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Was geht auf den Geländen der ehemaligen York- und Oxfordkaserne vor sich?

Mai 15, 2019

Großen Wert wird bei den Abbrucharbeiten (hier York) auf Recycling gelegt. Foto: NRW.URBAN

Münster (SMS) Die Vorbereitungen für die Realisierung der beiden neuen Wohnquartiere York und Oxford schreiten weiter voran. Die städtische Tochtergesellschaft KonvOY steuert in enger Zusammenarbeit mit den Fachämtern, den Stadtwerken Münster und anderen Versorgungsträgern alle Maßnahmen. Die Größenordnungen der Projekte sind enorm: Es entstehen insgesamt ca. 3000 Wohneinheiten in Kombination mit sozialer Infrastruktur, Räumen für Handel, Gewerbe und Dienstleistungen, öffentlichen Einrichtungen, Kultur- und Kreativräumen sowie große Grün- und Freizeitflächen. Bei diesen Dimensionen ist klar, dass viele Arbeitsschritte parallel laufen.

Abbrucharbeiten zur Vorbereitung von Straßen- und Leitungsbau
Auf beiden Arealen werden aktuell noch verbliebene, nicht erhaltenswerte Altgebäude sowie versiegelte Flächen zurückgebaut. Im Anschluss kann begonnen werden, die Ent- und Versorgungsleitungen zu verlegen und die Straßen zu bauen.
Der Kampfmittelräumdienst und die Feuerwehr begleiten diese Phase intensiv: Wie schon in den letzten Wochen erlebt, kann es an den bereits ermittelten Verdachtspunkten zu Blindgänger-Funden kommen.
Im Zusammenhang mit den Abbrucharbeiten kommen auch Artenschutzmaßnahmen zum Einsatz: An beiden Standorten wurden beispielsweise Nisthilfen aufgehängt.
Die Stadtverwaltung legt großen Wert auf Recycling. Eine große Menge abgebrochenes schadstofffreies Material ist für eine Wiederverwertung vorgesehen, zum Beispiel der Betonabbruch für den Straßenbau. Daraus ergeben sich weniger An- und Abfahrtsverkehre sowie Kosteneinsparungen.

Zeigt den Bagger-Einsatz in der York-Kaserne

Bagger-Einsatz für die neue Baustraße zur Anbindung der ehemaligen York-Kaserne an den Heeremansweg. Foto: NRW.URBAN.

Baustraßen mit späteren Funktionen
Damit möglichst viele Arbeitsschritte parallel passieren können, entsteht auf beiden Arealen  jeweils eine Baustraße für die Zu- und Abfahrt der Baufahrzeuge.
Auf dem York-Areal befindet sich seit Ende April eine neue Anbindung über den Heeremansweg an das Gewerbegebiet im Bau. Diese Straße hat eine hohe logistische Funktion, um die gleichzeitig ablaufenden Arbeitsschritte zu ermöglichen. Neben dem Abbruch, dem Straßen- und Leitungsbau wird die Baustraße auch für die Hochbauarbeiten im nördlichen Quartier durch die Wohn+Stadtbau genutzt, die voraussichtlich im Sommer 2020 beginnen sollen. Die Trasse der Baustraße bleibt über die Bauzeit hinaus erhalten – im künftigen Wohnquartier wird sie als Umweltspur von Bussen und Fahrrädern genutzt werden.
Baubeginn für die neue Baustraße auf dem Oxford-Areal ist Mitte Mai. Sie schafft während der Baumaßnahmen eine Verbindung von der Straße Bernings Kotten zum Arnheimweg. Über diese Trasse wird die Anbindung der Baufelder im nördlichen Bereich sichergestellt, etwa zum Wohn+Stadtbau-Projekt „Wohnen mit Aussicht“, dessen Bauphase voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte 2020 starten wird. Auch der Neubau des Kirchenzentrums der Lukas-Kirchengemeinde wird davon profitieren. Auch diese Baustraße muss später nicht komplett zurückgebaut werden; sie wird zum größten Teil umgestaltet zu einem Weg in der Grünfläche des zukünftigen Quartiers.

York-Quartier: Neue Adresse für das Amt für Grünflächen, Umwelt und Nachhaltigkeit
Zwei ehemalige Mannschaftsgebäude, die Häuser  12 und 14 der ehemalige York-Kaserne, werden ab Sommer eine neue Adresse der Stadtverwaltung sein. Das Amt für Grünflächen, Umwelt und Nachhaltigkeit zieht – für einen vorübergehenden Zeitraum – in die Gebäudeblöcke, die zwischenzeitlich vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) als Büroräume genutzt wurden. Die Vorbereitungen für den Umzug der ca. 170 Arbeitsplätze laufen auf Hochtouren.

