Archive for the ‘Freizeit’ Category

Lyrikertreffen in Münster: Poetisch denken!

Mai 14, 2019

Das renommierte Lyrikertreffen in Münster steht wieder an. Foto: Stadt Münster

Münster (SMS) Seit 40 Jahren reisen Lyriker und Lyrikerinnen aus dem In- und Ausland zum Internationalen Lyrikertreffen an, das vom Kulturamt der Stadt Münster und vom Literaturverein Münster veranstaltet und von der Kunststiftung NRW gefördert wird. In ihrem Gepäck: Strophen und Verse. In diesem Jahr gehören auch Instrumente dazu. Werfen wir ein Blick auf Programm, das die Lesungen der Gedichte begleitet.

Warum überhaupt Lyrik?
Walther von der Vogelweide, Johann Wolfgang von Goethe, Novalis – Namen, die Erinnerungen an die Schulzeit wecken. Warum musste man Schiller-Balladen auswendig lernen? Oder den Aufbau von Versmaßen verstehen? Christian Metz stellt zu Beginn des Lyrikertreffens gleich die Frage aller Fragen: Warum überhaupt Lyrik?
Der promovierte Germanist beschäftigt sich auf mannigfaltige Weise mit Literatur – in Forschungsarbeiten, Essays, Literaturkritiken, als Privatdozent in der Hochschullehre. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit liegt im Feld der Gegenwartslyrik. Doch ist die Gattung überhaupt noch zeitgemäß? Christian Metz ist überzeugt: Die Poesie ist auf Erfolgskurs. Er bilanziert den aktuellen Stand der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur, wagt eine Bestandsaufnahme des Lyrikbooms der vergangenen 20 Jahre und befasst sich mit Autoren und wie sie sich in den sozialen Medien präsentieren. Der Titel seines Buches, das Metz dem Publikum präsentiert, lässt sich treffend für das Lyrikertreffen auch als Aufforderung für die gesamte Veranstaltung lesen: „Poetisch denken“!

Hohe Kunst des Übersetzens von Lyrik
Und wie denkt man poetisch in anderen Sprachen? Das Übersetzen von Lyrik ist ein zweites großes Thema beim Lyrikertreffen – und es ist eine hohe Kunst. Erfahren lässt sie sich in einer Lesung mit anschließendem Workshop. Den Schriftsteller und Herausgeber Hans Thill begleiten die drei syrischen Autoren Mohammad Al-Matroud, Lina Atfah und Aref Hamza sowie ihre Übersetzer Brigitte Oleschinski, Joachim Sartorius und Julia Trompeter. Ihre Gedichte hat Thill zusammen mit Mahmoud Hassanein in der Anthologie „Deine Angst – Dein Paradies“ veröffentlicht.
In Syrien waren die Dichterinnen und Dichter ganz vorn bei denen, die sich für eine Demokratisierung der Gesellschaft einsetzten. Sie haben es gebüßt durch Verfolgung und Exil, jetzt leben einige von ihnen in Deutschland. Die Gedichte, die sie lesen, richten den Blick in ihre Heimat, erzählen von Krieg und Frieden, von Hoffnung und Träumen. Beteiligt am Workshop sind Studierende der Westfälischen Wilhelms-Universität, die sich im Vorfeld des Lyrikertreffens mit dem Übersetzen von Gedichten beschäftigt haben. Welche Tücken das Sprach-Handwerk des Übersetzens birgt, können hier alle Interessierten ganz direkt erleben.

