Münster als „Sammelpunkt reaktionärer Organisationen“

November 24, 2020

Münster (SMS) So ganz soll in Zeiten der Corona-Pandemie nicht auf die beliebten Themenabende im Stadtarchiv verzichtet werden. Die Kenner der städtischen Geschichte gehen vielmehr online und bieten am 26. November einen weiteren Vortrag an, der bequem und sicher am PC oder Tablet verfolgt werden kann. Der Historiker Timm C. Richter referiert unter dem Titel „Durchglüht vom vaterländischen Geist“ über Reichswehr, Universität und rechtsradikale Netzwerke in Münster in der Zeit von 1919 bis 1933.

Soldaten des Freikorps Lichtschlag postierten sich 1919 vor dem Rathaus.
Foto: Stadtarchiv Münster

 Nach der Revolution 1918 begann auch in Münster mit ersten freien Wahlen eine neue demokratische Zeit. Zugleich aber setzte  soziale Unzufriedenheit ein, politische Krisen wechselten sich ab. In militärischen Kreisen, Universität und politischen Vereinigungen verstärkten sich republikfeindliche radikale Strömungen, deren Wirkung sich bis in die Zeit des Nationalsozialismus entfaltete. Für den preußischen Innenminister Carl Severing (SPD) wurde Münster „im Laufe der ersten Jahre nach dem Weltkrieg zu einem Sammelpunkt reaktionärer Organisationen“.
Der Vortrag zeichnet diese Entwicklung nach und nimmt Akteure und Netzwerke in den Blick.

Richter wird auch erläutern, dass der von Nationalsozialisten strapazierte Begriff des „Völkischen“ keine Neuerfindung der Nazis war, sondern sich einige Jahrzehnte weiter zurückverfolgen lässt. Der Vortrag bleibt nicht bei Begriffserläuterungen, sondern wird die Entwicklung nach 1918/19 auch anhand von vielen Quellen und Abbildungen aus dem Stadtarchiv, also aus der lokalgeschichtlichen Perspektive veranschaulichen.  

Info: Der Themenabend wird live im Internet übertragen und ab 18 Uhr freigeschaltet.
Der direkte Zugang ist über www.stadt-muenster.de/archiv oder den Link www.twitch.tv/stadtarchivms möglich. Wer später noch einmal in den Themenabend hereinhören möchte, hat zwei Wochen Zeit dazu. So lange bleibt das Online-Angebot aktiv.  

Merkel verlangt „nationale Kraftanstrengung“

Oktober 28, 2020

Bund und Länder haben neue Beschlüsse gefasst, um den starken Anstieg der Neuinfektionen mit dem Corona-Virus einzudämmen. Die Gespräche hätten „in einer sehr ernsten Lage“ stattgefunden, erklärte Bundeskanzlerin Merkel. Um eine „akute nationale Gesundheitsnotlage zu vermeiden“, müssten jetzt Maßnahmen ergriffen werden.

Die Beratungen von Bundeskanzlerin Merkel mit den Regierungschefinnen und -chefs der Bundesländer fanden vor dem Hintergrund eines aktuell exponentiell ansteigenden Infektionsgeschehens statt. Alle Beteiligten hätten „bei allem, was wir heute beraten und beschlossen haben“, die vielen Menschen im Blick gehabt, die mit großen Erwartungen, aber auch Sorgen auf die Gespräche geschaut hätten, so Merkel. 

Das Tempo der Ausbreitung des Virus mache die derzeitige Pandemielage sehr ernst, betonte Kanzlerin Merkel im Anschluss an die Beratungen. „Wir erleben einen exponentiellen Anstieg der Zahlen mit Verdopplungszeiten, die sich weiter verkürzt haben“. Das gelte für die Zahl der Infizierten genauso wie die Zahl der Intensivpatienten und der Menschen, die künstlich beamtet werden müssten. 

Gesundheitsnotlage vermeiden

„Wenn es bei diesem hohen Tempo bleibt, dann kommen wir binnen Wochen an die Grenzen der Leistungsfähigkeit unseres Gesundheitssystems“, mahnte die Bundeskanzlerin. Deshalb sei vollkommen klar: „Wir müssen handeln, und zwar jetzt! Wir müssen handeln, um eine akute nationale Gesundheitsnotlage zu vermeiden. Und dafür müssen wir Maßnahmen ergreifen.“

Das wichtigste Instrument zur Eindämmung einer Pandemie sei die Nachverfolgung der Kontakte eines Infizierten. Dieses Instrument stehe an vielen Stellen nicht mehr zur Verfügung, erklärte Merkel. Infektionsketten könnten deshalb nicht mehr unterbrochen werden. Dies bedeute, dass die Kontrolle über das Virus verloren gehe.

Im Frühjahr sei es gelungen, die Infektionszahlen zu senken – „und zwar vor allem durch die Vernunft und Solidarität der Menschen“, bekräftigte Merkel. „Wir wissen jetzt, wir müssen die Kontakte wieder reduzieren und damit auch die Gefahr der Ansteckung herunterbringen. Und deshalb brauchen wir jetzt im Monat November noch einmal eine nationale Kraftanstrengung.“

Bund und Länder hätten nun gemeinsam harte Maßnahmen beschlossen, die für ganz Deutschland gelten, sagte Merkel. Dabei habe man zwei Prioritäten im Auge behalten: Zum einen, dass das wirtschaftliche Leben in Takt gehalten werden müsse. Zum anderen, dass Schulen und Kitas offenbleiben müssten. Im Umkehrschluss bedeute dies, man müsse harte Auflagen erlassen für die Beschränkung von Kontakten im Privaten und im Freizeitbereich.

