Auf den Spuren der Johanna von Orléans

August 3, 2021

Münster (SMS) Der Gang durch die Domgasse führt in diesen Wochen in die Geschichte von Münsters Partnerstadt Orléans: Auf acht gestalteten Tafeln kann das Leben der Johanna von Orléans nachgelesen werden. Die zweisprachige Ausstellung ist dem 100. Jahrestag der Heiligsprechung der französischen Nationalheldin gewidmet und wurde von der Stadt Orléans gestiftet. Realisiert hat die Freiluftausstellung das Bistum Münster. 
Zudem ruft die Ausstellung das 60-jährige Bestehen der Städtepartnerschaft zwischen Orléans und Münster im Jahr 2020 in Erinnerung. Die wegen der Pandemie verschobenen Feierlichkeiten ersetzen in diesem Jahr Projekte und Aktionen rund um die deutsch-französische Freundschaft. 

Tafeln an der Domgasse informieren über Johanna von Orleáns und die Städtepartnerschaft zwischen Münster und Orléans. Foto: Stadt Münster

Ernst Jünger über die Blauen

Juli 30, 2021

Ernst Jünger 1960. Foto: Litzmann.

Der deutsche Schriftsteller Ernst Jünger (1895-1998) war ein großer Bewunderer und Freund Afrikas, das er oft bereiste. Hier sah er noch Möglichkeiten für Abenteuer, männliche Bewährung und Leben in Ursprünglichkeit abseits der verregelten westlichen Zivilisation. Schon als Schüler versuchte er noch kurz vor dem Ersten Weltkrieg nach Afrika zu gelangen, indem er der Fremdenlegion beitrat. Er erreichte auf diesem Weg tatsächlich Algerien und Marokko. Aus der Fremdenlegion versuchte er zu fliehen, wurde jedoch wieder aufgegriffen. Erst die Intervention des Vaters führte zum Ende dieses Abenteuers, das Jünger später in „Afrikanische Spiele“(1936) beschrieb.

In seinen späten, 1980 veröffentlichten Tagebüchern „Siebzig verweht I“ findet sich von einem Angola-Aufenthalt folgende Notiz in Quilumbo (20.11.1966):

„Vormittags traten die Neger zur Wurmkur an. Was ist eigentlich ’schwarz‘? Merkt man, dass man schwarz ist, nur, wenn man mit Weißen in Berührung kommt? Oder hat der Mensch dem Schwarz gegenüber angeborene Bedenken, wie gegen die Nacht oder gegen das Dunkle im Vergleich mit dem Licht? Warum versuchen die Neger, sich die Haare zu entkräuseln? In Amerika lebt eine Industrie davon. Wahrscheinlich empfindet die schwarze Frau den schwarzen Mann als den schöneren. Warum wird ‚Schwarzer‘, ‚Neger‘ als Schimpfwort empfunden? In Brasilien hörte ich, daß man in Anwesenheit der Diener von den ‚Blauen‘ sprach. Hier ziehe ich ‚Afrikaner‘ vor. ‚Rasse‘ hat heute einen Hautgout bekommen; immerhin ist der Abendländer heute der Weltmannequin. Man spricht seine Sprache, trägt seine Kleidung bis zum Schlips. Die Japanerin ahmt amerikanische Filmstars nach; für den Negerhäuptling ist die blonde Frau ein Statussymbol. Wenn die Neger ihrem Nomos folgten, würde es hier anders, natürlicher aussehen. Worte wie ‚Gleichberechtigung‘ sind adaptiert, werden aber nur mit dem Hintergedanken an Gewaltanwendung benutzt. Die Welt ist in eine Phase eingetreten, in der einer am schlechten Gewissen des anderen zapft. Gewissensmelker, ein neuer Beruf. Davon leben Völker, Parteien und Einzelne, Philosophen sogar. Auch das macht die Sache nicht besser und geht vorüber: mir waren und sind die Neger angenehm.“

