Archive for August 2011

On Paradise

August 29, 2011

„If there were in the world today any large number of people who desired their own happiness more than they desired the unhappiness of others, we could have paradise in a few years.“ – Bertrand Russel

„Turnier der Sieger“ und Montgolfiade in Münster

August 26, 2011

Gleich zwei sportliche Großereignisse gibt es an diesem Wochenende in Münster. Bei der alljährlichen Montgolfiade gehen immer morgens und abends auf dem Startplatz am Aassee die Ballonfahrer in die Luft. http://www.muenster-montgolfiade.de/

Hier Bilder von den Startvorbereitungen am ersten Tag der Montgolfiade:

Montgolfiade Münster

Das ebenfalls alljährliche „Turnier der Sieger“ lässt die Herzen von Pferdefreunden höher schlagen. Auf dem Hindenburgplatz können Passanten auch ohne Eintrittskarte das Abreiten besichtigen. http://www.turnierdersieger.de/

Hier Bilder vom Abreiten und dem ersten Turniertag:

Turnier der Sieger

Counterjihad: Die kaltblütigen Anschläge von Norwegen – Ansätze eines politischen Täterprofils.

August 9, 2011

Die schrecklichen Taten in Norwegen wurden den erste Berichten zufolge seit neun (nach anderer Version sechs) Jahren vorweggedacht und vorbereitet. Dann die Idee, gleichzeitig an mehreren Orten zuzuschlagen. Eine nachahmende Reaktion auf 9/11, würde ich sagen, ein schrecklicher Spätzünder – aus der anderen Richtung. Die schriftlichen Hinterlassenschaften des verantwortlichen nationalistischen Fanatikers Anders Breivik, eine Mischung aus Manifest, politischen Analysen und Terrorfibel für den extremistischen Jedermann, lassen es zu, die Überlegungen und Vorgehensweise des Täters und möglicher Folgeattentäter auch in politischer Hinsicht genau zu analysieren. Dies ist erforderlich, denn dieser konservativ-revolutionäre Terrorist will in außerordentlicher Weise die Nachahmung seiner Tat herbeiführen und eine europaweite Guerilla-Bewegung initiieren. Der Ein-Mann-„Putschist“ Breivik schrieb:

„The Muslim showed us that deadly shock attacks are the only tool we have at the moment which will guarantee that our voice is heard.“

Kühle Überlegung ist die Selbstisolation und das Handeln auf eigene Faust, die ihn unter dem Radarschirm der Sicherheitsbehörden hindurchgehen ließen. Überlegt ist auch der Auftritt des Attentäters in Polizeiuniform, dabei geht es insbesondere um Ausnutzung des Vertrauens, das Polizisten genießen, und die Möglichkeit, unbeanstandet Waffen führen zu können. Verwirrung und Chaos wird außerdem gesteigert, wenn der Terror von der Staatsmacht auszugehen scheint. Ein aus der Geschichte bekanntes Vorgehen von Partisanen und Sonderkommandos, der Verbrecher in Polizeiuniform getarnt ist auch eine Idee, die in Filmen schon oft durchgespielt wurde. Vielleicht soll sie auch die Anmaßung des Hochverräters zum Ausdruck bringen, eine legitime Ordnungsmacht zu sein. Kaltblütig überlegtes Angriffsziel: Die gegenwärtige norwegische sozialdemokratische Regierung und die sozialdemokratische Politikgeneration der Zukunft, um ein Zeichen gegen Islamisierung und multikulturelle Gesellschaft zu setzen und einen europäischen Bürgerkrieg zu entfachen. Die Hauptfront unserer Zeit sieht Breivik zwischen Nationalisten und linken und liberalen Internationalisten. Diese sind auch das primäre Angriffsziel, welches er so breit streut, dass die Behörden kaum spezifische Maßnahmen gegen Nachahmer treffen können. Die europäischen Muslime sollen als Ergebnis des Sturzes der Internationalisten deportiert werden, die Demokratie in den europäischen Staaten jeweils unter die Aufsicht einer nationalistischen Junta gestellt werden. Die von Breivik angesonnene Vertreibung würde selbst die Vertreibung der Deutschen aus Ostmitteleuropa nach dem 2. Weltkrieg in den Ausmaßen weit überbieten und die europäischen Zentren weithin entvölkern.