75 Prozent der Neuinfektionen nicht mehr nachvollziehbar

Merkel betonte, das Infektionsgeschehen habe einen Punkt erreicht, an dem bei 75 Prozent der Neuinfektionen nicht mehr nachzuvollziehen sei, woher sie kommen. Dies bedeute, dass nicht mehr festzustellen sei, welcher Bereich zum Infektionsgeschehen beitrage und welcher nicht. Aus diesem Grund habe man Maßnahmen zur Einschränkung von persönlichen Kontakten beschlossen. Auch die Freizeitgestaltung werde erheblich eingeschränkt. Zudem müssten Gastronomiebetriebe im November schließen. Für von temporären Schließungen betroffene Betriebe und Einrichtungen werde es eine außerordentliche Wirtschaftshilfe geben.

„Das ist heute ein schwerer Tag – auch für politische Entscheidungsträger, denn wir wissen, was wir den Menschen zumuten“, betonte Merkel. Das Ziel sei es, einen Weg zu finden, der einerseits eine nationale Gesundheitsnotlage verhindert und gleichzeitig das wirtschaftliche Leben weitestmöglich aufrechterhält. Sie sei deshalb sehr dankbar, dass Bund und Länder heute zu einer Übereinstimmung gekommen seien. „Bei sehr unterschiedlichen Inzidenzen in den einzelnen Bundesländern machen alle mit, und das ist für mich eine sehr gute Nachricht.“

Die Beschlüsse im Einzelnen

Ab dem 2. November treten die zusätzlichen Maßnahmen bundesweit in Kraft. Sie sind befristet bis Ende November. Nach Ablauf von zwei Wochen werden die Bundeskanzlerin und die Regierungschefinnen und Regierungschefs der Länder sich erneut beraten und ggf. notwendige Anpassungen vornehmen. Auf folgende Beschlüsse haben sich Bund und Länder unter anderem verständigt:

  • Wichtigste Maßnahme in der kommenden Zeit wird es sein, Abstand zu halten und Kontakte zu verringern. Die Bürgerinnen und Bürger werden angehalten, die Kontakte zu anderen Menschen außerhalb der Angehörigen des eigenen Hausstands auf ein absolut nötiges Minimum zu reduzieren.
  • Der Aufenthalt in der Öffentlichkeit ist daher ab sofort nur mit den Angehörigen des eigenen und eines weiteren Hausstandes gestattet, jedoch in jedem Fall mit maximal 10 Personen (Kontaktbeschränkungen).
  • Bürgerinnen und Bürger werden aufgefordert, generell auf nicht notwendige private Reisen und Besuche – auch von Verwandten – zu verzichten. Übernachtungsangebote im Inland werden nur noch für notwendige und ausdrücklich nicht touristische Zwecke zur Verfügung gestellt.
  • Institutionen und Einrichtungen, die der Freizeitgestaltung zuzuordnen sind, werden geschlossen. Dazu gehören unter anderem Theater, Kinos, Freizeitparks, Spielhallen, Bordelle, Fitnessstudios und ähnliche Einrichtungen, der Freizeit- und Amateursportbetrieb auf und in allen öffentlichen und privaten Sportanlagen – mit Ausnahme des Individualsports allein, zu zweit oder mit dem eigenen Hausstand.
  • Veranstaltungen, die der Unterhaltung dienen,werden untersagt. Profisportveranstaltungen können nur ohne Zuschauer stattfinden.
  • Gastronomiebetriebe sowie Bars, Clubs, Diskotheken, Kneipen und ähnliche Einrichtungen werden geschlossen. Davon ausgenommen sind die Lieferung und Abholung mitnahmefähiger Speisen für den Verzehr zu Hause, sowie der Betrieb von Kantinen.
  • Dienstleistungsbetriebe im Bereich der Körperpflegewie zum Beispiel Kosmetikstudios und Massagepraxen werden geschlossen. Medizinisch notwendige Behandlungen, zum Beispiel Physio-, Ergo- und Logotherapien sowie Podologie/Fußpflege bleiben weiter möglich. Friseursalons bleiben unter den bestehenden HygieneAuflagen geöffnet.
  • Der Groß- und Einzelhandel bleibt unter Auflagen insgesamt geöffnet.
  • Schulen und Kindergärtenbleiben offen. Die Länder entscheiden über die erforderlichen Schutzmaßnahmen.
  • Für die von den temporären Schließungen betroffenen Unternehmen, Betriebe, Selbstständige, Vereine und Einrichtungen wird der Bund eine außerordentliche Wirtschaftshilfegewähren, um sie für die finanziellen Ausfälle zu entschädigen.
  • Der Bund wird die bestehenden Hilfsmaßnahmen für Unternehmenverlängern und die Konditionen für die hauptbetroffenen Wirtschaftsbereiche verbessern (Überbrückungshilfe III). Dies betrifft zum Beispiel den Bereich der Kultur und Veranstaltungswirtschaft und die Soloselbstständigen.
  • Auch in der Pandemie wollen wir in Industrie, Handwerk und Mittelstand sicheres Arbeiten möglichst umfassend ermöglichen. Die Arbeitgeber haben eine besondere Verantwortung für ihre Mitarbeiter, um sie vor Infektionen zu schützen. Bund und Länder fordern die Unternehmen eindringlich auf, jetzt wieder angesichts der hohen Infektionszahlen, wo immer dies umsetzbar ist, Heimarbeit oder mobiles Arbeiten zuhause zu ermöglichen.
  • Regelungen zum Schutz besonders vulnerabler Gruppen dürfen nicht zu einer vollständigen sozialen Isolation der Betroffenen führen.
  • Bund und Länder werden die Information über die geltenden Corona-Maßnahmen noch einmal verstärken und durch möglichst einheitliche Maßnahmen die Übersichtlichkeit erhöhen. Sie werden jedoch auch die Kontrollen zur Einhaltung der Maßnahmen flächendeckend verstärken.
  • Bund und Länder sind sich darüber im Klaren, dass es sich um sehr einschneidende Maßnahmen handelt. Aber sie sind notwendig und sie sind mit Blick auf das zu schützende Rechtsgut der Gesundheit der Bevölkerung und zur Abwendung noch umfangreicherer wirtschaftlicher Schäden im Falle einer unkontrollierten pandemischen Entwicklung verhältnismäßig.

