Schottenportal in Regensburg

Juli 30, 2018

Liberale und der 20. Juli 1944

Juli 20, 2018
Graf Stauffenberg

Graf Stauffenberg Pop-Art – Design: Burkhard von Grafenstein, Frank von Grafenstein

Warum dürfen sich auch Liberale auf den 20. Juli 1944 beziehen? Die Widerstandskreise, die hinter dem Hitlerattentat des 20. Juli 1944 standen, weisen nicht nur Bezüge zum Christentum,  einem patriotischen Konservatismus und zur Sozialdemokratie, sondern auch zum Liberalismus auf.
Wortwörtlich wurden sie von Nationalsozialisten als „liberal“ gekennzeichnet:

„Das Bekenntnis zur Schuld kam aus einer ethischen Haltung, die die Stauffenbergs und ihre Freunde über die Masse der Mitläufer in allen Schichten der Gesellschaft weit heraushob. Empört stellte einer die Untersuchung gegen die Erhebung führenden Beamten der Geheimen Staatspolizei nach Monaten eingehender Verhöre fest:

‚Die ganz innere Fremdheit, die die Männer des reaktionären Verschwörerkreises gegenüber den Ideen des Nationalsozialismus kennzeichnete, kommt vor allem in der Stellung zur Judenfrage zum Ausdruck. Die Erlebnisse der Jahre [vor] 1933 und die auf ein breites Tatsachenmaterial gestützte Aufklärungsarbeit der NSDAP über die Judenfrage ist an diesem Kreis von Personen spürlos vorübergegangen. Trotz aller bitteren Erfahrungen, die das deutsche Volk und wahrscheinlich auch sie selbst bis 1933 haben machen müssen, stehen sie stur auf dem Standpunkt des liberalen Denkens, das den Juden grundsätzlich die gleiche Stellung zuerkennen will wie jedem Deutschen.‘

Die Aussagen von Berthold und Alexander Graf Stauffenberg gegenüber ihren Vernehmern belegen diese allgemeine Feststellung auch im Einzellfall.“

(Peter Hoffmann: Clauf Schenk Graf von Stauffenberg und seine Brüder, Stuttgart 1993, S. 11. Hervorhebg v. mir)

Die Opposition gegen Hitler kennzeichnete sich auch selbst als liberal:

Helmuth James Graf von Moltke berief sich bei seinen Kontaktversuchen zu den Engländern „in Istanbul auf ungenannte Personen in hohen und militärischen und zivilen Stellen, sowie andere >liberale< Elemente und Arbeitervertreter“ (S. 357).

Die Zielsetzung der Fronde des 20. Juli weist mit der Wiederherstellung der von Hitler außer Kraft gesetzten Grundrechte der Weimarer Verfassung unverkennbar liberale Gehalte auf (S. 343). Die „Regierungserklärung“, die unter Mitarbeit Stauffenbergs entstand, erkennbar aber vom wirtschaftliberalen Nationalkonservativen Carl Goerdeler geprägt war, umfasste:

Wiederherstellung des Rechts; Wiederherstellung der Moral; Kampf gegen die Lüge der Propaganda; Wiederherstellung der Freiheit des Geistes, des Gewisssens, des Glaubens und der Meinung; Erneuerung der Erziehung und Bildung der Jugend auf christlich-religiöser Grundlage bei äußerster Duldsamkeit gegenüber Andersgläubigen,…,eine neue Verfassung, grundsätzliche Freiheit der Wirtschaft; ausgleichende Sozialpolitik; … Zur Wiederherstellung des Rechts gehörten Rechtsgleichheit, …die Bestrafung rechtsbrecherischer Richter, die Sicherheit der Person und des Eigentums, die Auflösung der Konzentrationslager, die Festsetzung einer Verfassung mit Zustimmung des Volks und der Frontsoldaten… Die Judenverfolgung, ‚die sich in den unmenschlichsten und unbarmherzigsten, tief beschämenden und gar nicht wiedergutzumachenden Formen vollzogen hat‘, werde sofort eingestellt. Die Androhung, alle Rechtsbrecher werden der verdienten Strafe zugeführt, gilt natürlich auch für die hier Schuldigen.“

(S. 346 f., Hervorhebg v. mir)

Mit Karl Schenk Graf Stauffenberg engagiert sich heute ein Nachfahre (Enkel) von Claus Schenk Graf von Stauffenberg in der FDP in Bayern.