Bau der Kita und Jugendeinrichtung am Wiegandweg
Mit dem ersten Hochbauprojekt auf der ehemaligen York-Kaserne ist die Wohn + Stadtbau bereits in der Bauphase. Die denkmalgeschützte ehemalige Krankenstation der Kaserne (sie befindet sich an der südlichen Mauer des York-Areals und damit direkt am Wiegandweg) wird umgebaut und mit einem Neubau erweitert. Es entstehen eine Kindertagesstätte (mit Platz für acht Gruppen) und ein Zentrum für Jugendliche. Voraussichtliche Fertigstellung ist im 3. Quartal 2020.

Tiefbauarbeiten im Wiegandweg
Im Juni starten am Wiegandweg Tiefbauarbeiten: Die Kanalisation wird saniert, die Straße wird erneuert ebenso wie die Versorgungsleitungen. Diese Maßnahmen sind Voraussetzungen für die Erschließung des südlichen Teils des York-Quartiers und der neuen Kita.
Der Baustellenverkehr für den Kita-Neubau und die Erschließung des südlichen Quartierteils wird weitestgehend nicht über den Wiegandweg, sondern über das ehemalige Kasernengelände geführt. Auch für diesen Verkehr wird die Baustellenstraße genutzt werden.

Die Fahrradstadt ist beim Fahrrad-Klima nicht mehr Nummer Eins

April 10, 2019

Münster ist beim aktuellen Fahrradklima-Test des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) zwar wieder der Sprung aufs Siegertreppchen gelungen, im Städtevergleich (in der Kategorie der Städte mit über 200 000 Einwohnern) belegte Münster diesmal aber nur den zweiten Platz hinter Karlsruhe. Michael Milde, Abteilungsleiter Mobilitätskonzepte bei der Stadt Münster, nahm die Auszeichnung am Dienstag in Berlin entgegen.

Wie für viele Münsteraner gehört auch für Oberbürgermeister Markus Lewe die „Leeze“ zum Alltag. Foto: Presseamt Münster

Bei den letzten sechs Fahrradklima-Tests hatte Münster stets den ersten Platz erreicht. „Auch wenn es diesmal nicht der Spitzenplatz ist, freue ich mich natürlich über die erneute Platzierung auf dem Podium“, sagt Oberbürgermeister Markus Lewe und gratuliert gleichzeitig der Stadt Karlsruhe. „Münster bleibt natürlich Fahrradstadt, auch auf Platz zwei! Das Fahrrad gehört zu Münster, das spürt und sieht jeder und jede. Allerdings wird das Thema komplexer: Wir müssen inzwischen eine Vielzahl von Mobilitätsarten im Straßenraum organisieren und wir sind bereits kräftig dabei. Also ganz klar: Das Ergebnis des Fahrradklima-Tests ist für uns vor allem Ansporn und Auftrag zugleich, beim nächsten Mal wieder ganz oben auf dem Treppchen zu stehen.“

Der städtischen Verkehrsplanung liefert der Fahrradklima-Test praxisnahe Bewertungen und alltagserprobte Einschätzungen der Radfahrer. Als Münsters Stärken bezeichnen die Teilnehmer die breite Akzeptanz für das Radfahren („Alle fahren Fahrrad – egal, ob alt oder jung“), die gute Erreichbarkeit des Stadtzentrums, die für den Radverkehr geöffneten Einbahnstraßen und die Möglichkeit, zügig Rad zu fahren. Als Schwächen werden viele Fahrraddiebstähle, fehlende Abstellmöglichkeiten im Zentrum, Konflikte mit anderen Verkehrsteilnehmern und schmale Radwege benannt.

OB Lewe: „Wir wissen, dass die Infrastruktur mit Blick auf die steigende Zahl der Radfahrerinnen und Radfahrer in unserer dynamisch wachsenden Stadt nicht mehr überall zeitgemäß ist. Verbesserungen werden in verschiedenen Bereichen bereits umgesetzt.“ Dazu gehören die einheitliche Rotfärbung von Radwegen und Fahrradstraßen, damit diese besser wahrgenommen werden. Die Ausweisung weiterer Fahrradstraßen steht ebenso auf der Agenda wie die Umsetzung des Veloroutenkonzepts für die Stadtregion. Seit dem 1. April bündelt die Stadtverwaltung Planung und Bau der Verkehrsinfrastruktur im Amt für Mobilität und Tiefbau. Ziel ist es, Planungsprozesse und ihre Umsetzung – auch im Radverkehr – zu beschleunigen.

Der ADFC-Fahrradklima-Test fand von Anfang September bis Ende November 2018 als Online-Umfrage statt. Insgesamt bewerteten über 170 000 Bürger die Fahrradfreundlichkeit von mehr als 680 Städten. Der Fahrradklima-Test ist damit die größte und bedeutendste Nutzerbefragung zum Radverkehr weltweit.