In Münsters Innenstadt nur mit Maske

Oktober 25, 2020

Auch der 50er Grenzwert ist überschritten: Die 7-Tage-Inzidenz in Münster liegt laut Erhebungen des Landeszentrums Gesundheit nun bei 62,2 Fällen je 100.000 Einwohnenden. Entsprechend hat die Stadt Münster heute eine weitere Allgemeinverfügung erlassen, die am Dienstagmorgen um 0 Uhr in Kraft treten wird. Für das Gebiet der Stadt Münster wird in der Allgemeinverfügung das Erreichen der Gefährdungsstufe 2 gemäß Coronaschutzverordnung des Landes festgestellt. 
 Damit treten folgende zusätzliche Regelungen in Kraft: 

Ab Donnerstag sind Veranstaltungen und Versammlungen (sowie Kongresse) mit mehr als 500 Personen im Freien oder mehr als 250 Personen in Innenräumen unzulässig. Für Veranstaltungen mit mehr als 100 Personen muss der Stadt vorab ein Hygienekonzept vorgelegt werden.

Der Gastronomiebetrieb sowie der Verkauf von alkoholischen Getränken sind im Stadtgebiet zwischen 23 und 6 Uhr verboten.

Feste sind nur noch mit 10 Personen erlaubt.

Im öffentlichen Raum darf grundsätzlich nur noch eine Gruppe von bis zu 5 Personen zusammentreffen.

Darüber hinaus besteht die Pflicht zum Tragen einer Mund-Nase-Bedeckung für die nachfolgend aufgeführten Straßen und Plätze im Zeitraum von 8 bis 20 Uhr:

Prinzipalmarkt
Michaelisplatz
Rothenburg
Königsstraße (zwischen Marievengasse und Rothenburg)

             einschließlich Picassoplatz und Adolph-Kolping-Platz

Hötteweg, Marievengasse
Ludgeristraße (zwischen Verspoel und Klemensstraße)
Salzstraße (im Bereich der Fußgängerzone)
Bolandsgasse
Julius-Voos-Gasse
Windthorststraße (zwischen Klosterstraße und Ludgeristraße)
Stubengasse
Heinrich-Brüning-Straße
Syndikatplatz, Platz des Westfälischen Friedens, Gruetgasse
Klemensstraße
Klarissengasse
Beginengasse

Außerdem gilt die Pflicht zum Tragen einer Mund-Nase-Bedeckung für die nachfolgend aufgeführten Straßen und Plätze im Zeitraum von 20 bis 5 Uhr:

Jüdefelderstraße (zwischen Münzstraße und Überwasserstraße)
Münzstraße (auf dem südlichen Gehweg/Parkplatz zwischen Schlossplatz und Jüdefelderstraße)

Die Verpflichtung zum Tragen einer Mund-Nase-Bedeckung gilt grundsätzlich für alle Personen, die die aufgeführten Straßen und Plätze nutzen. Ausnahmen von der Verpflichtung ergeben sich aus der Regelung des § 2 Absatz 3 der Coronaschutzverordnung (Kinder, Befreiung aus medizinischen Gründen etc.). Die Maskenpflicht entfällt für Radfahrende in den für den Radverkehr zugelassenen Bereichen während der Fahrt.
Ordnungsdezernent Wolfgang Heuer: „Alle Maßnahmen dienen der Reduzierung von Kontakten und dem Infektionsschutz. Dies kann und sollte jeder in seinem privaten Umfeld durch Eigenverantwortung und Rücksichtnahme entsprechend ergänzen. Ich gehe außerdem davon aus, dass die Stadt Münster im Laufe der Woche weitere Maßnahmen festlegen wird.“
Die Allgemeinverfügung kann erst wieder außer Kraft gesetzt werden, nachdem der jeweilige Grenzwert über einen Zeitraum von sieben aufeinanderfolgenden Tagen unterschritten wurde.

Warnung vor dem „politischen Islam“

Oktober 7, 2020
Cover des aktuellen Buchs von Susanne Schröter/ Gütersloher Verlagshaus.

Die Frankfurter Ethnologin Prof. Susanne Schröter warnte bei einer Buchvorstellung mit der Friedrich-Naumann-Stiftung in Münster davor, dass Gesellschaften, die unter den Einfluss des politischen Islam geraten, „kippen“ können. Entscheidend sei für die Zukunft, welche Spielart des Islam die Oberhand gewinne.

Mit Blick auf Frankreich hielt Schröter befriedigt fest, dass sich ein kritischerer Umgang mit dem politischen Islam durchsetze, nachdem viele Probleme lange Zeit beschwiegen worden seien. Präsident Emmanuel Macron habe vor dem Hintergrund des Charlie-Hebdo-Prozesse und weiterer islamistischer Anschläge konkrete Maßnahmen angekündigt. Seit der Jahrtausendwende werde Frankreich von Anschlägen muslimischer Täter heimgesucht, die sich auch gegen Juden richteten. 150 islamistisch dominierte Territorien in Frankreich stünden außerhalb der Kontrolle des Staates. „Es wurde lange versäumt das Ruder konsequent herumzureißen.“ Stattdessen habe man sich mit „Symbolpolitik“ begnügt.

Unter „politischem Islam“ versteht Schröter eine Spielart des Islam, die aufbauend auf einer fundamentalistischen Theologie, d.h. fundamentalistischer Interpretation von Koran und Sunna, sich  die Geselllschaft politisch unterwerfen wolle, sei es mit Gewalt, sei es legalistisch-demokratisch. Der Prophet Mohammed werde, so wie er in einer arabischen Stammesgesellschaft des 7. Jahrhunderts gelebt habe, als ultimatives Vorbild hingestellt, was in der Konsequenz nicht mit Demokratie und Menschenrechten vereinbar sei. Keinesfalls sei sie aber „dem“ sehr heterogenen Islam als Ganzes feindlich gegenüber eingestellt.