 

Wewelsburg: Ausflug zur „Schwarzen Sonne“

Juni 13, 2018
Hier versammelte sich die SS.

Der Nordturm der Wewelsburg beherbergt die „Gruft“ und den „Obergruppenführersaal“.

Die Wewelsburg im Paderborner Land hat eine wechselvolle Vergangenheit hinter sich. Errichtet von den Fürstbischöfen von Paderborn 1605 bis 1609 im Stil der Renaissance als Nebenresidenz und genutzt inbesondere als Jagdschloss, erlangte sie gewisse Berühmtheit, nachdem drei Jahrhunderte später Heinrich Himmer diesen ungewöhnlichen burgartigen Dreiecks-Schlossbau als Zentrum seines künftigen SS-Imperiums auserkoren hatte und entsprechend umbauen ließ. Vor allem den Putz ließ er abschlagen, um sie abweisender wirken zu lassen, was sie bis heute unschön aussehen lässt. Heute ist die Wewelsburg (wieder) Jugendherberge, Gedenkstätte und Sitz eines regionalgeschichtlichen Museums über das Hochstift Paderborn, mit einem kunterbunten Sammelsurium von wirtschafts-, sozial- und kriminalgeschichtlichen Exponaten, von denen einige durchaus länger im Gedächtnis haften bleiben. Von der einstigen Innenarchitektur der Schlossburg kann man sich beim Museumsrundgang allerdings wenig Eindruck verschaffen, auch über die Geschichte des Schlosses vor der SS-Inbesitznahme erfährt man nicht so viel.

Eine eigene große Museumsabteilung des Kreismuseums widmet sich monothematisch „Ideologie und Terror der SS“, und klärt über das Wirken und Nachwirkung der SS allgemein und vor Ort auf. Der Eintritt ist hier im Gegensatz zum Hochstiftmusem frei, sodass nicht gesagt werden kann, hier würde mit den Nazis Kasse gemacht. Im Rahmen dieser Daueraustellung, die im ehemaligen Wachgebäude der SS untergebracht ist, gelangt man auch über die so genannte „Gruft“ zur Hauptattraktion der Wewelsburg, dem „Obergruppenführersaal“ mit der durch einen Roman der 90er Jahre  als „Schwarze Sonne“ bekannt gewordenen Sonnenrad-Fußbodenornamentik, die heute schamvoll teilweise von Sitzsäcken für Besucher bedeckt ist.  Das Fotografieren ist hier wie im ganzen Museum verboten. Von den Fenstern hat man den Ausblick der Fürstbischöfe und SS-Generäle in die ostwestfälische Landschaft.

Im Museum ist bekannt, dass die Attraktionen der Wewelsburg stark von Rechtsradikalen frequentiert werden, die üblicherweise aber die Auseinandersetzung mit der KZ-Vergangenheit des Ortes meiden, was dort auch möglich wäre. Vor mir standen in der Tat zwei junge Burschen an der Museumskasse, die sich erst ihre Runen-Tattoos abkleben mussten, ehe sie ins Museum gelassen wurden, das übrige Besucherpublikum wirkte unverdächtig. Auch diese Austellung kann nicht jedes Geheimnis der SS lüften, ein sehr gutes Bild, was die SS konkret in der Wewelsburg eigentlich getrieben hat, verschafft die Ausstellung auch nicht, wahrscheinlich weil vieles Stückwerk und Planung geblieben war.

Aktuell kann im Museum auch eine humorige Sonderausstellung über Bierkultur im Paderborner Land und darüber hinaus besucht werden. Das zeigt nochmal schlaglichtartig, dass sich der Ort auch museal nicht gänzlich von der düsteren Vergangenheit unter dem SS-Totenkopf überschatten lassen will, die medial eine so große Rolle spielt.

