Archive for the ‘Kino’ Category

„In geheimnisvoller Mission“ in Bochum

Februar 14, 2019
Bonds Hubschrauber Little Nellie

Der Ein-Mann-Hubschrauber Little Nellie aus „Man lebt nur zweimal“ (1967). Foto: Grafenstein

In Bochum ist noch bis 31. März die Ausstellung „In geheimer Mission – Der Spion, der aus Wattenscheid kam“ über die James-Bond-Filme zu sehen. Diese präsentiert Devotionalien und Requisiten aus der Sammlung des Filmjournalisten Dr. Siegfried Tesche. Höhepunkte der Ausstellung sind Bond-Autos, eine Düsenrucksack und Little Nellie, der schlagkräftige Mini-Hubschrauber aus „Man lebt nur zweimal“. Darum gruppieren sich jede Filmplakate und Kostüme aus den Filmen, an den Ausstellungswänden kann man sich über die Filmhandlungen und das Leben der verschiedenen Bonddarsteller informieren, vor allem Sean Connery  und Roger Moore sind hier zu nennen. Man erfährt auch einiges über die kommerzielle Ausschlachtung der Bond-Filme durch Spielzeugproduzenten und andere Konsumgüterhersteller. Hintergrund des Ausstellungstitels ist, dass einer autorisierten Bond-Biografie John Pearson zufolge der von Ian Fleming erschaffene Film-Agent 1920 in Wattenscheid, heute ein Teil Bochums, geboren worden sein soll.

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Ein Sunbeam Alpine Serie II – Das erste Bond-Auto. Foto: Grafenstein

Landesverrat, Homosexualität und Fritz Bauer

September 29, 2015

In Deutschland wird Vergangenheitsbewältigung und Antifaschismus gerne doppelt und dreifach verfilmt, damit auch kein Aspekt verloren geht und alle Generationen etwas davon haben. Es sind zwei Filme über Georg Elser im Abstand von 15 Jahren erschienen. Desweiteren erschienen 1982 zwei Filme über Sophie Scholl, gefolgt von einem dritten 2005. Über den 20. Juli liegen auch mehrere Produktionen vor.

Im letzten Jahr kam „Im Labyrinth des Schweigens“ heraus, in dem das Wirken des umstrittenen wie begabten Juristen Fritz Bauer und die Frankfurter Auschwitz-Prozesse thematisiert werden. Doch dabei bleibt es nicht, der Zufall wollte es so. Am Freitag gab es die Vorpremiere von „Der Staat gegen Fritz Bauer“ im Cinema Münster zu sehen, bei der der Regisseur Lars Kraume und der Hauptdarsteller Burghart Klaussner anwesend waren. Der durchaus überraschend humorvolle Film packt heiße Eisen an, nämlich ob der einstige hessische Generalstaatsanwalt Fritz Bauer Landesverrat beging, als er Erkenntnisse über Adolf Eichmann an den Mossad weitergab, außerdem wird die Homosexualität von Fritz Bauer und von Mitarbeitern zum Thema gemacht.

Beides wird im Wikipedia-Eintrag zu Fritz Bauer (Stand: 29.9.2015) übergangen, obwohl man meinen könnte, dass beides heute niemand mehr hinter dem Ofen hervorlockt. Schließlich ging es gegen Nazis, und da ist doch alles erlaubt, oder? Bauer aber wird schon gewusst haben, warum er seine Initiative im Fall Eichmann zu seinen Lebzeiten nicht publik machte, überhaupt misstraute er den deutschen Behörden zutiefst, nach Darstellung des Film zu Recht. Es ist in diesem Zusammenhang interessant, dass Bauer die Männer des 20. Juli im Remer-Prozess gegen den Vorwurf des Landesverrats verteidigt hatte.

