Abstand halten von Raupen und ihren Nestern

Juni 17, 2019

Die Raupennester des Eichenprozessionsspinners sind derzeit an vielen Bäumen zu finden. Foto: Grafenstein

Münster (SMS) Seit Mitte Mai ist es von Tag zu Tag sichtbarer geworden: Der Eichenprozessionsspinner verbreitet sich auch in Münster rasant. An einigen Stellen im Stadtgebiet warnen inzwischen Schilder davor, die Raupen oder Nester zu berühren, denn gesundheitliche Beschwerden könnten die Folge sein. Besonders Allergiker sollten Abstand halten.

Das Amt für Grünflächen, Umwelt und Nachhaltigkeit erfasst alle Meldungen, die von Bürgern eingehen und städtische Flächen betreffen. Sie werden nach einer  Gefährdungsabschätzung der jeweiligen Dringlichkeit entsprechend abgearbeitet. „Wir kommen, wenn es notwendig ist. Aber wir haben leider nicht die Kapazitäten, immer sofort zu kommen“, bittet Stadtförster Hans-Ulrich Menke mit Blick auf die lange Liste der Einsatzorte um Verständnis für dieses Vorgehen. Vorrang haben öffentliche Spielplätze, Kindergärten, Schulen und Sportanlagen.

Der Eichenprozessionsspinner mag es warm und trocken. Die entsprechende Witterung begünstigt seine Verbreitung. In Münster tritt der Eichenprozessionsspinner im gesamten Stadtgebiet auf, nahezu alle Eichen auf öffentlichen Flächen sind inzwischen betroffen. In diesem Jahr kommt durch die wechselnde Witterung ein besonderer Umstand hinzu: Die Schlupfzeit der Larven hat sich über mehr als sechs Wochen ausgedehnt, so dass an vielen Stellen Eichen wiederholt befallen wurden. So mussten zum Beispiel an einigen Schulen bereits viermal Gespinste und Raupen abgesaugt werden. Einsätze an anderen Stellen verzögerten sich dadurch. Inzwischen hat die Stadtverwaltung sechs Hubsteiger-Kolonnen und drei Bodentrupps im Einsatz, um in den dringendsten Fällen kommen zu können.

Die Gespinste kleben an den Eichenstämmen, vorzugsweise unter den Astgabeln. Die Raupen mit den gefährlichen Brennhaaren werden zum Teil noch bis wenigstens Mitte Juli aktiv sein. Dann folgt bis Ende August die Puppenruhe in den Nestern, bevor die harmlosen Nachtfalter schlüpfen. Die Brennhaare der Raupen bleiben allerdings in den Nestern. Für die Mitarbeiter des Grünflächenamtes und die beauftragten Fachfirmen gehen die Einsätze gegen den Eichenprozessionsspinner daher weiter: „Da es diesmal sehr viele Gespinste gibt, werden wir bis zum Herbst / Winter damit beschäftigt sein, die Nester zu entfernen“, erläutert Hans-Ulrich Menke. Eine flächendeckende Beseitigung – auch an Waldwegen oder im Außenbereich – sei allerdings nicht möglich und auch nicht nötig.

Sind die befallenen Bäume in privatem Besitz, müssen die Eigentümer die notwendigen Maßnahmen veranlassen. Sie sollten Kontakt mit einer Fachfirma aufnehmen. Informationen zum Eichenprozessionsspinner gibt es im Stadtportal (www.stadt-muenster.de/umwelt).

Was geht auf den Geländen der ehemaligen York- und Oxfordkaserne vor sich?

Mai 15, 2019

Großen Wert wird bei den Abbrucharbeiten (hier York) auf Recycling gelegt. Foto: NRW.URBAN

Münster (SMS) Die Vorbereitungen für die Realisierung der beiden neuen Wohnquartiere York und Oxford schreiten weiter voran. Die städtische Tochtergesellschaft KonvOY steuert in enger Zusammenarbeit mit den Fachämtern, den Stadtwerken Münster und anderen Versorgungsträgern alle Maßnahmen. Die Größenordnungen der Projekte sind enorm: Es entstehen insgesamt ca. 3000 Wohneinheiten in Kombination mit sozialer Infrastruktur, Räumen für Handel, Gewerbe und Dienstleistungen, öffentlichen Einrichtungen, Kultur- und Kreativräumen sowie große Grün- und Freizeitflächen. Bei diesen Dimensionen ist klar, dass viele Arbeitsschritte parallel laufen.