Die Tagebuchnotiz scheint vor den heutigen Versuchen, den Begriff „Neger“ aus dem deutschen Sprachgebrauch völlig auszulöschen, höchst interessant, da die Überlegungen Jüngers recht modern erscheinen. Zum einen ist festzuhalten, dass Jünger den Begriff „Neger“ zeittypisch für die 1960er Jahre noch fortlaufend verwendet und zwar neutral in Beschreibungen des Lebens in Afrika. Zum anderen ist ihm die alternativ abwertende Bedeutungsunterlegung bis hin zum Gebrauch als Schimpfwort schon damals bekannt. Er gebraucht das Wort „Neger“ jedoch nicht in dieser Bedeutungsrichtung, drückt vielmehr seine Sympathie für Schwarzafrikaner damit aus. Zugleich bemerkt er kritisch den Eurozentrismus der damaligen Welt, in dem sich alles um die Weißen dreht und diese nachzuahmen sucht. Er mahnt den Schwarzen mehr Selbstbewusstsein und ein Ende der Orientierung an den Weißen an. Würde das nicht, so ist man als Leser geneigt zu folgern, die Schwarzen unempfindlicher gegenüber den Fremdbezeichnungen der Weißen machen? Wer ein ausgeprägtes Selbstbewusstsein hat, dem ist es egal, wie andere über ihn reden und wie sie ihn nennen.

Starkregen: Über 70 Feuerwehreinsätze

Juli 15, 2021

Münster (SMS) Starkregen hat die Feuerwehr Münster bis in die Nacht zu Donnerstag im Dauereinsatz gehalten: Über 70 Mal mussten die Einsatzkräfte Hilfe leisten und fast ausnahmslos vollgelaufene Keller wie Untergeschosse leerpumpen.
Schon früh waren am Mittwoch rund 200 Kameradinnen und Kameraden alarmiert worden, viele weitere Kräfte in Berufs- und Freiwilliger Feuerwehr verfolgten die Unwetterwarnungen, die wegen des Sturmtiefs „Bernd“ von verschiedenen Wetterdiensten vorausgeschickt wurden. Entsprechend wurden die Leitstelle verstärkt und Sitzbereitschaften in den Gerätehäusern der Freiwilligen Feuerwehren eingerichtet.  Als dann um 16.01 Uhr der erste Notruf aus Handorf einging, nahm der Arbeitstag einen intensiven Verlauf. Der Kampf gegen Wassermassen wurde insbesondere im Süden Münsters ausgetragen, doch auch im Zentrum und einigen nördlichen Vororten waren bis 22 Uhr einzelne Einsätze in der Stadt zu verzeichnen. Die Wetterstation am FMO meldete am Mittwoch eine Niederschlagsmenge von 23,4 Litern je Quadratmeter, das Institut für Landschaftsökologie an der Uni Münster einen Wert von 43,7 Litern.

Straßen unpassierbar, gefährliche Strömungen
Gegen 19.30 Uhr wurde schließlich auch die Feuerwehr-Bereitschaft Warendorf/Münster von der Bezirksregierung zur Unterstützung in der Städteregion Aachen angefordert – vier Züge, eine Führungseinheit. Aus Münster machten sich 22 Einsatzkräfte (19 Männer, 3 Frauen) mit großem Gerät auf den Weg. „Ein paar Autobahnen waren aufgrund der Überflutungen bereits gesperrt, in einigen Bereichen nur eine Spur befahrbar. Um 1.45 Uhr waren wir dann aber vor Ort“, sagt Einheitsführer Marc Greshake (Freiwillige Feuerwehr, Löschzug Kinderhaus).
In Aachen wurden die Einheiten getrennt und sofort an die Einsatzstellen beordert. Für die Teams aus Münster bedeutete das vor allem: Keller auspumpen, dies aber unter riskanten Bedingungen. „Viele Straßen sind nicht passierbar, ganze Straßen abgesackt und weggespült – die Einsätze waren durchaus gefährlich, die Strömungen im hügeligen Gelände enorm.“ In Gedanken waren alle Beteiligten da bei zwei Kameraden, die am Mittwoch bei den Unwettereinsätzen in Altena und Werdohl ums Leben kamen.