Filmkritik: „Django Unchained“ entpuppt sich als Horror-Western, belebt von rächender Freiheitsliebe

Januar 18, 2013

Der neue Film von Quentin Tarantino, „Django Unchained“, ist nicht nur ein Nachklang des Italo-Western-Genres, sondern auch der Anfänge des modernen Horrorfilms. Der Film enthält neben dem offensichtlichen Rühren in der Spaghetti-Western-Schüssel einige Zitate aus dem Splatter-Klassiker  und Terrorfilm „Texas Chainsaw Massacre“ von Tobe Hooper:  Es gilt eine Horde degenerierter weißer Südstaaten-Landeier zu überwältigen, die Schwarzen werden an Haken in düsteren Bretterschuppen aufgehängt oder durch den Schlag mit Hämmern aus der Werkzeugkiste auf den Hinterkopf getötet, und vor dem Showdown gibt es ein gruseliges Abendessen im Herrenhaus mit Totenschädel am Esstisch.  Anders als in den Italowestern der 60er Jahre, die durchaus mit ihren Friedhofssequenzen ins Gruselgenre hinüberspielten, man denke auch an Djangos Sarg,  spritzen bei Tarantino wirklich viel Blut, Gedärme und Hautfetzen – die Umgeschossenen sterben bei weitem nicht so unkompliziert wie unter dem Maschinengewehrfeuer von Terence Hill oder Franco Nero, dem Tarantino einen Gastauftritt einräumt.

Neben dem für Tarantino-Filme typischen Motiv der Rache geht es um das in amerikanischen Filmen beliebte Motiv von Freiheit und Befreiung. Diesmal werden in einer Art Nachspielen des  amerikanischen Bürgerkriegs im Kleinen die Schwarzen aus der Sklaverei befreit und zwar in einem Gefecht, in dem Weiße wie Schwarze auf beiden Seiten des „Schützengrabens“  liegen, so wie es sich im amerikanischen Bürgerkrieg zutrug. Dabei macht der Film mit der Besetzung der Hauptrolle durch Jamie Foxx deutlich, wie sehr Schwarze im klassischen wie im europäischen Western zum Beiwerk degradiert worden waren, wenn sie denn überhaupt in Filmen dieses konservativen Genres auftreten durften. Da die weißen Sklavenaufseher von Tarantino so dümmlich dargestellt werden, stellt sich dabei die Frage, wie sie die Herrschaft der Plantagenbesitzer aufrechterhalten konnten. Im Film wird dies von Leonardo di Caprio als Sklavenhalter Calvin Candie mit der allzu großen Unterwürfigkeit der Schwarzen erklärt. Dies wie der fortgesetzte Gebrauch des N-Worts sorgte für peinliche Berührung und Auflachen im Publikum des Kinosaals.

Christoph Waltz spielt wieder einen Deutschen, aber diesmal keinen gewieften Nazi-Schurken wie in „Inglourious Basterds“, sondern einen humanistisch empfindenden Einwanderer aus dem schönen Düsseldorf am Rhein:  Dr. King Schultz kann sich zwar mit den rauen Sitten in den USA  hinsichtlich libertärer Selbstjustiz durch private Kopfgeldjäger anfreunden, nicht jedoch mit dem Schrecken, der mit der Sklaverei einhergeht.  Mit gesetzten Worten weiß Schultz nach jeder Schießerei die Wogen zu glätten, durch gegenüber der Sklavenpeinigern neigt er zu Kurzschlusshandlungen. Tarantino folgt mit dieser zerrissenen Figur wohl nicht nur irgendeiner Laune oder zufälligen Eingebung: Es ist historische Tatsache, dass sich Deutsch-Amerikaner in besonderem Maße für die Abschaffung der Sklaverei eingesetzt haben.  Reizvoll sind wie in fast allen Tarantinofilmen Dialoge und Musik, als Beitrag zur Vergangenheitsbewältigung sollte man „Django“ mit seinen sinnlosen Gewaltszenen wie schon die „Basterds“ nicht allzu ernst nehmen.