Schröter hat sich in der Vergangenheit intensiv mit den kippenden Verhältnissen in Indonesien auseinandergesetzt. Dort habe man beobachten können, wie die Fundamentalisten zunächst liberal anmutend forderten, dass Mädchen in den Schulen auch ein Kopfttuch tragen dürften, dann jedoch immer weitergehende Forderungen stellten, mit der Konsequenz immer restriktiverer Rahmenbedingungen für Frauen. Mittlerweile wurde sogar der christliche Bürgermeister von Jakarta wegen Blasphemie ins Gefängnis geworfen, weil er als Ungläubiger gewagt hatte, den Koran zu interpretieren, so Schröter.

In Deutschland gebe es auch schon die ersten Probleme, wenn auch zeitlich und dramatisch dem Wandel in Frankreich nachhinkend, Schröter spricht von einem „Stresstest“: Religiöses Mobbing an Schulen, Konflikte im Biologieunterricht, Anschläge, subkulturelle Strukturen, die sich um Gebetsräume entwickelten. Es dominiere aber im Gegensatz zu Frankreich noch die Haltung, nicht über den politischen Islam zu sprechen, weil das der politischen Rechten in die Hände spielen könne. Extremistische Muslime würden in Schutz genommen, weil sie doch muslimfeindlicher Diskriminierungserfahrung in einer christlichen Mehrheitsgesellschaft ausgesetzt seien. In diesem Zusammenhang wies Schröter allerdings darauf hin, dass wir es aber mit einer weltweiten Bewegung zu tun hätten, die auch in Ländern erstarke, in denen Muslime in deutlicher Mehrheit seien. Die (wirklichen) Ursachen des erstarkenden Islamismus würden leider nicht erforscht, stattdessen viel Forschungsgelder für die Ergründung von„antimuslimischem Rassismus“, dessen auch sie fortlaufend bezichtigt werde, ausgegeben.

Schröter erregte vergangenes Jahr bundesweit Aufmerksamkeit, weil sie eine Konferenz zum Kopftuch im Islam organisierte und von Gegnern der Veranstaltung gar ihre Entlassung als Professorin gefordert wurde.

Schröter, Susanne: Politischer Islam – Stresstest für Deutschland, 384 Seiten, 25 Euro, Gütersloher Verlagshaus 2019.

Münster-Mauritz: Bombenentschärfung und Evakuierung glücklich geendet

September 20, 2020

Barbara Bremmer

Feuerwerkerin Barbara Bremmer, OB Markus Lewe und Ordnungsdezernent Wolfgang Heuer mit den entschärften Bomben. Foto: Presseamt Münster

Münster (SMS) Die Groß-Evakuierung in Münster konnte am Sonntag schneller als gedacht beendet werden. Schon um etwa  12.30 Uhr, weniger als fünf Stunden nach Beginn der Evakuierung, meldeten die fünf Teams des Kampfmittelbeseitigungsdienstes Westfalen-Lippe die erfolgreiche Entschärfung der letzten Fliegerbombe in der Nähe des Anne-Frank-Berufskollegs. Schon gegen 13 Uhr durften die Münsteranerinnen und Münsteraner wieder in ihre Häuser zurück.
Bei einer der größten Evakuierungen in der Geschichte des Landes sind am Wochenende in Münster 16.000 Menschen aus dem Stadtteil Mauritz evakuiert worden. Von den Maßnahmen betroffen waren unter anderem auch mehrere Senioreneinrichtungen und das St. Franziskus-Hospital. Die  Kampfmittel-Experten mussten insgesamt fünf Verdachtsstellen auf so genannte Blindgänger abklären. Bei der Freilegung stellten sich drei der fünf Verdachtspunkte als harmlos heraus. Bleche und andere Gegenstände im Erdreich hatten dort einen falschen Alarm ausgelöst.
Sowohl der Verdachtspunkt im Bereich Mauritzschule/Stiftstraße sowie der Verdachtspunkt im Bereich des Anne-Frank-Berufskollegs erwiesen sich aber als tatsächlich gefährlich. Zunächst entschärften die Experten eine 125-Kilogramm-Bombe an der Mauritzschule und  danach eine 250-Kilogramm-Bombe in der Nähe des Anne-Frank-Berufskollegs. Beide Bomben sind amerikanischen Ursprungs und wurden während des zweiten Weltkrieges über  Münster abgeworfen.
„Ich möchte den mutigen Frauen und Männern vom Kampfmittelbeseitigungsdienst meinen tiefen Dank aussprechen“, sagte Oberbürgermeister Markus Lewe, der die Evakuierungsmaßnahme von den frühen Morgenstunden an begleitet hatte und die ganze Zeit über in ständigem Kontakt mit der Feuerwehreinsatzleitung stand. „So glücklich dieser Tag heute auch endet, so deutlich macht er aber auch, wie sehr uns die Folgen des Krieges auch nach über 70 Jahren noch belasten.“ Ebenso dankte Lewe den über 1000 freiwilligen Helferinnen und Helfern der  Freiwilligen Feuerwehr, des Technischen Hilfswerkes und anderer Hilfsorganisationen, die den Einsatz zusammen mit den hauptberuflichen Kräften der Feuerwehr, der Polizei und der Stadtverwaltung vorbereitet und begleitet haben. “
Als besondere Schwierigkeit bei der Entschärfung der 250-Kilo-Bombe im Bereich des Berufskollegs erwies sich eine doppelte Zünder-Struktur: Der Sprengkörper hatte je einen Zünder an der Kopf- wie an der Fußseite. Beide mussten entfernt werden. Diese  lebensgefährliche Aufgabe hatte am Sonntag die Feuerwerkerin Barbara Bremmer übernommen. Lewe sagte ihr und ihren Kollegen: „Viel gefährlichere Berufe kann es kaum geben. Sie haben der Stadt ein Stück Sicherheit zurückgegeben. Danke, dass wir uns auf Sie verlassen durften.“

Mit Wumms in den Faschismus?

