Archive for Juli 2012

Hammerschloss Röthenbach auf alten Bildern

Juli 28, 2012
Hammerschloss Röthenbach

Das Hammerschloss in Röthenbach. Fotografie und Postkarte. Aufnahme oben wohl 2. Hälfte 19. Jahrhundert, vor dem Umbau. Hinter dem Rundfenster rechts neben dem Eingang wurde Roheisen aus dem Hammerwerk gelagert. Das große Walmdach ist mit Fledermausgauben besetzt. Rechts schiebt sich die Brannweinbrennerei des Guts in Bild. Ganz links die Brauerei. Typisch für ein Hammerschloss befindet sich links vom Eingang die angebaute Schlosskapelle. Weitere Fotos und Besprechung hier:

Hammerschloss Röthenbach

Kommunale Raucherlokallizenzen als Ausgleich zwischen Nichtraucherschutz und Raucherbedürfnissen

Juli 26, 2012

In NRW ist gerade eine verschärftes Nichtraucherschutzgesetz auf den Weg gebracht worden, welches das Rauchen in Gaststätten restlos verbietet. Immer radikalere Gesetzesentwürfe drängen in die politische Arena, die auch vor den verschlossen Türen Privater und dem freien Himmel nicht mehr halt machen.

Nichtraucherschutzgesetze sind grundsätzlich freiheitsschützende Gesetzgebung im besten liberalen Sinn. Raucher üben physischen Zwang auf anwesende Nichtraucher aus, gesundheitschädigenden Rauch zu inhalieren. Sie verletzen auch gemäß libertärer Dogmatik Eigentumsrechte an Atemweg, Lunge und der vermuffenden Kleidung von Nichtrauchern. Verfassungsrechtlich geht es vor allem um das Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit der Nichtraucher, dem die allgemeine Handlungsfreiheit (Recht auf Selbstgefährdung) der Raucher und in der Gastronomie die Berufsfreiheit der Gastwirte gegenübersteht. Passivrauchen gilt als typischer negativer externer Effekt im Konsum. Vor dem Erlass von Nichtraucherschutzgesetzen gab es so gut wie keine Nichtraucherlokale. Kein Wirt hätte gewagt, das Rauchen zu untersagen. Im Einzelnen muss freilich geprüft werden, ob ein Nichtraucherschutzgesetz verhältnismäßig ist, sodann ob es durchsetzbar ist, und mit welchem Aufwand und zu welchem Preis, und ob im Sinne einer Priorisierung nicht gewichtigere Rechtsgutsbeeinträchtigungen durch den Staat zu bekämpfen sind.

Das Argument, man müsse, was private Gastwirtschaften anbelangt, die Wirte entscheiden lassen, ob geraucht wird oder nicht, schließlich hätten sie das Hausrecht und es gehe um ihr Eigentum, besticht auf den ersten Blick, aber andererseits ist doch ein Wirtshaus kein rechtsfreier Raum. Wirtshausschlägereien sind auch verboten, wenn der Wirt nichts gegen sie hat. Wirte müssen Verbote etwa bestimmter Formen von Glückspiel beachten, dürfen  keinen Alkohol an Minderjährige ausschenken und vieles andere mehr.

Die Wirte zwingen niemanden, ihre Lokale zu betreten, aber im weiteren Sinne ist der Nichtraucher regelmäßig gezwungen, solche aufzusuchen, wenn er am gesellschaftlichen, kulturellen und politischen Leben teilhaben will.

Suchtverhalten lässt sich nicht über Nacht wegverbieten. Der Mensch ist nicht perfekt. Nichtraucherschutzgesetze sind im privaten Bereich auch schwierig durchzusetzen, obwohl sie von weiten Teilen der Bevölkerung begrüßt werden. Dem Laster muss eine kanalisierte Chance gegeben werden, sonst entstehen kriminogene Gegenwelten, das Recht wird ignoriert. Mindestens wird die Gesellschaft abgeschotteter und auseinanderdividiert, wenn sich Raucher künftig mit Bier und Zigarette in Wohnungen versammeln, woraus dann schwarze Hobby-Gastronomie entstehen kann, die die sterbende Eckkneipen-Gastronomie ablöst. Raucher, Passivraucher und Wirte und deren Angestellte haben auch ein Recht auf Selbstgefährdung. Es muss daher eine Lösung des Ausgleichs gefunden werden. Bisher bestehende Ausnahmeregelungen anhand der Größe und der räumlichen Beschaffenheit des Lokals erscheinen willkürlich und angreifbar. Warum soll der Zollstock entscheiden, ob in einem Lokal geraucht werden darf? Man sollte sich lieber an der persönlichen Eignung des Gastwirts und der Lage des Lokals orientieren.