Filmkritik: „Hannah Arendt“ – Bewältigung der Vergangenheitsbewältigung

Januar 15, 2013

Zu den deutschen Filmen der Rubrik „Vergangenheitsbewältigung“ gehören  auch solche, die die Vergangenheitsbewältigung selbst wieder zum Thema machen.  Das ist dann die filmische Bewältigung der Bewältigung. Dazu gehört Michael Verhoevens Film „Das schreckliche Mädchen“, das vom Wühlen einer Schülerin in der NS-Vergangenheit in ihrer niederbayerischen Heimat  handelt.  Jetzt gehört dazu auch der Film „Hannah Arendt“ von Margarethe von Trotta, der von der Auseinandersetzung der Philosophin und Totalitarismus-Theoretikerin mit dem Eichmann-Prozess handelt.  In beiden Filmen werden weibliche Protagonisten der Vergangenheitsbewältigung als Helden und Vorbilder dargestellt, die mit der verbrecherisch-erbärmlichen männlichen Vergangenheit der  Vorväter abrechnen.

Um genau zu sein, muss man sagen, dass in Trottas Film die filmische Bewältigung der philosophischen Bewältigung der öffentlichen Bewältigung der philosophischen Bewältigung der juristischen Bewältigung der NS-Vergangenheit vorliegt. Denn der Film erfasst nicht die Gesamtbiographie Hannah Arendts, sondern konzentriert sich klug auf einen Höhepunkt ihres Lebens: auf ihre Reise nach Jerusalem, ihre Verfolgung des Prozesses gegen den Schreibtisch-Judendeportateur Adolf Eichmann, die Thesen von der Banalität des Bösen und ihre Verurteilung der  NS-Kollaboration der Judenräte, die sie anschließend veröffentlichte, die empörten Reaktion von Freunden und Öffentlichkeit auf diese Thesen,  gekrönt von der Verteidigung und Erläuterung ihrer umstrittenen Thesen,  um die Empörung der Öffentlichkeit abzuwehren.  Die Szenen spielen hauptsächlich im Emigranten- und Intellektuellen-Milieu um Arendt in den USA, zum kleineren Teil in Israel. Erwähnenswert ist hier Axel Milberg als Arendts zweiter Mann Heinrich Blücher, Exkommunist, der den advocatus diaboli für Eichmann spielt. In dieser Ehe ist man dem Prozess gegenüber überaus kritisch eingestellt, Freunde hingegen, teils jüdische Kriegsveteranen, sehnen den Prozess herbei und reagieren höchst emotional auf Arendts gedankliche Kälte und scheinbare Verharmlosung der Täter des Holocaust.

Von entscheidender Bedeutung sind diejenigen Akteure im Film, die Arendt vorwerfen, dem überzeugten Antisemiten und geschickt planenden und agierenden SS-Mann Adolf Eichmann auf den Leim gegangen zu sein.  Als ahnungs- und gedankenlose Befehlsempfänger und Rädchen im Getriebe versuchten sich viele Angehörige der Generation der NS-Täter darzustellen, um die Aussicht auf Integration in die neue Gesellschaftsordnung nach dem 2. Weltkrieg nicht zu verlieren, gesellschaftliche Akzeptanz  zu finden oder schlicht ihren Hals zu retten –  nach dem Motto, sie hätten doch damals nur gehorcht, sie würden auch unter den neuen Umständen zuverlässig funktionieren und niemandem in die Quere kommen. Dies  hat zu erheblichem Misstrauen gegenüber Bürokratie, Technokraten und Funktionsträgern bis heute beigetragen.  Bezüglich Eichmann lag Arendt, nach allem was heute über ihn bekannt ist, wohl falsch, jedoch führten ihre Überlegungen hinsichtlich des verhängnisvollen Wirkens der totalitären Staatsmaschinerie als solcher nicht ganz in die Irre. Viele Beteiligte am Holocaust aus dem Polizei- und Beamtenapparat hegten keine besonders feindseligen Gefühle gegenüber Juden und waren keine Nazis, gehörten weder der Partei, noch SS oder SA an. Diese Mitläufer hat etwa der Historiker Daniel Goldhagen in seinem aufsehenerregenden Buch über „Hitlers willige Vollstrecker“ erfasst, in dem es eigentlich um die Überzeugungstäter geht. Arendt war auch nicht die einzige Zeitzeugin, die Mittelmäßigkeit und Gedankenarmut an einem Repräsentanten des NS-Regimes wie am Faschismus überhaupt zu erfassen meinte.