Breivik ordnet sich als Militanter und politischer Hardliner einer nochmals erneuerten Neuen Rechten zu, die er wie folgt beschreibt:

„pro-free-market, within a greater European block …, pro Jewish, anti-Islamisation, anti-multiculturalist, anti-racist.“

Breivik Antifeminismus und sein Bekenntnis zum Christentum fehlt in dieser Aufzählung. Man kann ihn nicht als Fundamentalisten bezeichnen. Er klammert sich nicht ans Bibelwort. Er ist in vielerlei Hinsicht als (barbarischer) Kulturkämpfer einzuordnen. Der bei Breivik verschiedentlich bemerkte weltanschauliche Synkretismus, der sich bei unterschiedlichen Philosophen und religiösen Vorbildern bedient, ist ein häufiges Phänomen in der westlichen Gesellschaft.

Die Auslösung eines Kriegs durch Anschläge konnte Breivik an 9/11 studieren, 10 Jahre später hat er nun zugeschlagen, in die Finanz- und Wirtschaftskrise hinein. Jetzt ist die Frage, ob Norwegen seine liberale Demokratie aufgibt und sich der wehrhaften Demokratie Deutschlands annähert und welches Ausmaß die Reaktionen europaweit annehmen werden, ob das Massaker von Utoya das Fukushima der islamfeindlichen Rechten wird. Denn auf der Suche nach Schuldigen werden jetzt die Rechtspopulisten und Islamkritiker auch in Deutschland für die Tat verantwortlich gemacht, auch wenn Sie im Einzelfall in keinem kausalen Zusammenhang zu Breiviks Aktivität gebracht werden können. Die schnell erfolgten verschiedenen Versuche der Instrumentalisierung der Tat (u.a. werden angebliche Homosexualität, das Aufwachsen in gestörter Familienordnung oder das ominöse Internet  als Ursache angeführt) sind ungeheuerlich, lassen jeglichen Anstands-Abstand vermissen, aber so ist das im Kampf um die Deutungshoheit. Verständlich sind die Rufe nach verbaler Abrüstung und die  Distanzierungsbemühungen aller möglichen Gruppen, die von Breivik nicht mit ins Verderben gerissen werden wollen. Mit seinem perversen Teenagermord als Mittel des Terrors den Hass auf die europäische Rechte überschäumen zu lassen, liegt möglicherweise im Eskalationskalkül des Anders B., denn deren politische Bemühungen hält er sowie für sinnlos, seitdem er sich vor langer Zeit aus der rechten norwegischen Fortschrittspartei verabschiedete. Ökonomische Misserfolge dürften zum Radikalisierungsschub beigetragen haben.

Die spezifische Situation in Norwegen verhält sich in etwa so: Es gibt dort aus Liberalität gewährte Nischen auch für Rechtsradikalismus, wobei es nebem heidnisch-germanischem Neonazismus auch einen mit dem Christentum verwobenen Nationalismus gibt, bei gleichzeitiger weitgehender Aussichtslosigkeit für das bürgerliche Spektrum, die fast ununterbrochen regierenden Sozialdemokraten auf friedlichem Wege von der Regierung abzulösen. Norwegen ist das Utopia und ölfinanzierte Versuchslabor der europäischen Sozialdemokratie und trotz hoher Lebensqualität in einiger Hinsicht ein Alptraum für das konservative Bürgertum, das sich in Geheimgesellschaften zurückzieht. Die von Anders B. geäußerte nationalistische Angstrhetorik, sein Volk könnte Opfer eines mehr oder weniger eng zu verstehenden Genozids durch Muslime und Internationalisten werden, könnt in einem so kleinen Land auch eher verfangen. Mit dem Gemetzel mag Anders B. auch politische Ohnmacht usw. kompensiert haben, Psychiatrisierungsversuche mit Mitteln der Ferndiagnose scheinen aber bisher nicht weit zu kommen. Der scheinbare Amoklauf fügt sich in die von diesem Terroristen vertretene Ratten-Strategie in Form von Ketten-Anschlägen low targets anzugreifen.

In politologischer Hinsicht ist Breivik ein Extremist: Breivik  erkennt die herrschende Staatsordnung nicht an, seine Ansichten und Ziele werden von der Mehrheitsbevölkerung seiner Herkunftsgesellschaft nicht geteilt, seine Methode verabscheut. Breivik geht es nicht um Hass auf Jugendliche, er will als Mittel der psychologischen Kriegsführung neue Bildwelten des Horrors erzeugen und benennt hierfür historische Vorbilder aus den Türkenkriegen. Die Tat ist außerdem Ausdruck der völlig verschobenen Wertmaßstäbe im modernen Terrorismus. Der blockierte Diplomatensohn Anders Breivik ist der erste Terrorunternehmer aus verkrachter Mittelschicht, der Leben, Fähigkeiten und – wie auch immer generiertes-  Kapital für destruktive Zwecke einsetzt und der Öffentlichkeit und Nachahmern seine Kosten vorrechnet. Im Internet geboren wurde er nicht, aber er agierte gekonnt in ihm und nutzt es durch seine Schrift immer noch.