Ausnahmelyriker Paul Celan
Um Dichtung im Angesicht des Krieges geht es auch beim Memorial, das ein fester Bestandteil des Lyrikertreffens ist. Der künstlerische Leiter Hermann Wallmann hat es im Vorgriff auf das Celan-Jahr 2020 programmiert, wenn der 100. Geburtstag und der 50. Todestag des Ausnahmelyrikers zusammenfallen. Der Autor und Literaturkritiker Helmut Böttiger wird in Münster Celans jüdische Familiengeschichte, sein lyrisches Werk und seine Liebe zur Schriftstellerin Ingeborg Bachmann beleuchten.
Böttiger zählt zu den renommiertesten Literaturkritikern Deutschlands, war nach seiner Promotion als Literaturredakteur tätig und hat sich intensiv mit dem Werk und der Person Celans beschäftigt. „Celan ist fast so etwas wie ein Heiliger, hat das berühmteste Gedicht nach 1945 geschrieben: die ‚Todesfuge‘. Das wird mit ihm gleichgesetzt – er wurde so gelesen: Als einer, der in schöner Sprache die Schuld der Deutschen ausgedrückt hat und dadurch die Möglichkeit gegeben hat, dass die Deutschen sich von ihrer Schuld entlastet fühlen können“, erklärte Böttiger im Deutschlandfunk.
Termine:
Deine Angst – Dein Paradies. Gedichte aus Syrien: Lesung mit Übersetzungsworkshop, Freitag, 24. Mai, 11-14 Uhr, Studiobühne, Domplatz 23
Warum Lyrik? Christian Metz: Die Lyrik der Gegenwart, Freitag, 24. Mai, 16-17 Uhr, Theatertreff, Neubrückenstraße 63
Celan-Memorial. Helmut Böttiger über Paul Celan, Samstag, 25. Mai, 14-15 Uhr, Theatertreff, Neubrückenstraße 63
Info: www.lyrikertreffen-muenster.de, Karten an der Theaterkasse, (02 51) 59 09-100

Sehenswürdigkeiten im Sauerland: Burg Altena und Sorpesee

April 20, 2019

Die Burg Altena an der Lenne wurde Anfang des letzten Jahrhunderts rekonstruiert. Hier zog die erste ständige Jugendherberge der Welt ein. Ein vielseitiges Geschichtsmuseum unterhält die Besucher der Burganlage.

Der Sorpesee kann mit einem Ausflugsboot erkundet werden, das kurz vor der Sorpetalsperre anlegt.

Münster ist immer eine Reise wert

März 7, 2019

Münster (SMS) Der neue Besuchermagnet  Dominikanerkirche mit der Arbeit „Zwei Graue Doppelspiegel für ein Pendel“ von Gerhard Richter steht im Mittelpunkt der Präsentation von Münster Marketing auf der Internationalen Tourismusbörse (ITB) in Berlin. Außerdem gibt es Informationen zu „MünsterMusik“. Unter diesem Motto feiern das Sinfonieorchester, die Westfälische Schule für Musik und die Musikhochschule 2019 ihren 100. Geburtstag und präsentieren gemeinsam ein klangvolles Jubiläumsprogramm.

„Nach den Skulptur Projekten in 2017 und dem Europäischen Kulturerbejahr 2018 können wir mit den beiden Highlights Münster erneut als Städtereiseziel mit individuellen kulturellen Angeboten in den Focus rücken“, freut sich die Leiterin von Münster Marketing, Bernadette Spinnen.

Auf der weltweit größten Reisemesse, die in den Berliner Messehallen vom 6. bis 10. März Aussteller aus über 180 Ländern, Touristikfachleute, internationale Medienvertreter und ein reisefreudiges Publikum zusammenbringt, ist Münster mit einem Stand in der NRW-Halle (Halle 8.2, Stand102a) vertreten. Hier begrüßten Oberbürgermeister Markus Lewe und Stadtbaurat Robin Denstorff den NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart  und die Geschäftsführerin von Tourismus NRW, Heike Döll-König, bei ihrem Rundgang durch die Halle.

Münster Marketing nutzt die Messe für den Dialog mit dem Fachpublikum. Ziel ist es, den Grundstein für neue Kooperationen zu legen, die Zusammenarbeit mit Partnern auszubauen, mit Reisejournalisten, Influencern und Reiseveranstaltern ins Gespräch zu kommen, neue Themen und Trends aufzugreifen und Münster als Städtereiseziel zu positionieren. Nach den Fachbesuchertagen stehen am Wochenende die Endverbraucher im Mittelpunkt.