Man kann eigentlich jedem, auch Regisseuren, nur abraten, eine derart indirekte Annäherung an ein Thema  – hier der Völkermord an den europäischen Juden – zu wählen. Man fragt sich, ob jeder Kinobesucher das nötige Vorwissen mitbringt, um der Handlung und den Dialogen überhaupt folgen zu können. Es ist grundsätzlich auch nicht gerade leicht und dankbar, Philosophie filmisch umzusetzen. Wo ist das Denken in diesen Bildern, im Rauch der Zigaretten, die Barbara Sukowa als Hannah Arendt  fortlaufend quarzen muss? Im Rauschen des Waldes, bevor Martin Heidegger oder der Mossad herannahen? Die Stimme aus dem Off wurde nicht eingesetzt, sodass es in diesem Dialog-Film oft recht ruhig zugeht. Margarethe von Trotta wollte zum Ende ihrer Karriere noch etwas sehr Anspruchsvolles leisten. Sie erwartet auch, wie sie gegenüber den Medien zum Besten gab,  dass die Bewältigung der NS-Vergangenheit uns noch 1000 Jahre beschäftigen werde. Größenwahn macht vor Regisseuren nicht gerade den größten Umweg.  Immerhin hat uns von Trotta gezeigt, dass der Shitstorm einst auf Briefpapier tobte, und damals noch viel geraucht werden durfte, als die Vergangenheitsbewältigung einen ihrer Höhepunkte erreichte. Es lohnt sich aber, Arendts auf Zeitungs-Reportagen basierende Veröffentlichung „Eichmann in Jerusalem: Ein Bericht von der Banalität des Bösen“ nachzulesen.

Neuer Kinofilm ist Ausdruck von Schwärmerei für Ludwig II.

Januar 2, 2013

Ludwig II., der bayerische Märchenkönig, hat schon immer Menschen fasziniert. Jetzt auch die Filmemacher Peter Sehr und Marie Noelle, die in ihm den Friedens- und Kulturförderer erkennen, worüber Sie als Kunstschaffende natürlich sehr erfreut sind. (Nachzulesen in diesem Interiew). Ob das Werben um Verständnis für den kauzigen König aber eine schönzeichnende Darstellung wie in diesem Film rechtfertigt, der sogar Schulklassen zum Besuch empfohlen wird? Der Film (wie auch dieser historische Abriss in der Internetpräsenz des Films) unterschlägt, dass Ludwig II. sein Schreiben, in dem der den preußischen König bittet, die Kaiserwürde anzunehmen, von Bismarck teuer bezahlen ließ. Die enormen Geldbeträge, die Preußen fließen ließ, benötigte Ludwig II. dringend zum Bau seiner aufwendigen Schlösser, die Bayern heute so reiche touristische Einnahmen bescheren.

Er setzte sich, anders als im Film suggeriert, dafür über die Landtagsmehrheit der bayerischen Patriotenpartei hinweg und schlug sich auf die Seite der propreußischen und liberalen Fortschrittspartei. Der Film unterschlägt desweiteren, dass Sophie in Bayern während ihres Verlöbnisses mit Ludwig II. schon früh ein heimliches Verhältnis mit Edgar Hanfstaengl, einem Kaufmann, unterhielt.  Immerhin enthält das Thema mit seinen Einblicken in die Lage der vom Wahnsinn heimgesuchten und politisch bedeutunglos werdenden Wittelsbacher  ja Zumutungen und Düsteres für das Publikum genug, sodass Aufnahmen von Schlösserpracht, Wagnermusik und sonnige Landschaftseinstellungen den Film aufhellen und abwechslungsreich machen. Die Umsetzung von Luchino Visconti ist ja schwere Kost mit Überlänge, nicht unbedingt für Schulklassen geeignet. Die zu den historischen Figuren gut passende Besetzung ist zum Teil aus der Verfilmung des Lebens des exzentrischen Rätsels Kaspar Hauser bekannt, mit Sabin Tambrea erscheint aber ein erfrischendes neues Gesicht in der Hauptrolle, das auch Sympathie für den jugendlichen Kultur-Enthusiasismus des Protagonisten zu wecken vermag.