Abbrucharbeiten zur Vorbereitung von Straßen- und Leitungsbau
Auf beiden Arealen werden aktuell noch verbliebene, nicht erhaltenswerte Altgebäude sowie versiegelte Flächen zurückgebaut. Im Anschluss kann begonnen werden, die Ent- und Versorgungsleitungen zu verlegen und die Straßen zu bauen.
Der Kampfmittelräumdienst und die Feuerwehr begleiten diese Phase intensiv: Wie schon in den letzten Wochen erlebt, kann es an den bereits ermittelten Verdachtspunkten zu Blindgänger-Funden kommen.
Im Zusammenhang mit den Abbrucharbeiten kommen auch Artenschutzmaßnahmen zum Einsatz: An beiden Standorten wurden beispielsweise Nisthilfen aufgehängt.
Die Stadtverwaltung legt großen Wert auf Recycling. Eine große Menge abgebrochenes schadstofffreies Material ist für eine Wiederverwertung vorgesehen, zum Beispiel der Betonabbruch für den Straßenbau. Daraus ergeben sich weniger An- und Abfahrtsverkehre sowie Kosteneinsparungen.

Zeigt den Bagger-Einsatz in der York-Kaserne

Bagger-Einsatz für die neue Baustraße zur Anbindung der ehemaligen York-Kaserne an den Heeremansweg. Foto: NRW.URBAN.

Baustraßen mit späteren Funktionen
Damit möglichst viele Arbeitsschritte parallel passieren können, entsteht auf beiden Arealen  jeweils eine Baustraße für die Zu- und Abfahrt der Baufahrzeuge.
Auf dem York-Areal befindet sich seit Ende April eine neue Anbindung über den Heeremansweg an das Gewerbegebiet im Bau. Diese Straße hat eine hohe logistische Funktion, um die gleichzeitig ablaufenden Arbeitsschritte zu ermöglichen. Neben dem Abbruch, dem Straßen- und Leitungsbau wird die Baustraße auch für die Hochbauarbeiten im nördlichen Quartier durch die Wohn+Stadtbau genutzt, die voraussichtlich im Sommer 2020 beginnen sollen. Die Trasse der Baustraße bleibt über die Bauzeit hinaus erhalten – im künftigen Wohnquartier wird sie als Umweltspur von Bussen und Fahrrädern genutzt werden.
Baubeginn für die neue Baustraße auf dem Oxford-Areal ist Mitte Mai. Sie schafft während der Baumaßnahmen eine Verbindung von der Straße Bernings Kotten zum Arnheimweg. Über diese Trasse wird die Anbindung der Baufelder im nördlichen Bereich sichergestellt, etwa zum Wohn+Stadtbau-Projekt „Wohnen mit Aussicht“, dessen Bauphase voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte 2020 starten wird. Auch der Neubau des Kirchenzentrums der Lukas-Kirchengemeinde wird davon profitieren. Auch diese Baustraße muss später nicht komplett zurückgebaut werden; sie wird zum größten Teil umgestaltet zu einem Weg in der Grünfläche des zukünftigen Quartiers.

York-Quartier: Neue Adresse für das Amt für Grünflächen, Umwelt und Nachhaltigkeit
Zwei ehemalige Mannschaftsgebäude, die Häuser  12 und 14 der ehemalige York-Kaserne, werden ab Sommer eine neue Adresse der Stadtverwaltung sein. Das Amt für Grünflächen, Umwelt und Nachhaltigkeit zieht – für einen vorübergehenden Zeitraum – in die Gebäudeblöcke, die zwischenzeitlich vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) als Büroräume genutzt wurden. Die Vorbereitungen für den Umzug der ca. 170 Arbeitsplätze laufen auf Hochtouren.

