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Abrechnung mit den 68ern

April 26, 2018

Aufgrund der Gegenproteste im 68er-Stil verlief der gestrige Abend der AfD Münster mit Dr. Karlheinz Weißmann nicht ohne Komik und Grusel. In der Mitte der Veranstaltung fiel kurzzeitig das Licht aus. Dann klingelte ein deponierter Wecker, der erst gefunden werden musste. Die lärmenden und schreienden Gegendemonstranten aus dem linken Spektrum wurden von der Polizei nahe an den Eingang der Stadtbibliothek als Veranstaltungsort herangelassen und waren am Anfang der Veranstaltung ständig im Hintergrund zu hören.

Dr. Karlheinz Weißmann beim Vortrag in Münster

Der Vortrag des Geschichtslehrers und rechtskonservativen Publizisten Weißmann über den „Kulturbruch ’68: Die linke Revolte und ihre Folgen“ selbst erwies sich eigentlich als ziemlich unspektakulär historisch-darstellend und reihte sich weitgehend ein in die gängige 68er-Kritik, die man ähnlich heute eigentlich überall lesen kann, allerdings ohne auch positive Aspekte von ’68 hervorzuheben. ’68 sei nicht das Gründungsdatum der Zivilgesellschaft gewesen, wie die 68er-Apologeten behaupteten, vielmehr habe es in den 50er und 60er Jahren eine breite, vielfältige öffentliche Diskussionskultur gegeben, die durch die 68er zerstört worden sei. ’68 sei ein Kulturbruch im Sinne einer Revolution gewesen, die die Umwertung aller Werte und die Veränderung der Lebensweise zur Folge gehabt habe. Die Reformära der 70er Jahre und der Marsch durch die Institutionen könnten als Triumph der 68er gedeutet werden, wenn auch die Revolte zunächst gescheitert sei.

Ihren Ausgang hatte die 68er-Bewegung in den USA, referierte Weißmann, wenn sie auch in Deutschland vom kommunistischen Ostblock unterstützt worden sei. Die verwöhnten Kinder der Wohlstandsgesellschaft in den USA, die gewohnt waren, dass jeder ihrer Wünsche erfüllt würde, aber dann mit Wehrpflicht und Kriegseinsatz in Vietnam konfrontiert gewesen seien, hätten die Basis der dortigen Studentenbewegung gebildet. Sozialistische Utopien sollten mit einem Bündnis der progressiven Intelligenz mit Randgruppen verwirklicht werden.  Das Denken drehte sich um Befreiung des Trieblebens, Ablehnung der Industrie- und Konsumgesellschaft sowie Ablehnung jeglicher Hierarchien.

Deutsche Austauschstudenten in den USA seien von dieser Bewegung angesteckt und mit Aktionsformen wie Sit-in oder Go-in vertraut gemacht worden. Weißmann zeichnete den historischen Gang der Ereignisse wie die Massendemonstrationen im Gefolge der Erschießung des Studenten Benno Ohnesorg und des Attentats auf Rudi Dutschke nach. Die „Schlacht am Tegeler Weg“, bei der Bruchsteinplatten und Rockerbanden gegen die Polizei eingesetzt worden seien, hätten zur Aufrüstung der Polizei mit Helm und Schild geführt. Das Ende des Tschako-Polizisten sei also auch ein fragwürdiger Erfolg von ’68. Dazu kommen die Todesopfer der RAF, die sich aus der 68er-Bewegung entwickelt habe. Vor allem aber habe ’68 psychische Schäden und eine allgegenwärtige ideologische Imprägnierung der Gesellschaft hinterlassen, glaubt Weißmann, und eben auch eine Protestkultur wie vor der Tür der Stadtbibliothek Münster, die Andersdenkenden die Meinungs- und Versammlungsfreiheit abspreche.

 

 

Namensstreit in Münster: Hindenburgplatz oder Schlossplatz?