Der Film regt zu historischer Erinnerung und Reflexion an: Was war nochmal die Emser Depesche? Gab es für den Deutschen Krieg ebenfalls so einen Anlass? Hätte Bayern im Krieg zwischen Preußen und Österreich nicht besser die militärische Abstinenz, wie Ludwig II. sie im Film vertritt, konsequent weiterverfolgen und sich neutral verhalten sollen, anstatt nicht auf der Höhe der Zeit ausgerüstete Truppen ins Verderben zu schicken? Oder hätte Bayern andersherum frühzeitig aufrüsten müssen, um die Hegemonie Preußens aufzuhalten? Vieles bleibt im Film oberflächlich, so etwa das Porträt Richard Wagners: Der Film hätte sich auf jüngeren Jahre Ludwig II. und die Konflikte um die deutsche Reichseinigung unter Preußen beschränken sollen, um mehr in die Tiefe gehen zu können. Die Investition in Kultur und Schlösser dürfen sich Bayern und Preußen gerne von Ludwig II. abschauen, deswegen empfehle ich den Kinobesuch uneingeschränkt. Das ist trotz mancher Kosten eine Investition in die Zukunft, auch wenn die unmittelbaren Vorteile nicht immer klar ersichtlich sind.

Was ist das Erfolgsgeheimnis von James Bond?

November 30, 2012

Als ich vor einiger Zeit den finanzkritischen Thriller „The International“ von Tom Tykwer sah, dessen Plot als Anlehnung an James-Bond-Abenteuer gilt, wurde mir klar, was ein Grundmuster und wohl auch ein Erfolgsgeheimnis der James-Bond-Geschichten darstellt: Die Bösen sind in der Mehrzahl der Fälle übergeschnappte, kriminell tätige Unternehmer, die die Welt zerstören, Staaten erpressen oder sich eine anti-soziale private Utopie erfüllen wollen. Dazu zählen etwa Drax mit seinem Raumfahrtkonzern oder der Großreeder Stromberg.

James Bond hingegen repräsentiert eigentlich den Typus des kleinen Angestellten mit Anzug, und zwar so, wie viele kleine Angestellte in Staat oder Wirtschaft gerne wären, wenn sie sich trauten. Zu den Phantasien des ein oder anderen Angestellten mag es gehören, dem Chef einmal eine Bombe unter den Schreibtisch zu schieben oder ihn sonstwie zur Rechenschaft zu ziehen. Auch diese möglicherweise tief in der kleinbürgerlichen Psyche schlummernde Sehnsucht darf der Mann mit der Lizenz zum Töten regelmäßig am Ende des Films bedienen. Nach der Überwindung des Alpha-Männchens realisiert Bond dann im Abspann noch weitere Träume des Durchschnittsmannes mit leichtbekleideten Frauen im Gummiboot.

Bond steht durch und durch auf der Seite des Staates. Die Handlanger seiner Feinde sind nicht ideologisch, sondern monetär motivierte Kriminellen- oder Spionage-Netzwerke. Die Sowjets sind kaum ernsthaftes Feindbild in den James-Bond-Abenteuern, obwohl sie doch in der Zeit, als die Filme anliefen, offizielle Widersacher des Westens waren. Oft kooperiert Bond sogar mit ihnen gegen die Gangster und Geschäftemacher, die oft von mehr oder weniger blonden deutschen Darstellern verkörpert werden (Curd Jürgens, Gert Fröbe). Darin dürfte sich nicht nur die Prägung Ian Flemings aus der 30 Commando Assault Unit, einer Kommandotruppe für Geheimdiensteinsätze im Zweiten Weltkrieg, niederschlagen: Das britische Publikum wurde in der Serie unterschwellig auch immer positiv an die letzten militärischen und politischen Großerfolge Britanniens vor dem Niedergang des Empires erinnert. Zugleich bekommen gewichtige Figuren, die an Akteure des deutschen Wirtschaftswunders erinnern, vom Agenten aus dem ökonomisch abgehängten United Kingdom doch noch eins ausgewischt. In der Folge „Goldeneye“ ist das Motiv des zu bekämpfenden Bösewichts sogar explizit ein Relikt des Zweiten Weltkriegs: Ein Sohn Lienzer Kosaken, die auf deutscher Seite kämpften, will sich an Großbritannien für die Auslieferung seiner Eltern an Stalins Exekutionskommandos rächen.