September 14, 2020
Buchcover.

Buchcover/Books on Demand.

Faschismus ist der Verlust der Menschlichkeit, dieses Fazit bleibt nach der Lektüre des neuen Polit-Scifi-Romans „Der Faschist“ des Jungautors Nikodem Skrobisz (geb. 1999) hängen. In einer nahen Zukunft nach dem Ausbruch der Corona-Pandemie schildert Skrobisz aus der Ich-Perspektive des Roman-Protagonisten Nikolas Schaber den Aufstieg einer paneuropäischen neofaschistischen Partei und den Einstieg und Aufstieg Schabers in dieser Bewegung.

Ausgangspunkt sind Wut, Verzweiflung und Rachegelüste Schabers nach einer Trennung von seiner langjährigen Freundin Anka, die ihn mit einem Schwarzafrikaner betrogen hat, und die Verelendung und der Verfall Europas. Über die Entdeckung von FashWave-Musik und die Begegnung mit einem Anführer der Faschisten in einem Fitnessstudio führt Schaber der Weg bald ins Münchener Hauptquartier der European Union of Fascists, immer tiefer liest er sich in die Literatur faschistischer Vordenker aus Geschichte und Gegenwart ein. Da Schaber über Schlüsselkenntnisse der politischen Propaganda aus einer Tätigkeit bei einer Agentur verfügt, die die Wahlkampagnen der etablierten Parteien entwickelt (Skrobisz hat selbst Kommunikationswissenschaften studiert), steigt er rasch in den engeren Zirkel der Partei ein, dabei gewöhnt er sich an immer neue kriminelle Akte, propagandistische Lügen und schließlich Gewaltausübung, die sich bis zu den Exzessen einer großen Straßenschlacht mit Linken im Zusammenhang mit einer neofaschistischen Kundgebung steigert. Nach dem endgültigen Sieg des Faschismus und fast am Gipfel seiner politischen Karriere zurückblickend auf all die Toten, die er auf seiner Spur hinterlassen hat, überkommen Schaber jedoch Skrupel und Zweifel.

Der Roman ist überaus fesselnd geschrieben, außerdem kenntnisreich, was die Geschichte und Ideologie des Faschismus anbelangt. Da die Bezeichnung als faschistisch sich als Fremdbezeichnung sehr verbreitet habe, habe er sich selbst einmal darüber in die Fachliteratur vertieft, was Faschismus wirklich bedeute, so Skrobisz, der sich selbst aber vom Faschismus distanziert. Unterhaltsame und intellektuell anregende Geschichten zu schreiben, ist der wieder mal eingelöste Anspruch der Romane und Geschichten von Skrobisz, der auch unter dem Pseudonym Leveret Pale für philosophisch inspirierte Fantasy-Literatur bekannt ist.

Die Coronakrise sei der Inspirationsfunke für dieses Werk gewesen, so Skrobisz. Und in der Tat tauchte auch real in dieser Krise wieder die Angst vor dem Faschismus auf, der wiederkehren könnte, wenn es nicht gelänge, die aktuellen wirtschaftlichen Verwerfungen zu bändigen. Auch um die Rückkehr des Faschismus zu verhindern, bringt sich der Staat mit viel „Wumms“ als wirtschaftlicher Player aktuell wieder noch weit massiver als bisher ins Spiel, dabei allerdings auch den Sozialismus wiederbelebend, der ein Teilaspekt des Faschismus war, worauf Skrobisz allerdings in seiner Fiktion nicht vertieft eingeht, wenn er auch im Auge behält, dass die Faschisten Suppenküchen für die Armen bereithalten. Selbst wenn der Faschismus aber wiederkehren sollte, wird er nicht plump unter seiner historischen Bezeichnung auftreten – dass sich die Neofaschisten im Roman selbst offen als Faschisten bezeichnen, bringt bizarre Komik ins Buch. Auch übergeht Skrobisz, dass das Zeigen des faschistischen Grußes, wie im Roman geübt, in Deutschland verboten ist und auch in Zukunft bleiben wird. Wenn sich auch der explizite Faschismus historisch erledigt hat, der Untergang Europas bleibt leider ein realistisches Zukunftsszenario, eine Verrohung der Gesellschaft ist nicht unwahrscheinlich.

Skrobisz, Nikodem: Der Faschist. 539 Seiten, 15,99 Euro, Books on Demand 2020, auch als eBook erhältlich.

Münster: Aus Kasernen werden nachhaltige Stadtquartiere

September 13, 2020

Münster (SMS) Der Aufsichtsrat der städtischen Entwicklungsgesellschaft KonvOY hat gestern (Donnerstag, 10. September) wichtige Weichen für die neuen Stadtquartiere gestellt, die auf den ehemaligen Kasernenflächen York (Gremmendorf) und Oxford (Gievenbeck) entstehen und zu einem Bevölkerungswachstum von rund 10 000 Menschen führen sollen. Zu entscheiden war, welche Bewerber zwei Grundstücksflächen auf den beiden Arealen erwerben dürfen – den Ausschlag gaben die besten Konzepte für die angestrebte Mischung aus Wohnen, Arbeiten und Gemeinschaftseinrichtungen.
Stadtbaurat Robin Denstorff ist überzeugt, dass die Zukunft der Quartiere mit diesen Planungen auf große Akzeptanz stoßen werden. Denstorff: „Die ausgewählten Konzepte werden unserem hohen Qualitätsanspruch an die neuen Quartiere absolut gerecht, insbesondere auch, weil mit diesen Planungen die Stadtteile insgesamt aufgewertet werden.“