Die Anschläge vom 11. September ließen die Absatzzahlen des Koran weltweit ansteigen. So ist es auch Anders Breivik gelungen, die Aufmerksamkeit auf seine Ideologie und seine Weltsicht zu lenken. Mit seiner Schrift und Selbstinszenierung will er Nachahmer motivieren und anleiten. Juristisch interessant ist, dass man in Norwegen überlegt, Breivik einen Kombattantenstatus im selbsterklärten Bürgerkrieg zuzubilligen, sodass man ihn wegen Kriegsverbrechen gegen die Menschlichkeit verurteilen und möglichst lange einsperren kann. Der RAF, ein weiteres Vorbild für Breivik, ist dieser Kombattantenstatus von der deutschen Justiz seinerzeit gerade verweigert worden. Wie der RAF-Terrorismus wird auch diese neue Form von Rechtsterrorismus die Realität eher noch an die totalitären Zustände annähern, die von diesen extremistischen Gruppen als bereits existent imaginiert werden.

Opfergedenken in Münster

Opfergedenken in Münster

Münster: Sommerparty der FDP mit Philipp Rösler, der Vertrauen zurückgewinnen will

August 6, 2011
Rösler
RöslerRösler

Bei Brezeln und Prosecco ludt die FDP in Münster zu ihrer Sommerparty in die Münsteraner Arkaden ein. Prominenter Gast und Redner war Philipp Rösler, Vizekanzler, Parteivorsitzender und Bundeswirtschaftsminister. Rösler skizzierte die großen Linien der Bundespolitik, er ging auf die Enttäuschung einstiger Wähler ein und erklärte, das Vertrauen zurückgewinnen zu wollen.

Die FDP stehe nach wie vor für ökonomische Kompetenz.  In der Energieversorung müsse der Ruf der Bevölkerung nach technischer Sicherheit, Verfügbarkeit und Bezahlbarkeit berücksichtigt werden. Fukushima stehe für eine neue Dimension atomarer Unglücke, da hier technisches, nicht menschliches Versagen verantwortlich sei, was die Abkehr von der Atomenergie rechtfertige. Nun müsse man nicht nur auf erneuerbare Energien, sondern auch auf fossile Brennstoffe wie Erdgas setzen. Er kehre gerade von diesbezüglichen Verhandlungen in Norwegen zurück. Die Reaktion der liberalen Norweger auf die jüngsten Terroranschläge sei vorbildlich, die Verschärfung von Gesetzen und weitere Einschränkungen der Freiheit seien nicht richtig. Die Bundesregierung versuche mit dem Terrorismusbekämpfungsgesetz eine gute Balance  zwischen Sicherheit und Freiheit zu finden. Zur Bildungspolitik vertritt Rösler einen eher konservativen Standpunkt, wetterte gegen 68er-Kuschelpädogogik und forderte die Vermittlung von Kernkompetenzen im Lesen, Schreiben und Rechnen ein.

Rösler verteidigte die Maßnahmen zur Rettung des Euro, da Deutschland als Exporteur in EU-Länder einen starken Euro brauche. Auch die Wettbewerbsfähigkeit anderer Länder wie Griechenland müsse im Eigeninteresse gefördert werden. Die Forderung der FDP nach Steuersenkungen solle einen Anreiz für die Leistungsträger bieten, das Wachstum weiter zu befeuern.

Rösler glaubt, dass sich die Menschen bei der Wahlentscheidung nicht nach Parteiprogrammen richten, sondern sich an den Politiker-Persönlichkeiten der Parteien orientierten, diese müssten authentisch, sympathisch und kompetent sein.

Für den Kreisvorsitzenden der FDP Münster, Jörg Wischinski, der 32 wurde, war diese politische Veranstaltung zugleich sein Geburtstagsfest. Wischinski umriss die Situation vor Ort und erklärte, für das derzeitige kommunale Unterhaltungsprogramm aus „Hindenburg-Pädagogik“ und Veggie-Day sei die FDP nicht verantwortlich.

6. August 2011