August 4, 2012

Aktuelle hitzige Debatten  in Münster um Straßennamen bereiten mir, auch wegen einiger geschichtsfeindlicher Tendenzen, Sorge. In Münster gibt es ein weiträumiges Areal, eine Art Niemandsland zwischen Stadt und Schloss, das aus alter Zeit stammt. Hier war einmal offenes Feld vor der Stadtmauer, dann ein Schussfeld (Esplanade) zwischen Schlosszitadelle und Stadt. Mitte 18. Jahrhundert wurde das Areal in Neuplatz umbenannt und ansatzweise zu einer Platzanlage ausgestaltet, was aber nicht zu Ende geführt wurde. Das Gelände diente lange Zeit als Exerzierplatz.  Das heute als Parkplatz genutzte aufwertungsfähige Areal heißt seit 1927 Hindenburgplatz. Für mich war das bisher immer eine Erinnerung an einen bestimmten Zeitabschnitt in der deutschen Geschichte  und notierte es als Hinweis darauf, dass die Hindenburgverehrungswelle einst auch nach Münster geschwappt war.  Diese gründete auf den nominellen Oberbefehl Paul von Hindenburgs in der siegreichen Tannenberg-Schlacht gegen die russische Narew-Armee, wodurch damals abgewendet wurde, dass Teile des Deutschen Reiches unter die zaristische Knute gerieten. Davon, dass die Mehrheit der Münsteraner damit eine gegenwärtige Ehrung dieses von Wolfram Pyta als passiv-charismatischen Kriegsherren und phlegmatischen OHL-Militärtechnokraten beschriebenen steinalten letzten Reichspräsidenten zum Ausdruck bringen will, ging ich bislang nie aus. Auch eine durch ein Straßenschild bewirkte breitenwirksame Vorbildwirkung einer heute derart fremdartig wirkenden Figur aus einer vorvergangenen Epoche nehme ich nicht an.

Jetzt soll der Platz nach Jahrzehnten erfolgloser antimilitaristischer Agitation aus dem links-universitären Milieu der Stadt gemäß dem Wunsch der Mehrheit der Lokalpolitiker, unterstützt von Universitätshistorikern, umbenannt werden, weil man nunmehr meint, die Platzbezeichnung bringe eine Ehrung zum Ausdruck, die vor allem aufgrund der Rolle Hindenburgs bei der Machtübernahme Hitlers nicht mehr aufrechterhalten werden könne. Offenkundig ist auch das an Marketing und Stadt-Image orientierte Milieu der Mitte die Auseinandersetzungen um den Platznamen satt und hofft, Ruhe durch eine neutralere Bezeichnung herzustellen. Von neueren geschichtlichen Erkenntnissen ist die Rede, die zu einer Neubewertung Hindenburgs geführt hätten – dabei ist Hindenburg schon seit Jahrzehnten immer wieder angeprangert worden. Selbst konservative Historiker wie Joachim Fest oder Golo Mann haben ihn kritisiert und in einem ungünstigen Licht dargestellt.

Straßennamen und Platzbezeichnungen können eine Ehrung zum Ausdruck bringen, sind aber vielfach nur Relikte aus vergangenen Zeiten, die einmal eine Ehrung zum Ausdruck gebracht haben mögen, was aber nicht in die Gegenwart fortgeschrieben werden kann: Sie sind dann historisch zu sehen. In Straßenverzeichnissen türmen sich so viele Straßenbezeichnungen aus verschiedenen Epochen und Systemen übereinander, darunter Benennungen nach Herrschern, Feldherrn und Schlachten, es ist unmöglich, dass sie fortlaufend vollständig oder nur umfänglich zum Ausdruck bringen, was aktuelle Bevölkerungsmehrheiten oder gerade tonangebende politische Kreise aus ideologischen Motiven geehrt sehen möchten.  Unmöglich kann sich in einer pluralistischen und arbeitsteiligen Gesellschaft auch jeder mit jedem Straßennamen identifizieren. Eine widerspruchsfreie normative Aussage kann all’ dem schon lange nicht mehr entnommen werden. Unbeirrt von den alten Straßennamen geht das Leben in den Metropolen seinen zeitgenössischen Gang.

