Archive for the ‘Studium’ Category

Studieren in der Fahrradstadt Münster

April 24, 2019

Kunst ruft an der Universitäts- und Landesbibliothek (ULB) zu kritischem Denken auf. Foto: Grafenstein

Die Westfälische Wilhelms-Universität (WWU) in Münster ist mit rund 45000 Studenten eine der größten Universitäten in Deutschland und erfreut sich anhaltender Beliebtheit. Warum ist das so?

Münster ist die holländischste Stadt Deutschland, in der das Verkehrsmittel der Wahl die Leeze, das Fahrrad, ist. Mithin auch für Studenten eine kostengünstige Variante, am Individualverkehr teilzunehmen. Die verteilten Universitätsgebäude konzentrieren sich auf den inneren Stadtwesten, sodass im Gegensatz zu weltfremden Campusuniversitäten eine gute Integration in das Leben dieser Großstadt gegeben ist, ein Vorlesungsbesuch auch mit einem Einkaufsbummel in der Altstadt, einem Eis in einem Straßencafé oder mit einem abendlichen Kneipenbummel verbunden werden kann.

Studiert man an unterschiedlichen Fakultäten, rollt man mit dem Fahrrad von Veranstaltung zu Veranstaltung. Fahrradfahren ist sehr erfrischend und macht gute Laune. Die WWU hat außerdem aufgrund ihrer Größe eine sehr großes Angebot an Sportkursen, aus denen man wählen kann, hier bleibt kein Wunsch unerfüllt und keine noch so kuriose Sportart ausgelassen.

Natürlich gibt es auch ein sehr großes und ausdifferenziertes Angebot an Hochschulgruppen, Verbindungen und studentischen Initiativen sowie Vereinigungen in der Stadt, in denen man sich engagieren kann. Es ist allerdings auch anzuraten, sich irgendwo anzuschließen, da man an dieser Massenuniversität leicht vereinzeln und in der Anonymität untergehen kann, Professorenkontakt kann in den Massenvorlesungen je nach Fach auch eine Schwierigkeit sein. Ebenfalls Folge der Größe der Universität ist Größe der Universitäts- und Landesbibliothek (ULB), die ebenfalls eine der größten Deutschlands ist, was bedeutet, das für Haus-, Seminar- und Abschlussarbeiten eine Vielzahl benötigter Literatur schon vor Ort vorhanden ist und nicht per Fernleihe bestellt werden muss. Große Bedeutung hat an der WWU unter anderem die Lehrer- und Juristenausbildung sowie die Forschung zu religiösen Fragen. In der Stadt sind nebem einem Uni-Repetitorium auch viele private juristische Repetitorien angesiedelt, darunter mit seinem Hauptsitz Alpmann+Schmidt.

Das stark wachsende Münster mit seinen über 300 000 Einwohnern bietet mittlerweile eine lebendige Kneipenlandschaft und Kino- und Theaterszene, dabei aber eine ruhige, dem Studieren zuträgliche Atmosphäre, Grünschneisen und Naherholungsgebiete in Universitätsnähe wie den Aasee mit seinen beliebten Liegewiesen und mit dem Münsterland ein Umland, das zu Fahrradausflügen in die Natur einlädt. Studieren in Münster – eine gute Wahl!

Prinzipalmarkt: Blick auf das Rathaus des Westfälischen Friedens. Foto: Grafenstein

 

Heinrich Heine über die Westfalen

November 10, 2015

Dicht hinter Hagen ward es Nacht,
Und ich fühlte in den Gedärmen
Ein seltsames Frösteln. Ich konnte mich erst
Zu Unna, im Wirtshaus, erwärmen.

Ein hübsches Mädchen fand ich dort,
Die schenkte mir freundlich den Punsch ein;
Wie gelbe Seide das Lockenhaar,
Die Augen sanft wie Mondschein.

Den lispelnd westfälischen Akzent
Vernahm ich mit Wollust wieder.
Viel süße Erinnerung dampfte der Punsch,
Ich dachte der lieben Brüder,

Der lieben Westfalen, womit ich so oft
In Göttingen getrunken,
Bis wir gerührt einander ans Herz
Und unter die Tische gesunken!

Ich habe sie immer so liebgehabt,
Die lieben, guten Westfalen,
Ein Volk, so fest, so sicher, so treu,
Ganz ohne Gleißen und Prahlen.

Wie standen sie prächtig auf der Mensur
Mit ihren Löwenherzen!
Es fielen so grade, so ehrlich gemeint,
Die Quarten und die Terzen.

Sie fechten gut, sie trinken gut,
Und wenn sie die Hand dir reichen
Zum Freundschaftsbündnis, dann weinen sie;
Sind sentimentale Eichen.

Der Himmel erhalte dich, wackres Volk,
Er segne deine Saaten,
Bewahre dich vor Krieg und Ruhm,
Vor Helden und Heldentaten.

