In anderen Teilen der Universität kommt man sich vor wie in einem gelandeten Raumschiff aus Scifi-Filmen, in anderen leider wie in düsteren Katakomben.

Die Universitätsarchitektur in Regensburg, die von mehreren Architekten in stilistisch unterschiedlichen Würfen zusammengestellt wurde, betont eher die Unterschiede zwischen den Fakultäten, während in Bochum oder Bielefeld alle Fakultäten in gleich aussehenden „Schiffen“ bzw. Gebäudetrakten untergebracht sind. In Bielefeld sind sogar alle Fakultätsgebäude durch ein überdachtes Zentralgebäude miteinander verbunden, was den fächerübergreifenden Austausch fördern soll, sich im Sommer aber durch das Glasdach auch aufheizt.  Im Gegensatz zu Bochum und Bielefeld schmiegt sich die Uni-Architektur in Regensburg an die Landschaft an, sodass sie im Stadtbild nicht heraussticht. Durch ihre aufgelockerte Aufstellung kann die Uni Regensburg auch in alle Richtungen durch Neubauten erweitert werden, was in Bielefeld nur unter Abrücken von der baulichen Einheit möglich ist.

Trotz der Auflockerung fand ich die Sichtbeton-Architektur, in der es an vielen Stellen bröckelte und tropfte, in Regensburg doch auch recht bedrückend. Insbesondere das Audimax-Gebäude und das PT-Gebäude sind etwas lichtlos.

Dies gilt natürlich besonders für den unterirdischen Lieferbereich, der für die Trennung von Kraftfahrzeugverkehr und Fußgängerverkehr auf zwei Ebenen sorgt, sodass sich Studenten und Lieferanten und Autos nicht ins in Gehege kommen.

Die Campus-Architektur aus einem Guss ist verglichen mit Alt-Universitäten natürlich sehr zweckmäßig und praktisch, abgesehen davon, dass sie gedanklich kompromisslos auf die Zukunft einstimmt. Etwa im Regensburger RW-Trakt: Die rechtswissenschaftliche Literatur, die Vorlesungssäle und die weiträumige und helle Cafeteria befinden sich unter einem Dach, sodass man alles trockenen Fußes erreichen kann. Dies gilt aufgrund überdachter Verbindungswege für das gesamte bebaute Universitätsgelände.

Die Uni-Regensburg hob wie erwartet die Bildungsreserven Ostbayerns und trug mit zur Entwicklung der früher strukturschwachen Region bei, was sich daran zeigt, dass sie zeitweise von Lehramtsstudenten dominiert wurde. Denn der Beruf des Lehrers gehört zu den wenigen akademischen Berufen, den Kinder aus Nicht-Akademiker-Familien aus eigener Anschauung kennen und den sie daher bevorzugt anstreben. Darüber hinaus entfaltete die Regensburger Universität aber keine besondere Anziehungswirkung, obwohl die Altstadt Regensburgs der Heidelbergs an Schönheit gleicht, sodass sie auch nicht die LMU München so entlasten konnte, wie es angestrebt worden war.

 

Universität Bielefeld im Bild:

https://www.flickr.com/photos/vongrafenstein/sets/72157644958751144/

 

Ruhr-Uni Bochum im Bild:

https://www.flickr.com/photos/vongrafenstein/sets/72157644548439939/

 

Universität Regensburg im Bild:

https://www.flickr.com/photos/vongrafenstein/sets/72157644255510865/

 

Weiterführende Lektüre:

Ein Campus für Regensburg, Konzeption – Architektur – Kunst, 40 Jahre Universität Regensburg 1967-2007

(http://www.amazon.de/Ein-Campus-für-Regensburg-Architektur/dp/3930480638).

 

Die Röthenbach-Chronik des Lehrers Anton Meindl

Mai 10, 2014

Die Geschichte meines Heimatortes Röthenbach bei Kohlberg, die der ehemalige Lehrer Anton Meindl(1895-1984) aufgeschrieben hat, ist mittlerweile im Internet veröffentlicht. Die Aufzeichnungen bieten ein reiches sozial- und wirtschaftsgeschichtliches Panoptikum:

 

http://www.köhlersiedlung-imb.info/anton_meindl_chronik.pdf

Fotoserie: Burgruine Flossenbürg

Januar 8, 2013

Die Burgruine Flossenbürg, ehemals eine Stauferburg, setzte ich 2002 fotografisch um. Die kühne Burgkonstruktion aus dem Mittelalter, die von den Schweden im 30jährigen Krieg niedergebrannt wurde, befindet sich auf einer Granitfelsformation oberhalb des KZ Flossenbürg. Ich entschied mich daher für SW-Aufnahmen von diesem düsteren Ort. Spannend fand ich Wechselspiel und Kontraste von Granitformationen und von Menschenhand erbauten Mauern bei guter Sonneneinstrahlung. Man kann hier auch weit ins bayerisch-böhmische Grenzgebirge sehen. Die Fotos zeigen einige interessante Details von der teils frisch restaurierten Anlage, so die Löcher in den verarbeiteten Steinen, die dem besseren Greifen durch die mittelalterlichen Baukräne dienten.