Vor der Wewelsburg

Das Renaissance-Schloss ist weithin sichtbar.

Premiere der AfD beim Katholikentag

Mai 12, 2018

Immer wieder Pfiffe und Buhrufe: Beim Katholikentagspodium „Nun sag‘ wie hältst du es mit der Religion“ ging es am Samstag hoch her. Schon im Vorfeld war heftig darüber diskutiert worden, ob ein AfD-Bundestagsabgeordneter zum Katholikentag eingeladen werden soll. Die Veranstalter entschieden sich dafür, so dass auf dem Podium die Vertreter aller im Bundestag vertretenen Parteien saßen, darunter auch der religionspolitische Sprecher der AfD, Volker Münz.

Antifa gegen die AfD

„Suche Frieden, nicht die AfD“, skandierten Störer der Veranstaltung. Foto: Grafenstein

Rund 1.000 Menschen demonstrierten am Nachmittag gegen die Teilnahme der AfD am Katholikentag. Unter dem Motto „Keine Bühne für die AfD“ zogen sie friedlich durch die Innenstadt. Noch bevor die Diskussion losging, entrollte eine Antifa-Gruppe vor der Tribüne ein Transparent mit der Aufschrift „Suche Frieden, nicht die AfD“ und protestierte gegen den Auftritt des Abgeordneten, was aus Teilen des stark fraktionierten Publikums mit „Haut ab!“-Sprechchören beantwortet wurde.  Nach diesem Zwischenfall kam trotz der hitzigen Atmosphäre eine engagierte, aber ruhig ausgetragene Diskussion in Gang.
Münz verteidigte dort seine Auffassung, dass die Kultur und Rechtsordnung in Deutschland zum großen Teil auf dem Christentum basierten. Das christliche Menschenbild sei sehr wohl in der Grundordnung seiner Partei vertreten. Er könne allerdings nicht den Kopf für alle Menschen in seiner Partei hinhalten.
Münz übte scharfe Kritik am Islam, der die Menschenrechte nicht akzeptiere und auch nicht wesensmäßig zu Deutschland gehöre. Zugleich wandte er sich dagegen, dass sich die Kirche in Politik einmische. Das sei nicht ihre Aufgabe. Deutschland könne nicht immer weitere Millionen von Flüchtlingen aufnehmen, es müsse bei den Fluchtursachen angesetzt werden. Das Kopftuch im öffentlichen Raum, insbesondere in Schulen, lehne er als Unterdrückung der Frau ab.  Alle anderen Parteien-Vertreter wehrten sich gegen Verallgemeinerungen beim Islam. Natürlich müsse gegen eine radikalisierte Form vorgegangen werden. Die große Mehrheit der Muslime lebe aber friedlich in Deutschland, so etwa der Unionsabgeordnete Christian Hirte.

Schließlich kam doch noch eine zivilisierte Diskussion zu Stande. Moderator Thomas Arnold (li.) mit Bettina Jarasch, Christian Hirte (CDU) und Volker Münz (AfD). Foto: Grafenstein

Die religionspolitische Sprecherin der Linken, Christine Buchholz, nahm zur Religionspolitik in ihren eigenen Reihen Stellung: Sie betonte, ihre Partei sei „nicht religiös, aber auch nicht anti-religiös“. Minderheitsreligionen müssten bei klarer Trennung von Kirche und Staat ihre Religion gleichberechtigt leben dürfen, was derzeit noch nicht gewährleistet sei. Individuelle Bekenntnisse zu Religionen durch Kleidung oder Symbole seien vertretbar, aber nicht Kreuze an der Wand von öffentlichen Gebäuden.
Bettina Jarrasch (Die Grünen) aus Berlin begrüßte die religionsfreundliche Haltung des Staates in Deutschland.  Auch Muslime müssten gleiche Rechte haben. Für die Zukunft hält sie wenig optimistisch schwere religiöse Konflikte für möglich.
Die parlamentarische Staatssekretärin im Bundesarbeitsministerium, Kerstin Griese (SPD) betonte, sie erwarte von den Kirchen, dass sie sich in Politik einmischten. Kirche werde ihrer Aufgabe nicht gerecht, wenn sie sich nicht für die Schwachen und Armen engagiere. Hirte meinte, es könne den Politikern zwar nicht alles gefallen, was die Kirchen sagten. Trotzdem müssten die Kirchen gesinnungsethisch ein Stachel im Fleisch sein. „Dass uns das nicht immer gefällt, ist doch ganz klar“, so Hirte.

