Posts Tagged ‘NRW’

Auf den Externsteinen

Juli 23, 2017

Das Drei-Hasen-Fenster von Paderborn

Juli 23, 2017

„Der Hasen und der Löffel drei, und doch hat jeder Hase zwei“ – Das aus dem 16. Jahrhundert stammende Drei-Hasen-Fenster im Kreuzgang des Doms zu Paderborn ist heute ein  Wahrzeichen dieser alten Stadt in Ostwestfalen.

Vor dem Super-Wahlsonntag: Die Angst vor dem Verlust der Mitte geht um

März 12, 2016
Von links: Linda Teuteberg - Michael Krons - Jan Fleischhauer

Von links: Linda Teuteberg – Moderator Michael Krons – Jan Fleischhauer

Die Lage in Deutschland ist derzeit von einer politischen Polarisierung gekennzeichnet. In den Medien geht die Sorge und sogar Angst vor einem Erstarken der AfD um, so etwa bei den Landtagswahlen am morgigen Sonntag. Der Journalist Jan Fleischhauer machte Ende letzten Jahres mit steilen Thesen von sich Reden: War die Wiedervereinigung ein Fehler? Er verortete Fremdenfeindlichkeit und Homogenitätsstreben in besonderem Maße in Ostdeutschland, beklagte die ostdeutsche Entchristianisierung und rief zu einer Remissionierung des Ostens auf. Am gestrigen Freitag traf er sich auf Einladung der Friedrich-Naumann-Stiftung in Bonn mit Linda Teuteberg, ostdeutsches Bundesvorstandsmitglied der FDP und ehemaliges Mitglied des brandenburgischen Landtags, was ein Streitgespräch erwarten ließ. Jedoch gab ihm diese teilweise Recht, nannte aber noch andere Ursachen für die unterschiedliche Mentalität in Ost und West: die jahrzehntelange Diktaturerfahrung, die mangelhafte Aufarbeitung des Scheiterns der Weimarer Republik und des Dritten Reichs in der DDR und die stärkere Abschottung der ausländischen Arbeiter in der DDR führe zu einer anderen Sozialisation, die sich in Schwierigkeiten im Umgang mit dem Fremden und auch individueller Andersartigkeit überhaupt niederschlage.

Fleischhauer relativierte seine Position, weil er zugeben musste, dass die AfD auch im Westen hohe Umfragewerte aufweist und die Wutbürger zuerst im Westen bei den Protesten gegen Stuttgart21 aufgetaucht seien. Die AfD sei nicht nur ein rein rechtes, sondern ein vielschichtiges Phänomen, das auch Wähler der Linkspartei anziehe. Die Gesprächsrunde rückte auch den Ausgangsfokus von Ostdeutschland auf europäische und sogar weltweite krisenhafte Zusammenhänge, merkte das Auftrumpfen von Donald Trump in den USA und das Erstarken des Front National in Frankreich an. Fleischhauer ging sogar so weit zu sagen, dass mit der Etablierung der AfD nur eine deutsche Anomalie im europäischen Kontext, das Fehlen einer Rechtspartei, beseitigt werde. Die überwältigende Mehrheit der Bundesbürger lehne die aktuelle Flüchtlingspolitik ab, sehe sich aber damit bisher nicht im Bundestag repräsentiert.

Wie nun die Erosion der Mitte und das Erstarken der Ränder aufhalten, fragte Moderator Michael Krons. Jan Fleischhauer hält zwar die Äußerung fremdenfeindlicher Positionen im politischen Diskurs für erlaubt, gegenüber Einschüchterung und Bedrohung von Flüchtli2016-03-11 20.40.29ngen müsse die Polizei jedoch Null Toleranz zeigen und hart durchgreifen. Schwachstelle der AfD sei ihre völlige Humorlosigkeit, man greife sie daher am besten mit Verspottung an. Die Politik der Mitte müsste „genormte Sprache“ vermeiden und sich ähnlich wie die CSU, die sich erfolgreich behaupte, nah am Menschen halten.