Studentisches Wohnen statt Eissport

April 2, 2019

Münster ist eine Stadt, die wächst. Erschwinglicher Wohnraum ist Mangelware.  Eine gute Nachricht ist daher, dass auf dem Grundstück der ehemaligen Eissporthalle an der Steinfurter Straße / Johann-Krane-Weg  ein studentisches Wohnquartier entstehen soll. Die aktuelle städtebauliche Planung stellt das Stadtplanungsamt am Dienstag, 9. April, 19.30 Uhr im UKM-Pavillon auf dem Parkplatz gegenüber der Domagkstraße 32 vor. Alle interessierten Bürgerinnen und Bürger sind zu der Informations- und Diskussionsveranstaltung eingeladen.

Auf dem etwa einen Hektar großen Gelände sollen fünf- bis sechsgeschossige Gebäude errichtet werden. Geplant sind ein Studierendenwohnheim mit rund 120 Wohnungen und ca. 330 Apartments für Studierende. Die Erdgeschosse sollen publikumsorientierte  Dienstleistungen wie Cafés, SB-Bankfiliale, Fahrradwerkstatt oder auch Büros / Co-Working-Bereiche und Gemeinschaftsräume / Begegnungsbereiche  aufnehmen. Städtebauliches Ziel ist die Realisierung eines urbanen Quartiers. Damit die Planungen umgesetzt werden können, wird der bisherige Bebauungsplan geändert.

Wer sich bereits vor der öffentlichen Veranstaltung einen Einblick verschaffen möchte, kann die Planungsunterlagen im Kundenzentrum im Stadthaus 3, Albersloher Weg 33, einsehen (Mo-Mi 8-16 Uhr, Do 8-18 Uhr, Fr 8-13 Uhr). Im Stadtportal stehen sie unter www.stadt-muenster.de/stadtplanung zur Verfügung.

Wohnheim an der Steinfurter Straße

Ein studentisches Wohnquartier mit einer lebendigen Mitte soll am Johann-Krane-Weg auf dem Gelände der ehemaligen Eissporthalle entstehen. Grafik: Stadt Münster

Münster: Mit dem OB durch Kasernen spazieren

Oktober 17, 2018

Uhrturm-Gebäude in der Oxford-Kaserne; Arbeitsgemeinschaft OXF (Kéré Architecture, Schultz-Granberg Städtebau+Architektur, bbz landschaftsarchitekten, Prof. Mathias Uhl Siedlungswasserwirtschaft)

Münster (SMS) Jahrzehntelang waren die Oxford-Kaserne in Gievenbeck und die York-Kaserne in Gremmendorf für die Bürgerschaft unzugänglich. Nun hat die Stadt die Kasernengelände vom Bund gekauft und aus ehemals militärischem Sperrgebiet sollen „Zwei Stück Münster-Zukunft“ werden, zwei neue Stadtquartiere mit Platz zum Wohnen, Arbeiten und Leben. Die ersten Schritte auf dem Weg in die Zukunft macht Oberbürgermeister Markus Lewe gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern. Er lädt am Sonntag, 28. Oktober, zu geführten Spaziergängen über die Kasernen ein. Nach der symbolischen Übergabe der Kasernen an die Münsteranerinnen und Münsteraner sollen im November weitere Führungen folgen.

Zum Beginn der Rundgänge begrüßen der Oberbürgermeister und Stadtbaurat Robin Denstorff die Gäste bei einem Gläschen  Sekt. Geführt von Fachleuten aus dem Planungsamt und dem Tiefbauamt begeben sich Interessierte dann auf eine Zeitreise und werfen Blicke in die Vergangenheit und Zukunft der beiden Kasernen.
Erstmals sind auch einige Gebäude von innen zu sehen, so der Uhrenturm der Oxford-Kaserne oder das Offizierskasino der York-Kaserne. Beide sollen zu Begegnungsstätten ausgebaut werden.

Zu den Höhepunkten der Führungen zählen 40 Meter lange Bauzaun-Ausstellungen in der großen Turnhalle der Oxford-Kaserne und der alten Panzerhalle der York-Kaserne. Sie dokumentieren die Geschichte der Kaserne und zeigen anschaulich die Entwürfe der künftigen Stadtquartiere.

An markanten Stellen auf beiden Kasernengeländen stehen Schaufenster in die Zukunft: große Banner mit einer Animation der künftigen Ansicht. Spannend wird es auch auf dem Exerzierplatz der Oxford-Kaserne. Hier markiert die Münster School of Architecture (MSA) die Umrisse der geplanten Gebäude.