Merkel kritisiert US-Ausstieg aus Atomabkommen

Mai 11, 2018

Der Vatikan und Deutschland haben gemeinsam auf dem Katholikentag den Ausstieg der USA aus dem Iran-Atomabkommen kritisiert. „Aus unserer Sicht ist das sehr bedauerlich“, sagte der vatikanische Entwicklungsminister Kardinal Peter Turkson am Freitag in Münster. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bezeichnete es als „nicht richtig“, ein einstimmig im UN-Sicherheitsrat beschlossenes Abkommen, einseitig zu kündigen. „Das verletzt das Vertrauen in die internationale Gemeinschaft“, so Merkel vor rund 4.000 Zuhörern.

Merkel in Münster

Angela Merkel macht sich Sorgen um das Atomabkommen und den Frieden in der Welt. Foto: Grafenstein

Zugleich räumte die Kanzlerin ein, dass es in den Verhandlungen mit dem Iran schwierige Themen gebe. Turkson äußerte die Hoffnung, dass der US-Ausstieg nicht unweigerlich in einen großen Konflikt münde: „Es gibt aber immer noch die Möglichkeit, den Dialog als Instrument zur Friedenssicherung zu entdecken.“ Der Vatikan engagiere sich auch, dass beide Seiten miteinander im Gespräch blieben und Vertrauen wachsen könne.

Merkel erklärte: „Ich glaube, wir müssen sehr weit gehen in der Frage, mit wem man bei Konflikten noch redet.“ Sie räumte ein, selbst mitunter „eher restriktiv“ zu sein: „Die Gespräche dürfen keine Fensterreden sein, sondern man muss einander ernst nehmen.“ Sie habe etwa nie mit dem libyschen Diktator Muammar al-Gaddafi geredet und rede auch nicht mit dem syrischen Präsidenten Baschar al-Assad. Die Kanzlerin bedauerte, dass es früher wesentlich mehr Gespräche im Hintergrund gegeben habe, bei denen vertraulich und in Ruhe Konflikte diskutiert werden konnten: „Diese Tugend ist leider etwas verloren gegangen.“ Lachend sagte sie in Richtung Turkson: „Da ist der Vatikan in einer besseren Position – dort gibt es nicht immer Pressekonferenzen nach Gesprächen, wo man sich dann kraftvoll präsentieren muss.“

Eindringlich appellierte Merkel ihrerseits an die Gesellschaft: „Es zählt zu den größten Aufgaben, dass wir nicht abstumpfen gegenüber den vielen Konflikten in der Welt, wo die Menschenwürde mit Füßen getreten wird.“

Merkel sprach mit Kardinal Peter Turkson (li.) und Professor Tilmann Brück (re.). Foto: Grafenstein

Wenn man über Krieg und Frieden spreche, dürfe man nie vergessen, dass es dabei nie um etwas Anonymes geht, sondern um menschliche Schicksale. Viele der großen Konfliktherde lägen zudem „direkt vor unserer Haustüre“ an den EU-Außengrenzen: „Syrien grenzt an Zypern, Libyen liegt gegenüber von Italien. Wir können uns davon nicht abkoppeln.“ Merkel sorgte sich auch darum, dass die Mahnung des 2. Weltkriegs immer weiter zurückliege, nunmehr ein Menschenalter. Dies könne Akteure ermutigen, Grenzen auszutesten.

Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Thomas Sternberg, dankte Merkel für ihr Engagement in der Flüchtlingspolitik: „Die oft maßlose Kritik daran ist nicht die Meinung der Mehrheit.“ Er lobte unter anhaltendem Applaus des Publikums in der überfüllten Messehalle: „Sie, Frau Bundeskanzlerin, haben immer wieder darauf hingewiesen, dass es hier auch immer um die Frage nach dem Grad unserer Humanität geht.“

Steinmeier: US-Ausstieg echter Rückschlag für Friedensdiplomatie

Mai 10, 2018

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sieht in Donald Trumps US-Ausstieg aus dem Iran-Atomabkommen eine Absage an Frieden durch internationale Kooperation. Dies sei ein „wirklicher Rückschlag für die Friedensdiplomatie“ und Risiko für die ganze Region, sagte Steinmeier am Donnerstagnachmittag beim Katholikentag in Münster.

Nun drohten andere in der Region zu versuchen, denselben Weg wie der Iran in Richtung Atomwaffen zu gehen, sagte der frühere Außenminister vor mehr als 2.000 Besuchern in der Halle Münsterland. Im Iran würden Hardliner wieder auf jene losgehen, die das Abkommen bislang unterstützt haben. Langfristig, so der Bundespräsident, stelle sich die Frage: „Wer wird sich noch auf ein solches Abkommen einlassen?“

Frank-Walter Steinmeier, Bettina Schausten, Herfried Münkler

Bettina Schausten (Mitte) moderierte das Gespräch von Frank-Walter Steinmeier (li.) und Prof. Herfried Münkler (re.). Foto: Grafenstein

Der Bundespräsident ermunterte dazu, nicht „all unsere Zukunftsperspektiven nur mit Blick auf die derzeitige US-Regierung zu sehen und danach auszurichten“. Er appellierte an die EU-Mitgliedstaaten, bis zum Beginn des Wahlkampfs zum EU-Parlament konkrete Vorschläge auch zur inhaltlichen und diplomatischen Neuausrichtung zu machen. Diese Aufforderung gelte nicht nur für Frankreich und Deutschland, sondern auch für die 25 anderen Mitgliedstaaten.

Der Berliner Politikwissenschaftler und Historiker Herfried Münkler nannte es gefährlich, dass Trump aus seinem jüngsten Verhalten gegenüber Nordkorea und dem Iran den Schluss ziehen könnte, „dass man durch Druck bessere Deals erzielt“. Als ein Szenario, etwa in der derzeitigen Iran-Politik, skizzierte er Europa an der Seite von China und Russland, um den Multilateralismus zu retten. Die USA blieben dabei außen vor. Ob dies zu einem Einlenken Amerikas führe, sei allerdings offen.

In den USA sei eine Haltung des Ressentiments entstanden. Die Rolle des Hüters der internationalen Ordnung werde derzeit „spektakulär demoliert“ durch die Wahrnehmung: „Wir Amerikaner müssen immer den Kopf hinhalten, und die Europäer profitieren.“ Die entscheidende Frage sei derzeit: „Wer tritt an die Stelle des Hüters?“ Ein anderer oder mehrere andere und wie gehen diese miteinander um, fragte Münkler.

Bislang habe sich Europa in einer bequemen Rolle befunden, nämlich quasi unter dem Schirm der USA zu stehen. Dies sei Vergangenheit. Darin, so Münkler, stecke aber auch eine echte Chance zur Neuausrichtung. Düsterer sagte er: „Wir gehen derzeit nicht nur in eine Welt hinein, die aus den Fugen ist, sondern wo sich die entfugten Balken aneinander reiben.“

Steinmeier und Münkler äußerten sich vor rund 2500 Besuchern der Veranstaltung „Frieden durch internationale Kooperation. Eine Antwort auf neue Nationalismen“. Es war das erste große Podium des Katholikentags und nach dem Eröffnungsgottesdienst am Vormittag der Einstieg in die inhaltliche Arbeit des Großtreffens.

Katholikentag: Sicherheit soll höchste Priorität haben

Mai 3, 2018

Das Sicherheitskonzept des Katholikentags ist genehmigt. Das erklärte der Beigeordnete der Stadt Münster, Wolfgang Heuer, anlässlich einer Pressekonferenz in Münster. „Alle zuständigen Behörden haben zum Sicherheitskonzept des Katholikentags ihr Einvernehmen erklärt“, so der Leiter des Dezernats für Bürgerservice, Personal, Organisation, Ordnung, Brandschutz und IT und Vorsitzender der Sicherheitskommission der Stadt Münster.