Bau der Kita und Jugendeinrichtung am Wiegandweg
Mit dem ersten Hochbauprojekt auf der ehemaligen York-Kaserne ist die Wohn + Stadtbau bereits in der Bauphase. Die denkmalgeschützte ehemalige Krankenstation der Kaserne (sie befindet sich an der südlichen Mauer des York-Areals und damit direkt am Wiegandweg) wird umgebaut und mit einem Neubau erweitert. Es entstehen eine Kindertagesstätte (mit Platz für acht Gruppen) und ein Zentrum für Jugendliche. Voraussichtliche Fertigstellung ist im 3. Quartal 2020.

Tiefbauarbeiten im Wiegandweg
Im Juni starten am Wiegandweg Tiefbauarbeiten: Die Kanalisation wird saniert, die Straße wird erneuert ebenso wie die Versorgungsleitungen. Diese Maßnahmen sind Voraussetzungen für die Erschließung des südlichen Teils des York-Quartiers und der neuen Kita.
Der Baustellenverkehr für den Kita-Neubau und die Erschließung des südlichen Quartierteils wird weitestgehend nicht über den Wiegandweg, sondern über das ehemalige Kasernengelände geführt. Auch für diesen Verkehr wird die Baustellenstraße genutzt werden.

Die Adelsfamilie Droste zu Hülshoff und Münster

Mai 15, 2019

Wilderich Freiherr von Droste zu Hülshoff überreicht sein Buch an Bürgermeisterin Beate Vilhjalmsson. Foto: Presseamt Münster

Münster (SMS) Wilderich Freiherr von Droste zu Hülshoff überreichte in der Rüstkammer des Rathauses sein Buch „900 Jahre Droste zu Hülshoff“ an Bürgermeisterin Beate Vilhjalmsson (Bild). Darin beleuchtet er die Geschichte der Adelsfamilie. Sie ist nicht allein durch Annette von Droste-Hülshoff („Die Judenbuche“) eng mit Münster verbunden. Durch die Jahrhunderte haben immer wieder Familienmitglieder in Münster und im Münsterland gelebt und die Geschichte der Stadt mitgeprägt. Sechs Familienmitglieder waren Bürgermeister in Münster. Der Jurist und Schriftsteller Freiherr von Droste zu Hülshoff lebt in der Nähe von Freiburg. Er  repräsentiert die 24. Generation der Familie. Neben juristischer und kulturpolitischer Fachliteratur hat er auch über Annette von Droste-Hülshoff publiziert und hält Fachvorträge.

Lyrikertreffen in Münster: Poetisch denken!

Mai 14, 2019

Das renommierte Lyrikertreffen in Münster steht wieder an. Foto: Stadt Münster

Münster (SMS) Seit 40 Jahren reisen Lyriker und Lyrikerinnen aus dem In- und Ausland zum Internationalen Lyrikertreffen an, das vom Kulturamt der Stadt Münster und vom Literaturverein Münster veranstaltet und von der Kunststiftung NRW gefördert wird. In ihrem Gepäck: Strophen und Verse. In diesem Jahr gehören auch Instrumente dazu. Werfen wir ein Blick auf Programm, das die Lesungen der Gedichte begleitet.

Warum überhaupt Lyrik?
Walther von der Vogelweide, Johann Wolfgang von Goethe, Novalis – Namen, die Erinnerungen an die Schulzeit wecken. Warum musste man Schiller-Balladen auswendig lernen? Oder den Aufbau von Versmaßen verstehen? Christian Metz stellt zu Beginn des Lyrikertreffens gleich die Frage aller Fragen: Warum überhaupt Lyrik?
Der promovierte Germanist beschäftigt sich auf mannigfaltige Weise mit Literatur – in Forschungsarbeiten, Essays, Literaturkritiken, als Privatdozent in der Hochschullehre. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit liegt im Feld der Gegenwartslyrik. Doch ist die Gattung überhaupt noch zeitgemäß? Christian Metz ist überzeugt: Die Poesie ist auf Erfolgskurs. Er bilanziert den aktuellen Stand der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur, wagt eine Bestandsaufnahme des Lyrikbooms der vergangenen 20 Jahre und befasst sich mit Autoren und wie sie sich in den sozialen Medien präsentieren. Der Titel seines Buches, das Metz dem Publikum präsentiert, lässt sich treffend für das Lyrikertreffen auch als Aufforderung für die gesamte Veranstaltung lesen: „Poetisch denken“!