Dafür hat Münster Marketing jede Menge aktuelle Infos im Gepäck. Neu ist zum Beispiel ein Faltblatt über Gerhard Richters Kunstwerk. Mit dabei ist auch das Reisemagazin „Münster – Stadturlaub von seiner schönsten Seite“. Neben Kunst- und Kulturtipps, Sehenswürdigkeiten oder Veranstaltungen enthält es Insider-Tipps von Bloggern und Instagrammern sowie persönliche Empfehlungen von Münster-Experten.

Für Medienvertreter gibt es den „Münster-Stick“. Der USB-Stick im Scheckkartenformat möchte mit deutschen, englischen und niederländischen Texten und Bildmaterial Lust auf eine Recherche über Münster machen.

Mit etwas Glück können Besucherinnen und Besucher am Stand von Münster Marketing einen Aufenthalt in Münster gewinnen: mit einer Übernachtung im Doppelzimmer, der Teilnahme an einer öffentlichen Führung zum Richter-Kunstwerk, einer Münstercard für freien Eintritt zu Sehenswürdigkeiten, gratis Stadtführungen, ÖPNV und Fahrradausleihe.

„In geheimnisvoller Mission“ in Bochum

Februar 14, 2019
Bonds Hubschrauber Little Nellie

Der Ein-Mann-Hubschrauber Little Nellie aus „Man lebt nur zweimal“ (1967). Foto: Grafenstein

In Bochum ist noch bis 31. März die Ausstellung „In geheimer Mission – Der Spion, der aus Wattenscheid kam“ über die James-Bond-Filme zu sehen. Diese präsentiert Devotionalien und Requisiten aus der Sammlung des Filmjournalisten Dr. Siegfried Tesche. Höhepunkte der Ausstellung sind Bond-Autos, eine Düsenrucksack und Little Nellie, der schlagkräftige Mini-Hubschrauber aus „Man lebt nur zweimal“. Darum gruppieren sich jede Filmplakate und Kostüme aus den Filmen, an den Ausstellungswänden kann man sich über die Filmhandlungen und das Leben der verschiedenen Bonddarsteller informieren, vor allem Sean Connery  und Roger Moore sind hier zu nennen. Man erfährt auch einiges über die kommerzielle Ausschlachtung der Bond-Filme durch Spielzeugproduzenten und andere Konsumgüterhersteller. Hintergrund des Ausstellungstitels ist, dass einer autorisierten Bond-Biografie John Pearson zufolge der von Ian Fleming erschaffene Film-Agent 1920 in Wattenscheid, heute ein Teil Bochums, geboren worden sein soll.

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Ein Sunbeam Alpine Serie II – Das erste Bond-Auto. Foto: Grafenstein

