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Unternehmensnachfolger verzweifelt gesucht

November 30, 2018

„In den nächsten 4 Jahren geht man von mindestens 600.000 Unternehmen aus, für die in Deutschland der Generationen-wechsel ansteht. Die Dunkelziffer kommt on top noch dazu“, so Dorothee Schenten vom KompetenzCenter Wirtschaft in Dortmund, das Unternehmensnachfolgen vermittelt. Die Unternehmensnachfolge gleicht einem Notstandsgebiet, die Gründergeneration ist in die Jahre gekommen.
Was ist schief gelaufen, dass aktuell aus allen Wirtschaftsecken ein Ruf wie Donnerhall erschallt: Wir suchen Unternehmensnachfolger! Merklich wabert ein schleichender Prozess durchs Land: „Ich finde keinen Nachfolge und schließe mein Unternehmen ab“, es ist ein Knockout für die deutsche Wirtschaft. Hier setzt ein Dominoeffekt ein. Wichtige Fachkompetenz geht verloren, genauso wie Arbeitsplätze. Der scheidende Unternehmer als Auftraggeber fehlt zukünftig, auch die Vielfältigkeit am Markt geht verloren.
Eine große Zahl von Nachfolgern und Nachfolgerinnen ist nötig, damit die Schlagkraft der deutschen Wirtschaft weiterhin aufrechterhalten werden kann. In der heutigen globalen Welt, macht das Thema Generationenwechsel vor keiner
Landesgrenze halt. Jedes Unternehmen, das keinen Nachfolger findet und die Türen schließt, ist ein unwiederbringlicher Verlust für den deutschen Wirtschaftsstandort.

Nicht außer Acht zu lassen sind die Aktivitäten ausländischer Investoren bei ihren Einkaufstouren durch die kleinen- und mittelständischen Unternehmen. Die Kritik und die Sorge zugleich nimmt Schenten in Unternehmergesprächen regelmäßig wahr. Auffallend ist aber auch, dass ausländische Investoren entscheidungsfreudiger sind als inländische.

Ganz am Anfang der Entscheidungsprozesse steht für den Unternehmer  immer eine große Hürde, weiß Schenten: „Hinter einem Lebenswerk die Tür abzuschließen, fällt jedem Unternehmer schwer. Der emotionale Aspekt darf nicht unterschätzt werden. Wie bei vielen anderen Entscheidungen im Unternehmeralltag sind weiche und harte Faktoren zu berücksichtigen, geprägt von einem hohen Maß an Individualität. Zuallererst braucht der Unternehmer eine Person
seines Vertrauens, der er sich offenbaren kann: Ich will abgeben, was muss ich jetzt tun?“
Viele betroffene Unternehmer befinden sich in einer üppigen Lage, so Schenten: “Die Umsatzkurve steigt kräftig nach oben. Heißt aber auch, das Arbeitspensum ist fast unerträglich angestiegen. Kaum Zeit zum Durchschnaufen, um sich mal Gedanken zu machen um Weiterentwicklungen. Klärungsprozesse, wie es mit dem Firmen-Lebenswerk weitergehen soll, bleiben aus. Und natürlich auch mit wem? Oder doch noch ein wenig abwarten, denn es läuft ja so gut? Die Unternehmer möchten gerne reden, eigentlich, aber das Tagesgeschäft lässt ihnen kaum Zeit zum Atmen. Die angesprochene jüngere Garde „Ich kann eine Firma leiten“, befindet sich aktuell auch in dem Sog der totalen Arbeitsüberlastung. Die eigene Selbstständigkeit wird erst einmal hinten angestellt. Wieso ein Risiko eingehen, wenn doch der gute Arbeitsplatz als Angestellter möglich
ist. Heißt, der Mut zur Selbständigkeit bleibt auf der Strecke?“

Der stille Wunsch der Gründerväter und Mütter hat sich zu einem brennenden Anliegen gefestigt:
Wo ist der vermeintliche „Siamesische Zwilling“? Der, der so tut wie ich und mein Unternehmen in die Zukunft führt? Wir wissen heute, dass viele Söhne und Töchter aus Familienbetrieben, geprägt durch das Elternhaus, kein Interesse am Unternehmerdasein oder an der Branche haben. Mit einem überschaubaren Entwicklungsspielraum könnte das schon ganz anders aussehen. Dies setzt auf beiden Seiten eine gute Portion Toleranz voraus; denn Nachfolger lassen sich nicht gerne ständig auf die Finger schauen, schon aber über die Schulter. Der externe Nachfolger sieht das nicht anders.
Also was läuft denn so wirklich schief im Lande von „Made in Germany“?
Unternehmensnachfolge muss endlich einen Status der Normalität erreichen. Es sollte als Chance begriffen werden und präsenter in den Köpfen aller sein. Die Alt-Unternehmer verbergen nicht ihre Enttäuschung über fehlenden Respekt zu geschaffenem Firmenwert, über fehlenden Arbeitseifer. Ja, die Alten haben geschuftet. Haben etwas aufgebaut und stoßen sich an der Ignoranz der Jungen, effizientere Arbeitsweisen und einer anderen Vorgehensweise in der Welt 4.0. Ein Körnchen Wahrheit ist auf beiden Seiten zu finden.