Hohe Kunst des Übersetzens von Lyrik
Und wie denkt man poetisch in anderen Sprachen? Das Übersetzen von Lyrik ist ein zweites großes Thema beim Lyrikertreffen – und es ist eine hohe Kunst. Erfahren lässt sie sich in einer Lesung mit anschließendem Workshop. Den Schriftsteller und Herausgeber Hans Thill begleiten die drei syrischen Autoren Mohammad Al-Matroud, Lina Atfah und Aref Hamza sowie ihre Übersetzer Brigitte Oleschinski, Joachim Sartorius und Julia Trompeter. Ihre Gedichte hat Thill zusammen mit Mahmoud Hassanein in der Anthologie „Deine Angst – Dein Paradies“ veröffentlicht.
In Syrien waren die Dichterinnen und Dichter ganz vorn bei denen, die sich für eine Demokratisierung der Gesellschaft einsetzten. Sie haben es gebüßt durch Verfolgung und Exil, jetzt leben einige von ihnen in Deutschland. Die Gedichte, die sie lesen, richten den Blick in ihre Heimat, erzählen von Krieg und Frieden, von Hoffnung und Träumen. Beteiligt am Workshop sind Studierende der Westfälischen Wilhelms-Universität, die sich im Vorfeld des Lyrikertreffens mit dem Übersetzen von Gedichten beschäftigt haben. Welche Tücken das Sprach-Handwerk des Übersetzens birgt, können hier alle Interessierten ganz direkt erleben.

Ausnahmelyriker Paul Celan
Um Dichtung im Angesicht des Krieges geht es auch beim Memorial, das ein fester Bestandteil des Lyrikertreffens ist. Der künstlerische Leiter Hermann Wallmann hat es im Vorgriff auf das Celan-Jahr 2020 programmiert, wenn der 100. Geburtstag und der 50. Todestag des Ausnahmelyrikers zusammenfallen. Der Autor und Literaturkritiker Helmut Böttiger wird in Münster Celans jüdische Familiengeschichte, sein lyrisches Werk und seine Liebe zur Schriftstellerin Ingeborg Bachmann beleuchten.
Böttiger zählt zu den renommiertesten Literaturkritikern Deutschlands, war nach seiner Promotion als Literaturredakteur tätig und hat sich intensiv mit dem Werk und der Person Celans beschäftigt. „Celan ist fast so etwas wie ein Heiliger, hat das berühmteste Gedicht nach 1945 geschrieben: die ‚Todesfuge‘. Das wird mit ihm gleichgesetzt – er wurde so gelesen: Als einer, der in schöner Sprache die Schuld der Deutschen ausgedrückt hat und dadurch die Möglichkeit gegeben hat, dass die Deutschen sich von ihrer Schuld entlastet fühlen können“, erklärte Böttiger im Deutschlandfunk.
Termine:
Deine Angst – Dein Paradies. Gedichte aus Syrien: Lesung mit Übersetzungsworkshop, Freitag, 24. Mai, 11-14 Uhr, Studiobühne, Domplatz 23
Warum Lyrik? Christian Metz: Die Lyrik der Gegenwart, Freitag, 24. Mai, 16-17 Uhr, Theatertreff, Neubrückenstraße 63
Celan-Memorial. Helmut Böttiger über Paul Celan, Samstag, 25. Mai, 14-15 Uhr, Theatertreff, Neubrückenstraße 63
Info: www.lyrikertreffen-muenster.de, Karten an der Theaterkasse, (02 51) 59 09-100

Studieren in der Fahrradstadt Münster

April 24, 2019

Kunst ruft an der Universitäts- und Landesbibliothek (ULB) zu kritischem Denken auf. Foto: Grafenstein

Die Westfälische Wilhelms-Universität (WWU) in Münster ist mit rund 45000 Studenten eine der größten Universitäten in Deutschland und erfreut sich anhaltender Beliebtheit. Warum ist das so?