Ergänzende Nutzungen im Gremmendorfer Stadtteilzentrum
Den Zuschlag für ein knapp 10 000 Quadratmeter großes Baufeld im York-Quartier bekam die Saarbrücker RVI GmbH mit ihren Architekturbüros ASTOC und Lorber Paul aus Köln. Deren Konzept sieht auf der Fläche sechs größere Gebäude vor. Vom Albersloher Weg aus werden hiervon künftig zwei Gebäude mit Klinkerfassade zu sehen sein. Die Erdgeschosse sind für medizinische Einrichtungen wie Arztpraxen und moderne Büros (Co-Working-Spaces) gedacht. Die Obergeschosse sollen Büroflächen anbieten. Die zum Gelände der Wohn + Stadtbau zugewandten vier Gebäude sind ausschließlich für die insgesamt 98 Wohnungen vorgesehen. Der besondere Clou: die Baukörper stehen so zueinander, dass ein Durchgang zwischen dem Quartier und dem Stadtteilzentrum Gremmendorf entsteht.

 

Oxford-Quartier

Grüner Weiler – Innenhof. Blickrichtung West. Quelle: Brewe und Merz/nightnurse – KonvOY

Neue Angebote für Wohnen in Gemeinschaft in Gievenbeck
Im Gievenbecker Oxford-Quartier war das Baufeld „Wohnen in Gemeinschaft“ ausgeschrieben, das auf die Vergabe an Baugruppen wie Wohnungsgenossenschaften abzielte. Ebenfalls einstimmig fiel die Wahl auf ein Konzept der Wohnungsgenossenschaft „Grüner Weiler eG“. Das Baufeld wird künftig durch drei Baukörper geprägt: einen so genannten Punktbau am späteren Zentral-Boulevard mit öffentlichen und gemeinschaftlichen Einrichtungen (u.a. eine „Velo-Halle“), einen „Riegelbau“ und einen „Winkelbau“, die gemeinsam einen Wohnhof umfassen. Durch diesen Innenhof entsteht durch seine multifunktionale Bespielung eine besondere Qualität im Wohnumfeld. Neben vielen sozialen, gemeinschaftlichen und inklusiven Aspekten unterscheidet sich das Konzept von austauschbaren Standard-Lösungen mit einem besonders anspruchsvollen Nachhaltigkeitskonzept: Die Zahl der Pkw-Stellplätze wird bewusst zugunsten hervorragender Bedingungen für das Fahrrad reduziert. Die Fassaden werden durch hochmoderne Photovoltaik-Elemente aufgelockert, und beim Bau der Gebäude in Massivholz- und Holzhybrid-Bauweise sollen vor allem nachhaltige Baustoffe eingesetzt werden. Denstorff: „Das Konzept von den Architekten Brewe und Merz ist maßgeschneidert. Die Architektur sieht 104 Wohnungen in sehr vielen Varianten vor, die der demographischen Entwicklung und auch den Mobilitätspräferenzen der Menschen in Münster in besonderer Weise entgegen kommt.“

Kasernen öffnen sich wieder für die Öffentlichkeit
Die beiden Quartiere sollen nach großen Fortschritten auf der Baustelle auch wieder stärker für die Öffentlichkeit sichtbar werden. „Wir freuen uns, dass wir ab sofort und nun dauerhaft wieder Besichtigungstermine möglich machen können“, kündigt KonvOY-Geschäftsführer Stephan Aumann an. Aufgrund der großen Anfrage bei den zurückliegenden Führungen werden die Rundgänge nun im wöchentlichen Turnus  immer samstags und selbstverständlich kostenlos angeboten – unter Berücksichtigung der Hygiene-und Schutzmaßnahmen, aber leider nicht barrierefrei.
Ein Buchungssystem auf den neuen Internetseiten yorkquartier.de und oxfordquartier.de ermöglicht den Zugang zu Terminen in den nächsten Wochen. „Die Bewohnerinnen und Bewohner von Gievenbeck und Gremmendorf erhalten einen zeitlichen Vorzug bei der Anmeldung“, verspricht Stephan Aumann. Durch eine Briefwurfsendung bekommen sie einen persönlichen Link zur Buchungsseite.

Nachschub für den Vandalismus: Das Traindenkmal findet keine Ruhe

Juli 16, 2020

Traindenkmal geschwärzt.

Das Traindenkmal wurde mit schwarzer Farbe beschmiert und geschändet, wohl ein untauglicher Versuch, die reliefartigen Inschriften unkenntlich zu machen. Foto: Grafenstein

Das alte Traindenkmal an der Promenade in der Nähe des Ludgerikreisels ist in übler Weise mit einer teerartigen Flüssigkeit und Schriftzügen beschmiert worden. Die Täter dieser Sachbeschädigung von einer Initiative „Mahnmal statt Denkmal“ brüsteten sich namentlich in der Lokalpresse mit ihrem Vorgehen gegen das Kriegerdenkmal, das, anders als in WN und MZ dargestellt, vornehmlich an Gefallene einer Nachschubeinheit im Ersten Weltkrieg erinnert. Nachträglich eingefügte Bodenplatten erinnern auch an zwei Gefallene in Südwestafrika, was den heiligen Zorn der Aktivisten erregt. Die Stadt hat mittlerweile Strafanzeige erstattet und will das Monument zeitnah reinigen lassen, so Ordnungsdezernent Wolfgang Heuer (SPD).

Der unüberlegte Aktionismus der Gruppe erregt Kopfschütteln, da der Rat der Stadt Münster erst kürzlich beschlossen hat, die zahlreichen Kriegerdenkmäler im Stadtgebiet mit erläuternden und einordnenden Tafeln zu versehen. Sicher wird bald auch das Traindenkmal mit einer Tafel versehen werden, die die aktuelle Bewertung der Ereignisse während und nach der Niederschlagung des Hereroaufstands als Völkermord wiedergibt und auch sonst auf dem neuesten historischen Stand ist. Schon jetzt kann sich der interessierte Bürger auf einer Internetseite der Stadt zuverlässig über den Kontext der Kriegerdenkmäler in der Stadt informieren.