Schenten stellt am Anfang dieser Gespräche erst einmal die Herausforderung für beide Seiten da. „Mit einem Lebenswerk im Rucksack und neuen Impulsen in die Zukunft zu starten. Die Mischung macht’s, aus langjähriger Erfahrung und neuen Ideen. Da gehören zwei zu, die das auch zulassen und sich zuhören. Unser Credo ist: Wir bringen die richtigen Nasen zusammen.“
Die Weisheit ist nicht neu: Nur wer redet, dem kann geholfen werden! Genau hier liegt einiges im Argen, so Schenten.

Top Secret: Das Spionagemuseum im Pott ist noch ausbaubar

März 7, 2013

Ein Spionagemuseum würde man in den alten Spionagedrehkreuzen Berlin oder Wien vermuten, aber nicht im Ruhrgebiet. Jedoch: Läuft man durch die weitläufige Mall des CentrO Oberhausen, gelangt man nicht nur an den Rhein-Herne-Kanal. Hinter einer Brücke rechts ist das im vergangenen Jahr eröffnete Spionagemuseum „Top Secret“ etwas abgelegen  zu finden. Puppen von  Geheimsoldaten klettern an der Fassade hoch, die von einem KGB-Hubschrauber gekrönt wird. Offenbar findet nicht gerade jeder Besucher des CentrO den Weg zur Spionageschau.  „Mit der Entwicklung der Besucherzahlen sind wir mittlerweile zufriedener“, so verhalten äußerte sich Marketing Manager Tanja Munzig,  die für die Betreuung der Presse zuständig ist.

Vor allem bei Schulklassen erreiche man mittlerweile eine bessere Resonanz, freute sich Munzig. Die Kinder spreche vor allem der Gegenwartsbezug der Ausstellung an, die auch Internet und soziale Netzwerke thematisiert.  Darin erkennen sie ihre Lebenswirklichkeit wieder, die immer mehr zwischen den Extremen Stalking und  Mobbing im Internet angesiedelt ist. Mit spielerischen Elementen wie einem Laser-Parcours und Geheimgängen preist das Erlebnismuseum auch Familien mit älteren Kindern die Auseinandersetzung mit dem doch heiklen und abgründigen Thema an.

Das Anliegen der Ausstellung in Oberhausen ist, einen Überblick über Spionage und ihre Geschichte zu geben und unterschiedliche Facetten von Spionage aufzuzeigen. Sie richtet sich in erster Linie an ein Laien-Publikum ohne größere Vorkenntnisse, das für die Tätigkeit der Nachrichtendienste und die Problematik  – ohne zu verängstigen – sensibilisiert werden soll. Man will unterhalten, dabei aber seriös bleiben. Der Besucher von jung bis alt sieht sich von der effektvollen Ausstellungsregie selbst in die Rolle des Agenten gerückt, erkennt immer wieder auf Bildschirmen, dass er selbst beobachtet wird, aber auch selbst vielleicht als Kind schon einmal spioniert hat, z.B. beim „Spicken“.

Langfristig plant der hinter der Ausstellung stehende Musical-Veranstalter „Mehr! Entertainment“ zu anderen Themen an weitere Standorten Unterhaltungs-Ausstellungen einzurichten, sich noch mehr jenseits von „Cats“ und „Starlight Express“ zu tummeln, laut Munzig nicht nur „mehr Entertainment“, sondern auch „mehr als Entertainment“ zu bieten. Die Ausstellungsmacher  in Oberhausen selbst haben noch eine ungenutzte Erweiterungsfläche von 200 Quadratmetern in der Hinterhand,  vor dem Haus parkende „Spymobile“ dienen dazu, auf Jahrmärkten und bei anderen Freizeitattraktionen temporär präsent zu sein.   Die Ausstellung soll immer lebendig und auch für den Wiederholungsbesucher interessant bleiben.

Ein Rundgang durch die Ausstellung findet sich hier.

Lesen Sie den ausführlichen Bericht in der kommenden Ausgabe des „Journal for Intelligence, Propaganda and Security Studies„.