Der Darsteller Daniel Craig bricht mit diesen typologischen Zuordnungen, da er selbst blond und blauäugig ist. Die Auseinandersetzung mit den alten deutschen Erzfeinden scheint also Schnee von gestern zu sein. Die Folgen mit Daniel Craig greifen aber auch nicht direkt die aktuellen Konfrontationen Großbritanniens mit dem religiösen Terrorismus und die Auseinandersetzungen auf neuen Kriegsgebieten auf, sondern erzählen alte Fleming-Stoffe noch einmal neu. Konflikten zwischen ideologisch-politischen Kontrahenten geht die Reihe also weiter konsequent aus dem Weg, allein die Folterszenen und die terroristischen Anschläge in den Craig-Folgen haben einen aktuellen Bezug. Es bleiben als verbrecherisch dargestellte Unternehmer und Großkonzerne als Bösewichte vom Dienst, die sogar über die Einsetzung von Bananen-Regierungen bestimmen können, wie in den neueren Folgen gezeigt wird. Politisch korrekt erklärt M in „Skyfall“, dass (politisch oder kulturell nicht zugeordnete) „Individuen“, die „uns“ den Krieg erklärt hätten, die neuen Feinde seien.

„Skyfall“ gilt als neuer Höhepunkt britischen Patriotismus in der Reihe, da hier britische Flaggen das Bild dominieren, die geheimdienstlichen Gefechte auf den britischen Inseln selbst ausgetragen werden und der „Villain“ diesmal ein unpatriotischer abtrünniger Geheimdienstverräter ist, während in Zeiten des hochkochenden schottischen Separatismus Bonds schottische Herkunft herausgestellt und gar der Grabstein der Eltern Bonds auf dem schottischen Landsitz Skyfall in einer Einblendung zu sehen ist. Die Welt ist schlecht und die Staaten sind schwach. Daniel Craig verkörpert einen zunehmend schlecht gelaunten, machtlosen und alternd-angegriffenen James Bond, der in sehr qualvolle Situationen gerät oder sich in zermürbenden privaten Rachefeldzügen aufreibt. Kühle britische Selbstkontrolle stellt man sich manchmal anders vor. In den Strudel der Globalisierung war Bond, wie gezeigt, aber schon geraten, als die echten Geheimdienste noch im Kalten Krieg erfroren.

„Die Bielefeldverschwörung“ – Filmpremiere in einer Stadt, die es nicht gibt.

Juni 3, 2010

Gestern besuchte ich Bielefeld, die Stadt, die es einer Theorie nach nicht geben soll, die dafür aber sehr lebendig, modern, jugendlich und multikulturell ist. Der Film „Die Bielefeldverschwörung“ hatte Premiere. Der Andrang war in der Tat so gewaltig, dass alle Plätze ausverkauft waren. Glamour mit rotem Teppich gab es für die Macher des Studenten-Films, allen voran den Produzenten Fabio Magnifico (Bildmitte). Nach Eindrücken vom Trailer scheint der Film fantasievollen Trash-Regielegenden wie Ed Wood zur Ehre zu gereichen.

Nachdem die Prominenz, Macher und Besucher ins Kino geströmt waren, machte ich mit meiner Kamera noch den Einstieg zu meinem eigenen beschaulichen „Film“ im Café „Nichtschwimmer“ mit seinen bemerkenswerten Studententarifen und charmanten Bedienungen.

Hier ein paar Eindrücke von der Filmpremiere und der sommerlichen Abendstimmung in Bielefeld.