Wenn Straßennamen sehr lange Zeit bestehen, der Hindenburgplatz etwa fast 100 Jahre, bürgern sie sich ein und können  – emanzipiert vom Namensgeber – Teil der Lokalgeschichte und des Heimatgefühls werden, was in Münster offenbar mit dem Hindenburgplatz geschehen ist, dessen Namensgeber doch in der historischen Erinnerung durch die Schrecknisse der internationalen Hassfigur Hitler überlagert und weithin in Vergessenheit geraten ist. Die Bezeichnung Hindenburgplatz ist in der ganzen Region bekannt, Verkehrsleitsysteme auf die Bezeichnung eingerichtet, der Name betrifft Adressen von vielen Geschäften und Universitätsgebäuden.  Das Umbenennung des Hindenburgplatzes stößt daher auf massiven Widerstand aus erheblichen Teilen der Bevölkerung. Die letzte Entscheidung wird daher in einer Volksabstimmung mit ungewissem Ausgang am 16. September gefällt werden, die auf Drängen einer scharf(-sinnig) konservativen Bürgerinitiative “Pro Hindenburgplatz – Contra Bilderstürmerei” angesetzt wurde. Bilderstürmerei ist in Münster sehr bekannt durch die historische Wiedertäuferbewegung. Der Hindenburgplatz wird in dieser Sichtweise als Art alte Heiligenstatue beschrieben, die man vom Sockel zu stürzen versucht.  Die Charakterisierung findet ihren Halt im dramatischen Höhepunkt der zurückliegenden Auseinandersetzungen um den Hindenburgplatz, als ein Kommando “Georg Elser” die Straßenschilder des Platzes entfernte.  Man könnte auch von einem Kampf gegen Windmühlen sprechen, weil gegen einen Gegner angerannt wird, der nur noch in der historischen Erinnerung und als Erfindung existiert. So versucht die örtliche Linkspartei, die Bevölkerung mit der abwegigen Vorstellung zu verängstigen, Neonazis könnten um ein Dutzend umstrittener Straßenschilder einen Kult zelebrieren.  Auch eine von Linken gebildete Satire-Gruppe “Hindenburg-Jugend” spielt mit dieser Vorstellung.

Da die Umfrageergebnisse und die Wortmeldungen der Bevölkerung so unterschiedlich ausfallen, steht nur eines schon fest: Sofern die finanziell klamme lokale Kommunalpolitik in der Umbenennung eine Möglichkeit zur günstigen Symbolpolitik gesehen haben sollte, um die sonstige Handlungsunfähigkeit zu überspielen, so ist ihr das schon aufgrund der Kosten des Bürgerentscheids von 285 000 Euro teuer zu stehen gekommen.

Die am 21.3.2012 vom Stadtrat aus geschichtspolitischen Gründen gewählte Bezeichnung Schlossplatz, die die Bezeichnung Hindenburgplatz ersetzen soll, erscheint undemokratisch, unhistorisch und unangemessen. Unangemessen ist die Bezeichnung in architektonischer Hinsicht: Der Schlossplatz bezeichnete bisher nur ein kleines Areal direkt vor dem Schloss. Der Hindenburgplatz ist ein Areal zwischen Schloss und Stadt, dass sich schlauchförmig am Schloss vorbei aus dem Gesichtskreis des Schlosses herausbewegt. Wie es aussieht, handelt es sich doch um zwei unterschiedliche Anlagen, denn jetzt ist auf der  Jump-Wiki der Umbenennungsbefürworter-Initiative die Bezeichnung “Ehrenhof” für den kleineren Platz vor dem Schloss aufgetaucht. Es besteht also offenbar weiterhin ein Bedürfnis, für die beiden Anlagen unterschiedliche Bezeichnungen zu verwenden, um sich über sie zu verständigen. Auf beiden Plätzen, die durch bauliche Elemente voneinander abgegrenzt sind, finden auch Veranstaltungen unterschiedlichen Zuschnitts statt. Das bisherige Schlossplatzareal wird dazu oft abgesperrt. Da das Schloss das Universitätshauptgebäude beherbergt, wird der Platz durch diesen Namen auch unangenehmen durch die Universitätsszene vereinnahmt, obwohl er auch an Militäranlagen, Gerichtsgebäude, Gaststätten, Geschäfte, Wohngebäude und Schulen angrenzt.