„Den Betroffenen viel Kraft“
„Vor fast genau sieben Jahren wurde Münster von einem enormen Starkregenereignis heimgesucht, daher machen uns die Nachrichten und Bilder aus den Städten und Regionen besonders betroffen“, so Oberbürgermeister Markus Lewe. „Viele auch aus anderen Städten, Kreisen und Gemeinden haben 2014 geholfen, die schlimmen Folgen des Unwetters zu lindern. Ich danke den Einsatzkräften, die in besonders betroffenen Gebieten, wie der Stadt Aachen, kurzfristig Hilfe geleistet haben. Wir sind in Gedanken bei den Opfern und wünschen Betroffenen viel Kraft.“
Auch die Helfer aus Münster, die in Aachen im Einsatz waren, wurden zwangsläufig an die Erlebnisse 2014 erinnert: „Der Großteil unserer noch jungen Einsatzkräfte hatte das Ereignis in Münster aktiv miterlebt und die damaligen Gefühle gleich wieder präsent. Es ist nicht so anonym wie bei den Alltagseinsätzen – wir haben vor Ort ganz viel Dankbarkeit und Freude erlebt, als wir den Menschen geholfen haben“, so Greshake. „So viele Menschen konnten sich selbst nicht mehr helfen, vollgelaufene Keller standen unter Strom, weil auch die Hauptverteiler überspült waren. Das war dem Ereignis in Münster damals schon alles sehr ähnlich.“
Am Mittag kehrten die Einsatzkräfte nach Münster zurück – geschafft, aber gesund.

Feuerwehr Münster in Aachen. Foto: Feuerwehr

Starkregen in Münsters Vergangenheit
 Erfahrungen mit Starkregenereignissen hat die Stadt Münster schon oft sammeln müssen, vor allem die sogenannten „Jahrhundert-Unwetter“ im August 2004 und Juli 2014 sind im kollektiven Gedächtnis geblieben:

14./15. August 2004: 2100 Notrufe erreichten die Feuerwehr Münster in Folge eines zunächst unspektakulären Sommerregens. Dieser entwickelte sich aber zu einem enormen Starkregen-Ereignis: Erstmals in der Nachkriegszeit wurde systematisch überörtliche Hilfe im größeren Umfang angefordert. An mehr als 1200 Einsatzorten leisteten die über 400 Rettungskräfte teils ihren bis zu 24-stündigen Dienst. Im Schnitt alle 12 Sekunden ging über mehrere Stunden ein Notruf bei der Feuerwehr ein. Parallel dazu wurden bis zu 60 Liter Niederschlag pro Quadratmeter verzeichnet.

28. Juli 2014: „Das Unwetter dieses Tages forderte Menschenleben, zerstörte Existenzen und schädigte in außerordentlichem Maße privates wie öffentliches Vermögen“ – so schließt eine 43 Seiten starke Bilanz der münsterschen Stadtverwaltung zum Starkregen-Ereignis. Binnen sieben Stunden waren 292 Liter Regen pro Quadratmeter herniedergestürzt – davon 220 Liter in eineinhalb Stunden. 13.000 Notrufe gingen in der Folge ein, 24. 000 Haushalte waren ohne Strom, viele Menschen schließlich sogar ohne Haushalt. Das Hochwasser löste den größten Einsatz von Feuerwehren und Hilfsorganisationen in Münster seit Ende des Zweiten Weltkriegs aus. 3500 Einsatzkräfte aus ganz NRW unterstützten die hiesige Bevölkerung im Kampf gegen die Fluten. Mehr als eine Woche lang war der münstersche Krisenstab im Einsatz, länger sogar die sogenannte „Leidstelle“ – eine Gruppe junger Freiwilliger, die nach einem Facebook-Aufruf die ehrenamtliche Hilfe in der ganzen Stadt organisiert und zwischenzeitlich über 8000 Bürgerinnen und Bürger durch Münster gesteuert, Hilfsbedürftige und Helfende zusammengebracht hatte.

Schwellen gegen Poser und Raser

Juli 3, 2021

Münster (sms). Eine sogenannte „Poser- und Raser-Szene“, vornehmlich aus dem nördlichen Ruhrgebiet, terrorisiert seit einiger Zeit eine Villengegend um die Annette-Allee, die an dem Münsterschen Naherholungsgebiet des Aasees gelegen ist. Stadt und Polizei haben nun – neben weiteren Maßnahmen – beschlossen, Fahrbahnschwellen zu installieren.
Als Sofortmaßnahme wurden zunächst mobile Absperrschranken zur Einengung der Fahrbahn aufgestellt. Diese werden nun durch fest installierte Fahrbahnschwellen ersetzt.

