Archive for the ‘Politik’ Category

Für die einen Kriegerdenkmäler, für die anderen Steine des Anstoßes

April 23, 2019

Farbbeschmierungen am häufig kritisierten Dreizehner-Denkmal. Foto: Stadt Münster/ Fritz von Poblotzki

Münster (SMS) Kein Jahrhundert brachte so viele Denkmäler hervor wie das 20. Jahrhundert. Auch in Münster und Umgebung prägte sich eine Gedenklandschaft mit zahlreichen Kriegerehrenmalen aus, die überwiegend nach dem Ersten Weltkrieg entstanden sind. Sie dienten der ehrenden Erinnerung an gefallene Soldaten. Ihre Erinnerungsmotive werden heute kritisch hinterfragt.
Max Twickler vom Institut für Didaktik der Geschichte der Universität Münster blickt am nächsten Themenabend des Stadtarchivs auch über Münster hinaus und führt in die Entwicklung der Kriegerdenkmalskultur in Deutschland ein. Im Mittelpunkt stehen dabei die Weimarer Jahre. Daneben geht es um die identitätsstiftende Funktion der Ehrenmale zum Zeitpunkt ihrer Setzung.
Wie stellen wir uns heute zu den Erinnerungsmotiven der Kriegerehrenmale? Welche Rolle spielen sie in der heutigen geschichtskulturellen Auseinandersetzung? Fragen, zu denen Denkanstöße gegeben werden sollen.
Im Kern befasst sich der Referent mit der münsterschen Denkmallandschaft und ihren Veränderungen. Er konzentriert sich dabei auf die Debatte um die steinernen Erinnerungsorte in Münster, wobei auch die Rolle verschiedener Gremien der Stadtpolitik angesprochen wird. Anhand themenbezogener Geschichten aus dem Münsterland zeigt Twickler Möglichkeiten des künftigen Umgangs mit den steinernen Zeugen ihrer Zeit auf und erläutert, wie sich die einzelnen Vorgehensweisen begründen lassen. Eine Diskussion schließt sich an.
Info: Der Themenabend beginnt am Donnerstag, 25. April, um 18 Uhr im Stadtarchiv, An den Speichern 8. Um Anmeldung wird gebeten per E-Mail an archiv@stadt-muenster.de oder unter Tel. 02 51/4 92-47 01. Detaillierte Informationen zu den Kriegerdenkmälern, Mahnmalen und Kriegsgräberstätten im Stadtgebiet von Münster finden sich im Stadtnetz unter www.stadt-muenster.de/kriegerdenkmale/startseite

Die Fahrradstadt ist beim Fahrrad-Klima nicht mehr Nummer Eins

April 10, 2019

Münster ist beim aktuellen Fahrradklima-Test des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) zwar wieder der Sprung aufs Siegertreppchen gelungen, im Städtevergleich (in der Kategorie der Städte mit über 200 000 Einwohnern) belegte Münster diesmal aber nur den zweiten Platz hinter Karlsruhe. Michael Milde, Abteilungsleiter Mobilitätskonzepte bei der Stadt Münster, nahm die Auszeichnung am Dienstag in Berlin entgegen.

Wie für viele Münsteraner gehört auch für Oberbürgermeister Markus Lewe die „Leeze“ zum Alltag. Foto: Presseamt Münster

Bei den letzten sechs Fahrradklima-Tests hatte Münster stets den ersten Platz erreicht. „Auch wenn es diesmal nicht der Spitzenplatz ist, freue ich mich natürlich über die erneute Platzierung auf dem Podium“, sagt Oberbürgermeister Markus Lewe und gratuliert gleichzeitig der Stadt Karlsruhe. „Münster bleibt natürlich Fahrradstadt, auch auf Platz zwei! Das Fahrrad gehört zu Münster, das spürt und sieht jeder und jede. Allerdings wird das Thema komplexer: Wir müssen inzwischen eine Vielzahl von Mobilitätsarten im Straßenraum organisieren und wir sind bereits kräftig dabei. Also ganz klar: Das Ergebnis des Fahrradklima-Tests ist für uns vor allem Ansporn und Auftrag zugleich, beim nächsten Mal wieder ganz oben auf dem Treppchen zu stehen.“

Der städtischen Verkehrsplanung liefert der Fahrradklima-Test praxisnahe Bewertungen und alltagserprobte Einschätzungen der Radfahrer. Als Münsters Stärken bezeichnen die Teilnehmer die breite Akzeptanz für das Radfahren („Alle fahren Fahrrad – egal, ob alt oder jung“), die gute Erreichbarkeit des Stadtzentrums, die für den Radverkehr geöffneten Einbahnstraßen und die Möglichkeit, zügig Rad zu fahren. Als Schwächen werden viele Fahrraddiebstähle, fehlende Abstellmöglichkeiten im Zentrum, Konflikte mit anderen Verkehrsteilnehmern und schmale Radwege benannt.