Die Fotoserie findet sich hier:

Burgruine Flossenbürg

Regensburg: Auf einen Kaffee mit … Aurelia Schoplick

Januar 3, 2013
Die Regensburger Geigenbaumeisterin und Sängerin Aurelia Schoplick im Hotel Altstadt-Engel

Aurelia Schoplick im Café Altstadt-Engel

Aurelia Schoplick baut Geigen. Wie es dazu kam, erzählt Sie gerne jedem, der es wissen will… Ursprünglich wollte sie Archäologie studieren, fasste dann aber ein Restaurationsstudium ins Auge. Dafür musste sie wiederum zwei Jahre Praxis vorweisen können. So kam sie dazu, eine Lehre im Geigenbau zu machen, wobei es entgegen den Plänen bis heute geblieben ist. Denn auch Geigenbauer müssen viel wiederherstellen: alte Geigen nämlich, denen allerlei zustoßen kann.

In der Geigenbauer-Werkstatt am Regensburger Haidplatz hängt ein Himmel voller Geigen.

Geigenbauer-Werkstatt

Reparatur einer Geige

Schoplick kommt gerade von einem zweimonatigen Aufenthalt in New York zurück. Dort konnte Sie die Aufbesserung ihrer Englischkenntnisse mit der Arbeit in einem Geigenbau-Studio in Manhattan verbinden. Die Geigenbauer im Big Apple finden nichts dabei, ihre Kenntnisse untereinander und mit Gästen auszutauschen und miteinander auch zu feiern, stellte sie fest.

Neben ihrer Hauptbeschäftigung ist Schoplick schon seit längerem mit verschiedenen Bands, Combos und Musikprojekten unterwegs, die bei Bällen auftreten oder Hochzeitsfeiern in Kirchen umrahmen, sie fotografiert überdies noch künstlerisch.

Geigen in verschieden Baustadien: die mittlere ist noch unlackiert.

Geigen in verschieden Baustadien: die mittlere ist noch unlackiert.

Schoplick spielt auch selbst Geige – eine Geigenbauerin muss ihr Instrument beherrschen können, in der lokalen Musikerszene ist sie aber vor allem als Sängerin gefragt. Aurelia Schoplick weiß wiederum noch manchen Tip zu geben, welcher Musiker für die Umrahmung dieser oder jener Veranstaltung besonders geeignet sein könnte.

Für die Zukunft hat Aurelia Schoplick noch viel vor, als Sängerin in den Bands will sie weiterhin aktiv sein. Besonderes Anliegen ist ihr die Combo „Beatles Up“, die die Songs der allseits bekannt Band immer wieder überraschend für vier Sänger mit Pianobegleitung variiert.

Vielleicht wird sie sich auch einmal noch umfassend mit Restauration beschäftigen, nicht nur von Geigen, lässt sie durchblicken.

Neuer Kinofilm ist Ausdruck von Schwärmerei für Ludwig II.

Januar 2, 2013

Ludwig II., der bayerische Märchenkönig, hat schon immer Menschen fasziniert. Jetzt auch die Filmemacher Peter Sehr und Marie Noelle, die in ihm den Friedens- und Kulturförderer erkennen, worüber Sie als Kunstschaffende natürlich sehr erfreut sind. (Nachzulesen in diesem Interiew). Ob das Werben um Verständnis für den kauzigen König aber eine schönzeichnende Darstellung wie in diesem Film rechtfertigt, der sogar Schulklassen zum Besuch empfohlen wird? Der Film (wie auch dieser historische Abriss in der Internetpräsenz des Films) unterschlägt, dass Ludwig II. sein Schreiben, in dem der den preußischen König bittet, die Kaiserwürde anzunehmen, von Bismarck teuer bezahlen ließ. Die enormen Geldbeträge, die Preußen fließen ließ, benötigte Ludwig II. dringend zum Bau seiner aufwendigen Schlösser, die Bayern heute so reiche touristische Einnahmen bescheren.