„Wir gehen davon aus, dass durch die Schwellen dieser Bereich für die Poser-Szene unattraktiv wird“, so Nobert Vechtel, Leiter des Ordnungsamtes. „Der Einbau der Schwellen dient allein der unmittelbaren Gefahrenabwehr in dieser Ausnahmesituation. Eine Festlegung zu einer dauerhaften Umgestaltung der Annette-Allee ist damit nicht verbunden.“ Da die Schwellen nicht über die gesamte Breite der Fahrbahn verlegt werden, kann der Radverkehr seitlich daran vorbeifahren.

Die Annette-Allee ist eine Fahrradstraße, auf der Autos zugelassen sind.
Schwellen sollen nun gegen Auto-Rowdys helfen. Foto: Stadt Münster.

Rohstoffmangel macht sich bemerkbar

Juni 8, 2021

Münster (SMS) Die gesamte Baubranche leidet unter Rohstoffmangel und steigenden Preisen. Holz, Stahl, Dämm- und Kunststoffe sind zurzeit kaum verfügbar, dadurch erhöhen sich die Preise zum Teil deutlich. Betroffen sind auch städtische Bauprojekte: Verzögerungen sind bei den Neubauten der Mathilde-Anneke-Gesamtschule, der Grundschule samt Mensa am Schulzentrum Kinderhaus sowie der Dreifachsporthalle am Pascal-Gymnasium absehbar.
Bei der Mathilde-Anneke-Gesamtschule machen zurzeit vor allem Lieferengpässe beim Rohstoff Holz Schwierigkeiten. Die Fertigstellung zum Schulstart im Sommer 2022 wird sich daher verschieben. Ein genauer Zeitrahmen lässt sich aufgrund der dynamischen Entwicklung auf den Rohstoffmärkten noch nicht endgültig festlegen. Die Verwaltung ist mit der Schule im Gespräch, um eine Zwischenlösung zu entwickeln.
Beim Neubau der Grundschule samt Mensa am Schulzentrum Kinderhaus fehlen Materialien für Dach und Fassade. Die für Ende 2021 geplante Fertigstellung wird sich damit voraussichtlich verzögern. Vier Wochen später als geplant wird auch die neue Dreifachsporthalle am Pascal-Gymnasium fertig. Bei dem sich auf der Zielgeraden befindenden Neubau gibt es aktuell Materialengpässe bei der Dachabdichtung und Dämmung. Nach derzeitigem Stand kann die Sporthalle aber wie geplant nach den Sommerferien 2021 in Betrieb gehen.
Die Auswirkungen der Entwicklung am Rohstoffmarkt auf die Zeit- und Kostenplanung weiterer städtischer Bauprojekte sind derzeit noch nicht abzusehen.

200. Todestag Napoleons

Mai 5, 2021
Krypta im Invalidendom mit dem Sarkophag Napoleons I. Foto: Grafenstein

Deutscher Journalismus – eine einzige Katastrophe

April 25, 2021

Deutscher Journalismus ist schon jenseits seiner Darreichungsform inhaltlich eine einzige Katastrophe, sich allerdings aus drei Katastrophen zusammensetzt, die den erwartbaren Inhalt der Medienberichterstattung aller Sparten und Kanäle jeden Tags als eine Art Katastrophenkontinuum über die Zeit bilden.

1.      Die Katastrophe der Vergangenheit. Diese besteht im Holocaust, Nationalsozialismus und 2. Weltkrieg, in dieser Reihenfolge. Martin Walser hat es aus der Perspektive des Nationalstolzes „die tägliche Präsentation der Schande“ genannt. Aber auch Menschen ohne patriotische Ader muss diese tägliche Präsentation des Horrors arg zusetzen bis sie irgendwann zur Abstumpfung führt. Junge Menschen erhalten so ein verzerrtes Geschichtsbild vermittelt, in dem das 20. Jahrhundert nur aus Krieg, Gewalt und Niedergang zu bestehen scheint, wobei als Schuldige hierfür die Deutschen zu benennen sind.