OB Lewe: „Wir wissen, dass die Infrastruktur mit Blick auf die steigende Zahl der Radfahrerinnen und Radfahrer in unserer dynamisch wachsenden Stadt nicht mehr überall zeitgemäß ist. Verbesserungen werden in verschiedenen Bereichen bereits umgesetzt.“ Dazu gehören die einheitliche Rotfärbung von Radwegen und Fahrradstraßen, damit diese besser wahrgenommen werden. Die Ausweisung weiterer Fahrradstraßen steht ebenso auf der Agenda wie die Umsetzung des Veloroutenkonzepts für die Stadtregion. Seit dem 1. April bündelt die Stadtverwaltung Planung und Bau der Verkehrsinfrastruktur im Amt für Mobilität und Tiefbau. Ziel ist es, Planungsprozesse und ihre Umsetzung – auch im Radverkehr – zu beschleunigen.

Der ADFC-Fahrradklima-Test fand von Anfang September bis Ende November 2018 als Online-Umfrage statt. Insgesamt bewerteten über 170 000 Bürger die Fahrradfreundlichkeit von mehr als 680 Städten. Der Fahrradklima-Test ist damit die größte und bedeutendste Nutzerbefragung zum Radverkehr weltweit.

Islamkritik: Sarrazin trifft Khorchide in Münster

März 20, 2019

Die laut Thilo Sarrazin durch den Islam in der westlichen Welt geschaffene „dauerhafte Problemlage“ lässt die Menschen nicht los, obwohl man meinen könnte, in den Debatten um Islam und Islamkritik seien alle Positionen ausgetauscht, füllen Veranstaltungen mit der Islamkritik Sarrazins weiterhin die Säle, und Sarrazins neuestes Buch „Feindliche Übernahme – Wie der Islam die den Fortschritt behindert und die Gesellschaft bedroht“ avancierte zum bestverkauften politischen Sachbuch des Jahres.

In Münster traf Sarrazin auf Einladung des Hayek-Club Münsterland auf den Islamwissenschaftler Mouhanad Khorchide, der an der WWU Münster die Ausbildung muslimischer Religionspädagogen leitet und einen modernen aufgeklärten Islam mit historisch-kritischer Koran-Exegese vertritt. Vor über 300 zahlenden Gästen in der Stadthalle Hiltrup, darunter offenkundig auch AfD-Anhänger und Muslime, traten sie in den Dialog und stellten sich den Fragen der Zuhörer.

Sarrazin mit Khorchide

Der Journalist Klaus Kelle (Mitte) moderierte den Schlagabtausch zwischen Sarrazin (li.) und Khorchide (re.). Foto: Grafenstein

Sarrazin findet den Titel seines neuen Buches „Feindliche Übernahme“ selbst etwas harsch, angespielt werde aber an die feindliche Übernahme im Wirtschaftsleben, die ja freundlich verlaufe. So würden Muslime in Deutschland und Europa in zwei Generationen auch ohne Gewaltanwendung die Mehrheit bilden, da sie jünger und gebärfreudiger seien, hinzu komme noch die muslimische Einwanderung. Gleichwohl hält Sarrazin den Islam für eine „Gewaltideologie im Gewande einer Religion“. Der Koran predige Hass und Gewalt gegen Ungläubige und die Unterdrückung von Frauen, die Aufrufe zu Liebe seien nur auf Gläubige bezogen. Die islamische Weltsicht sei der individuelle Freiheit und dem selbständigen Denken abhold, fördere Rückständigkeit und Autoritarismus und sei ursächlich für den technisch-zivilisatorischen Rückstand der islamischen Welt und die im statistischen Durchschnitt niedrigen Bildungsleistungen von Muslimen.

In der politischen Konsequenz müsse die die Einwanderung von Muslimen niedrig gehalten werden und von den hier lebenden Muslimen ein Bekenntnis zur säkularen Gesellschaft eingefordert werden, da der Staat an den religiösen Überzeugungen der Menschen selbst nichts ändern könne.