Pro Kaserne gibt es vier geführte Spaziergänge für jeweils 30 Personen. Die Führungen starten in beiden Kasernen um 11 Uhr, um 12.30 Uhr, um 14 Uhr und um 15.30 Uhr (Dauer: eine Stunde; Teilnahme kostenfrei). Anmeldung erforderlich auf der Website www.zukunft-muenster.de oder telefonisch unter 02 51/4 92-27 85 (Mo-Fr 10-12 Uhr). Die Plätze werden in der Reihenfolge der Anmeldungen vergeben.

Die Zukunft von Münster

Oktober 6, 2018

Münster (SMS) Wie entwickelt sich Münster als Wissenschaftsstadt? Wie sehen in Zukunft die Stadtteile aus? Wie geht es mit der Innenstadt weiter? Wie können Menschen ihre Stadt selbst gestalten? Drei spannende Gesprächsrunden stehen auf dem Programm der Zukunftsarena, zu der Oberbürgermeister Markus Lewe am Donnerstag, 11. Oktober, von 17 bis 21 Uhr, ins Jovel am Albersloher Weg einlädt. Münsteranerinnen und Münsteraner, die dabei sein möchten, sind herzlich willkommen.
Auf vielfältige Weise können sich die Bewohnerinnen und Bewohner der Stadt hier über erste Meilensteine im Zukunftsprozess „Münster Zukünfte 20-30-50“ informieren. Akteure aus den unterschiedlichsten Bereichen der Stadtgesellschaft wie Wissenschaft, Kultur, Ökologie, Integration, Soziales oder Wirtschaft diskutieren über die Stadt von morgen.
Mit dabei sind: Matthias Schwarte (Kanzler der WWU Münster), Prof. Dr. Ute von Lojewski (Präsidentin der FH Münster), Dr. Birgit Hagenhoff (Vorstandsvorsitzende der Gesellschaft für Bioanalytik Münster e.V.), Luca Horoba (Referent für Soziales und Wohnraum ASTA WWU Münster), Tobias Viehoff (Sprecher der Initiative Starke Innenstadt), Ulla Fahle (Vorstandsmitglied Mieter/innenschutzverein Münster und Umgebung e.V.), Jens Schneiderheinze (Geschäftsführer Cinema), Helga Runge (Schulleiterin der Eichendorffschule Angelmodde), Lisa Eymann (1. Vorsitzende Gewerbe- und Handwerkerverein Amelsbüren e.V.), Magnus Hömberg (2. Vorsitzender SC Westfalia Kinderhaus e.V.) und Hans-Dieter Sauer (Pastoralreferent St. Petronilla Gemeinde Handorf).
Zwischen den Gesprächsrunden gibt es bei Themenrundgängen viel Raum für Resonanz seitens der Bürgerinnen und Bürger. Ihre Anregungen und Ideen ebenso wie die Ergebnisse der Talkrunden fließen in die weiteren Schritte des Zukunftsprozesses ein.
Rund 350 Münsteranerinnen und Münsteraner haben sich für den Abend im Jovel bereits angemeldet. Wer noch mit dabei sein möchte kann sich unter www.zukunft-muenster.de/zukunftsarena2018  oder per E-Mail an zukunft@stadt-muenster.de anmelden. Die Anzahl der Teilnehmer im Jovel ist begrenzt. Wer nicht an der Zukunftsarena teilnehmen kann, hat die Möglichkeit, sich virtuell einzubringen. Auf einer neuen Homepage zum Zukunftsprozess sind unter www.zukunft-muenster.de  mit Start der Veranstaltung alle zehn Themen dargestellt. Ideen und Impulse dazu können dann direkt auf der Seite hinterlassen werden und finden so Eingang in den weiteren Prozess.

Orte und Plätze in Münster

August 21, 2016

Münster wird von Besuchern und Einwohnern als gemütliche Stadt empfunden, dazu tragen die überschaubar gestalteten Plätze und die weitgehend autofreie Innenstadt bei. Die Stadtplanung hat immer darauf geachtet, dass sich neue Strukturen in die Stadt einfügen, sodass auch zu erwarten ist, dass die Neubebauung des Sinn-Leffers-Geländes die Altstadtkulisse nicht sprengt.

Denkmalschutz mit privaten Mitteln: Auch der Steinernen Brücke wird geholfen

Dezember 20, 2012

Auch am zweiten Bauabschnitt zur Mauerwerkssanierung der Steinernen Brücke in Regensburg beteiligt sich die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) in diesem Jahr mit 125.000 Euro. Umwelteinflüsse und der ständige Verkehrsfluss brachten das Bauwerk an seine Belastungsgrenzen, so dass die Brücke vor drei Jahren aus Sicherheitsgründen gesperrt werden musste. Das Land, die Bayerische Landesstiftung und der Regierungsbezirk Oberpfalz stellen ebenfalls Mittel für die dringend erforderlichen Baumaßnahmen zur Verfügung. Der DSD-Fördervertrag erreicht Oberbürgermeister Hans Schaidinger in diesen Tagen.