Münsters Kriegerdenkmäler im Internet

September 9, 2018

Münster (SMS) „Es gibt nichts auf der Welt, was so unsichtbar wäre wie Denkmäler. Sie werden doch zweifellos aufgestellt, um gesehen zu werden, ja geradezu, um die Aufmerksamkeit zu erregen“, so beschrieb der Schriftsteller Robert Musil im Jahr 1927 seine Einstellung zu Denkmälern. Dies gilt auch heute noch für einige Denkmäler in Münster. Das Kriegerdenkmal am Mauritztor kann dagegen schon aufgrund seiner Größe kaum übersehen werden. Dennoch: wann ist es entstanden, wer hat es angeregt und wie dachten die Münsteraner über dieses mächtige Exemplar?
Antworten auf Fragen wie diese bietet ein neues stadtgeschichtliches Angebot des Stadtarchivs im Internet. Es gibt einen Überblick über die Denkmallandschaft Münsters. Alle im öffentlichen Raum vorhandenen Gedenktafeln, Ehrenmale, Kriegerdenkmale, Mahnmale und Kriegsgräberstätten sind darin nach einem einheitlichem Raster erfasst und beschrieben.
Die neue Website bietet die Möglichkeit, einen Einblick in die geschichtlichen Hintergründe und kurz gefasste Informationen als ersten Ansatzpunkt einer Beurteilung der Denkmäler zu erhalten.  Das in Kooperation mit der Online-Redaktion des Presse- und Informationsamtes entstandene Angebot findet sich ab sofort unter www.stadt-muenster.de/kriegerdenkmale.
Die Internetpräsentation geht über die vom Stadtarchiv 2013 vorgestellte gedruckte Dokumentation „Erinnern im öffentlichen Raum. Kriegerdenkmäler – Ehrenmale – Mahnmale und Kriegsgräberstätten in Münster“ hinaus und erfasst auch die seitdem eingeweihten Gedenkobjekte. Außerdem weicht es in der Einteilung der Denkmäler insofern ab, als zwei neuen Rubriken „Erinnern nach 1945“ und „Erinnern nach 2000“ in rein chronologischer Gliederung nach Datum der Einweihung entstanden sind.
Möglichst alle Krieger-Denkmäler, Erinnerungs- und Gedenkorte sowie Grabstätten und Friedhöfe, die in Zusammenhang stehen mit kriegerischen, gewaltvollen Auseinandersetzungen und Ausgrenzungen, ihren Opfern und Folgen, wurden systematisch erfasst, eingeordnet und einheitlich beschrieben. Dabei erfuhr auch die öffentliche Wahrnehmung der Gedenkorte in Ansätzen Beachtung. Denn die Interpretation eines Denkmals kann sich durchaus ändern; wie auch das Denkmal selbst, etwa durch das Anbringen ergänzender Texttafeln.
Für alle Erinnerungsmale ist gefragt worden, mit welcher Motivation sie errichtet wurden, wer sie initiiert und wer sie wie gestaltet hat. Auch den geschichtlichen Hintergründen widmet  sich das neue Angebot des Stadtarchivs.
Um in diese Sammlung aufgenommen zu werden, muss ein Denkmal oder Mahnmal an gefallene Soldaten oder zivile Opfer von Kriegen, von regime- und kriegsbedingtem Terror und Gewalt erinnern. Ebenfalls erfasst wurden Denkmäler, die als Mahnungen zum friedlichen Zusammenleben aufgefasst werden können. Formen des Gedenkens innerhalb weltlicher und kirchlicher Gebäude sind nicht erfasst worden.

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Das Kriegerehrenmal am Mauritztor ist ein Beispiel aus dem neuen Internetangebot des Stadtarchivs. Es wurde 1909 eingeweiht und soll an die Gefallenen der deutschen Einigungskriege erinnern. Foto: Stadtarchiv Münster

Wewelsburg: Ausflug zur „Schwarzen Sonne“

Juni 13, 2018
Hier versammelte sich die SS.

Der Nordturm der Wewelsburg beherbergt die „Gruft“ und den „Obergruppenführersaal“.

Die Wewelsburg im Paderborner Land hat eine wechselvolle Vergangenheit hinter sich. Errichtet von den Fürstbischöfen von Paderborn 1605 bis 1609 im Stil der Renaissance als Nebenresidenz und genutzt inbesondere als Jagdschloss, erlangte sie gewisse Berühmtheit, nachdem drei Jahrhunderte später Heinrich Himmer diesen ungewöhnlichen burgartigen Dreiecks-Schlossbau als Zentrum seines künftigen SS-Imperiums auserkoren hatte und entsprechend umbauen ließ. Vor allem den Putz ließ er abschlagen, um sie abweisender wirken zu lassen, was sie bis heute unschön aussehen lässt. Heute ist die Wewelsburg (wieder) Jugendherberge, Gedenkstätte und Sitz eines regionalgeschichtlichen Museums über das Hochstift Paderborn, mit einem kunterbunten Sammelsurium von wirtschafts-, sozial- und kriminalgeschichtlichen Exponaten, von denen einige durchaus länger im Gedächtnis haften bleiben. Von der einstigen Innenarchitektur der Schlossburg kann man sich beim Museumsrundgang allerdings wenig Eindruck verschaffen, auch über die Geschichte des Schlosses vor der SS-Inbesitznahme erfährt man nicht so viel.