Er schenke deinen Söhnen stets
Ein sehr gelindes Examen,
Und deine Töchter bringe er hübsch
Unter die Haube – Amen!

 

Heinrich Heine: Deutschland. Ein Wintermärchen; Caput X.

Bildung in Beton: Universitätsgründungen der 1960er Jahre

Juli 26, 2014
Die Kugel - der zentrale Treffpunkt der Uni Regensburg.

Die Kugel – der zentrale Treffpunkt der Uni Regensburg.

Im Vergleich zu zwei anderen Campus-Uni-Neugründungen der 1960er Jahre, Bielefeld und Bochum, bildet die mehrfach preisgekrönte Uni-Architektur in Regensburg geradezu einen aufgelockerten, spielerischen und abwechslungsreichen Bildungstempelbezirk. Bochum und Bielefeld erscheinen hingegen als vergleichsweise monotone Bildungsfabriken gigantomanen Ausmaßes.  Am schönsten gerieten in Regensburg das Verwaltungsgebäude mit Zentralbibliothek und die Agora davor. In anderen Teilen der Universität kommt man sich vor wie in einem gelandeten Raumschiff aus Scifi-Filmen, in anderen leider wie in düsteren Katakomben.

Die Universitätsarchitektur in Regensburg, die von mehreren Architekten in stilistisch unterschiedlichen Würfen zusammengestellt wurde, betont eher die Unterschiede zwischen den Fakultäten, während in Bochum oder Bielefeld alle Fakultäten in gleich aussehenden „Schiffen“ bzw. Gebäudetrakten untergebracht sind. In Bielefeld sind sogar alle Fakultätsgebäude durch ein überdachtes Zentralgebäude miteinander verbunden, was den fächerübergreifenden Austausch fördern soll, sich im Sommer aber durch das Glasdach auch aufheizt.  Im Gegensatz zu Bochum und Bielefeld schmiegt sich die Uni-Architektur in Regensburg an die Landschaft an, sodass sie im Stadtbild nicht heraussticht. Durch ihre aufgelockerte Aufstellung kann die Uni Regensburg auch in alle Richtungen durch Neubauten erweitert werden, was in Bielefeld nur unter Abrücken von der baulichen Einheit möglich ist.

Trotz der Auflockerung fand ich die Sichtbeton-Architektur, in der es an vielen Stellen bröckelte und tropfte, in Regensburg doch auch recht bedrückend. Insbesondere das Audimax-Gebäude und das PT-Gebäude sind etwas lichtlos.

Dies gilt natürlich besonders für den unterirdischen Lieferbereich, der für die Trennung von Kraftfahrzeugverkehr und Fußgängerverkehr auf zwei Ebenen sorgt, sodass sich Studenten und Lieferanten und Autos nicht ins in Gehege kommen.

Die Campus-Architektur aus einem Guss ist verglichen mit Alt-Universitäten natürlich sehr zweckmäßig und praktisch, abgesehen davon, dass sie gedanklich kompromisslos auf die Zukunft einstimmt. Etwa im Regensburger RW-Trakt: Die rechtswissenschaftliche Literatur, die Vorlesungssäle und die weiträumige und helle Cafeteria befinden sich unter einem Dach, sodass man alles trockenen Fußes erreichen kann. Dies gilt aufgrund überdachter Verbindungswege für das gesamte bebaute Universitätsgelände.

Die Uni-Regensburg hob wie erwartet die Bildungsreserven Ostbayerns und trug mit zur Entwicklung der früher strukturschwachen Region bei, was sich daran zeigt, dass sie zeitweise von Lehramtsstudenten dominiert wurde. Denn der Beruf des Lehrers gehört zu den wenigen akademischen Berufen, den Kinder aus Nicht-Akademiker-Familien aus eigener Anschauung kennen und den sie daher bevorzugt anstreben. Darüber hinaus entfaltete die Regensburger Universität aber keine besondere Anziehungswirkung, obwohl die Altstadt Regensburgs der Heidelbergs an Schönheit gleicht, sodass sie auch nicht die LMU München so entlasten konnte, wie es angestrebt worden war.

 

Universität Bielefeld im Bild:

https://www.flickr.com/photos/vongrafenstein/sets/72157644958751144/

 

Ruhr-Uni Bochum im Bild:

https://www.flickr.com/photos/vongrafenstein/sets/72157644548439939/

 

Universität Regensburg im Bild:

https://www.flickr.com/photos/vongrafenstein/sets/72157644255510865/

 

Weiterführende Lektüre:

Ein Campus für Regensburg, Konzeption – Architektur – Kunst, 40 Jahre Universität Regensburg 1967-2007

(http://www.amazon.de/Ein-Campus-für-Regensburg-Architektur/dp/3930480638).

