Die Anführer der Wiedertäufer

April 16, 2021
Täuferkönig Jan van Leiden (1509-1536) mit Szepter und Folterzangen als Attribut. Foto: Grafenstein
Bernd Knipperdolling (1495-1536), Scharfrichter und Statthalter des Täuferreichs zu Münster, mit Richtschwert und Folterzange als Attribut. Foto: Grafenstein
Bernd Krechting (1500-1536), ein weiterer Anführer des Täuferreichs zu Münster, mit Folterzange und Geldsack als Attribut. Foto: Grafenstein

Der Bildhauer Paul Waldow (1898-1972) erschuf in den 1960er ein Säulenkapitell am historischen Rathaus des Westfälischen Friedens zu Münster, das die drei Anführer der Wiedertäuferbewegung zeigt, die 1536 auf dem Prinzipalmarkt hingerichtet und danach in den noch heute an der Lambertikirche hängenden Käfigen zur Schau gestellt wurden. Bernd Krechting musste wohl an Stelle seines viel prominenteren Bruders Heinrich Krechting, des Kanzlers des Täuferreichs, sterben, dem die Landsknechte des Fürstbischofs von Münster freies Geleit gewährten, weil er sich in einer Wagenburg auf dem Prinzipalmarkt bei den letzten Gefechten während der Rückeroberung der Stadt durch den Bischof so tapfer verteidigt hatte. Welche Bedeutung Waldow mit dem Geldsack neben Krechting verbinden wollte, hat er als Geheimnis leider mit ins Grab genommen. Viertes Stück auf dem Kapitell ist der von Schwertern durchbohrte Reichsapfel als Insignie Jan von Leydens, der im vorigen Beitrag zu sehen ist.

Der König der letzten Tage

März 31, 2021
Königliches Symbol Jan van Leidens an einem Säulenkapitell des Rathauses zu Münster: Zwei Schwerter durchstoßen einen Reichsapfel.

Im historischen Münster des Täuferreichs spielt der fantastische Historienfilm „König der letzten Tage“ (1993) mit einem brilliant aufspielenden Christoph Waltz als Täuferkönig Jan van Leiden vor der in Tschechien aufgebauten mittelalterliche Kulisse der Stadt. Ebenfalls in einer großen Rolle ist hier Mario Adorf als Fürstbischof Franz von Waldeck zu sehen. Dem Film wird zu freier Umgang mit der historischen Materie vorgeworfen, in groben Zügen stimmt bei aller künstlerischen Freiheit die Darstellung mit der allerdings unglaubhaft verrückten Wirklichkeit des Täufertums mit Bilderstürmerei, Vielweiberei, Geldverbot und religiösem Größenwahn jedoch überein. Neben den schauspielerischen Leistungen von Waltz als auf den Tischen tanzender Heiland und Adorf als bodenständiger Bischof nehmen den Betrachter die opulente Ausstattung, die rauschhafte Filmmusik von Wojciech Kilar und der spannende Handlungsbogen gefangen – überdurchschnittlich für einen deutschen Fernsehfilm.

Das historische Täuferregime wurde, wie im Film gezeigt, gewaltsam niedergerungen, nachdem es zum Ende hin selbst immer blutrünstiger geworden war. Bis heute ist Münster dadurch besonders katholisch geprägt und ein Vergleich mit den Täufern noch in der Gegenwart eine politische Beschimpfung, ähnlich dem Nazivergleich im übrigen Deutschland. Es gibt jedoch immer mehr Linke, Freigeister und Progressive in Münster, die sich positiv auf das Täuferreich beziehen, weil sie die Täufer für den linken Flügel der Reformation halten.

Wer war es, der den Lorbeer brach

März 28, 2021
Die Käfige an St. Lamberti, in der die hingerichteten Anführer des Täuferreichs zu Münster, Jan von Leyden, Bernd Krechting und Bernd Knipperdolling, zur Schau gestellt wurden. Foto: Grafenstein

Wer war es, der den Lorbeer brach
Und ihn an seine Kappen stak.
Ich will´s euch offenbaren:
Wir riefen das Kreuz vom Himmel an
Wir frommen Landsknecht alle.

Es war an einem Montag,
Als der Sturm auf Münster anbrach
Wohl um die siebte Stunde.
Da blieb so mancher Landsknecht tot
Vor Münster in der Runde.

Zum Sturm war es nur kurze Zeit
Bis die Mette war bereit.
Die Mette war gesungen,
Dann schossen sie los der Büchsen drei,
Alarm, so schlug die Trommel.

Die Landsknecht warn in großer Not
Da blieben wohl dreitausend tot.
In anderthalben Stunden
War das nicht der Knecht‘ ein großer Hauf,
Drum soll kein Landsknecht trauern.

(Landsknechtslied aus dem 16. Jahrhundert das an den Kampf gegen das Täuferreich zu Münster und die Belagerung der Stadt durch die Truppen des Fürstbischofs Franz von Waldeck erinnert.)