Von 1135 bis 1146 wurde in Regensburg die inzwischen älteste, teilweise noch unverändert erhaltene romanische Steinbrücke in Deutschland erbaut. Neben dem Dom ist die Steinerne Brücke über die Donau heute das bedeutendste Wahrzeichen der auch an Naab und Regen liegenden Stadt. Das Gesamtinstandsetzungsprojekt ist detailliert vom Tiefbauamt der Stadt Regensburg in mehrjähriger Planung vorbereitet und mit der amtlichen Denkmalpflege abgestimmt worden. Sogar ein Musterbauwerk auf dem städtischen Bauhof diente der Klärung von Oberflächendetails, die sich an historischen Bauplänen aus den Jahren 1863/1877 sowie einer Fotographie von 1859 orientiert.

Die aus dem Mittelalter stammende Steinerne Brücke in Regensburg ist eines von über 220 Projekten, die die in Bonn ansässige Denkmalschutz Stiftung allein in Bayern dank privater Spenden und Mitteln der GlücksSpirale, der Rentenlotterie von Lotto, fördern konnte.

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Die eingehauste Steinerne Brücke – Foto: Linge/ DSD

Auseinandersetzungen um Straßennamen: Über den Schildersturm in Deutschland

Dezember 5, 2012
Occupy

Aktivisten der Occupy-Bewegung haben eine täuschend echt wirkendes Straßenschild aufgestellt.

Die Nachrichten über Straßenumbenennungen häufen sich. Was ist los in Deutschland? Wer ist da am Werk und warum? Es erscheint unglaublich, was für ein Gewese um Straßennamen gemacht wird, Zusatzschilder sind oft doppelt so lang wie das eigentliche Schild, Umwidmungen (Name bleibt, es soll künftig aber einer anderer gemeint), Doppelwidmungen (Name bleibt, aber zusätzlich soll noch ein anderer gemeint sein), Umbenennungen (Name bleibt nicht), Gedenktafeln, bilderstürmerischer Vandalismus und Schilderraub, Überklebungen sowie  kreative Projekte lassen die Straßenschilder nicht mehr einfach so stehen,  um sie ihrer banalen Funktion dienen zu lassen, die Orientierung in einer Stadt, die Zustellung  von Post und das Aufsuchen von Wohnungen zu ermöglichen.  Kommissionen, Gremien, Stadträte, Bürgerinitiativen, Anwohnerinitiativen und Künstler zerbrechen sich den Kopf über die richtige Wegweisung, Satiriker machen sich darüber lustig, Internetuser schalten sich ein. Da selbst Professoren ihre Fachautorität wirken lassen und erklären, Straßennamen seien von höchster Bedeutung, breitet sich das Interesse daran immer mehr aus.

Da ist der kritische, mündige und informierte Bürger aktiv geworden, der sich nicht mehr mit von Geschichte und Stadtverwaltungen gelieferten Straßennamen zufrieden geben, zugleich vielleicht seine Innovationsfähigkeit als kreativer Performer unter Beweis stellen will.  Das Internet macht es so leicht wie nie, Namensgeber von Straßen zu identifizieren und sich zu empören, über Mörder, Verbrecher, Wegbereiter des Faschismus, allzu moskowitische Sozialisten und Kolonialisten, die da vermeintlich geehrt werden. Dahinter steht  die denunziatorische Beschäftigung mit Geschichte, wie sie Bernhard Schlink als Kennzeichen unserer Gegenwart erkannt hat, diese Tendenz ist überall in der Gesellschaft wirkungsvoll, nicht nur im Straßennamenkampf.  Die Fähigkeit sich in die historische Vergangenheit einzudenken, die Bereitschaft, historisch zu relativieren, geht zurück. Das Verständnis der Generationen für ihre Vorgängergenerationen nimmt immer weiter ab, wie zum Beispiel der Historiker Eric Hobsbawm erkannt hat, denn der gesellschaftliche Wandel beschleunigt sich immer weiter. Es spiegeln sich also auch gesellschaftliche Umbrüche in den Umbenennungen. Straßenumbenennungen treten ja gehäuft bei Systemwechseln und Revolutionen auf, etwas derartiges scheint umzugehen, wenn auch niemand eine Revolution ausgerufen hat.