Münster ist die holländischste Stadt Deutschland, in der das Verkehrsmittel der Wahl die Leeze, das Fahrrad, ist. Mithin auch für Studenten eine kostengünstige Variante, am Individualverkehr teilzunehmen. Die verteilten Universitätsgebäude konzentrieren sich auf den inneren Stadtwesten, sodass im Gegensatz zu weltfremden Campusuniversitäten eine gute Integration in das Leben dieser Großstadt gegeben ist, ein Vorlesungsbesuch auch mit einem Einkaufsbummel in der Altstadt, einem Eis in einem Straßencafé oder mit einem abendlichen Kneipenbummel verbunden werden kann.

Studiert man an unterschiedlichen Fakultäten, rollt man mit dem Fahrrad von Veranstaltung zu Veranstaltung. Fahrradfahren ist sehr erfrischend und macht gute Laune. Die WWU hat außerdem aufgrund ihrer Größe eine sehr großes Angebot an Sportkursen, aus denen man wählen kann, hier bleibt kein Wunsch unerfüllt und keine noch so kuriose Sportart ausgelassen.

Natürlich gibt es auch ein sehr großes und ausdifferenziertes Angebot an Hochschulgruppen, Verbindungen und studentischen Initiativen sowie Vereinigungen in der Stadt, in denen man sich engagieren kann. Es ist allerdings auch anzuraten, sich irgendwo anzuschließen, da man an dieser Massenuniversität leicht vereinzeln und in der Anonymität untergehen kann, Professorenkontakt kann in den Massenvorlesungen je nach Fach auch eine Schwierigkeit sein. Ebenfalls Folge der Größe der Universität ist Größe der Universitäts- und Landesbibliothek (ULB), die ebenfalls eine der größten Deutschlands ist, was bedeutet, das für Haus-, Seminar- und Abschlussarbeiten eine Vielzahl benötigter Literatur schon vor Ort vorhanden ist und nicht per Fernleihe bestellt werden muss. Große Bedeutung hat an der WWU unter anderem die Lehrer- und Juristenausbildung sowie die Forschung zu religiösen Fragen. In der Stadt sind nebem einem Uni-Repetitorium auch viele private juristische Repetitorien angesiedelt, darunter mit seinem Hauptsitz Alpmann+Schmidt.

Das stark wachsende Münster mit seinen über 300 000 Einwohnern bietet mittlerweile eine lebendige Kneipenlandschaft und Kino- und Theaterszene, dabei aber eine ruhige, dem Studieren zuträgliche Atmosphäre, Grünschneisen und Naherholungsgebiete in Universitätsnähe wie den Aasee mit seinen beliebten Liegewiesen und mit dem Münsterland ein Umland, das zu Fahrradausflügen in die Natur einlädt. Studieren in Münster – eine gute Wahl!

Prinzipalmarkt: Blick auf das Rathaus des Westfälischen Friedens. Foto: Grafenstein

 

Für die einen Kriegerdenkmäler, für die anderen Steine des Anstoßes

April 23, 2019

Farbbeschmierungen am häufig kritisierten Dreizehner-Denkmal. Foto: Stadt Münster/ Fritz von Poblotzki

Münster (SMS) Kein Jahrhundert brachte so viele Denkmäler hervor wie das 20. Jahrhundert. Auch in Münster und Umgebung prägte sich eine Gedenklandschaft mit zahlreichen Kriegerehrenmalen aus, die überwiegend nach dem Ersten Weltkrieg entstanden sind. Sie dienten der ehrenden Erinnerung an gefallene Soldaten. Ihre Erinnerungsmotive werden heute kritisch hinterfragt.
Max Twickler vom Institut für Didaktik der Geschichte der Universität Münster blickt am nächsten Themenabend des Stadtarchivs auch über Münster hinaus und führt in die Entwicklung der Kriegerdenkmalskultur in Deutschland ein. Im Mittelpunkt stehen dabei die Weimarer Jahre. Daneben geht es um die identitätsstiftende Funktion der Ehrenmale zum Zeitpunkt ihrer Setzung.
Wie stellen wir uns heute zu den Erinnerungsmotiven der Kriegerehrenmale? Welche Rolle spielen sie in der heutigen geschichtskulturellen Auseinandersetzung? Fragen, zu denen Denkanstöße gegeben werden sollen.
Im Kern befasst sich der Referent mit der münsterschen Denkmallandschaft und ihren Veränderungen. Er konzentriert sich dabei auf die Debatte um die steinernen Erinnerungsorte in Münster, wobei auch die Rolle verschiedener Gremien der Stadtpolitik angesprochen wird. Anhand themenbezogener Geschichten aus dem Münsterland zeigt Twickler Möglichkeiten des künftigen Umgangs mit den steinernen Zeugen ihrer Zeit auf und erläutert, wie sich die einzelnen Vorgehensweisen begründen lassen. Eine Diskussion schließt sich an.
Info: Der Themenabend beginnt am Donnerstag, 25. April, um 18 Uhr im Stadtarchiv, An den Speichern 8. Um Anmeldung wird gebeten per E-Mail an archiv@stadt-muenster.de oder unter Tel. 02 51/4 92-47 01. Detaillierte Informationen zu den Kriegerdenkmälern, Mahnmalen und Kriegsgräberstätten im Stadtgebiet von Münster finden sich im Stadtnetz unter www.stadt-muenster.de/kriegerdenkmale/startseite