Eine eigene große Museumsabteilung des Kreismuseums widmet sich monothematisch „Ideologie und Terror der SS“, und klärt über das Wirken und Nachwirkung der SS allgemein und vor Ort auf. Der Eintritt ist hier im Gegensatz zum Hochstiftmusem frei, sodass nicht gesagt werden kann, hier würde mit den Nazis Kasse gemacht. Im Rahmen dieser Daueraustellung, die im ehemaligen Wachgebäude der SS untergebracht ist, gelangt man auch über die so genannte „Gruft“ zur Hauptattraktion der Wewelsburg, dem „Obergruppenführersaal“ mit der durch einen Roman der 90er Jahre  als „Schwarze Sonne“ bekannt gewordenen Sonnenrad-Fußbodenornamentik, die heute schamvoll teilweise von Sitzsäcken für Besucher bedeckt ist.  Das Fotografieren ist hier wie im ganzen Museum verboten. Von den Fenstern hat man den Ausblick der Fürstbischöfe und SS-Generäle in die ostwestfälische Landschaft.

Im Museum ist bekannt, dass die Attraktionen der Wewelsburg stark von Rechtsradikalen frequentiert werden, die üblicherweise aber die Auseinandersetzung mit der KZ-Vergangenheit des Ortes meiden, was dort auch möglich wäre. Vor mir standen in der Tat zwei junge Burschen an der Museumskasse, die sich erst ihre Runen-Tattoos abkleben mussten, ehe sie ins Museum gelassen wurden, das übrige Besucherpublikum wirkte unverdächtig. Auch diese Austellung kann nicht jedes Geheimnis der SS lüften, ein sehr gutes Bild, was die SS konkret in der Wewelsburg eigentlich getrieben hat, verschafft die Ausstellung auch nicht, wahrscheinlich weil vieles Stückwerk und Planung geblieben war.

Aktuell kann im Museum auch eine humorige Sonderausstellung über Bierkultur im Paderborner Land und darüber hinaus besucht werden. Das zeigt nochmal schlaglichtartig, dass sich der Ort auch museal nicht gänzlich von der düsteren Vergangenheit unter dem SS-Totenkopf überschatten lassen will, die medial eine so große Rolle spielt.

Vor der Wewelsburg

Das Renaissance-Schloss ist weithin sichtbar.

Ein Grund zum Feiern? Münster und der Westfälische Frieden

April 29, 2018

Die Ausstellung „Ein Grund zum Feiern? Münster und der Westfälische Frieden“ im Stadtmuseum Münster widmet sich der Rezeptionsgeschichte des Westfälischen Friedens, wobei die Jubiläen 1748, 1848, 1898 und 1948 im Fokus stehen. Im Anschluss an die Ratifikation des Westfälischen Friedens hatte es 1649 in Münster einen Festakt gegeben doch die folgenden Jahrhunderte sollten eine ganz andere Sicht auf den Westfälischen Frieden offenbaren, als man heute annehmen sollte.

Die Jubiläen des Friedens im Jahr 1748 und 1848 wurden in Münster nur ignoriert. Die katholische Stadt nahm den Westfälischen Frieden vor allem als Schwächung des Katholizismus im Deutschen Reich wahr, während die protestantischen Reichsstädte Süddeutschlands wie etwa Nürnberg und Augsburg große Friedensfeste veranstalteten.

Wilhelm Bolte: Friedensdenkmal in Münster, eingeweiht 1905. Foto: Stadtmuseum Münster

Erst 1898 gedachte die Stadt Münster erstmals offiziell des Westfälischen Friedens. Wobei kein großer Festakt für die Bevölkerung geplant wurde, sondern lediglich ein Treffen von Historikern an den Friedensschluss in Münster erinnerte. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstanden das monumentale Historienbild über die Friedensverhandlungen im Rathaussaal von Fritz Grotemeyer und das 1942 eingeschmolzene münstersche Friedensdenkmal. Diese Werke können jedoch nicht in einen Zusammenhang mit einer großen Feierstimmung anlässlich des Jubiläums in Zusammenhang gebracht werden.