Stadtverwaltungen gehen dazu über, bevorzugt die bislang in der Geschichte so wenig berücksichtigten Frauen als Namensgeberinnen zu berücksichtigen, oder sich wie stalinistische Säuberer in Personengruppen festzulegen, die sich nicht mehr in Straßenschilder niederschlagen sollen. Zeitgenössische  Tendenzen können sich auch mit Opfern statt Helden auf Straßenschildern besser identifizieren.  Der Krieg hat als horrifizierender und anstößiger Inhalt von Straßenschildern sowieso ausgedient, sodass neben Personen auch Schauplätze von Schlachten, also Orte, von Straßenschildern verschwinden. Man spricht von Flucht aus der Geschichte, Angst vor der Geschichte,  Angst der Deutschen vor sich selbst.  Erkennbar sind eine in dieVergangenheit gewendete Demokratieverteidigung in alle Richtungen, und europaweit Political Correctness und verschiedene linke Ideologien und Bestrebungen als hauptsächliche  Triebfedern der Umbenennungen.

Straßenbenennungen dienen auch als Zankapfel. Auseinandersetzungen um Straßenschilder mobilisieren Menschen und markieren territoriale Ansprüche verschiedener gesellschaftlicher und politischer Gruppierungen und Milieus. Politische Gruppierungen junger Menschen, von Antifa bis Junge Union, sehen Straßennamen als irgendwie bedeutungsvoll und  als Mittel der politischen Auseinandersetzung an. Diese benennen Straßen eigenmächtig und provisorisch in Nacht- und Nebelaktionen nach Opfern ihrer Feinde um, jene wollen den historischen Bestand erhalten, vor allem natürlich den westdeutschen.  Da sind die Historiker, die mit ihrem Fach auch einmal etwas erreichen wollen, und wenn es die Umbenennung oder den Erhalt eines Straßenschildes geht. Die Vergangenheit bietet eine Fülle  irgendwie moralisch oder politisch aus heutiger Sicht missliebiger Menschen an, die auf Straßenschildern verewigt sind und aus dem Stadtbild entfernt werden könnten. Hinzu kommen Kommunalpolitiker, die sich in Zeiten knapper Stadtsäckel politisch profilieren wollen. Straßenumbenennungen gelten als günstig, und sonstige auftretende Kosten können auf die Anlieger abgewälzt werden. Alle wollen sie ihre Wirkungsmacht erbroben, Schlachtfeld ist die Geschichtspolitik. Verschiedene politische Gruppierungen können aneinandergeraten, verschiedene Geschmäcker, Aktionisten und als moralische Lehrmeister, Richter und Besserwisser auftretende Tugendbürger geraten  mit Besonnenen aneinander, die sich nicht vor Relikten aus anderen Systemen der Vergangenheit fürchten, die die heutige politische Ordnung vermeintlich in Frage stellen. Ältere wollen die vertrauten Schilder oft bewahren, während die mittlere Generation, die die Hebel in der Hand hält, die Gesellschaft mit Umbenennungen auf irgendeine Weise gestalten will.   Dabei kann die manchmal aufschimmernde Vorstellung, man könne und müsse die Gesellschaft mit Straßennamen in erheblichem Maße sozialpädogisch beieinflussen und dabei problematische Geschichte verschwinden lassen, mit einiger Berechtigung als tendenziell totalitär beschrieben werden, denn Angst und Kontrollsucht sind die Väter des Totalitarismus, der unter allen möglichen Vorzeichen  auftreten kann.

Der gesellschaftliche Zusammenhalt schwindet, es wird anscheinend immer schwieriger, dass sich alle auf einen Straßennamen einigen, der von allen akzeptiert wird. Gleichzeitig gerät Europa immer mehr ins Abseits des Welttreibens. Der alternde Kontinent mobilisiert wirtschaftlich nicht mehr so viel wie früher. Die Industrielandschaft verwandelt sich in  Museumslandschaft. In dieser gerät dann in den Fokus, wie die Museumsräume der öffentlichen Straßen und Plätze organisiert sind, welche Gedenkschilder, Tafeln und Kunstwerke an wen oder was erinnern.

Natürlich treten jetzt auch Gedanken auf, wie die Straßenumbenennerei auch wieder begrenzt werden kann. Straßen möglichst neutral nur noch sachbezogen, geschichtslos und apersonal benennen, wie es durchaus schon vielfach geschieht? Das wird den Revolutionären in irgendeiner Zukunft wieder zu wenig politisch sein. Rationale Systeme aus Zahlen und Buchstabenkombinationen, die ganze Städte überziehen, sind eingriffsfester, aber der Code aus Name und Hausnummer hat sich als sehr praktikabel erwiesen. Straßenumbenennungen nur unter bestimmten Bedingungen zu erlauben, wie das in einigen Kommunen geschieht, ist selbst wieder Gewese um Straßennamen. Das Thema wird uns also noch lange erhalten bleiben.