2.      Die Katastrophe der Gegenwart: Diese besteht im Auftritt eines mutierten Coronavirus, auch Coronakrise oder Coronapandemie genannt. Seitenlang wird diese Pandemie und ihre Bekämpfung in allen Facetten und Details ausgebreitet. Es gibt keine anderen Probleme in der Gegenwart, aber auch nichts, worüber man sich freuen oder was Anlass zur Hoffnung bietet, denn das würde dem Ernst der Lage nicht gerecht. Schuldfrage ist noch ungeklärt, wird aber sicher zeitnah medial vermittelt werden.

3.      Die Katastrophe der Zukunft: Diese besteht im Klimawandel, der jetzt schon beobachtbar sei und in der Zukunft katastrophale Folgen haben werde. Schuld am Klimawandel sei der Mensch, weil er im 18. Jahrhundert den klimatisch kuschelig kalten Naturzustand verlassen und die Industrialisierung begonnen hat. Der Klimawandel lasse sich aber durch eine staatlich gesteuerte sozial-ökologische Transformation der Gesellschaft aufhalten, die man am besten anschieben kann, indem man die Grünen wählt, mit denen auch die Mehrheit der deutschen Journalisten sympathisiert.

Gebildeten und intelligenten Menschen wird mit diesen drei Medieninhalten prinzipiell nichts Neues erzählt, sie wissen, dass es in der Vergangenheit den Holocaust gab, es in der Gegenwart eine Coronapandemie gibt, und dass in der Zukunft der Klimawandel schlimme Folgen zeitigen soll. Sie realisieren vielmehr, dass sie für latente unberechenbare Antisemiten gehalten werden, die täglich vor einer Wiederholung des Holocaust abgehalten werden müssen, indem sie an diesen erinnert werden, ferner für unbedachte Trottel, denen die Kulturtechnik des Händewaschens unbekannt ist und die stets eine virale Bedrohung für ihre Mitmenschen darstellen, last but not least für rücksichtslose Ausstoßer von CO2, denen das Verharren in einer freien Marktgesellschaft nicht zugemutet werden kann, in der sie selbst darüber entscheiden, welche Ziele sie haben und welche Risiken sei eingehen, kurzum welchen Gebrauch sie von ihrer Vernunft und ihrer Freiheit machen. Gebildete und intelligente Menschen erkennen auch, dass in den deutschen Medien die berüchtigte deutsche Angst geschürt und bewirtschaftet werden soll, Angst vor der Vergangenheit und ihrer Wiederkehr, Angst vor der Gegenwart und Angst vor der Zukunft. Angst aber macht unfrei.

Gebildete und intelligente Menschen sind also anscheinend nicht die Zielgruppe deutscher Massenmedien, sondern dumme und ungebildete Menschen, mit einem Gedächtnis, das gerade mal von einem Tag auf den andern reicht und dem immer neu auf die Sprünge geholfen werden. Immer mehr Menschen meiden dementsprechend schon lange das deutsche Fernsehen, flüchten aus dem Radio, deabonnieren ihre Zeitungen, wechseln evtl. auf „alternative Medien“ wie die „Junge Freiheit“, unpolitische Zeitschriften wie die „Landlust“, deutschsprachige Medien aus dem Ausland wie die „NZZ“ oder englischsprachige Qualitätsblätter wie den „Economist“. Wer freiheitsliebend und leistungsfähig ist, wandert womöglich ganz aus der von Ängsten, Katastrophismus und Traumata beherrschten Massengesellschaft aus, die der deutsche Nationalstaat beherbergt. Aber Vorsicht, deutsche Medien, dieses täglich grüßende Murmeltier des Grauens, sind durch das Internet heute überall erreichbar…

Die Anführer der Wiedertäufer

April 16, 2021
Täuferkönig Jan van Leiden (1509-1536) mit Szepter und Folterzangen als Attribut. Foto: Grafenstein
Bernd Knipperdolling (1495-1536), Scharfrichter und Statthalter des Täuferreichs zu Münster, mit Richtschwert und Folterzange als Attribut. Foto: Grafenstein
Bernd Krechting (1500-1536), ein weiterer Anführer des Täuferreichs zu Münster, mit Folterzange und Geldsack als Attribut. Foto: Grafenstein