Ratsherr Stefan Leschniok (CDU) meint: „Der Rat hat sich, wie ich finde, für ein gutes Konzept entschieden, das Geschichte nicht einfach abräumt, gleichzeitig aber auch die negativen Seiten beleuchtet. Wer das nicht akzeptieren kann und dann auch noch Straftaten begeht, der offenbart ein höchst verkümmertes Demokratieverständnis.“

Leider sind in Deutschland Kriegerdenkmäler schon seit langer Zeit und schon vor dem derzeitigen Erstarken der Black-Lives-Matter-Bewegung und dem weltweiten Sturz von Denkmälern Gegenstand aller Arten von Vandalismus. Pauschal werden deutsche Soldaten als „Kriegsverbrecher“ verunglimpft, ganz gleich, ob ihnen konkrete Kriegsverbrechen nachgewiesen werden können oder nicht, ihr Andenken soll aus der Öffentlichkeit verschwinden, so wollen es die Täter oft, so auch hier. Auch gefallene deutsche Soldaten sind aber zu Recht Teil unserer Erinnerungskultur, die allen Opfern von Krieg, Gewalt und Imperialismus gedenkt. Wahrscheinlich wird es auch bald in größerem Maßstab Denkmäler geben, die an die zivilen Opfer des Kolonialismus in einst unterworfenen Gebieten erinnern werden.

Im bundesweiten Maßstab kann man nicht sagen, dass Deutschland in unerträglicher Weise mit alten Denkmälern überfrachtet wäre, die Krieg, Nation, Kaiserzeit oder Kolonialismus rühmen. Im Zweiten Weltkrieg und danach ist vieles zerstört worden, entweder durch Bombenangriffe, weil es die Nazis eingeschmolzen haben, um daraus Kanonen zu machen, oder weil es die einrückenden Siegermächte entfernt haben. Auch in Münster stand z.B. einmal eine Kaiser-Wilhelm-Reiterstatue vor dem Schloss, die dem Rohstoffmangel der deutschen Rüstungsindustrie zum Opfer fiel.  Das Traindenkmal ist mit seinem seltenen imperialistischen bzw. kolonialen Bezug auf den Boxeraufstand und den Hereroaufstand eine echte Rarität und steht daher zu Recht unter Denkmalschutz. Mit seinem düsteren Erscheinungsbild erinnert es noch heute angemessen an das bedrückende Szenario der Schützengräben des 1. Weltkriegs. Die als überhöht kritisierbaren Inschriften, mit denen die gefallen Soldaten von ihren überlebenden Kameraden gerühmt wurden, sind ein interessantes Zeitdokument für die Bewältigungsversuche des 1. Weltkriegs in den 1920er Jahren, können aber ohnehin nur bei nahem Herantreten entziffert werden, gleich ob sie mit Farbe übergossen werden oder nicht.

Münster besitzt als einst bedeutende Garnisonsstadt zwar recht viele Kriegerdenkmäler, die zuweilen den Anstoß einer oft kritisch eingestellten Bürgergesellschaft einer großen Universitätsstadt erregen, jedoch kann man dieser auch zumuten, verständig und nicht vandalistisch oder bilderstürmerisch mit der Geschichte umzugehen.

Denn wer die Geschichte vergisst, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen.

Ist Münsters Gastronomie noch zu retten?

April 30, 2020

Münster (SMS) Die Stadtverwaltung hat mit einem Krisengipfel auf die angespannte Lage der Gastronomie in Münster reagiert. Auf Einladung von Oberbürgermeister Markus Lewe trafen am Donnerstag (30. April 2020) im Rathaus etwa ein Dutzend münsterische Gastronomen, Vertreter des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (DEHOGA) und der Industrie- und Handelskammer (IHK) Nordwestfalen auf Experten und Entscheider der Stadtverwaltung.
„Der Corona-Lockdown  trifft Gaststätten, Kneipen und die Hotellerie in Münster mit voller  Wucht. Während in den Betrieben weiterhin Kosten für Pacht und Personal auflaufen, dürfen Sie aus Infektionsschutzgründen schon seit Wochen keine Gäste mehr bewirten“, fasste Lewe die Lage zusammen. Eine Vielzahl der Betriebe sei in ihrer Existenz bedroht. Lewe: „Die  gerade in Münster besonders vielseitige Gastronomie ist eine tragende Säule der besonderen Atmosphäre in unserer Stadt. Wir müssen jetzt alle  an einem Strang ziehen, um dieses Kulturgut für die Zeit nach der Pandemie zu erhalten.“
Hendrik Eggert, Vorsitzender des Münster-Kreises der DEHOGA, sagte: „Wir brauchen jetzt Hilfe. Dabei geht es um immense Summen. Aber doch nur um einen Bruchteil der Zahlungen, die wir in normalen Zeiten in die öffentlichen Kassen einzahlen.“ Eggert machte deutlich, dass er neben der Stadt auch das Land und den Bund in der Pflicht sieht, das Überleben der Gastronomie zu sichern. Joachim Brendel, Geschäftsbereichsleiter Handel und Verkehr der IHK Nord Westfalen, verwies auf die wichtige Funktion der Gastronomie für die Aufenthaltsqualität in der Innenstadt. „Die moderaten Lockerungen im Einzelhandel können ihre Wirkung erst dann entfalten, wenn auch die Gastronomie Schritt für Schritt wieder öffnen kann.“ Das besondere Flair der Innenstadt entstehe aus dem Zusammenspiel von Einkaufen, Flanieren und Verweilen. „Hierzu braucht es zumindest eingeschränkt geöffnete Cafes und Restaurants.“
Wolfgang Heuer, Leiter des städtischen Corona-Krisenstabes, dämpfte einerseits die Hoffnungen auf einen baldigen Normalbetrieb in der münsterischen Gastronomie. „Wenn wir nach den bisherigen Erfolgen bei der Bekämpfung der Pandemie jetzt unvorsichtig werden, kann ein erneuter Ausbruch des Infektionsgeschehens möglicherweise zu noch strengeren Kontaktverboten als bislang führen“, führte Heuer aus. Andererseits skizzierte Heuer aber auch Möglichkeiten für die Betriebe: „Wir suchen gezielt im Vorfeld einer Wiedereröffnung nach Flächen, auf denen wir der Gastronomie vorübergehend zusätzliche Möglichkeiten für die Außenbewirtung anbieten können“, so Heuer. Und er bot eine gemeinsame Vorbereitung von Regeln und Auflagen für die absehbare behutsame Wiederaufnahme gastronomischer Angebote an. Die Stadtkämmerei stundet der Gastronomie bereits in großzügigem Umfang Gewerbesteuerzahlungen. Zusätzlich werden Hilfen für die Gastronomen bei Teilen der Vergnügungssteuer geprüft.
Die Gipfelteilnehmer verabredeten die Fortsetzung der Gespräche im Rahmen einer Task Force unter Beteiligung der Münster-Marketing-Chefin Bernadette Spinnen. Mitglieder werden neben Vertretern der  Gastronomie und der Stadtverwaltung auch Bankenvertreter. Die Task Force wird in Kürze einen ständigen Ansprechpartner für die Gastronomen der Stadt benennen.
Oberbürgermeister Markus Lewe versprach, den Unmut der Gastronomen über die oft schleppenden Auszahlung von Soforthilfen und Überbrückungskrediten an geeigneten Adressen im Land und beim Bund zu platzieren. Außerdem will Lewe beim Land auf größere  Planungssicherheit für die Gastronomie drängen. Lewe: „Es bringt nichts, wenn das Land Veranstaltungen mit großen Teilnehmerzahlen verbietet, aber nicht definiert, welche Teilnehmerzahlen demnächst wieder erlaubt sein werden „, nannte Lewe ein Beispiel.
In Münster gibt es etwa 850 gastronomische Angebote, in denen etwa 5600 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte arbeiten.