Mein Vorschlag ist daher, den Kommunen das Recht zu geben, in Relation zu Einwohnerzahl und Bedeutung der Gastronomie in begrenztem Umfang Raucherlizenzen an Lokale zu vergeben. So könnten sie die Anzahl von Raucherlokalen bürgernah und mit Rücksicht auf die lokalen Begebenheiten feinjustieren – auf sehr niedrigem Niveau, sodass Nichtrauchern genügend Ausweichmöglichkeiten in einer Stadt zur Verfügung stehen, sich zu verabreden oder an Treffen teilzunehmen. Wirten bliebe eine gewisse Entscheidungsfreiheit, sich um eine Raucherlizenz zu bewerben oder nicht. Raucherlokale  müssten für den kleinen Nischen-Vorteil bezahlen, das Rauchen zulassen zu können, immerhin wäre das dann ein staatlich legitimiertes Monopol, sodass eventuell bestehende und von den Gegnern von Ausnahmeregelungen gerügte Wettbewerbsverzerrungen ausgeglichen werden. Die Polizei hätte anhand der Lizenz eine klare Orientierung, ob das Rauchen in einem Lokal erlaubt ist oder nicht. Für Nichtraucher bleiben Gelegenheiten, sich mit Rauchern zu treffen, ohne dass diese fortlaufend das Lokal verlassen müssen, um zu rauchen. Die Vergabe von Raucherlokallizenzen fügt sich gut in Gepflogenheiten in Deutschland ein, so sind etwa zum Betrieb einer Spielhalle Lizenzen erforderlich, die mit einer höheren Vergügungssteuer einergehen.  Das Nebeneinander von Raucher- und Nichtraucherlokalen lässt unter der Steuerungswirkung von Lizenzen noch Wahlfreiheit für alle: für Wirte, welche Art von Lokal sie eröffnen, für Angestellte, in welcher Art von Lokal sie arbeiten, und für Lokalbesucher, welche Art von Lokal sie besuchen. Zuletzt wurde in Griechenland die Vergabe von Raucherlokallizenzen diskutiert, wobei sich dann allerdings rigide Rauchverbote durchgesetzt haben.

Hammerschloss in Röthenbach eingestürzt

Juli 17, 2012

Das eingestürzte Hammerschloss in Röthenbach

Quelle: THW Weiden

Das bis 2007 im Besitz meiner Familie befindliche barocke Hammerschloss in meinem Heimatort Röthenbach bei Kohlberg ist teilweise eingestürzt.

Unmittelbare Auslöser waren Erdarbeiten in 1,40 m Tiefe direkt neben der Fassade. Seit einiger Zeit werden Entwässerungsarbeiten auf dem Grundstück zur Auffüllung eines Weihers durchgeführt, die mich bedenklich stimmten. Architekten bestätigten mir jetzt auf Nachfrage,  dass auch der Entzug von Wasser aus dem Boden eines Geländes die Statik darauf stehender Gebäude gefährden kann (sog. Grundbruch).

Mutmaßlich aufgrund der Schießübungen am nahegelegenen Truppenübungsplatz Grafenwöhr wies das Schloss schon seit langer Zeit durch den Denkmalschutz dokumentierte Risse im Mauerwerk auf.  Die Vorgänger-Dachkonstruktion war als zu schwer eingeschätzt worden und unter der Ägide des Denkmalschutzes durch eine neue ersetzt worden, die trotz zusätzlicher Dachgauben das Gebäude weniger belasten sollte. In Folge von Restaurierungsarbeiten war es zu einem Wasserrohrbruch gekommen, der dem Gebäude vorab zugesetzt hatte.

Es handelt sich um die schwerste Katastrophe in Röthenbach seit Bruch des Rablmüherweiherdamms im letzten Jahrhundert. Wenigstens wurde niemand verletzt.

Das Unglück geschah am Freitag, den 13., wie ich, ohne den Aberglauben befördern zu wollen, festhalten muss. In der Nacht von Freitag auf Samstag träumte ich davon, das Hammerschloss bei einer Rückkehr als Ruine vorzufinden, ohne von den Vorgängen Kenntnis zu haben.