Er sei zuversichtlich, dass sowohl der Sicherheit an den Tagen höchste Priorität eingeräumt wird und gleichzeitig die Teilnehmenden einen schönen und fröhlichen Katholikentag erleben werden. „Der Katholikentag wird für Münster ein herausragendes Ereignis werden.“

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Wolfgang Heuer: Der Katholikentag wird „ein herausragendes Ereignis“.  Foto: Katholikentag/Katzenberger

Das 100-seitige Sicherheitskonzept des Katholikentags beinhaltet vorbeugende Maßnahmen, die den Brandschutz und Rettungseinsätze gewährleisten, die Besucherströme leiten und die Kommunikation zwischen dem Veranstalter und den beteiligten Behörden sicherstellen.

Nach der Amokfahrt in Münster sei das Konzept nur in wenigen Bereichen verändert worden, so der Geschäftsführer des Katholikentags, Roland Vilsmaier. „Objektiv, so die Polizei, hat sich das Gefährdungsrisiko in der Stadt nicht erhöht. Wir mussten deshalb an unserem ausgefeilten und über Monate hinweg entstandenen Sicherheitskonzept nur an wenigen Stellschrauben drehe“, erklärte Vilsmaier. Auf Nachfragen erklärte er, dass Sperren gegen Amokfahrer mit Wassertanks und Fahrzeugen gesichert werden. Bei den Interessenten am Katholikentag habe er keine Beunruhigung wegen der zurückliegenden Amokfahrt in Münster feststellen, nur Zuspruch und keine Absagen.

In der Innenstadt Münsters werde während der fünf Tage vom 9. bis 13. Mai das normale Leben weitergehen. „Der Katholikentag wird die Stadt zum Brodeln bringen“, so Vilsmaier. Trotzdem gebe es aufgrund der fast 1000 Veranstaltungen an 100 Orten in der Stadt, die auch alle Stadtplätze belegen, natürlich Einschränkungen für Anwohner und Betriebe, die aber so gering wie möglich gehalten werden sollen. „Wir hoffen dabei auf das Verständnis der Bevölkerung“, so Roland Vilsmaier.

Unter anderem werde die B54 in der Höhe des Schlossplatzes und einige Straßen in der Altstadt gesperrt. Der Lieferverkehr ist überall zwischen Mitternacht und 9.00 Uhr möglich. Zudem fällt der Markt auf dem Domplatz am Mittwoch, 9. Mai, aus.

Auch die Parkflächen und Parkhäuser in der Innenstadt sind nicht alle zugänglich. Deshalb rät Vilsmaier auch allen, die noch am Katholikentag teilnehmen wollen, mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Münster zu kommen – das Ticket im WestfalenTarif ist in den Karten des Katholikentags schon enthalten.

„Wir werden in der Stadt eine große Fußgängerzone von der Salzstraße bis zum Schlossplatz haben“, so Wolfgang Heuer von der Stadtverwaltung.

Da zum Katholikentag mit einem großen Besucherzustrom gerechnet wird, wird der öffentliche Personennahverkehr in der Region verstärkt werden. Außerdem konnten die Stadtwerke die Betriebszeiten der Busse in Münster an den Katholikentagstagen ausweiten: Diese fahren auch am Feiertag Christi Himmelfahrt und dem Wochenende nach dem Werktagsfahrplan. Zudem wird die Zeit des Tagesnetzes, in dem die Busse alle 20 Minuten kommen, am Donnerstag, Freitag und Samstag bis 24 Uhr ausgedehnt.

Der Katholikentag sei in der Stadt schon zu sehen, so Vilsmaier: Die ersten Aufbauten seien in vollem Gange, demnächst sind Bühnen, die Pavillons der Kirchenmeile und die Servicepunkte zu sehen. „Die Innenstadt wird sich verändern, sie wird die Farbe des Katholikentags annehmen und türkisfarben glänzen. Aber bis es soweit ist, haben wir noch viel Arbeit vor uns“, so Roland Vilsmaier.