 

Diederich Heßlings Erlebnisse als Corpsstudent

Mai 23, 2014

Mein Aufsatz „Die Darstellung des Corpsstudententums in Heinrich Manns ‚Der Untertan'“ ist in Einst und Jetzt – Jahrbuch des Vereins für corpsstudentische Geschichtsforschung (Bd. 59) erschienen.  Er arbeitet heraus, dass die Schilderung der Erlebnisse des Diederich Heßling in der Studentenverbindung „Neuteutonia“ satirisch zu verstehen und vor dem Hintergrund der zeitgenössischen Karikierung des Corpsstudenten in Blättern wie dem „Simplicissimus“ zu sehen ist.  Einige Sonderdrucke des Aufsatzes können auf Anfrage über mich bezogen werden.

Münster: Schlafmob auf dem Prinzipalmarkt

Juli 2, 2013

Um 17 Uhr fand heute ein Flashmob auf dem Prinzipalmarkt statt, zu dem die Asten der FH und der Universität aufgerufen hatten, um auf die „desaströse Wohnraumsituation“ in Münster hinzuweisen.

Auf den Satz „Gute Nacht“ hin, gesprochen durch ein Megaphon, legten sich die teils mit Schlafutensilien ausgerüsteten Teilnehmer kreuz und quer auf die Straße und blockierten den Bus-, Fahrad- und Fußgängerverkehr.  Beim Satz „Guten Morgen“ standen alle wieder auf und gingen ihrer Wege.

Hinlegen

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Historische Bildungsstätten in Nordrhein-Westfalen II: Ruhr-Universität Bochum

Januar 16, 2013

Die von weitem sichtbare Ruhr-Universität Bochum (RUB) wurde eröffnet, als man auf konservativen Geschmack bei der Errichtung von Betonarchitektur keine Rücksicht mehr nahm – in den 1960er Jahren, als erste Universitätsneugründung in der Bundesrepublik Deutschland nach dem 2. Weltkrieg. Jetzt stand sie unverhüllt da, die Moderne. Die weitläufige Campus-Universität  des Architekten Helmut Hentrich ist aus der Vogelperspektive ein großer Wurf: Sie ahmt mit ihren langgestreckten Gebäudequadern samt Kaminen eine imposante Flottenformation großer Dampfschiffe nach, die in Reih‘ und Glied am Rande des Ruhrgebiets in die Landschaft sehen. Die Fakultäten der Universität verteilen sich auf die einzelnen „Schiffe“. Die Menschen, die dort studieren und arbeiten müssen, leiden freilich etwas unter der bei schlechtem Wetter sehr tristen Hässlichkeit und mittlerweile auch Baufälligkeit der Anlage, die aus der Nähe betrachtet sichtbar wird. Eine der Legenden, die sich um die Beton-Armada ranken, lautet, dass sich einige Studenten von den Geländern der Schiffen in den Tod stürzten  bis bauliche Sicherungsmaßnahmen eingeleitet wurden.

Durch den Bau der Ruhr-Uni sollten nunmehr die Bildungsreserven in der Arbeiterschicht gehoben werden, nachdem die große Zeit des Kohleförderung im Pott an ihr Ende gekommen war. Im Kaiserreich war man noch darauf aus, die Universitäten möglichst fern der „roten“ Kohlereviere zu errichten, damit sich Studenten und Arbeiter nicht aneinander revolutionär entzündeten. So entstand eine Art Universitätsring im heutigen NRW in einem Sicherheitsabstand um das Ruhrgebiet herum. Provinzmetropolen wie Münster wurden so Universitätsstandorte. Entgegen den Befürchtungen der einstigen Revolutionsangst war aber dann die RUB unter ihrem seinerzeitigen Rektor Kurt Biedenkopf, der eine junge Professorenschaft anführte, eine eher ruhiges Pflaster während der 68er-Studentenunruhen in Europa: In Bochum wirkten eher Pioniere als Revolutionäre. Zumal in den roten Siebzigern versuchten zwar kommunistische Gruppierungen von der RUB aus in die Arbeiterschaft der ebenfalls neu errichteten Opelwerke in Bochum hineinzuwirken, dies scheiterte jedoch wie alle diese illusionären Projekte.

Die Fotoserie zeigt die RUB bei durchwachsenem Wetter:

Ruhr-Universität Bochum

Mit Nachhilfeunterricht den Horizont erweitern

März 29, 2011

Dresdener ZwingerMit Peiqi, meiner letzten Sprachschülerin in Bayreuth, bei einem landeskundlichen Ausflug nach Dresden. Ich gab der chinesischen Studentin aus Tsingtao Nachhilfe in Deutsch. Ausländischen Studenten Nachhilfeunterricht zu geben, kann ich nur empfehlen, man lernt viel sowohl über sich selbst und das eigene Land, als auch über andere Länder, Kulturen und Sprachen.