Maskenpflicht in ganz NRW

April 24, 2020

Mit einer Ergänzung der Coronoaschutzverordnung hat jetzt auch das Land NRW Regeln zur Maskenpflicht in einigen öffentlichen Lebensbereichen erlassen. Die ab Montag gültigen Regeln liegen nah an dem bereits bekannten Vorgehen der Stadt Münster „und werden hoffentlich auf hohe Akzeptanz in der Bevölkerung treffen“, so Krisenstabsleiter Wolfgang Heuer.
Wie zuvor schon mit der Münsteraner Verfügung erfolgt verpflichtet nun auch das Land in Verkaufsstellen, Geschäften und auf dem Wochenmarkt Beschäftigte wie Kunden zum Tragen einer Mund-Nase-Bedeckung. Heuer: „Und richtigerweise sind auch in der Landesverordnung Alltagsmaske, Schal und Tuch gleichwertig erlaubt.“
Auch die Regel, dass bei der Erbringung und Inanspruchnahme von Handwerks- und Dienstleistungen, die ohne 1,5 Meter Abstand erfolgen, die Maskenpflicht für Beschäftigte wie Kunden gilt, ist in Münster schon festgelegt. Hinzukommen nun richtigerweise die Arztpraxen und das Gesundheitswesen sowie bekanntermaßen der ÖPNV. Kinder bis zum Schuleintritt sind außen vor.
Wolfgang Heuer: „Neu ist, dass die Maskenpflicht für Beschäftigte nunmehr durch wirksame Schutzmaßnahmen wie Abtrennungen durch Glas, Plexiglas und ähnliche Vorrichtungen ersetzt werden kann.“ Wolfgang Heuer begrüßt das Vorgehen: „Das ist eine gute Möglichkeit für die Mitarbeiter vor allem in Geschäften, Praxen und Verkaufsstellen.“
Die Maskenpflicht als zusätzlicher Schutz gegen die Tröpfcheninfektion soll aus Sicht der Stadt Münster helfen, die bereits laufenden und die weiter zu erwartenden Lockerungen belastbar und dauerhaft zu machen. Heuer: „Als höherrangiges Recht macht die Coronaschutzverordnung die städtische Allgemeinverfügung zur Maskenpflicht weitgehend obsolet, es wird derselbe Sachverhalt geregelt.“

Neben der Maskenpflicht ist jetzt auch die Abstandspflicht von 1,5 Meter gegenüber einsichtsfähigen Personen ausdrücklich in der Rechtsverordnung normiert.

Heuer erläuterte am Mittwoch auch das Ansammlungsverbot in § 12 Abs. 1 CoronaSchVO. Es haben schon manche gedacht, sich in Gruppen unterhalten zu können, wenn ein Abstand von mindestens 1,5 Metern eingehalten wird. Dem ist jedoch nicht so, denn „der Tatvorwurf bezieht sich (…) nicht auf einen Mindestabstand in Metern, sondern auf eine Ansammlung im öffentlichen Raum von mehr als zwei Personen. Hiermit ist also die Gruppe gemeint, die aus mehr als zwei Personen besteht. Diese Gruppe kann auch weiter als 1,5 Meter auseinander stehen, wenn der Charakter als Gruppe (z.B. durch ein gemeinsames Gespräch) erkennbar ist. In diesen Fällen ist der Tatvorwurf gemäß § 12 Abs.1 CoronaSchVO gegeben, sofern keine normierten Ausnahmetatbestände vorhanden sind.“ Die Tatsachenfeststellung, ob es sich um eine Gruppe handele oder nicht, stelle aber immer eine Einzelfallbetrachtung dar, sodass der Mindestabstand von 1,5 Meter als Entscheidungshilfe berücksichtigt werden könne.