Münster will Corona-Modellstadt werden

März 24, 2021

Münster (SMS) Die Stadt Münster setzt ein Zeichen für von der Corona-Krise besonders stark betroffene Wirtschaftszweige. In einem heute versendeten Brief an die NRW-Staatskanzlei beantragt Oberbürgermeister Markus Lewe, dass Münster als so genannte Corona-Modellstatt zugelassen wird und den Bürgerinnen und Bürgern unter strengen Auflagen auch während des bundesweiten Lockdowns den Zugang zu Geschäften, Kultureinrichtungen, Zoo und gegebenenfalls weiteren Bereichen ermöglicht.
„Ich begrüße es sehr, dass die nordrhein-westfälische Landesregierung in ausgewählten Modellkommunen gelockerte Corona-Beschränkungen, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind, ermöglichen will“, schreibt Lewe an den Chef der Staatskanzlei, Nathanael Liminski. Er sei der festen Überzeugung, dass über gute Testkonzepte und digitale Kontaktnachverfolgung – verbunden mit niedrigen Inzidenzwerten – modellhaft in den ausgewählten Städten und Landkreisen Erfahrungen gesammelt werden könnten, die dann landesweit in eine verantwortungsvolle Öffnungsstrategie umgesetzt werden könnten. Lewe schreibt: „Die Stadt Münster will gerne eine dieser Modellstädte sein.“
Für Münster spricht aus Sicht der Stadtverwaltung eine schon seit langem vergleichsweise niedrige Wocheninzidenz: Nach dem Jahreswechsel lag der Wert in der Domstadt in der Summe acht Wochen unter 50 und ist mit aktuell rund 65 immer noch im Bundesvergleich überdurchschnittlich gut. Auch die intensivmedizinischen Reserven in den Krankenhäusern der Stadt liegen auf einem hohem Niveau. Zudem kann Münster mit 12,4 Prozent inzwischen eine vergleichsweise hohe Impfquote vorweisen. Die „Luca-App“ zur digitalen Kontaktnachverfolgung wurde bereits in das städtische Präventionssystem integriert. Zudem bieten in Münster aktuell sieben Testzentren, 21 Apotheken und 100 Arztpraxen Corona-Tests an, das Angebot wird von der Bürgerschaft intensiv genutzt.
Die Stadt Münster schlägt vor, dass der auf diesem Weg erfolgte weitestgehende Nachweis einer Infektionsfreiheit zunächst in der Innenstadt und später auch darüber hinaus Bürgerinnen und Bürgern den Zugang zu Einrichtungen ermöglichen soll. Alternative Zugangsvoraussetzung könnte auch ein Impfnachweis sein. In den Einrichtungen selbst sollen weiterhin strikte Hygieneregeln gelten sowie eine klare Begrenzung der Personenzahl pro Fläche. Geschäfte, die mitmachen möchten, müssen im Gegenzug eine digitale Kontaktdatenerfassung sicherstellen, die eine schnelle Intervention des Gesundheitsamtes bei etwaigen Infektionsketten ermöglicht. „Ich würde mich sehr freuen, wenn Münster eine der Städte würde, in der das Land zusammen mit der Stadt modellhaft innovative Wege testet und Erfahrungen sammelt“, so Lewe in seinem Schreiben an die Staatskanzlei.
Zuvor hatte sich auch der Krisenstab Wirtschaft in Münster für eine testbasierte Öffnungsstrategie im Stadtgebiet ausgesprochen.

Geweihhalle im Hammerschloss Röthenbach

März 23, 2021
Geweihsammlung der Familie v. Grafenstein mit über 1400 Trophäen, geschossen in rund zwei Jahrhunderten, im Hammerschloss Röthenbach, vor 2007. Foto: Grafenstein

Das Steigerlied

März 22, 2021
Ein kleines Kohlebergwerk, ein „Pütt“, im Ruhrgebiet nach dem 2. Weltkrieg. Foto: Privat.

Glückauf, Glückauf; der Steiger kommt;
Und er hat sein helles Licht bei der Nacht,
Und er hat sein helles Licht bei der Nacht
Schon angezünd’t, schon angezünd’t.

Schon angezünd’t, das wirft sein‘ Schein;
Und damit so fahren wir bei der Nacht,
Und damit so fahren wir bei der Nacht
Ins Bergwerk ein, ins Bergwerk ein.

Ins Bergwerk ein, wo die Bergleut sein;
Die da graben das Silber und das Gold bei der Nacht,
Die da graben das Silber und das Gold bei der Nacht
Aus Felsgestein, aus Felsgestein.

Der eine gräbt das Silber, der andere gräbt das Gold;
Doch dem schwarzbraunen Mägdelein bei der Nacht,
Doch dem schwarzbraunen Mägdelein bei der Nacht
Dem sein sie hold, dem sein sie hold.