Unhistorisch wird durch die Namensausweitung Eindruck vermittelt, der Platz habe schon zu fürstbischöflicher Zeit so geheißen. Das Gelände hieß aber in der Geschichte nie so. In einem fragwürdigen Akt von Geschichtsverdrängung wird eine Platzbezeichnung, die an eine  bestimmte schwierige und schlimme Epoche, die Zeit des 1. Weltkriegs und Weimarer Republik, erinnert, einfach aus dem Stadtbild gelöscht und so getan, als hätte es diese Zeit nie gegeben. Aus der unangenehmen Erinnerung an die Stürme der preußisch-deutschen Geschichte verdrückt man sich und zieht sich auch im Sinne von Regionalismus in die Behaglichkeit münsterländischer Provinzialität zurück. Eine Anregung im Stadtbild, sich mit einem bestimmten Aspekt der Geschichte historisch zu beschäftigen, ginge damit verloren, wo doch gerade die Weimarer Republik reichhaltiges Lehrmaterial bietet, welche Fehler in einer Demokratie vermieden werden müssen. So gut demokratisch -im Sinne einer Mahnung-  ist in der Vergangenheit in Münster auch immer die Beibehaltung des Platznamens begründet worden. Auch wenn dies ohnehin schon deutlich geworden ist, könnte der Stadtrat eine Erklärung verabschieden, wonach die Platzbezeichnung in diesem Falle keine Ehrung (mehr) ausdrückt. Die Stadt Münster ist rechtlich ungebunden, in welchem Sinne sie Plätze widmen will, ob als Ehrung, Erinnerung oder Mahnung.

 Undemokratisch ist die Bezeichnung, weil hier heute das Volk den Platz als Festplatz, zum Flanieren und zum Aufbruch in die Stadt nutzt, und das schon seit langer Zeit, während er den Fürstbischöfen als Schussfeld  auf das Volk gut war. Auf eine Schloss-Symbolik “gegen antidemokratisches Denken” zu setzen, erscheint ähnlich abschüssig wie die Idee der SPD 1932, Hindenburg als Präsidentschaftskandidat zu unterstützen, um Hitler zu verhindern. Man kann sich also nicht mal zu einem politischen Demokratie-Symbol bewegen, obwohl man den Platz letztlich aus ideologischen und geschichtspolitischen Gründen umbenennt und Hindenburg den Untergang der Demokratie vorwirft, stattdessen konkurriert man mit den Hindenburgplatz-Befürwortern im Konservatismus und argumentiert mit “Ehre” und “Schande”. An der Bezeichnung Schlossplatz ist aber nichts demokratisch, weil die Münsteraner Fürstbischöfe bestimmt nicht die Demokratie erfunden haben und das Schloss aus der Zeit des antidemokratischen Absolutismus stammt.  Hingegen  gehört der ambivalent wirkende Hindenburg als Repräsentant einer Nation von Schönwetterdemokraten  auf jeden Fall in die Demokratiegeschichte, denn immerhin betrieb er die langsame Entmachtung Wilhelms II.  und war das einzige direkt vom Volk gewählte Staatsoberhaupt der Deutschen in ihrer Geschichte überhaupt.  Hindenburg setzte seine enorme Popularität dazu ein, mehrere Jahre die Demokratie zu stabilisieren. Er behauptete zwar später, dabei den Hintergedanken gehabt zu haben, bei einer Veränderung der Lage wieder auf eine Veränderung der Staatsform hinzuwirken, aber aufgrund seines hohen Alters konnte Hindenburg gar nicht davon ausgehen, dies noch mitgestalten zu können. Hindenburg wurde zusammen mit Friedrich Ebert, dem vorangegangenen Reichspräsidenten, bei einer zur Blütezeit der Weimar Republik vorgenommen überaus staats-  und republiktragenden Doppel-Widmung von Plätzen in Münster bedacht, deutlich vor der autoritären Wende Hindenburgs nach dem Einsetzen der Weltwirtschaftskrise. Die NSDAP war zum damaligen Zeitpunkt nur eine Randpartei gescheiterter Putschisten, die niemand auf der Rechnung hatte.

Die immer wieder vorgetragene primitiv-pazifistische Argumentation, Münster sei eine “Friedensstadt”, zu der ein Militär als Namensgeber überhaupt nicht passe, beleidigt alle Soldaten und entspricht so nicht der Realität, da Münster eine alte Garnisonsstadt ist, die bis heute auch stark vom Militär geprägt ist, was aber durch absehbaren Abzug der britischen Truppen abnehmen wird. Eine Friedensstadt im Sinne der Abwesenheit von Militär ist die vielleicht gerade wegen der Anwesenheit des Militärs durchaus friedliche Stadt jedenfalls nicht.