Er setzte sich, anders als im Film suggeriert, dafür über die Landtagsmehrheit der bayerischen Patriotenpartei hinweg und schlug sich auf die Seite der propreußischen und liberalen Fortschrittspartei. Der Film unterschlägt desweiteren, dass Sophie in Bayern während ihres Verlöbnisses mit Ludwig II. schon früh ein heimliches Verhältnis mit Edgar Hanfstaengl, einem Kaufmann, unterhielt.  Immerhin enthält das Thema mit seinen Einblicken in die Lage der vom Wahnsinn heimgesuchten und politisch bedeutunglos werdenden Wittelsbacher  ja Zumutungen und Düsteres für das Publikum genug, sodass Aufnahmen von Schlösserpracht, Wagnermusik und sonnige Landschaftseinstellungen den Film aufhellen und abwechslungsreich machen. Die Umsetzung von Luchino Visconti ist ja schwere Kost mit Überlänge, nicht unbedingt für Schulklassen geeignet. Die zu den historischen Figuren gut passende Besetzung ist zum Teil aus der Verfilmung des Lebens des exzentrischen Rätsels Kaspar Hauser bekannt, mit Sabin Tambrea erscheint aber ein erfrischendes neues Gesicht in der Hauptrolle, das auch Sympathie für den jugendlichen Kultur-Enthusiasismus des Protagonisten zu wecken vermag.

Der Film regt zu historischer Erinnerung und Reflexion an: Was war nochmal die Emser Depesche? Gab es für den Deutschen Krieg ebenfalls so einen Anlass? Hätte Bayern im Krieg zwischen Preußen und Österreich nicht besser die militärische Abstinenz, wie Ludwig II. sie im Film vertritt, konsequent weiterverfolgen und sich neutral verhalten sollen, anstatt nicht auf der Höhe der Zeit ausgerüstete Truppen ins Verderben zu schicken? Oder hätte Bayern andersherum frühzeitig aufrüsten müssen, um die Hegemonie Preußens aufzuhalten? Vieles bleibt im Film oberflächlich, so etwa das Porträt Richard Wagners: Der Film hätte sich auf jüngeren Jahre Ludwig II. und die Konflikte um die deutsche Reichseinigung unter Preußen beschränken sollen, um mehr in die Tiefe gehen zu können. Die Investition in Kultur und Schlösser dürfen sich Bayern und Preußen gerne von Ludwig II. abschauen, deswegen empfehle ich den Kinobesuch uneingeschränkt. Das ist trotz mancher Kosten eine Investition in die Zukunft, auch wenn die unmittelbaren Vorteile nicht immer klar ersichtlich sind.

Musikalische Erinnerungen I: Auf, Ansbach-Dragoner! Auf, Ansbach-Bayreuth!

Dezember 22, 2012

In Bayreuth hörte ich das erste Mal Menschen zu einer alten deutschen Marschmelodie ein Lied anstimmen.

 Auf, Ansbach-Dragoner! Auf, Ansbach-Bayreuth!
Schnall um deinen Säbel und rüste dich zum Streit!
Prinz Karl ist erschienen auf Friedbergs Höh’n,
Sich das preußische Heer einmal anzusehen.
Drum, Kinder, seid lustig und allesamt bereit:
Auf, Ansbach-Dragoner! Auf, Ansbach-Bayreuth!

Drum, Kinder, seid lustig und allesamt bereit:
Auf, Ansbach-Dragoner! Auf, Ansbach-Bayreuth!

Aber hören Sie selbst. Das alles wirft Fragen auf: Fränkische Dragoner sollen der preußischen Geschichte eine bedeutende Wendung gegeben haben? Zogen sie tatsächlich mit diesem Lied auf den Lippen in die Schlacht? Wie kommt ein preußisches Regiment zu diesem Namen?

Das alles hängt mit Hohenzollern-Dynastie zusammen, die auch in Bayreuth herrschte. Das Stadtwappen Bayreuths enthält noch heute schwarz-weiße Felder, die klassizistische Architektur wirkt teilweise preußisch. Der Beitrag auf Wikipedia ist leider sehr verkürzt. Ich empfehle die ausführliche Darstellung bei Jochen Seidel.

Zur Melodie des Hohenfriedbergers singende Soldaten tauchen auch in dem sehenswerten Stanley-Kubrick-Film „Barry Lyndon“ auf, der im 18. Jahrhundert spielt. Wer die beiden Beiträge gelesen hat, weiß jetzt, dass das Zeitkolorit der Handlung hier historisch ungenau ausgestaltet ist, da das Lied zum Marsch erst im 19. Jahrhundert geschrieben wurde.

Stadtwappen von Bayreuth

Stadtwappen von Bayreuth