Weniger als die Hälfte der Münsteraner ist noch katholisch

Mai 3, 2018

Der kommende Katholikentag wird Münster noch einmal als Hochburg des Katholizismus in den Fokus rücken, die Statistik spricht aber mittlerweile eine andere Sprache: Am Jahresende 2017 war von den 309 429 Einwohnerinnen und Einwohnern Münsters nur noch weniger als die Hälfte (47,1 Prozent) römisch-katholischen Glaubens.

Die Stadtteile bieten dabei ein unterschiedliches Bild: In Sprakel (57,8 Prozent), Amelsbüren (56,5 Prozent) und Nienberge (54,8 Prozent) ist der Anteil der katholischen Bevölkerung besonders hoch. In Gremmendorf-West (38,8 Prozent), Berg Fidel (37,1 Prozent) und Coerde (35,2 Prozent) liegt er dagegen deutlich unter dem städtischen Durchschnitt.  Immerhin zwei Drittel (66,7 Prozent) der Seniorinnen und Senioren im Alter von 80 und mehr Jahren sind in Münster katholisch. Im Alter von unter 20 Jahren gehört aber nur noch gut ein Drittel der münsterschen Bevölkerung dieser Konfession an. In der Altersgruppe der 60- bis 79-Jähringen ist gut die Hälfte (52,4 Prozent) katholisch.

Betrachtet man die Gesamtheit der 145 636 Katholiken, so sind knapp 15 Prozent jünger als 20 Jahre, etwa ein Drittel (32,5 Prozent) ist 20 bis 39 Jahre alt, jeder Vierte 40 bis 59 Jahre (25,9 Prozent) und jeder Fünfte 60 bis 79 Jahre (19 Prozent). Senioren im Alter von 80 und mehr Jahren haben einen Anteil von 7,7 Prozent der katholischen Bevölkerung in Münster.

20,1 Prozent der Bevölkerung Münsters waren Ende 2017 Mitglied der evangelischen Kirche. 32 Prozent bekannten sich zu anderen Glaubensgemeinschaften oder waren konfessionslos.

Quelle: Stadt Münster.

Ein Grund zum Feiern? Münster und der Westfälische Frieden

April 29, 2018

Die Ausstellung „Ein Grund zum Feiern? Münster und der Westfälische Frieden“ im Stadtmuseum Münster widmet sich der Rezeptionsgeschichte des Westfälischen Friedens, wobei die Jubiläen 1748, 1848, 1898 und 1948 im Fokus stehen. Im Anschluss an die Ratifikation des Westfälischen Friedens hatte es 1649 in Münster einen Festakt gegeben doch die folgenden Jahrhunderte sollten eine ganz andere Sicht auf den Westfälischen Frieden offenbaren, als man heute annehmen sollte.

Die Jubiläen des Friedens im Jahr 1748 und 1848 wurden in Münster nur ignoriert. Die katholische Stadt nahm den Westfälischen Frieden vor allem als Schwächung des Katholizismus im Deutschen Reich wahr, während die protestantischen Reichsstädte Süddeutschlands wie etwa Nürnberg und Augsburg große Friedensfeste veranstalteten.

Wilhelm Bolte: Friedensdenkmal in Münster, eingeweiht 1905. Foto: Stadtmuseum Münster

Erst 1898 gedachte die Stadt Münster erstmals offiziell des Westfälischen Friedens. Wobei kein großer Festakt für die Bevölkerung geplant wurde, sondern lediglich ein Treffen von Historikern an den Friedensschluss in Münster erinnerte. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstanden das monumentale Historienbild über die Friedensverhandlungen im Rathaussaal von Fritz Grotemeyer und das 1942 eingeschmolzene münstersche Friedensdenkmal. Diese Werke können jedoch nicht in einen Zusammenhang mit einer großen Feierstimmung anlässlich des Jubiläums in Zusammenhang gebracht werden.