Linda Teuteberg forderte Gelassenheit und Souveränität in der Auseinandersetzung mit der AfD. Die Demokraten müssten die eigenen Regeln des zivilen Umgangs beachten, um ihre Glaubwürdigkeit nicht zu verlieren. Sie glaubt, dass Diskussion und Debatte die Mitte stärken, Demos und Gegendemos eher die Ränder. Teuteberg beklagte den fehlenden Dissens zwischen den Bundestagsparteien, womit sie sich überraschend AfD-ähnlich positionierte. Die „Opposition“ im Bundestag fordere nur vom Gleichen noch mehr. Probleme würden von den herrschenden Parteien leider oft verharmlost, es fehlten auch kantige Charaktere unter den Politikern. Die Menschen der Mitte müssten sich letztlich politisch mehr engagieren.

 

Köln: Mit Flutlicht gegen Dunkelmänner

März 12, 2016

2016-03-11 22.34.00
Nach den schlimmen Vorkommnissen der Silvesternacht in Köln sind auf dem Vorplatz des Hauptbahnhofs große Scheinwerfer des THW aufgebaut worden, die den Platz weithin mit Flutlicht ausleuchten. Auch Polizei ist auf dem Bahnhofsvorplatz und auf der Domplatte mit Einsatzwagen und Mannschaften präsent, um die Kleinkriminalität dort unter Kontrolle zu bringen. Im Bahnhof, der eine bunt geschmückte Unterwelt mit Geschäften und Einkehrmöglichkeiten ist, patrouillieren viele Polizisten in gelben Signalwesten zu zweit oder zu viert. Ich sah, wie sie einen herumstehenden Asylbewerber kontrollierten, der sein Ausweispapier vorzeigen musste, und etwa eine Viertelstunde auf Deutsch und Englisch befragten, was er im Bahnhof zu suchen habe. Dieser gab sich stumm und gab keine zufriedenstellende Antwort. Irgendwann ließen die Polizisten halb zufrieden von ihm ab, nachdem sie fort waren, bewegte er sich rasch in eine andere Richtung.

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Als ich dieses Foto vom Einsatzwagen auf dem Kölner Bahnhofsvorplatz schoss, stürmte gerade eine Gruppe von Polizisten mit Halt-Rufen auf die Domplatte zu, einem Verdächtigen hinterher. Man sieht rechts ihre Umrisse.

2016-03-11 22.34.32Flutlicht in der Stadt: Man kommt sich vor wie in einem Stadion.

Sich ausbreitende Kriminalität und ihre Folgen

Februar 14, 2016

Entnehme den Westfälischen Nachrichten vom Wochenende, dass im Supermarkt bei mir um die Ecke drei Marokkaner, die man ihrem Akzent erkannte, sich die Jacken mit Diebesgut vollstopften. Einer wurde festgehalten, zwei konnten entkommen. Aus der Berichterstattung der lokalen Medien der letzten Wochen könnte man folgern, dass Münster jetzt im Bereich der Kriminalität ein Nordafrikaner-Problem hat.

Sehe heute, dass der Selbstbedienungsbereich in der Bankfiliale am Hauptbahnhof jetzt außerhalb der Geschäftszeiten geschlossen ist, angeblich aus „technischen Gründen“. Aufgrund von Zeitungsberichten über vermehrte Sprengung von Geldautomaten und die Reaktionen der Banken darauf frage ich mich, ob eher die Angst vor der in Bahnhofsgegend stark zunehmenden Kriminalität Ursache der eingeschränkten Nutzungsmöglichkeiten ist.

An einer Flüchtlingsunterkunft in der Nachbarschaft ruft ein Fahndungsplakat der Polizei dazu auf, Hinweise zur Aufklärung der „Verbrechen“ der Silvesternacht in Köln zu geben. Daneben hängt eine Version in Arabisch. Die gehen ja von einem weiten Wirkungsradius der Täter aus.

Kürzlich traf ich einen hochbetagten Rentner, der statt einer Geldbörse einen Brustbeutel unter dem Hemd trägt, um Geld und Papiere zu verstauen. Grund sind die vielen Taschendiebstähle und Raubüberfälle, von denen man mittlerweile in der Lokalzeitung liest. Er habe viel miterlebt, auch noch den Zweiten Weltkrieg, aber die derzeitige Flüchtlingskrise führe dazu, dass er erstmals in seinem Leben wirklich Angst empfinde. Das ist schon die zweite Variante der Vorsorge gegen Taschendiebstahl, die ich in Münster kennenlerne. Eine Münsteranerin erzählte mir,  nach Einbruch der Dunkelheit nehme sie nur die notwendigsten Dinge aus ihrer Brieftasche mit auf den Weg.