Khorchide warf Sarrazin vor, den Islam wortwörtlich wie ein Pierre Vogel zu lesen: „Warum verbreiten sie die Lesart der Salafisten?“ Es würden allein 500 Stellen der Barmherzigkeit im Koran zu lesen sein. Sarrazin sei voreingenommen und verschweige, dass Juden und Christen im Islam die „ewige Glückseligkeit“ versprochen werde. Die islamische Welt sei in Bewegung und nicht so statisch, wie Sarrazin suggeriere, der Atheismus sei in islamischen Ländern im Vordringen, Muslime in den USA und Kanada seien überdurchschnittlich gebildet.

Khorchide

Mouhanad Khorchide, ein liberaler Islamgelehrter, dessen Durchsetzungskraft in der islamischen Welt aber vielfach bezweifelt wird. Foto: Grafenstein

Was das alles mit Friedrich August von Hayek, Freiheit, Wettbewerb und Liberalismus zu tun haben soll? Christophe Lüttmann, Vorsitzender des Hayek Clubs, erklärte auf meine Nachfrage dazu, dass ihn die Frage bewege, worüber man noch öffentlich reden könne, es müsse die Meinungsfreiheit und eine liberale Diskussionskultur verteidigt werden, in der alle Themen besprochen werden können. Dass dies notwendig ist, machte eine Gegendemonstration des Bündnisses „Keinen Meter den Nazis“ mit rund 100 Teilnehmern deutlich, die sich dagegen wandte, dass solche Podiumsdiskussionen überhaupt stattfinden, seien die Positionen Sarrazins doch schlechthin „indiskutabel“, so Bündnis-Initiator Carsten Peters.

Veranstaltungen in dieser Größenordnung sollen beim Hayek-Club Münsterland weiterhin die Ausnahme bleiben, so Lüttmann, jedoch habe man nach diesem Erfolg für 2020 die Vision, eine große mehrtägige Konferenz mit Workshops auszurichten.

Anmerkung des Verfassers: Das Buch „Feindliche Übernahme“ (2018) bietet keine Belegstelle für die Aussage, in zwei Generationen (60 Jahre) würden Muslime die Mehrheit stellen. Sarrazin führt auf Seite 254 f. Statistiken an, wonach für das Jahr 2050 selbst bei Zugrundelegung hoher Einwanderung ein europaweiter Anteil von Muslimen bei 14 Prozent, in Deutschland von 19,7 Prozent erwartet wird.  Für 2050 wird erwartet, dass maximal 40 Prozent aller Geburten in Deutschland auf Muslime entfallen werden (Sarrazin 2018, 257 f.).

Literaturhinweis: Sarrazin, Thilo: Feindliche Übernahme. München 2018.

 

Vertrauenskrise zwischen Volk und Politikern

Dezember 5, 2018

Gerhard Papke sprach beim Hayek Club. Foto: Grafenstein

Gerhard Papke war ehemals ein führender Politiker der FDP und Vizepräsident des Landtags in NRW, überwarf sich jedoch mit seinem einstigen Weggefährten Christian Lindner über den Umgang mit der Migrationskrise und dem Islam bzw. Islamismus. Beim Hayek-Club Münsterland gab er sich als überparteilicher Warner vor einer Vertrauenskrise zwischen Politikern und Volk. Die Probleme in Deutschland reichten weit über den Zustand einzelner Parteien hinaus. Die Parteien hätten sich weit von der Lebensrealität der Bürger entfernt, die Politik habe oft nur noch Effekthascherei und Show anzubieten.

Drei Politikfelder hob Papke hier besonders hervor: Migration, Deutschland und Europa sowie Wertevermittlung.

Im Feld der Migration könne jetzt, aber auch in Zukunft, keine Entwarnung gegeben werden. Die Bevölkerung Afrikas werde sich verdoppeln, die Zuwanderung werde daher wieder zunehmen und dabei all unsere Vorstellungskraft sprengen. Die afrikanischen und arabischen Zuwanderer hätten ein sehr niedriges Bildungsniveau und andere Werteverständnisse, insbesondere auch im Verhältnis von Frau und Mann. Dies führe dazu, dass es bei Übergriffen auf Frauen wie an Silvester 2016 oft an Unrechtsbewusstsein fehle, denn nach dem Verständnis der Täter hätten sich Frauen nachts nicht mehr in der Öffentlichkeit aufzuhalten. Das seien enorme kulturelle Herausforderungen, Deutschland müsse zum Schutz der wehrhaften Demokratie gegen den Islamismus aufstehen. Eine Verniedlichung der Probleme seitens der Politiker müsse hier zu einem Aufbegehren der Bürger führen. Solange ein Schutz der EU-Außengrenzen nicht möglich sei, sei ein Schutz der deutschen Landesgrenzen notwendig. Dieser finde derzeit nicht wirksam statt. Auch wer keine oder gefälschte Papiere habe, müsse leider an der deutschen Grenze nur „Asyl“ sagen, um ins Land zu kommen.