Für die Nationalsozialisten war der Westfälische Frieden Grundlage um gegen den Erbfeind Frankreich Stimmung machen zu können. So plante die Partei, den 300. Jahrestag 1948 für ihre Zwecke zu missbrauchen. Einen Einblick in die bereits 1940 aufgebaute, aber nie eröffnete Propagandaausstellung geben erhaltene, damals angefertigte Gemäldekopien sowie dokumentarische Fotografien. Erst nach der Gedenkwoche 1948 erfolgte vor dem Hintergrund des verlorenen Zweiten Weltkriegs eine Umbewertung des Westfälischen Friedens zum Einigungsfrieden. Erst seit einigen wenigen Jahrzehnten ist Münster „Die Stadt des Westfälischen Friedens“, an dessen Jubiläen sie jetzt regelmäßig erinnert.

Die Ausstellung „Ein Grund zum Feiern? Münster und der Westfälische Frieden“ im Stadtmuseum verdeutlicht, wie abhängig das Urteil über den Westfälischen Frieden von den jeweiligen zeithistorischen Umständen war. Zur Veranschaulichung werden in der Ausstellung Gemälde, Medaillen, Grafiken, Plakate, Postkarten, Fotos, Filmaufnahmen, Inszenierungen und Animationen aus 350 Jahren Geschichte des Westfälischen Friedens in Münster zusammen mit bedeutenden Leihgaben, etwa dem berühmten Weinlöwen aus Nürnberg, ausgestellt.

Zur Ausstellung, die bis zum 2. September 2018 zu sehen ist, erscheint ein Katalog, der im Stadtmuseum Münster an der Salzstraße erhältlich ist (Sandstein Verlag, 9,80 Euro).

Quelle: Stadt Münster

Auf den Externsteinen

Juli 23, 2017

Eine Höhenburg im Norden – Burg Bentheim

Mai 28, 2017

Die Burg Bentheim ist etwas Besonderes, eine Höhenburg im flachen Nordwestdeutschland, und natürlich mit ihrem weithin sichtbaren „Pulverturm“ die größte. Außerdem wird sie immer noch von einem Teil der fürstlichen Familie zu Bentheim und Steinfurt bewohnt. Weitenteils ist sie jedoch heute öffentlich zugängliches Museum, richtig alt ist hier jedoch nicht alles, denn nach alten Kriegszerstörungen wurde die Anlage in wichtigen Bereichen im Stil des Historismus wieder aufgebaut. Wirklich sehr alt ist jedoch der in der Burg ausgestellte „Herrgott von Bentheim“ eine tausend Jahre alte Christusfigur, die mit segnenden Armen statt leidend vor dem Kreuz steht. Der Pulverturm bietet einen Ausblick über den unendlichen Waldbesitz der Fürsten und die fortgeschrittene Windrad-Versteppung der Landschaft Norddeutschlands.

Wer sich nicht alles selbst ansehen mag, kann auch an einer eingehenden Führung durch die „Mamsell“ teilnehmen, die einen auf verschiedene Exponate hinweist, die man selbst vielleicht übersehen hätte, und alle möglichen Geschichte und Histörchen zu erzählen weiß, bei denen Vergangenheit und Gegenwart verschwimmen, weil nicht immer klar ist, ob sie in ihrer historischen Rolle, die um 1900 angesiedelt ist, spricht. So blieb mir unklar, ob die Burg bis heute vollständig nicht beheizbar ist. Jedenfalls früher zog der Hofstaat deswegen mit dem Einbruch des Winters ins Steinfurter Schloss um. Auffällig ist der historisch starke dynastische Bezug der Bentheimer Fürsten zur holländischen Monarchie, der nach der Grenzlage wohl zum starken Aufkommen holländischer Touristen im kleinen Kurort Bad Bentheim beiträgt. Da sich Königin Emma einst gerne in Bad Bentheim aufhielt, folgten ihr ihre Landeskinder und deren Kinder gerne nach.

Links:

Fotos vom Burgentrip

http://www.burg-bentheim.de/

Elbblick von der Bastei aus

Mai 22, 2017