„Steigt die Kriminalität im Land, Herr Pfeiffer?“ fragt der SPIEGEL, Nr. 5 vom 30.1.2016 den bekannten Kriminologen mit drei F. In absoluten Zahlen ja, antwortet dieser unter anderem. Wenn dieses Jahr noch einmal so viele Flüchtlinge nach Deutschland kommen wie letztes Jahr, werde die Polizei mit der Kriminalitätsbekämpfung überfordert sein. „Dann schaffen wir es nicht.“ Beunruhigende Perspektiven.

FDP-Hoffnungsträger Christian Lindner kritisiert Energiewende und rot-grüne Politik

Februar 6, 2013

DSCN1686Aufgrund der in den Medien thematisierten Politikeraffären tritt  die Auseinandersetzung mit Sachthemen in den Hintergrund, dies beklagte Christian Lindner, FDP-Chef in Nordrhein-Westfalen bei einem Auftritt in Münster. Er verteidigte die EU, kritisierte aber die Energiewende sowie die Haushalts- und Bildungspolitik der rot-grünen Landesregierung in NRW.

Zukünftige Entwicklung Europas

Für die EU forderte Lindner eine klare Verteilung der Kompetenzen sein: Große Fragen müssten in Brüssel entscheiden, nicht kleine. Lindner pries die EU, „sie ist das Studium in Rom“, die unkomplizierte „Urlaubsreise nach Lissabon“, der Euro biete die Möglichkeit von Handelsgeschäften ohne Sorge um Währungsschwankungen. Die EU sei ein Friedens- Wohlstands und Freiheitsprojekt. Deutschland würde ohne die EUR verlieren.  Das Fundament der EU müsse das „Prinzip Verantwortung“ sein. Dieses werde aktuell durch die Staatsschuldenkrise unterspült.  Stabilisierungsarbeiten seien erforderlich.  Man müsse an die Wurzel des Problems gehen, dies sei die mangelnde Wettbewerbsfähigkeit mancher Staaten.

Die Misere des Landeshaushalts in NRW

Der Landesfinanzminister Norbert Walter-Borjans meine,  die Schuldengrenze sei eine „Selbstentmündigung der Politik“. Schulden seien ein Problem, heiße es von rot-grüner Seite, das sich durch die Inflation erledige.  Hier werde immerhin eine Verfassungsbestimmung angegriffen, meinte Lindner dazu, überdies sei die Verschuldung ökonomisch falsch. Diese Politik gefährde die Glaubwürdigkeit Deutschlands in Europa, denn NRW  gehöre zu den großen Volkswirtschaften in Europa. Es würden „gute Schulden“ für „vorsorgende Sozialpolitik“ gemacht, so heiße es von rot-grüner Seite, doch im Landeshaushalt greife das Umweltministerium  zusätzliche 145 Millionen ab, um in Stiftungen,  Programme und 220 zusätzliche Stellen zu investieren. Es werde in Apparate  und Bürokratie investiert, während bei Kindern, Bildung und Kultur gekürzt werde:  „Hier werden mit grüner Tinte rote Zahlen geschrieben.“

Die FDP werde zur Partei der „reichen Erben“ erklärt, weil sie Vertreter des Mittelstands ist, der aber mit seinem Vermögen mit Mann und Maus im Unternehmen stecke.  80 Prozent der Arbeitnehmer  in Deutschland seien beim Mittelstand beschäftigt. Daher gehe es Deutschland insgesamt gut, wenn es dem Mittelstand gut gehe.

Die sozialistische Regierung Hollande in Frankreich zeige, was Deutschland drohe, wenn Rot-Grün die Macht übernehme: Die Arbeitslosigkeit und Schulden nähmen, das Wachstum ginge zurück.

Egalitäre Bildungspolitik in NRW

Die rotgrüne Regierung versuche das Gymnasium trockenzulegen mit der Zielvorstellung der Einheitsschule. Lindner hält davon nicht, weil es ungerecht sei, unterschiedlich begabte Menschen gleich zu behandeln.  Es werde überdies zu Flucht in die Privatschulen führen.  Aus wohlmeinenden sozialen Motiven würde damit die Spaltung der Gesellschaft befördert.