Auf EU-Ebene müsse die Souveränität der europäischen Staaten wieder wertgeschätzt werden. Die Vielfalt seiner Völker sei die Stärke Europas. Durch die Masseneinwanderung und die Bekämpfung der Nationalstaatlichkeit würde die Menschen kulturell entwurzelt, diese sehnten sich aber nach Haltepunkten wie Familie, Freunde, kulturelle Identität und Heimat.

Nicht zuletzt konstantiert Papke eine Sehnsucht der Bürger nach mehr Anstand. Höflichkeit und Respekt würden wieder geschätzt, daher müsse es einen Richtungswandel im Schul- und Bildungssystem geben. Zum Erziehungsauftrag der Lehrer müsse auch die Vermittlung von Werten gehören.

Münster: Mit dem OB durch Kasernen spazieren

Oktober 17, 2018

Uhrturm-Gebäude in der Oxford-Kaserne; Arbeitsgemeinschaft OXF (Kéré Architecture, Schultz-Granberg Städtebau+Architektur, bbz landschaftsarchitekten, Prof. Mathias Uhl Siedlungswasserwirtschaft)

Münster (SMS) Jahrzehntelang waren die Oxford-Kaserne in Gievenbeck und die York-Kaserne in Gremmendorf für die Bürgerschaft unzugänglich. Nun hat die Stadt die Kasernengelände vom Bund gekauft und aus ehemals militärischem Sperrgebiet sollen „Zwei Stück Münster-Zukunft“ werden, zwei neue Stadtquartiere mit Platz zum Wohnen, Arbeiten und Leben. Die ersten Schritte auf dem Weg in die Zukunft macht Oberbürgermeister Markus Lewe gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern. Er lädt am Sonntag, 28. Oktober, zu geführten Spaziergängen über die Kasernen ein. Nach der symbolischen Übergabe der Kasernen an die Münsteranerinnen und Münsteraner sollen im November weitere Führungen folgen.

Zum Beginn der Rundgänge begrüßen der Oberbürgermeister und Stadtbaurat Robin Denstorff die Gäste bei einem Gläschen  Sekt. Geführt von Fachleuten aus dem Planungsamt und dem Tiefbauamt begeben sich Interessierte dann auf eine Zeitreise und werfen Blicke in die Vergangenheit und Zukunft der beiden Kasernen.
Erstmals sind auch einige Gebäude von innen zu sehen, so der Uhrenturm der Oxford-Kaserne oder das Offizierskasino der York-Kaserne. Beide sollen zu Begegnungsstätten ausgebaut werden.

Zu den Höhepunkten der Führungen zählen 40 Meter lange Bauzaun-Ausstellungen in der großen Turnhalle der Oxford-Kaserne und der alten Panzerhalle der York-Kaserne. Sie dokumentieren die Geschichte der Kaserne und zeigen anschaulich die Entwürfe der künftigen Stadtquartiere.

An markanten Stellen auf beiden Kasernengeländen stehen Schaufenster in die Zukunft: große Banner mit einer Animation der künftigen Ansicht. Spannend wird es auch auf dem Exerzierplatz der Oxford-Kaserne. Hier markiert die Münster School of Architecture (MSA) die Umrisse der geplanten Gebäude.

Pro Kaserne gibt es vier geführte Spaziergänge für jeweils 30 Personen. Die Führungen starten in beiden Kasernen um 11 Uhr, um 12.30 Uhr, um 14 Uhr und um 15.30 Uhr (Dauer: eine Stunde; Teilnahme kostenfrei). Anmeldung erforderlich auf der Website www.zukunft-muenster.de oder telefonisch unter 02 51/4 92-27 85 (Mo-Fr 10-12 Uhr). Die Plätze werden in der Reihenfolge der Anmeldungen vergeben.