Platzbezeichnungen und Straßennamen stehen zu Recht nicht unter Denkmalschutz, und haben auch  – im Gegensatz zu Objekten von wirklichem Ikonoklasmus – keinerlei kunstgeschichtlichen Wert. Menschen jeder Epoche haben das Recht, ihre Vorstellungen in die Benennung von Straßen und Plätzen einzubringen. Das Straßenverzeichnis sollte aber, abgesehen von schmalen Zeitfenstern nach Revolutionen und Systemwechseln,  behutsam und evolutionär – etwa im Zusammenhang mit baulicher Umgestaltung – weiterentwickelt werden, weil seine primäre Aufgabe räumliche Orientierung und nicht Ehrung ist, was eine gewisse Konstanz der Straßennamen wünschenswert erscheinen lässt.  Lokalpolitisch interessierte Menschen müssen lernen, Straßennamen nicht zu sehr mit Erwartungen zu überfrachten, weil sie sonst aus dem Umbenennen nicht mehr herauskommen.

An Vorstellungen für so ein Areal kann man namentlich und architektonisch natürlich viele entwickeln: Mir persönlich würde “Platz der Freiheit” für das Areal zusagen. Diese Bezeichnung passt gut zu so einem jedwede Symmetrie missachtenden, vielfältig genutzten und offen begehbaren Gelände, das an unterschiedliche Gebäude angrenzt und weder Altstadt noch Schloss zugeordnet werden kann. Da die Nutzung des Platzes stark durch den Send, eine dreimal jährlich stattfindendes Volksfest, charakterisiert ist, würde auch die Bezeichnung “Sendplatz” vermeintlich gut passen.  Möglicherweise müssen die Anhänger der Umbenennung in Schlossplatz stärker kommunizieren, was aus ihrer Sicht die Umbenennung auch für die künftige Gestaltung des Platzes bedeuten soll, denn derzeit fällt es schwer, eine so schmucklose Parkplatzanlage und Volksfestmeile mit der Bezeichnung “Schlossplatz” zusammenbringen. Vielleicht will man dies aber auch gar nicht so in den Vordergrund stellen, da eine Umgestaltung ja noch eine viel stärker Beeinträchtigung von Vertrautheit und Heimatgefühl bedeuten würde als die schon so hart umstrittene Umbenennung.
Aussagekräftige Fotos vom Hindenburgplatz, wie er für Passanten aussieht:
https://plus.google.com/photos/105211582444391686432/albums/5773996416569400353/5773996423385109426?banner=pwa

Linken-Kritiker Jan Fleischhauer in Münster: Mit der Euro-Krise sind die Dinge durcheinandergeraten

November 9, 2011
Jan Fleischhauer

Carlos A. Gebauer (links) diskutierte mit Jan Fleischhauer (rechts) in Münster

Jan Fleischhauer, SPIEGEL-Mitarbeiter und Autor der Kultlektüre „Unter Linken – wie ich aus Versehen konservativ wurde“ besuchte gestern Münster, redete über sein Buch und die Eurokrise. „Die Dinge sind durcheinandergeraten“, so räsonierte Fleischhauer über die Eurokrise. Alte Maßstäbe, Begriffe und Werte gälten nichts mehr. Der Euro sei ursprünglich als ein Pazifizierungsinstrument für den europäischen Kontinent und Einhegungsinstrument für Deutschland gedacht gewesen. Maßlose Schuldenpolitik europäischer Staaten habe die Währung in die Krise geführt. Was zu tun sei? Von links komme als Antwort eine Transferunion, die man als „Supersozialstaat“ bezeichnen könne. Er hingegen trete für eine Verkleinerung der Euro-Zone ein. Mit dem Euro seien Wirtschaftskulturen zusammengezwungen worden, die nicht zusammenpassten. Griechenland sei das Extrembeispiel für die Politik eines sozialdemokratischen Wohlfahrtsstaats, aber auch in Deutschland laufe die Umverteilung des Sozialstaats auf eine Umverteilung von künftigen Generationen zu heutigen hinaus, nicht auf eine Umverteilung von reich zu arm Es gebe nämlich überhaupt nicht genug Reiche, die die Leistungen des Sozialstaats über die Steuerlast finanzieren könnten. Der politischen Linken mit ihrem apokalyptischem Denken arbeite jetzt die Angst der Menschen zu. Der Opferdiskurs der Linken wiederhole sich jetzt auf internationaler Ebene und werde von Staaten geübt, deren Auslieferung an die Finanzmärkte beklagt wird. Es kam kein Zweifel auf, dass sich Fleischhauer mit seiner Meinung, seinem „Schwarzen Kanal“, unter Opfern, Linken und Journalisten als einsamer Streiter sieht, womit er freilich auch einen eigenen Opferdiskurs angestoßen haben könnte. Er war ja früher selber mal einer, ein Linker.