Energiepolitik setzt auf falsche Energieträger

Der subventionierte Ausbau der Photovoltaik in Deutschland, insbesondere in Bayern, überbiete alle Prognosen, dabei sei die Nutzung von Sonnenenergie in Deutschland so sinnvoll wie Ananaszucht in Alaska, es handel sich um eine volkswirtschaftliche Katastrophe.  Er sei kein Gegner der Energiewende, sie dürfe jedoch nicht zu riskant und teuer ausfallen, eine marktwirtschaftliche Reform der Energiepolitik sei nötig. Bei mehr Wettbewerb würden in Deutschland Wind, Wasser und Biogas als Energielieferanten bedeutsamer werden.

Die Überdehnung des Wohlfahrtsstaates, die Subventionierung der Solarenergie, die Eingriffe ins Schulsystem und das neue Nichtraucherschutzgesetz zeigten, dass sich in der Politik eine Bevormundung des Bürgers durch den Staat als Modell ausbreite. Klima-Aktivisten würden schon öffentlich den chinesischen Staatsautoritarismus als vorbildlich benennen.

Ursachen der FDP-Krise

Die Krise der FDP führt Lindner auf die enttäuschten Erwartungen nach der letzten Bundestagswahl und auf den Mangel an wirtschaftspolitischer Kompetenz, der sich im Umgang mit der Eurokrise gezeigt habe, zurück:  Die FDP habe im Umgang mit den neuen Problemen zu lange an überkommen Vorstellungen festgehalten.  Lindner verbreitet trotz seiner langen Politikerfahrung dennoch Zuversicht, dass die FDP einmal noch zu grundlegenden Reformen im bürokratischen Dickicht der Wirtschafts- und  Sozialpolitik in der Lage sein werde.

Historische Bildungsstätten in Nordrhein-Westfalen II: Ruhr-Universität Bochum

Januar 16, 2013

Die von weitem sichtbare Ruhr-Universität Bochum (RUB) wurde eröffnet, als man auf konservativen Geschmack bei der Errichtung von Betonarchitektur keine Rücksicht mehr nahm – in den 1960er Jahren, als erste Universitätsneugründung in der Bundesrepublik Deutschland nach dem 2. Weltkrieg. Jetzt stand sie unverhüllt da, die Moderne. Die weitläufige Campus-Universität  des Architekten Helmut Hentrich ist aus der Vogelperspektive ein großer Wurf: Sie ahmt mit ihren langgestreckten Gebäudequadern samt Kaminen eine imposante Flottenformation großer Dampfschiffe nach, die in Reih‘ und Glied am Rande des Ruhrgebiets in die Landschaft sehen. Die Fakultäten der Universität verteilen sich auf die einzelnen „Schiffe“. Die Menschen, die dort studieren und arbeiten müssen, leiden freilich etwas unter der bei schlechtem Wetter sehr tristen Hässlichkeit und mittlerweile auch Baufälligkeit der Anlage, die aus der Nähe betrachtet sichtbar wird. Eine der Legenden, die sich um die Beton-Armada ranken, lautet, dass sich einige Studenten von den Geländern der Schiffen in den Tod stürzten  bis bauliche Sicherungsmaßnahmen eingeleitet wurden.

Durch den Bau der Ruhr-Uni sollten nunmehr die Bildungsreserven in der Arbeiterschicht gehoben werden, nachdem die große Zeit des Kohleförderung im Pott an ihr Ende gekommen war. Im Kaiserreich war man noch darauf aus, die Universitäten möglichst fern der „roten“ Kohlereviere zu errichten, damit sich Studenten und Arbeiter nicht aneinander revolutionär entzündeten. So entstand eine Art Universitätsring im heutigen NRW in einem Sicherheitsabstand um das Ruhrgebiet herum. Provinzmetropolen wie Münster wurden so Universitätsstandorte. Entgegen den Befürchtungen der einstigen Revolutionsangst war aber dann die RUB unter ihrem seinerzeitigen Rektor Kurt Biedenkopf, der eine junge Professorenschaft anführte, eine eher ruhiges Pflaster während der 68er-Studentenunruhen in Europa: In Bochum wirkten eher Pioniere als Revolutionäre. Zumal in den roten Siebzigern versuchten zwar kommunistische Gruppierungen von der RUB aus in die Arbeiterschaft der ebenfalls neu errichteten Opelwerke in Bochum hineinzuwirken, dies scheiterte jedoch wie alle diese illusionären Projekte.

Die Fotoserie zeigt die RUB bei durchwachsenem Wetter:

Ruhr-Universität Bochum