Die Zukunft von Münster

Oktober 6, 2018

Münster (SMS) Wie entwickelt sich Münster als Wissenschaftsstadt? Wie sehen in Zukunft die Stadtteile aus? Wie geht es mit der Innenstadt weiter? Wie können Menschen ihre Stadt selbst gestalten? Drei spannende Gesprächsrunden stehen auf dem Programm der Zukunftsarena, zu der Oberbürgermeister Markus Lewe am Donnerstag, 11. Oktober, von 17 bis 21 Uhr, ins Jovel am Albersloher Weg einlädt. Münsteranerinnen und Münsteraner, die dabei sein möchten, sind herzlich willkommen.
Auf vielfältige Weise können sich die Bewohnerinnen und Bewohner der Stadt hier über erste Meilensteine im Zukunftsprozess „Münster Zukünfte 20-30-50“ informieren. Akteure aus den unterschiedlichsten Bereichen der Stadtgesellschaft wie Wissenschaft, Kultur, Ökologie, Integration, Soziales oder Wirtschaft diskutieren über die Stadt von morgen.
Mit dabei sind: Matthias Schwarte (Kanzler der WWU Münster), Prof. Dr. Ute von Lojewski (Präsidentin der FH Münster), Dr. Birgit Hagenhoff (Vorstandsvorsitzende der Gesellschaft für Bioanalytik Münster e.V.), Luca Horoba (Referent für Soziales und Wohnraum ASTA WWU Münster), Tobias Viehoff (Sprecher der Initiative Starke Innenstadt), Ulla Fahle (Vorstandsmitglied Mieter/innenschutzverein Münster und Umgebung e.V.), Jens Schneiderheinze (Geschäftsführer Cinema), Helga Runge (Schulleiterin der Eichendorffschule Angelmodde), Lisa Eymann (1. Vorsitzende Gewerbe- und Handwerkerverein Amelsbüren e.V.), Magnus Hömberg (2. Vorsitzender SC Westfalia Kinderhaus e.V.) und Hans-Dieter Sauer (Pastoralreferent St. Petronilla Gemeinde Handorf).
Zwischen den Gesprächsrunden gibt es bei Themenrundgängen viel Raum für Resonanz seitens der Bürgerinnen und Bürger. Ihre Anregungen und Ideen ebenso wie die Ergebnisse der Talkrunden fließen in die weiteren Schritte des Zukunftsprozesses ein.
Rund 350 Münsteranerinnen und Münsteraner haben sich für den Abend im Jovel bereits angemeldet. Wer noch mit dabei sein möchte kann sich unter www.zukunft-muenster.de/zukunftsarena2018  oder per E-Mail an zukunft@stadt-muenster.de anmelden. Die Anzahl der Teilnehmer im Jovel ist begrenzt. Wer nicht an der Zukunftsarena teilnehmen kann, hat die Möglichkeit, sich virtuell einzubringen. Auf einer neuen Homepage zum Zukunftsprozess sind unter www.zukunft-muenster.de  mit Start der Veranstaltung alle zehn Themen dargestellt. Ideen und Impulse dazu können dann direkt auf der Seite hinterlassen werden und finden so Eingang in den weiteren Prozess.

Historikertag: Wolfgang Schäuble sieht zunehmende Spaltung der Gesellschaft

September 25, 2018

Münster, 25. September 2018 (exc) Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble sieht die deutsche Gesellschaft zunehmend in „ängstliche“ und in „selbstbewusste“ Gruppen gespalten. Die einen begegneten der global vernetzten Welt „rückwärtsgewandt“, die anderen „zukunftsoffen“, sagte er am Dienstagabend zur Eröffnung des 52. Deutschen Historikertags an der Universität Münster, der sich bis Freitag mit dem Thema „Gespaltene Gesellschaften“ befasst. Der soziale Zusammenhalt sei vielerorts in Gefahr, so der Politiker. Es gelte, „den unausweichlichen Wandel für alle erträglich zu gestalten, die Sorgen ernst zu nehmen und Zutrauen in die Zukunft zu vermitteln.“ Die Zersplitterung der Öffentlichkeit, auch in sozialen Medien, sei eine Herausforderung für die Demokratie. Die Debatten würden rigider als früher geführt und „zunehmend unversöhnlich – bis zur Gewalt auf der Straße. Da gilt es den Anfängen zu wehren.“

Die Eröffnungsredner des Historikertags.

Von links: Ulrich Bongertmann, Vorsitzender des Verbandes der Geschichtslehrer Deutschlands (VGD), Khadija Arib, Vorsitzende der Zweiten Kammer des niederländischen Parlaments, Bundestagspräsident Dr. Wolfgang Schäuble, Prof. Dr. Eva Schlotheuber, Vorsitzende des Verbandes der Historiker und Historikerinnen Deutschlands (VHD), WWU-Rektor Prof. Dr. Johannes Wessels (verdeckt), NRW-Ministerpräsident Armin Laschet, Schirmherr des Historikertags (Foto: Thorsten Marquardt).