Der Gott der Stadt

August 24, 2012

Auf einem Häuserblocke sitzt er breit.
Die Winde lagern schwarz um seine Stirn.
Er schaut voll Wut, wo fern in Einsamkeit
Die letzten Häuser in das Land verirrn.

Vom Abend glänzt der rote Bauch dem Baal,
Die großen Städte knien um ihn her.
Der Kirchenglocken ungeheure Zahl
Wogt auf zu ihm aus schwarzer Türme Meer.

Wie Korybanten – Tanz dröhnt die Musik
Der Millionen durch die Straßen laut.
Der Schlote Rauch, die Wolken der Fabrik
Ziehn auf zu ihm, wie Duft von Weihrauch blaut.

Das Wetter schwält in seinen Augenbrauen.
Der dunkle Abend wird in Nacht betäubt.
Die Stürme flattern, die wie Geier schauen
Von seinem Haupthaar, das im Zorne sträubt.

Er streckt ins Dunkel seine Fleischerfaust.
Er schüttelt sie. Ein Meer von Feuer jagt
Durch eine Straße. Und der Glutqualm braust
Und frisst sie auf, bis spät der Morgen tagt.

Georg Heym, 1910.

Auseinandersetzungen um Straßennamen: Schildersturm in Deutschland

August 23, 2012
Occupy

Aktivisten der Occupy-Bewegung haben eine täuschend echt wirkendes Straßenschild aufgestellt.

Münster hat gerade seinen weitflächigen Hindenburgplatz in Schlossplatz umbenannt, Oldenburg will 130 historische Straßennamen auf Untragbarkeit überprüfen, Freiburg gleich all seine 1300 Straßenschilder. Die Nachrichten über Straßenumbenennungen und umstrittene Versuche dazu häufen sich. Wer ist da am Werk und warum? Es erscheint unglaublich, was für ein Gewese um Straßennamen gemacht wird. Zusatzschilder sind oft doppelt so lang wie das eigentliche Schild, Umwidmungen (Name bleibt, es soll künftig aber einer anderer gemeint), Doppelwidmungen (Name bleibt, aber zusätzlich soll noch ein anderer gemeint sein), Umbenennungen (Name bleibt nicht), Gedenktafeln, schilderstürmerischer Vandalismus und Schilderraub, Überklebungen sowie  kreative Projekte lassen die Straßenschilder nicht mehr einfach so stehen.  Kommissionen, Gremien, Stadträte, Bürgerinitiativen, Anwohnerinitiativen und Künstler zerbrechen sich den Kopf über die richtige Wegweisung, Satiriker machen sich darüber lustig, Internetuser schalten sich ein, Professoren erklären, Straßennamen seien von höchster Bedeutung.

Da ist der kritische, mündige und informierte Bürger aktiv geworden, der sich nicht mehr mit von Geschichte und Stadtverwaltungen gelieferten Straßennamen zufrieden geben will. Das Internet macht es so leicht wie nie, Namensgeber von Straßen zu identifizieren und sich zu empören, über Mörder, Verbrecher, Homosexuellenhasser, Wegbereiter des Faschismus, allzu moskowitische Sozialisten und Kolonialisten, die da möglicherweise geehrt werden.

Stadtverwaltungen gehen dazu über sich wie politische Säuberer in Personengruppen festzulegen, die sich nicht mehr in Straßenschilder niederschlagen sollen. Zeitgenössische  Tendenzen können sich mit Opfern statt Helden auf Straßenschildern besser identifizieren, oder möchten eine Frauenquote erfüllt sehen. Der Krieg hat als horrifizierender, anstößiger, und möglicherweise missleitender Inhalt von Straßenschildern sowieso ausgedient, sodass neben Personen auch Schauplätze von Schlachten, also Orte, von Straßenschildern verschwinden.  Da sind die Historiker als Experten gefragt, die mit ihrem Fach auch einmal etwas erreichen wollen, und wenn es um die Umbenennung oder den Erhalt eines Straßenschildes geht. Da seit dem Zeitalter des Absolutismus die räumliche Orientierung durch Straßenschilder mit politischer Orientierung verbunden wird, bietet der Schilderwald eine Fülle  moralisch oder politisch aus heutiger Sicht missliebiger Menschen an, die auf Straßenschildern verewigt sind.

