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Wewelsburg: Ausflug zur „Schwarzen Sonne“

Juni 13, 2018
Hier versammelte sich die SS.

Der Nordturm der Wewelsburg beherbergt die „Gruft“ und den „Obergruppenführersaal“.

Die Wewelsburg im Paderborner Land hat eine wechselvolle Vergangenheit hinter sich. Errichtet von den Fürstbischöfen von Paderborn 1605 bis 1609 im Stil der Renaissance als Nebenresidenz und genutzt inbesondere als Jagdschloss, erlangte sie gewisse Berühmtheit, nachdem drei Jahrhunderte später Heinrich Himmer diesen ungewöhnlichen burgartigen Dreiecks-Schlossbau als Zentrum seines künftigen SS-Imperiums auserkoren hatte und entsprechend umbauen ließ. Vor allem den Putz ließ er abschlagen, um sie abweisender wirken zu lassen, was sie bis heute unschön aussehen lässt. Heute ist die Wewelsburg (wieder) Jugendherberge, Gedenkstätte und Sitz eines regionalgeschichtlichen Museums über das Hochstift Paderborn, mit einem kunterbunten Sammelsurium von wirtschafts-, sozial- und kriminalgeschichtlichen Exponaten, von denen einige durchaus länger im Gedächtnis haften bleiben. Von der einstigen Innenarchitektur der Schlossburg kann man sich beim Museumsrundgang allerdings wenig Eindruck verschaffen, auch über die Geschichte des Schlosses vor der SS-Inbesitznahme erfährt man nicht so viel.

Eine eigene große Museumsabteilung des Kreismuseums widmet sich monothematisch „Ideologie und Terror der SS“, und klärt über das Wirken und Nachwirkung der SS allgemein und vor Ort auf. Der Eintritt ist hier im Gegensatz zum Hochstiftmusem frei, sodass nicht gesagt werden kann, hier würde mit den Nazis Kasse gemacht. Im Rahmen dieser Daueraustellung, die im ehemaligen Wachgebäude der SS untergebracht ist, gelangt man auch über die so genannte „Gruft“ zur Hauptattraktion der Wewelsburg, dem „Obergruppenführersaal“ mit der durch einen Roman der 90er Jahre  als „Schwarze Sonne“ bekannt gewordenen Sonnenrad-Fußbodenornamentik, die heute schamvoll teilweise von Sitzsäcken für Besucher bedeckt ist.  Das Fotografieren ist hier wie im ganzen Museum verboten. Von den Fenstern hat man den Ausblick der Fürstbischöfe und SS-Generäle in die ostwestfälische Landschaft.

Im Museum ist bekannt, dass die Attraktionen der Wewelsburg stark von Rechtsradikalen frequentiert werden, die üblicherweise aber die Auseinandersetzung mit der KZ-Vergangenheit des Ortes meiden, was dort auch möglich wäre. Vor mir standen in der Tat zwei junge Burschen an der Museumskasse, die sich erst ihre Runen-Tattoos abkleben mussten, ehe sie ins Museum gelassen wurden, das übrige Besucherpublikum wirkte unverdächtig. Auch diese Austellung kann nicht jedes Geheimnis der SS lüften, ein sehr gutes Bild, was die SS konkret in der Wewelsburg eigentlich getrieben hat, verschafft die Ausstellung auch nicht, wahrscheinlich weil vieles Stückwerk und Planung geblieben war.

Aktuell kann im Museum auch eine humorige Sonderausstellung über Bierkultur im Paderborner Land und darüber hinaus besucht werden. Das zeigt nochmal schlaglichtartig, dass sich der Ort auch museal nicht gänzlich von der düsteren Vergangenheit unter dem SS-Totenkopf überschatten lassen will, die medial eine so große Rolle spielt.

Vor der Wewelsburg

Das Renaissance-Schloss ist weithin sichtbar.