Sehenswürdigkeiten im Sauerland: Burg Altena und Sorpesee

April 20, 2019

Die Burg Altena an der Lenne wurde Anfang des letzten Jahrhunderts rekonstruiert. Hier zog die erste ständige Jugendherberge der Welt ein. Ein vielseitiges Geschichtsmuseum unterhält die Besucher der Burganlage.

Der Sorpesee kann mit einem Ausflugsboot erkundet werden, das kurz vor der Sorpetalsperre anlegt.

Die Fahrradstadt ist beim Fahrrad-Klima nicht mehr Nummer Eins

April 10, 2019

Münster ist beim aktuellen Fahrradklima-Test des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) zwar wieder der Sprung aufs Siegertreppchen gelungen, im Städtevergleich (in der Kategorie der Städte mit über 200 000 Einwohnern) belegte Münster diesmal aber nur den zweiten Platz hinter Karlsruhe. Michael Milde, Abteilungsleiter Mobilitätskonzepte bei der Stadt Münster, nahm die Auszeichnung am Dienstag in Berlin entgegen.

Wie für viele Münsteraner gehört auch für Oberbürgermeister Markus Lewe die „Leeze“ zum Alltag. Foto: Presseamt Münster

Bei den letzten sechs Fahrradklima-Tests hatte Münster stets den ersten Platz erreicht. „Auch wenn es diesmal nicht der Spitzenplatz ist, freue ich mich natürlich über die erneute Platzierung auf dem Podium“, sagt Oberbürgermeister Markus Lewe und gratuliert gleichzeitig der Stadt Karlsruhe. „Münster bleibt natürlich Fahrradstadt, auch auf Platz zwei! Das Fahrrad gehört zu Münster, das spürt und sieht jeder und jede. Allerdings wird das Thema komplexer: Wir müssen inzwischen eine Vielzahl von Mobilitätsarten im Straßenraum organisieren und wir sind bereits kräftig dabei. Also ganz klar: Das Ergebnis des Fahrradklima-Tests ist für uns vor allem Ansporn und Auftrag zugleich, beim nächsten Mal wieder ganz oben auf dem Treppchen zu stehen.“

Der städtischen Verkehrsplanung liefert der Fahrradklima-Test praxisnahe Bewertungen und alltagserprobte Einschätzungen der Radfahrer. Als Münsters Stärken bezeichnen die Teilnehmer die breite Akzeptanz für das Radfahren („Alle fahren Fahrrad – egal, ob alt oder jung“), die gute Erreichbarkeit des Stadtzentrums, die für den Radverkehr geöffneten Einbahnstraßen und die Möglichkeit, zügig Rad zu fahren. Als Schwächen werden viele Fahrraddiebstähle, fehlende Abstellmöglichkeiten im Zentrum, Konflikte mit anderen Verkehrsteilnehmern und schmale Radwege benannt.