Der Bildhauer Paul Waldow (1898-1972) erschuf in den 1960er ein Säulenkapitell am historischen Rathaus des Westfälischen Friedens zu Münster, das die drei Anführer der Wiedertäuferbewegung zeigt, die 1536 auf dem Prinzipalmarkt hingerichtet und danach in den noch heute an der Lambertikirche hängenden Käfigen zur Schau gestellt wurden. Bernd Krechting musste wohl an Stelle seines viel prominenteren Bruders Heinrich Krechting, des Kanzlers des Täuferreichs, sterben, dem die Landsknechte des Fürstbischofs von Münster freies Geleit gewährten, weil er sich in einer Wagenburg auf dem Prinzipalmarkt bei den letzten Gefechten während der Rückeroberung der Stadt durch den Bischof so tapfer verteidigt hatte. Welche Bedeutung Waldow mit dem Geldsack neben Krechting verbinden wollte, hat er als Geheimnis leider mit ins Grab genommen. Viertes Stück auf dem Kapitell ist der von Schwertern durchbohrte Reichsapfel als Insignie Jan von Leydens, der im vorigen Beitrag zu sehen ist.

Der König der letzten Tage

März 31, 2021
Königliches Symbol Jan van Leidens an einem Säulenkapitell des Rathauses zu Münster: Zwei Schwerter durchstoßen einen Reichsapfel.

Im historischen Münster des Täuferreichs spielt der fantastische Historienfilm „König der letzten Tage“ (1993) mit einem brilliant aufspielenden Christoph Waltz als Täuferkönig Jan van Leiden vor der in Tschechien aufgebauten mittelalterliche Kulisse der Stadt. Ebenfalls in einer großen Rolle ist hier Mario Adorf als Fürstbischof Franz von Waldeck zu sehen. Dem Film wird zu freier Umgang mit der historischen Materie vorgeworfen, in groben Zügen stimmt bei aller künstlerischen Freiheit die Darstellung mit der allerdings unglaubhaft verrückten Wirklichkeit des Täufertums mit Bilderstürmerei, Vielweiberei, Geldverbot und religiösem Größenwahn jedoch überein. Neben den schauspielerischen Leistungen von Waltz als auf den Tischen tanzender Heiland und Adorf als bodenständiger Bischof nehmen den Betrachter die opulente Ausstattung, die rauschhafte Filmmusik von Wojciech Kilar und der spannende Handlungsbogen gefangen – überdurchschnittlich für einen deutschen Fernsehfilm.

Das historische Täuferregime wurde, wie im Film gezeigt, gewaltsam niedergerungen, nachdem es zum Ende hin selbst immer blutrünstiger geworden war. Bis heute ist Münster dadurch besonders katholisch geprägt und ein Vergleich mit den Täufern noch in der Gegenwart eine politische Beschimpfung, ähnlich dem Nazivergleich im übrigen Deutschland. Es gibt jedoch immer mehr Linke, Freigeister und Progressive in Münster, die sich positiv auf das Täuferreich beziehen, weil sie die Täufer für den linken Flügel der Reformation halten.

Wer war es, der den Lorbeer brach

März 28, 2021
Die Käfige an St. Lamberti, in der die hingerichteten Anführer des Täuferreichs zu Münster, Jan von Leyden, Bernd Krechting und Bernd Knipperdolling, zur Schau gestellt wurden. Foto: Grafenstein

Wer war es, der den Lorbeer brach
Und ihn an seine Kappen stak.
Ich will´s euch offenbaren:
Wir riefen das Kreuz vom Himmel an
Wir frommen Landsknecht alle.

Es war an einem Montag,
Als der Sturm auf Münster anbrach
Wohl um die siebte Stunde.
Da blieb so mancher Landsknecht tot
Vor Münster in der Runde.

Zum Sturm war es nur kurze Zeit
Bis die Mette war bereit.
Die Mette war gesungen,
Dann schossen sie los der Büchsen drei,
Alarm, so schlug die Trommel.

Die Landsknecht warn in großer Not
Da blieben wohl dreitausend tot.
In anderthalben Stunden
War das nicht der Knecht‘ ein großer Hauf,
Drum soll kein Landsknecht trauern.

(Landsknechtslied aus dem 16. Jahrhundert das an den Kampf gegen das Täuferreich zu Münster und die Belagerung der Stadt durch die Truppen des Fürstbischofs Franz von Waldeck erinnert.)