Der Geschichtswissenschaft kommt nach den Worten von Schäuble eine bedeutende Rolle zu: „In derart aufgewühlten Zeiten kann der Blick in die Geschichte helfen – nicht als nostalgischer Rückzugsraum, sondern um die aktuellen Entwicklungen in größere historische Linien einzuordnen und besser zu verstehen.“ So lasse sich heute auch „unnötigen Dramatisierungen“ entgegenwirken. Die Geschichtswissenschaft selbst sehe sich einem Populismus ausgesetzt, der wissenschaftliche Erkenntnis in Frage stelle. Umso mehr sollten Historiker die eigene Expertise auch außerhalb von Fachkreisen verständlich vermitteln. „Selbstreflexiv, kritisch und als Widerhaken in Komfortzonen, in denen wir uns als erinnernde Gesellschaft eingerichtet haben.“

Zur Eröffnungsfeier kamen rund 800 Gäste aus Wissenschaft, Politik und Gesellschaft. Es sprachen auch der Schirmherr des Historikertags, NRW-Ministerpräsident Armin Laschet, sowie Schäubles niederländische Amtskollegin Khadija Arib, Vorsitzende der Zweiten Parlamentskammer, und der Vorsitzende des Geschichtslehrer-Verbands (VGD), Ulrich Bongertmann. Auf den Festakt folgte ein Empfang des NRW-Ministerpräsidenten im Schloss. Die Niederlande sind in diesem Jahr Partnerland des Historikertages. Auf dem größten geisteswissenschaftlichen Kongress Europas befassen sich rund 3.500 Forscher aus dem In- und Ausland in gut 90 Sektionen mit Forschungen zu gesellschaftlichen Spaltungen.

„Historische Kenntnis schult Kritikfähigkeit, Toleranz, Dialogbereitschaft“

Die Vorsitzende des Verbandes der Historiker und Historikerinnen Deutschlands (VHD), Prof. Dr. Eva Schlotheuber, hob die „bedrückende Aktualität“ hervor, die das Kongress-Thema „Gespaltene Gesellschaften“ in den vergangenen Wochen erhalten habe. „Zwar erscheint im historischen Vergleich, etwa zu früheren Standesgesellschaften oder der Weimarer Republik, unsere heutige Gesellschaft eher gut integriert und konsensfähig.“ Im Zuge der Globalisierung und Digitalisierung hätten sich die Rahmenbedingungen aber enorm gewandelt. „Die Stimmenvielfalt ist durch die sozialen Medien hörbarer.“ Das werde oft als Fragmentierung beschrieben. Eher komme es aber zu einer „Verdichtung: Wir hören und wissen mehr, direkter und schneller voneinander.“ Angesichts der heute engeren Beziehungen im Internet bedürfe es neuer Umgangsregeln. „Die Größe oder Tiefe des Dissenses macht also nicht den Unterschied, sondern die Wahrnehmbarkeit und der Umgang damit.“ Schlotheuber: „Es ist wichtig, dass sich Historikerinnen und Historiker öffentlich zu Wort melden. Historische Kenntnis schult Kritikfähigkeit, Toleranz und Dialogbereitschaft.“

Historikertag über „Gespaltene Gesellschaften“

September 25, 2018

Frankfurt/Münster, 25. September 2018 (vhd) In der Zeit vom 25. bis 28. September 2018 findet an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (WWU) der 52. Deutsche Historikertag unter dem Motto „Gespaltene Gesellschaften“ statt. Heute abend wurde der Historikertag feierlich eröffnet. Mehr als 3500 Besucher werden erwartet. 500 Referenten aus dem In- und Ausland tauschen sich in über 100 Sektionen zu aktuellen Forschungsthemen aus. Partnerland des diesjährigen Historikertages sind die Niederlande.

In allen Gesellschaften in Gegenwart und Geschichte sind Schichtungen, Teilungen oder auch Spaltungen durchaus üblich. Die Stimmenvielfalt ist natürlich umso hörbarer, je mehr gesellschaftliche Gruppen sich wie heute an dem politischen Willensprozess beteiligen. Historiker und Historikerinnen aus dem In- und Ausland werden auf dem Historikertag in Münster die langen und oftmals mühsamen Prozesse aufzeigen und diskutieren, in denen von der Antike bis zur Gegenwart immer neue Herausforderungen bewältigt werden mussten. „Die Geschichte kann und soll neue Verständnishorizonte eröffnen, Entwicklungen kritisch hinterfragen und erklären. Auf diese Weise entsteht ein gemeinsamer Erfahrungsraum, unser kulturelles Gedächtnis. Es ist letztlich dieser Erfahrungsraum, der unsere Bewertungsmuster, Ziele und Visionen für die Zukunft formt“, so die Vorsitzende des Verbandes der Historiker und  Historikerinnen Deutschlands (VHD), Prof. Dr. Eva Schlotheuber.