OB Lewe: „Wir wissen, dass die Infrastruktur mit Blick auf die steigende Zahl der Radfahrerinnen und Radfahrer in unserer dynamisch wachsenden Stadt nicht mehr überall zeitgemäß ist. Verbesserungen werden in verschiedenen Bereichen bereits umgesetzt.“ Dazu gehören die einheitliche Rotfärbung von Radwegen und Fahrradstraßen, damit diese besser wahrgenommen werden. Die Ausweisung weiterer Fahrradstraßen steht ebenso auf der Agenda wie die Umsetzung des Veloroutenkonzepts für die Stadtregion. Seit dem 1. April bündelt die Stadtverwaltung Planung und Bau der Verkehrsinfrastruktur im Amt für Mobilität und Tiefbau. Ziel ist es, Planungsprozesse und ihre Umsetzung – auch im Radverkehr – zu beschleunigen.

Der ADFC-Fahrradklima-Test fand von Anfang September bis Ende November 2018 als Online-Umfrage statt. Insgesamt bewerteten über 170 000 Bürger die Fahrradfreundlichkeit von mehr als 680 Städten. Der Fahrradklima-Test ist damit die größte und bedeutendste Nutzerbefragung zum Radverkehr weltweit.

Studentisches Wohnen statt Eissport

April 2, 2019

Münster ist eine Stadt, die wächst. Erschwinglicher Wohnraum ist Mangelware.  Eine gute Nachricht ist daher, dass auf dem Grundstück der ehemaligen Eissporthalle an der Steinfurter Straße / Johann-Krane-Weg  ein studentisches Wohnquartier entstehen soll. Die aktuelle städtebauliche Planung stellt das Stadtplanungsamt am Dienstag, 9. April, 19.30 Uhr im UKM-Pavillon auf dem Parkplatz gegenüber der Domagkstraße 32 vor. Alle interessierten Bürgerinnen und Bürger sind zu der Informations- und Diskussionsveranstaltung eingeladen.

Auf dem etwa einen Hektar großen Gelände sollen fünf- bis sechsgeschossige Gebäude errichtet werden. Geplant sind ein Studierendenwohnheim mit rund 120 Wohnungen und ca. 330 Apartments für Studierende. Die Erdgeschosse sollen publikumsorientierte  Dienstleistungen wie Cafés, SB-Bankfiliale, Fahrradwerkstatt oder auch Büros / Co-Working-Bereiche und Gemeinschaftsräume / Begegnungsbereiche  aufnehmen. Städtebauliches Ziel ist die Realisierung eines urbanen Quartiers. Damit die Planungen umgesetzt werden können, wird der bisherige Bebauungsplan geändert.

Wer sich bereits vor der öffentlichen Veranstaltung einen Einblick verschaffen möchte, kann die Planungsunterlagen im Kundenzentrum im Stadthaus 3, Albersloher Weg 33, einsehen (Mo-Mi 8-16 Uhr, Do 8-18 Uhr, Fr 8-13 Uhr). Im Stadtportal stehen sie unter www.stadt-muenster.de/stadtplanung zur Verfügung.

Wohnheim an der Steinfurter Straße

Ein studentisches Wohnquartier mit einer lebendigen Mitte soll am Johann-Krane-Weg auf dem Gelände der ehemaligen Eissporthalle entstehen. Grafik: Stadt Münster

Islamkritik: Sarrazin trifft Khorchide in Münster

März 20, 2019

Die laut Thilo Sarrazin durch den Islam in der westlichen Welt geschaffene „dauerhafte Problemlage“ lässt die Menschen nicht los, obwohl man meinen könnte, in den Debatten um Islam und Islamkritik seien alle Positionen ausgetauscht, füllen Veranstaltungen mit der Islamkritik Sarrazins weiterhin die Säle, und Sarrazins neuestes Buch „Feindliche Übernahme – Wie der Islam die den Fortschritt behindert und die Gesellschaft bedroht“ avancierte zum bestverkauften politischen Sachbuch des Jahres.

In Münster traf Sarrazin auf Einladung des Hayek-Club Münsterland auf den Islamwissenschaftler Mouhanad Khorchide, der an der WWU Münster die Ausbildung muslimischer Religionspädagogen leitet und einen modernen aufgeklärten Islam mit historisch-kritischer Koran-Exegese vertritt. Vor über 300 zahlenden Gästen in der Stadthalle Hiltrup, darunter offenkundig auch AfD-Anhänger und Muslime, traten sie in den Dialog und stellten sich den Fragen der Zuhörer.