Ade Ade, Ade Ade; Herzliebste mein;
Denn da drunten im tiefen finstern Schacht bei der Nacht,
Denn da drunten in dem tiefen finstern Schacht bei der Nacht
da denk ich dein, da denk ich dein.

Und kehr ich heim, zur Liebsten mein;
Dann erschallet des Bergmanns Gruß bei der Nacht,
Dann erschallet des Bergmanns Gruß bei der Nacht,
Glückauf Glückauf, Glückauf Glückauf.

Wir Bergleut‘ sein kreuzbrave Leut‘!
denn wir tragen das Leder vor dem Arsch bei der Nacht,
denn wir tragen das Leder vor dem Arsch bei der Nacht;
und saufen Schnaps, und saufen Schnaps.

(Alte deutsche Volksweise, Hymne aller Bergleute)

Villa Hügel

März 22, 2021
Große Halle in der Villa Hügel der Familie Krupp, Essen. Foto: Grafenstein

Die Gedanken sind frei

März 22, 2021

Die Gedanken sind frei,
wer kann sie erraten,
sie fliehen vorbei
wie nächtliche Schatten.
Kein Mensch kann sie wissen,
kein Jäger erschießen,
es bleibet dabei:
die Gedanken sind frei.

Ich denke, was ich will,
und was mich beglücket,
doch alles in der Still,
und wie es sich schicket.
Mein Wunsch und Begehren
kann niemand verwehren,
es bleibet dabei:
die Gedanken sind frei.

Ich liebe den Wein,
mein Mädchen vor allen,
sie tut mir allein
am besten gefallen.
Ich bin nicht alleine
bei meinem Glas Weine,
mein Mädchen dabei:
die Gedanken sind frei.

Und sperrt man mich ein
im finsteren Kerker,
das alles sind rein
vergebliche Werke;
denn meine Gedanken
zerreißen die Schranken
und Mauern entzwei:
die Gedanken sind frei.

Drum will ich auf immer
den Sorgen entsagen
und will mich auch nimmer
mit Grillen mehr plagen.
Man kann ja im Herzen
stets lachen und scherzen
und denken dabei:
die Gedanken sind frei.

(Alte deutsche Volksweise)

Im März 2021

März 19, 2021
Fotograf: Christoph Stracke

Testen für alle

März 10, 2021

Münster (SMS) Jeder Münsteraner und jede Münsteranerin ohne Symptome hat ab sofort einmal wöchentlich Anspruch auf einen kostenfreien Schnelltest (PoC-Test). Dieses Angebot ist an vielen Dutzend Standorten im Stadtgebiet verfügbar. Damit wird bereits einen Tag nach der entsprechenden Anordnung des Landes von sogenannten „Bürgertests“ erkennbar, dass dieser wichtige Baustein in der Pandemiebekämpfung in Münster rasch und umfassend umgesetzt wird. Dem Gesundheitsamt liegen bereits jetzt 70 Meldungen von Arztpraxen, Apotheken und Testzentren vor, die sich an dem großen Test-Netzwerk in Münster beteiligen.

Dabei kommt insbesondere den Apotheken und Arztpraxen in Münster eine gewichtige Rolle zu. Dr. Hendrik Oen, Bezirksstellenleiter Münster der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) meint dazu:
„Die münsterschen Hausarztpraxen und auch viele Fachärztinnen und -ärzte beteiligen sich an den Bürgertests. Dadurch haben wir zusammen mit den Apotheken ein flächendeckendes Netz mit einem qualitativ hochwertigen Testangebot.“
In dieser Woche erfolgt die Beauftragung der Test-Stellen noch durch eine Allgemeinverfügung des Landes. Ab der kommenden Woche wird dann das Gesundheitsamt zur beauftragenden Behörde. Sollte das entstehende Netzwerk nicht ausreichen, um alle Testwilligen zu versorgen, dann kann von städtischer Seite nachgesteuert werden.
Wolfgang Heuer, Leiter des Krisenstabs, ist guter Dinge, dass schnell den Wünschen der Bevölkerung entsprochen werden kann: „Die Menschen wollen ein einfaches und gut erreichbares Angebot. Professionell durchgeführte Schnelltests mit Zertifikat können noch eine wichtige Rolle bei kommenden Lockerungen spielen.“

Auf der Internetseite www.muenster.de/corona_testungen ist bereits eine aktuelle Liste an teilnehmenden Test-Standorten aufgeführt. Diese wird sich in den kommenden Tagen voraussichtlich noch einmal deutlich erweitern. Bürgerinnen und Bürgern wird außerdem geraten, selbstständig bei ihren Apotheken, ärztlichen und zahnärztlichen Praxen zu erfragen, ob dort bereits jetzt oder künftig eine kostenlose Testmöglichkeit nach der neuen Testverordnung besteht.