Allein für Sicherungsmaßnahmen müssen jetzt 30 000 Euro eingesetzt werden. Weiterer Teileinsturz und Gesamteinsturz droht.

Röthenbach wird aufgrund von Lage, Größe, Innenaustattung und kunstvoller Fassade zu den herausragenden Hammerschlössern in der Oberpfalz gerechnet. Noch bis 1880 war in Röthenbach ein Hammerwerkshochofen in Betrieb, der Roheisen produzierte, und im Grundriss noch steht.  Desweiteren befindet sich in Röthenbach noch ein sehenswertes Glaspolierwerksgebäude, unter Denkmalschutz stehen ein Brauereigebäude und ein Glasarbeiterhaus.

Bericht über den Einsatz der Feuerwehr:

http://www.bk-media.de/index.php?con=Thema&ID=1115&tab=tab1

Bericht des THW:

http://thw-wen.de/einsatz_meldung.php?id=58

Bericht der Weidener Lokalzeitung:

http://www.oberpfalznetz.de/zeitung/3329195-127-denkmalpfleger_vertrauen_auf_gott,1,0.html

Fernsehbericht von OTV:

http://www.oberpfalz.tv/nachrichten/zukunft-hammerschloss.html

Homepage der jetzigen Eigentümer:

http://www.hammerschloss-roethenbach.com/

Die Geschichte Röthenbachs ist durch das Schlossarchiv gut dokumentiert. Dieses befindet sich mittlerweile im Staatsarchiv Amberg:

http://www.gda.bayern.de/publikationen/nachrichten/pdf/heft_56.pdf

Städte in der Toskana

Juli 12, 2012
Davidstatue in Florenz

Der David – ein Symbol der freien Bürger von Florenz, ehe sie unter die Herrschaft der Medici gerieten.

Internationales Heiraten meiner Verwandten im Zeitalter der Globalisierung macht längere Reisen erforderlich. Eine Hochzeit in der Toskana zog mich in diesen schönen Winkel Europas mit den kulturellen Höhepunkten Pisa, Siena und Florenz. Die Geschichte Italiens mit seinen Stadtstaaten bietet auch dem politische Interessierten viele Einsichten in die Entstehung und Niedergang früher Republiken. Das Wappen der Medici war überall. Sehr viel zahlreicher waren aber Anarchie-Graffiti nicht nur in der Studentenstadt Pisa, sondern auch auf Ortsschildern auf dem Land. In Italien gärt es unter der schönen Sonne und der eingeübten Freundlichkeit gegenüber den Touristen.  Der neue Regierungsschef Monti, der die Korruption bekämpfen soll,  gilt manchen wegen der Aktivitäten seines Sohns als korrupt.  Einnahmen aus dem Tourismus werden gleich in Sachwerte investiert, weil eine drohende Inflation gefürchtet wird. Was mir auffiel, war, dass ländliche Gegenden im verregneten Deutschland weithin durch staatlich geförderte Photovoltaikanlagen entstellt sind, während in der sonnegesättigten Toskana keine einzige Solaranlage zu sehen war. Sofern es welche gibt, sind sie sehr dezent plaziert. Windräder waren hingegen vereinzelt zu sehen, aber sie sind ebenfalls zurückhaltend platziert. Die hügelige Landschaft in der Toskana mit ihren Bauernhöfen und Weizenfeldern strahlt eine sehr anheimelnde Gastlichkeit aus. Die Globalisierung hat einige Spuren hinterlassen, die mir im Vergleich zu Erinnerungen an Italienaufenthalte in der Kindheit auffielen: Es gibt überall nur noch Fanta, italienische Limonadensorten sind verdrängt, ebenso die früher vielfältigen italienischen Fertigeissorten durch Magnum u.ä., deutsche Supermarktketten haben Standorte aufgemacht, Englisch ist als lingua franca verbreitet einsetzbar und in Schriftzügen überall zu finden.

Toskana

Freiheit von Herrschaft oder Herrschaft der Freiheit?

Juli 9, 2012

Im Blog des Liberalen Instituts versuchte ich Anarchismus und Liberalismus über die Formeln „Freiheit von Herrschaft“ und „Herrschaft der Freiheit“ voneinander abzugrenzen. Die paradox klingende Formulierung „Herrschaft der Freiheit“ meint einen Zustand, in dem Staatsmacht eingesetzt wird, um Ausübung von willkürlichem Zwang durch Individuen auf andere Individuen durch Ausübung von Zwang abzuwehren, und damit die persönliche Freiheit zu sichern.