Für die Nationalsozialisten war der Westfälische Frieden Grundlage um gegen den Erbfeind Frankreich Stimmung machen zu können. So plante die Partei, den 300. Jahrestag 1948 für ihre Zwecke zu missbrauchen. Einen Einblick in die bereits 1940 aufgebaute, aber nie eröffnete Propagandaausstellung geben erhaltene, damals angefertigte Gemäldekopien sowie dokumentarische Fotografien. Erst nach der Gedenkwoche 1948 erfolgte vor dem Hintergrund des verlorenen Zweiten Weltkriegs eine Umbewertung des Westfälischen Friedens zum Einigungsfrieden. Erst seit einigen wenigen Jahrzehnten ist Münster „Die Stadt des Westfälischen Friedens“, an dessen Jubiläen sie jetzt regelmäßig erinnert.

Die Ausstellung „Ein Grund zum Feiern? Münster und der Westfälische Frieden“ im Stadtmuseum verdeutlicht, wie abhängig das Urteil über den Westfälischen Frieden von den jeweiligen zeithistorischen Umständen war. Zur Veranschaulichung werden in der Ausstellung Gemälde, Medaillen, Grafiken, Plakate, Postkarten, Fotos, Filmaufnahmen, Inszenierungen und Animationen aus 350 Jahren Geschichte des Westfälischen Friedens in Münster zusammen mit bedeutenden Leihgaben, etwa dem berühmten Weinlöwen aus Nürnberg, ausgestellt.

Zur Ausstellung, die bis zum 2. September 2018 zu sehen ist, erscheint ein Katalog, der im Stadtmuseum Münster an der Salzstraße erhältlich ist (Sandstein Verlag, 9,80 Euro).

Quelle: Stadt Münster

Viel Politprominenz auf dem Katholikentag

April 27, 2018

Das Bundeskabinett ist beim Katholikentag in Münster so stark vertreten, wie selten zuvor: Die Organisatoren erwarten zehn von 16 Mitgliedern der Regierung bei Veranstaltungen und als Gesprächspartner für Podien. So sagten in den vergangenen Tagen Bundesjustizministerin Katarina Barley und Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier zu. Schon länger bekannt sind die Zusagen von Bundeskanzlerin Angela Merkel und der Bundesminister Horst Seehofer,  Hubertus Heil,  Julia Klöckner, Franziska Giffey, Jens Spahn, Anja Karliczek und Gerd Müller. Auf einem Podium wird außerdem auch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien Monika Grütters sprechen.

Für Thomas Sternberg, Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, ist dieser hohe Grad der Beteiligung von Mitgliedern des Bundeskabinetts ein „Ausdruck der Wertschätzung des Katholikentags. Er zeigt auch dessen hohe Bedeutung, nicht nur für den Raum der Kirche, sondern auch weit darüber hinaus für die gesamte Gesellschaft. Dies gilt generell bei einem Katholikentag aber besonders bei diesem, der sich das Leitwort ‚Suche Frieden‘ gegeben hat.“

Fest steht mittlerweile auch die Zusammensetzung des Podiums mit Beteiligung von Bundeskanzlerin Angela Merkel: Sie wird mit Kardinal Peter Turkson, dem Präfekten des neuerrichteten „Dikasterium für die ganzheitliche Entwicklung des Menschen“ im Vatikan und dem Volkswirt und Friedensforscher Prof. Tilman Brück zum Thema „Deutschland in einer veränderten Weltlage – Wie umgehen mit Konfliktherden und aggressiven Regimes?“ diskutieren. Die Journalistin Astrid Prange von der Deutschen Welle moderiert das Podium. (Weitere Informationen unter katholikentag.de/merkel)

Katarina Barley nimmt an der Veranstaltung mit dem kolumbianischen Staatspräsidenten und Friedensnobelpreisträgers Juan Manuel Santos teil, an der auch Pater Michael Heinz SVD, Hauptgeschäftsführer des Hilfswerkes Adveniat, beteiligt ist.

Hinweis: Weitere Informationen zum Programm sind zu finden unter katholikentag.de/programm. Bei Eingabe des Namens in die Suchleiste werden die jeweiligen Veranstaltungen angezeigt. Diese Funktion gibt es auch für unterwegs mit der App des Katholikentags – Downloadmöglichkeit unter katholikentag.de/app