Sarrazin mit Khorchide

Der Journalist Klaus Kelle (Mitte) moderierte den Schlagabtausch zwischen Sarrazin (li.) und Khorchide (re.). Foto: Grafenstein

Sarrazin findet den Titel seines neuen Buches „Feindliche Übernahme“ selbst etwas harsch, angespielt werde aber an die feindliche Übernahme im Wirtschaftsleben, die ja freundlich verlaufe. So würden Muslime in Deutschland und Europa in zwei Generationen auch ohne Gewaltanwendung die Mehrheit bilden, da sie jünger und gebärfreudiger seien, hinzu komme noch die muslimische Einwanderung. Gleichwohl hält Sarrazin den Islam für eine „Gewaltideologie im Gewande einer Religion“. Der Koran predige Hass und Gewalt gegen Ungläubige und die Unterdrückung von Frauen, die Aufrufe zu Liebe seien nur auf Gläubige bezogen. Die islamische Weltsicht sei der individuelle Freiheit und dem selbständigen Denken abhold, fördere Rückständigkeit und Autoritarismus und sei ursächlich für den technisch-zivilisatorischen Rückstand der islamischen Welt und die im statistischen Durchschnitt niedrigen Bildungsleistungen von Muslimen.

In der politischen Konsequenz müsse die die Einwanderung von Muslimen niedrig gehalten werden und von den hier lebenden Muslimen ein Bekenntnis zur säkularen Gesellschaft eingefordert werden, da der Staat an den religiösen Überzeugungen der Menschen selbst nichts ändern könne.

Khorchide warf Sarrazin vor, den Islam wortwörtlich wie ein Pierre Vogel zu lesen: „Warum verbreiten sie die Lesart der Salafisten?“ Es würden allein 500 Stellen der Barmherzigkeit im Koran zu lesen sein. Sarrazin sei voreingenommen und verschweige, dass Juden und Christen im Islam die „ewige Glückseligkeit“ versprochen werde. Die islamische Welt sei in Bewegung und nicht so statisch, wie Sarrazin suggeriere, der Atheismus sei in islamischen Ländern im Vordringen, Muslime in den USA und Kanada seien überdurchschnittlich gebildet.

Khorchide

Mouhanad Khorchide, ein liberaler Islamgelehrter, dessen Durchsetzungskraft in der islamischen Welt aber vielfach bezweifelt wird. Foto: Grafenstein

Was das alles mit Friedrich August von Hayek, Freiheit, Wettbewerb und Liberalismus zu tun haben soll? Christophe Lüttmann, Vorsitzender des Hayek Clubs, erklärte auf meine Nachfrage dazu, dass ihn die Frage bewege, worüber man noch öffentlich reden könne, es müsse die Meinungsfreiheit und eine liberale Diskussionskultur verteidigt werden, in der alle Themen besprochen werden können. Dass dies notwendig ist, machte eine Gegendemonstration des Bündnisses „Keinen Meter den Nazis“ mit rund 100 Teilnehmern deutlich, die sich dagegen wandte, dass solche Podiumsdiskussionen überhaupt stattfinden, seien die Positionen Sarrazins doch schlechthin „indiskutabel“, so Bündnis-Initiator Carsten Peters.

Veranstaltungen in dieser Größenordnung sollen beim Hayek-Club Münsterland weiterhin die Ausnahme bleiben, so Lüttmann, jedoch habe man nach diesem Erfolg für 2020 die Vision, eine große mehrtägige Konferenz mit Workshops auszurichten.

Anmerkung des Verfassers: Das Buch „Feindliche Übernahme“ (2018) bietet keine Belegstelle für die Aussage, in zwei Generationen (60 Jahre) würden Muslime die Mehrheit stellen. Sarrazin führt auf Seite 254 f. Statistiken an, wonach für das Jahr 2050 selbst bei Zugrundelegung hoher Einwanderung ein europaweiter Anteil von Muslimen bei 14 Prozent, in Deutschland von 19,7 Prozent erwartet wird.  Für 2050 wird erwartet, dass maximal 40 Prozent aller Geburten in Deutschland auf Muslime entfallen werden (Sarrazin 2018, 257 f.).

Literaturhinweis: Sarrazin, Thilo: Feindliche Übernahme. München 2018.