In über 100 wissenschaftlichen Sektionen wird die historische Perspektive auf „gesellschaftliche Spaltungen“ aus unterschiedlichen Forschungsblickwinkeln und bezogen auf alle Epochen eingenommen. Die aktuelle Relevanz des Mottos wird in einigen Veranstaltungen unmittelbar erkennbar. Um etwa der Frage nachzugehen, wie Historikerinnen und Historiker auf Rechtsextremismus, Demokratieverachtung, Fremdenfeindlichkeit und Verrohung reagieren können, veranstaltet der VHD eine Podiumsdiskussion mit dem Titel „Bedeutet die neue Rechte eine Gefahr für die Demokratie?“. Sie findet statt am Mittwoch, dem 26. September 2018, von 13:30 Uhr bis 14:30 Uhr im Juridicum Raum 4. Inhaltlich anschließend wird in einer zusätzlichen Sektion unter dem Titel „Die Komfortzone verlassen? Zur politischen Relevanz von Geschichtswissenschaft heute“ diskutiert, wie sich unsere Einsichten in die historische Dimension gegenwärtiger Probleme und Gestaltungsaufgaben überhaupt für politische Debatten und Entscheidungen fruchtbar machen lassen.  Diese Veranstaltung ist öffentlich und nicht nur für angemeldete Teilnehmer zugänglich. Sie findet am Mittwoch, dem 26. September 2018, um 18:30 Uhr im Juridicum Raum 1 statt.

Partnerland des 52. Deutschen Historikertages ist unser Nachbar die Niederlande. Die Verbindung Münsters zu den Niederlanden sei traditionell eng, wie Prof. Dr. Peter Funke, Sprecher des Ortskomitees des Historikertages Münster betont. Nicht nur, dass mit dem „Friede von Münster“ 1648 die Geburt der Niederlande einherging, es existieren seitdem vielfältige kulturelle und wissenschaftliche Beziehungen, die weiter vertieft werden sollen. In einer gemeinsamen Veranstaltung des VHD mit seinem Partnerverband, der Koninklijk Nederlands Historisch Genootschap (KNHG) zum Westfälischen Frieden 1648/2018 wird nach dessen Wirkmächtigkeit bis heute gefragt. Die Podiumsdiskussion findet am Donnerstag, dem 27. September 2018, von 9 Uhr bis 11 Uhr im Juridicum Raum 4 statt.

Weitere Programmpunkte

Neben den wissenschaftlichen Sektionen bietet der Historikertag im LWL Museum für Kunst und Kultur weitere Foren für die Digitale Geschichtswissenschaft, für Schülerinnen und Schüler sowie Lehrerinnen und Lehrer. Erstmals wird es auf dem Historikertag ein Nachwuchsforum geben. Hier können sich Nachwuchsforscherinnen und -forscher über Berufs- und Karriereplanungen informieren und sich vernetzen. Die schon bewährte Posterausstellung laufender Promotionsprojekte findet dort ebenfalls ihren Platz. Universitäre und außeruniversitäre Einrichtungen stellen sich im Forum „Geschichte vor Ort. Forschung und Beruf in Westfalen“ vor. Darüber hinaus informiert eine große Verlags- und Fachausstellung über aktuelle Programme und Vorhaben aus Wissenschaft, Kultur und Bildung.

Ein vielfältiges Begleitprogramm in Münster und Umgebung öffnet den Historikertag in die Stadt hinein. Das gesamte Programm ist unter www.historikertag.de abrufbar.

Jugend im Gleichschritt – Ausstellung über HJ

August 23, 2018
Kinder in HJ-Uniform

Diese Postkarte von Berta Hummel mit zwei Kindern in HJ-Uniform (Foto) trägt den Schriftzug „Lieb Vaterland, magst ruhig sein!“. Foto: Stadt Münster

Münster (SMS) Die offizielle Gründung der Hitlerjugend erfolgte am 4. Juli 1926 beim zweiten Parteitag der NSDAP in Weimar. Bereits 1922 hatte es einen Vorläufer gegeben, den „Jugendbund der NSDAP“, der allerdings verboten worden war. In den Jahren von 1926 bis 1933 hatte die Jugendorganisation nur eine begrenzte Anzahl von Mitgliedern, was sich durch die Machtübernahme der Nationalsozialisten im Januar 1933 änderte. In der  NS-Diktatur war die Hitlerjugend eine der zentralen Organisationen zur Prägung nachfolgender Generationen im Sinne des Regimes. Im Stadtmuseum wird ab dem 30. August eine Ausstellung zur Hitlerjugend gezeigt. Die Präsentation „Jugend im Gleichschritt!? Die Hitlerjugend zwischen Anspruch und Wirklichkeit“ ist eine Wanderausstellung des NS-Dokumentationszentrums der Stadt Köln. Sie wird durch münsterbezogene Exponate erweitert.