Hinzu kommen Kommunalpolitiker, die sich in Zeiten knapper Stadtsäckel politisch profilieren wollen, angefeuert werden Sie dabei aus den Medien und auch vereinzelt von Bundespolitikern. Straßenumbenennungen gelten als günstig, wie immer wieder hervorgehoben wird, und sonstige auftretende Kosten können auf die Anlieger abgewälzt werden. Alle wollen sie ihre Wirkungsmacht erproben, Spielwiese oder – verhärtet –  das Schlachtfeld der Kulturkämpfer und Politiker ist der Straßenschilderwald. Selbst Strafanzeigen, Klagen oder wechselseitige Morddrohungen kann es geben. Verschiedene politische Gruppierungen können aneinandergeraten, aber auch verschiedene Geschmäcke. Aktionisten und als moralische Lehrmeister, Richter und Besserwisser auftretende Eiferer geraten mit Besonnenen und Indifferenten aneinander, die Relikten aus anderen Systemen der Vergangenheit keine besondere Bedeutung zumessen oder sie historisch interessant finden. Ältere wollen die vertrauten Schilder oft bewahren, während die mittlere Generation, die die Hebel in der Hand hält, die Gesellschaft mit Umbenennungen auf irgendeine Weise gestalten will.  Es werden kollektivpsychologische Erklärungsmuster bemüht, man spricht von „Flucht aus der Geschichte„,  bei genauerem Hinsehen sind jedoch eine in die Vergangenheit gewendete Demokratieverteidigung in alle Richtungen und europaweit rückwirkende Political Correctness und verschiedene linke Ideologien und Bestrebungen (Antifaschismus, Antinationalismus, Antikolonialismus, Antimilitarismus usw.) als hauptsächliche  Triebfedern der Umbenennungen erkennbar.  Seit der Wiedervereinigung spielen insbesondere Befürchtungen eine Rolle, das geeinte Deutschland könne eine Gefahr für den Weltfrieden darstellen, und der Neonazismus  zu stark werden. Beispielweise wird bei den Auseinandersetzungen um die von-Seeckt- und von-Einem-Straße in Essen fortlaufend mit dem NSU-Terrorismus argumentiert.

Straßenbenennungen dienen auch als Zankapfel. Auseinandersetzungen um Straßenschilder mobilisieren Menschen und markieren territoriale Ansprüche verschiedener gesellschaftlicher und politischer Gruppierungen und Milieus. Politische Gruppierungen auch junger Menschen, von Antifa bis Junge Union, sehen Straßennamen als bedeutungsvoll und  als Mittel der politischen Auseinandersetzung an. Diese benennen Straßen eigenmächtig und provisorisch in Nacht- und Nebelaktionen nach Opfern rassistischer Gewalt um, jene wollen in Westdeutschland den historischen Erinnerungsbestand, so, wie er sich in der Geschichte ergeben hat, eher erhalten, während sie in Ostdeutschland manchen Kommunisten von den Schildern holen wollen.

Dahinter steht  die „denunziatorische Beschäftigung mit Geschichte“, wie sie Bernhard Schlink als Kennzeichen unserer Gegenwart erkannt hat, diese Tendenz ist überall in der Gesellschaft wirkungsvoll.  Die Fähigkeit, sich in die historische Vergangenheit einzudenken, die Bereitschaft, historisch zu relativieren, geht möglicherweise zurück. Das Verständnis der Generationen für ihre Vorgängergenerationen nimmt immer weiter ab, wie zum Beispiel der Historiker Eric Hobsbawm erkannt hat, denn der gesellschaftliche Wandel beschleunigt sich immer weiter. Es spiegeln sich also auch gesellschaftliche Umbrüche, sowie Veränderungen in der Bevölkerungszusammensetzung, in den Umbenennungen. Straßenumbenennungen sind in einem Straßennamensystem Teil des Alltags, treten aber gehäuft nur bei Systemwechseln und (Kultur-)Revolutionen auf.

Alles was übertrieben wird, muss Kritiker auf den Plan rufen: Die manchmal aufschimmernde Tendenz, man könne und müsse die Gesellschaft mit Straßennamen in erheblichem Maße sozialpädagogisch beeinflussen, durchgängig plakativ auf das politische System der Gegenwart einschwören und dabei problematische Dokumente der Geschichte, insbesondere vordemokratischer Systeme, vollständig verschwinden lassen, wird feuilletonistisch schonmal als totalitär kritisiert. Auch kommen Gedanken auf, wie die Straßenumbenennerei unter Zweckmäßigkeitsgesichtspunkten wieder begrenzt werden kann. Straßen möglichst neutral nur noch sachbezogen, geschichtslos und apersonal benennen, wie es schon vielfach geschieht? Rationale Systeme aus Zahlen und Buchstabenkombinationen, die ganze Städte überziehen, sind eingriffsfester, aber der Code aus Name und Hausnummer hat sich als sehr praktikabel erwiesen. Straßenumbenennungen nur unter bestimmten Bedingungen zu erlauben, wie das in einigen Kommunen geschieht, ist selbst wieder Gewese um Straßennamen.