Liberale und der 20. Juli 1944

Juli 20, 2018
Graf Stauffenberg

Graf Stauffenberg Pop-Art – Design: Burkhard von Grafenstein, Frank von Grafenstein

Warum dürfen sich auch Liberale auf den 20. Juli 1944 beziehen? Die Widerstandskreise, die hinter dem Hitlerattentat des 20. Juli 1944 standen, weisen nicht nur Bezüge zum Christentum,  einem patriotischen Konservatismus und zur Sozialdemokratie, sondern auch zum Liberalismus auf.
Wortwörtlich wurden sie von Nationalsozialisten als „liberal“ gekennzeichnet:

„Das Bekenntnis zur Schuld kam aus einer ethischen Haltung, die die Stauffenbergs und ihre Freunde über die Masse der Mitläufer in allen Schichten der Gesellschaft weit heraushob. Empört stellte einer die Untersuchung gegen die Erhebung führenden Beamten der Geheimen Staatspolizei nach Monaten eingehender Verhöre fest:

‚Die ganz innere Fremdheit, die die Männer des reaktionären Verschwörerkreises gegenüber den Ideen des Nationalsozialismus kennzeichnete, kommt vor allem in der Stellung zur Judenfrage zum Ausdruck. Die Erlebnisse der Jahre [vor] 1933 und die auf ein breites Tatsachenmaterial gestützte Aufklärungsarbeit der NSDAP über die Judenfrage ist an diesem Kreis von Personen spürlos vorübergegangen. Trotz aller bitteren Erfahrungen, die das deutsche Volk und wahrscheinlich auch sie selbst bis 1933 haben machen müssen, stehen sie stur auf dem Standpunkt des liberalen Denkens, das den Juden grundsätzlich die gleiche Stellung zuerkennen will wie jedem Deutschen.‘

Die Aussagen von Berthold und Alexander Graf Stauffenberg gegenüber ihren Vernehmern belegen diese allgemeine Feststellung auch im Einzellfall.“

(Peter Hoffmann: Clauf Schenk Graf von Stauffenberg und seine Brüder, Stuttgart 1993, S. 11. Hervorhebg v. mir)

Die Opposition gegen Hitler kennzeichnete sich auch selbst als liberal:

Helmuth James Graf von Moltke berief sich bei seinen Kontaktversuchen zu den Engländern „in Istanbul auf ungenannte Personen in hohen und militärischen und zivilen Stellen, sowie andere >liberale< Elemente und Arbeitervertreter“ (S. 357).

Die Zielsetzung der Fronde des 20. Juli weist mit der Wiederherstellung der von Hitler außer Kraft gesetzten Grundrechte der Weimarer Verfassung unverkennbar liberale Gehalte auf (S. 343). Die „Regierungserklärung“, die unter Mitarbeit Stauffenbergs entstand, erkennbar aber vom wirtschaftliberalen Nationalkonservativen Carl Goerdeler geprägt war, umfasste:

Wiederherstellung des Rechts; Wiederherstellung der Moral; Kampf gegen die Lüge der Propaganda; Wiederherstellung der Freiheit des Geistes, des Gewisssens, des Glaubens und der Meinung; Erneuerung der Erziehung und Bildung der Jugend auf christlich-religiöser Grundlage bei äußerster Duldsamkeit gegenüber Andersgläubigen,…,eine neue Verfassung, grundsätzliche Freiheit der Wirtschaft; ausgleichende Sozialpolitik; … Zur Wiederherstellung des Rechts gehörten Rechtsgleichheit, …die Bestrafung rechtsbrecherischer Richter, die Sicherheit der Person und des Eigentums, die Auflösung der Konzentrationslager, die Festsetzung einer Verfassung mit Zustimmung des Volks und der Frontsoldaten… Die Judenverfolgung, ‚die sich in den unmenschlichsten und unbarmherzigsten, tief beschämenden und gar nicht wiedergutzumachenden Formen vollzogen hat‘, werde sofort eingestellt. Die Androhung, alle Rechtsbrecher werden der verdienten Strafe zugeführt, gilt natürlich auch für die hier Schuldigen.“

(S. 346 f., Hervorhebg v. mir)

Mit Karl Schenk Graf Stauffenberg engagiert sich heute ein Nachfahre (Enkel) von Claus Schenk Graf von Stauffenberg in der FDP in Bayern.